Am Anfang dachte ich mir nichts böses

Vor ein paar Jahren, als ich Kinder bekam und wir uns der Gründungsinitiative anschlossen, die später das Polyhistoricum hervorbrachte, da dachte ich mir nichts böses. (Das war nicht die einzige Schul-Gründungsinitiative, der wir uns anschlossen.)

Unsere Kritik beschränkte sich damals nur auf die weiterführenden Schulen (die ja mittlerweile den absoluten Nullpunkt unterschritten haben). Dann entdeckten wir durch Elternberichte, wie katastrophal aber schon die Übergangsvorbereitungen sind, und weiter wie schlimm die Grundschule ist.

Die Grundschule, von der ich selber noch überzeugt war, hier ist das Leben noch in Ordnung!

Und innerhalb des letzten Jahres merkte ich, wie die Unis immer stärker in den neuen Industrie-Wahn hineingezogen werden. Auch hier spreche ich explizit nicht von den Professoren, die ich sehr schätze und die eine Höchstleistung abgeben. Ich spreche von dem Kasperle-Theater der Politik, das todernste Folgen hat.

Hier will ich auf einen sehr guten Artikel verweisen, den ich auch aus meinen persönlichen Erfahrungen nur allzu gerne unterschreiben würde (insofern wir ein Rechtsstaat wären und ich keine Verfolgung fürchten müsste).

http://www.graswurzel.net/329/exzellenz.shtml

Die Frage ist natürlich jetzt: Was ist unser nächster Schritt? Die Politik hat sich verschworen (Konsens gegen Familien) uns alle als Steuernummern zu sehen. Und will uns jetzt nach allen Regeln der Kunst durchoptimieren. Bis Deutschlands Spitzenpolitiker endlich ganz vorne sitzen dürfen an der WEF-Tafel in Davos.

Mir schwebt seit geraumer Zeit schon die Idee einer anarchistischen Universität vor. Jeder!!! dürfte daran studieren, es gäbe auch keine Diplome (oder Bachelor-Master) oder Doktortitel mehr. Nicht einmal Professoren. Und auch keine benötigte Reife.

Was denkt ihr darüber. Dann wäre auch die Frage (bzgl. Homeschooling und Abitur) geklärt: „Und was machen die ohne Schulabschluss?“ Na was wohl: sie studieren, was sie interessiert, für was sie eine Leidenschaft haben.
Unter allen Bezahlungsformen, die der Mensch sich erdacht hat, ist das Zertifikat (oder Zeugnis) doch die niedrigste.

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7 Kommentare zu “Am Anfang dachte ich mir nichts böses

  1. Mir schwebt seit geraumer Zeit schon die Idee einer anarchistischen Universität vor. Jeder!!! dürfte daran studieren, es gäbe auch keine Diplome (oder Bachelor-Master) oder Doktortitel mehr. Nicht einmal Professoren. Und auch keine benötigte Reife.

    Ich finde die Idee hervorragend! Es ging mir schon zu meiner Studienzeit – lang ist’s her – so, daß ich das doch recht freie Lernen und die Horizonterweiterung an der Uni als sehr bereichernd empfand. Warum sollte das Menschen ohne Eintrittsticket (entsprechendes Zeugnis) vorenthalten werden? Man fängt oft erst bei der Beschäftigung mit etwas Feuer, wer vorher immer nur Programmen folgen mußte (Schule), weiß doch meist gar nicht, was wirklich das ist, was man vertiefen will.

    Eine nette Story aus dem Institut, an dem ich Geologie studierte:
    Einer der Dozenten – ich lernte ihn selber nicht mehr kennen, aber er soll sehr gut gewesen sein – hatte in seinem Zimmer alles Mögliche auf dem Boden rumliegen, auch seine Promotionsurkunde. Auf entsetzte Fragen antwortete er angeblich: „Ist doch nur ein Stück Papier.“ Er wurde später Prof an einer anderen Uni und ist mittlerweile schon emeritiert.

    Ich selbst habe mein Diplom-Zeugnis nie abgeholt. Nachdem ich mich nicht damit bewerben wollte, brauchte ich es nicht. Daß ich Geologie studiert habe und die Prüfungen und die Diplomarbeit mit gutem Erfolg abschlossen habe, weiß ich auch so.

