Papa sitzt (Teil 1)

Immer bekam ich beim Sitzen Kopfweh. Deshalb habe ich mich jetzt eineinhalb Jahren (oder knapp 2) nicht mehr hingesetzt. Alle Arbeit am Computer habe ich im Stehen gemacht, alles Lesen im Liegen. Gegessen habe ich auf der Couch – Restaurants gemieden. Und auch alles andere, wo man sitzen muss. Wer nicht mehr sitzen kann, der hat die Zivilisation (so wie sie jetzt und hier ist) ein großes Stück weit verlassen. Denn Sitzen gehört zum Geschäft und ist so stark in unser Leben integriert, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken; ich habe es am eigenen Körper erfahren, wie es ist, wenn man nicht mehr sitzen kann. Die ganze Geschichte will ich hier erzählen.

Lange quälte mich Kopfweh. Bis zu 5 Mal die Woche, bis zu 10 Stunden am Tag. Doch diese infernalen Zeiten sind lange her. Letzten Sommer, das war schlimm.

Ich selbst glaube lange, es wäre der Handymast genau gegenüber von unserem Schlafzimmer. Ich wusste, dass er wegkam – das ganze Nachbarhaus wurde abgerissen. Und jeden Tag wartete ich, ob es heute so weit war. Doch als der Handymast endlich weg war blieben die Kopfschmerzen.

Leider konnte mir die deutsche Ärzteschaft nicht helfen. Ich ging zum Röntgen und zur Massage. Fango und Training für den Rücken. Ein Kernspin hatte ich schon einige Zeit vorher machen lassen, da mir immer schwindlig war und ich hatte Angst, es wäre ein Gehirntumor.

Zusätzlich fühlte ich dem Schmerz immer weiter nach, bis mein Verdacht bei meinen Zähnen landete. Um es zu prüfen steckte ich mir einen Fingernagel zwischen die Zähne, die sich irgendwie „eng“ anfühlten. Der Fingernagel brachte wirklich eine Erleichterung bei akutem Schmerz.

Der erste Zahnarzt (in Bogenhausen) war so schlecht, das könnt ihr gar nicht glauben. Bei dem zweiten ließ ich zwar viel Geld (700€), dafür hatte ich dann aber eine sogenannte Schiene für unten. Die sollte das Abreiben der Zähne verhindern und zusätzlich den Druck verteilen. Zu anfangs trug ich die Schiene Tag und Nacht. Der Zahnarzt hatte auch Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion (CMD) festgestellt. Der Schmerz ebbte in den nächsten Wochen zurück (noch nicht ab) – aber war nun nicht mehr nur einseitig, sondern mal hier, mal da.

Ratet mal was: Die Praxis, in der ich schon seit Monaten die Massage machen ließ, war spezialisiert auf CMD! Und sie hatten die Schmerzbeschreibungen nicht erkannt. Ich war echt sauer. Sie sagten: da brauche man jetzt ein anderes Rezept und blablabla. Ich ließ es noch einmal machen. Es half aber nichts.

Ich fing an mit Autogenem Training, Meditation und Yoga. Die Muskeln spürte ich immer genauer und mit der Meditation war ich erfolgreich – ich schwärmte davon, da es mich an meinen einzigen Drogentrip (im Krankenhaus, Dipidolor) erinnerte. Und ich konnte allein durch Meditation meine Körperwahrnehmung modulieren. Einmal fühlte ich mich an, wie das Michelin-Männchen, dann drehte sich alles, dann wuchs die Zimmerdecke bis ins unendliche, und ich wurde schwer… unendlich schwer… (das ist ein Teil des autogenen Trainings).

So das war der erste Teil. Doch die Aufarbeitung ist noch nicht vorbei.

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