    Ich bin sehr froh über meine Studienzeit. Ich habe dabei sehr viel gelernt, nicht nur Fachliches, sondern weit mehr. Ideal fand ich auch die Verzahnung von Studieren und Jobben in unzähligen verschiedenen Bereichen. Eigentlich war diese Zeit damals eine echte Lebensschule. Ich wünsche jedem, so etwas erfahren zu dürfen, wenn er/sie möchte.

    Was ich schon sehr hilfreich fand – und worauf man an einer freien Uni nicht verzichten sollte – sind begnadete Lehrende. Das müssen keine Profs sein, es können auch selbst Sudierende sein, aber manchmal gehören Profs in diese Kategorie.

    LG,
    Elisabeth

  2. Ich weiß mittlerweile auch gar nicht mehr wo mein Diplom ist:)
    Das mit der Anarcho-Uni ist zur Zeit ein Gedankenspiel.

    >>Warum sollte das Menschen ohne Eintrittsticket (entsprechendes Zeugnis) vorenthalten werden? Man fängt oft erst bei der Beschäftigung mit etwas Feuer, wer vorher immer nur Programmen folgen mußte (Schule), weiß doch meist gar nicht, was wirklich das ist, was man vertiefen will.

    Du sagst es! Humboldt wusste das auch schon, in seine Vorlesungen durfte jeder der wollte.
    Als „Profs“ stelle ich mir Feynman, Gandhi, Einstein, Turing u.a. vor. Aber wo finden wird die bloß?
    🙂

  3. Au ja! Profis wie Feynman: stell dir vor, wie *G*E*L*A*D*E*N* seine Vorlesungen, Seminare usw. wäre, wenn alle freiwillig dahin pilgern? (In den Staaten ist das Studium ganz anders aufgebaut wie hier, da gibt es weitaus mehr „Pflichtfächer“… da darf man davon ausgehen, dass die Studis nicht immer Interesse an der aktuelle Theme/Problematik haben…)

    Oder wie wäre es mit Chomsky? Seine linguisitsche Sachen sind gut, aber interessanter fände ich seine Politik“wissenschaft“… oder Dr. Paul Brandt (zur Thema Mensch, Medizin und Humanbiologie)? Oder Carnegie Mellon Professor Randy Pausch

    Ein Traum von Bildung…

    Bitte weiter träumen!

  4. Es gibt dort keine Noten, und niemand, der den anderen bewerten darf. Keiner der sagt, Deine Ideen sind eine 4 und meine stehen gar nicht zur Diskussion.
    Gespräche finden immer auf gleicher Augenhöhe statt und jede Forschung geschieht im Geiste des Austausches unter Gleichrangigen – nämlich von Mensch zu Mensch.

    Es gibt auch keine Zeugnisse, Empfehlungen usw. Diese stellen ja wieder den Schreiber über den Beschriebenen. Somit gibt es auch keinen Abschluss und damit auch keinen Schluss.

  5. Und da es keinen Abschluß und damit auch keinen Schluß gibt, gibt es auch keinen Zeitdruck. Das wäre für mich selbst das Wichtigste, glaube ich.

  6. (Papa)
    Wo liegen die Gründe für den aktuellen Zeitdruck im „Bildungssystem“?
    An den Unis konnte ich zwei Gründe identifizieren:
    1.) Professoren mit Ego-Problem
    Sie versuchen Forschungsprojekte ganz schnell durchzuziehen, noch bevor der Kollege aus dem anderen Stockwerk das gleiche Projekt beendet – sie bevorzugen diesen Konkurrenz-Modus gegenüber dem Kooperativen
    2.) Kosten – Vorlesungssaal-Mieten. Anwesenheit von jungen Leuten, die schon zum BIP beitragen könnten. usw.

    Diese Faktoren müssen wir eliminieren.
    Also Kostenfrei und Kooperativ.

    Denn eines weiß jeder: Gute Forschung und Bildung benötigen Zeit. Mit Druck erreicht man nur (das aktuelle Ergebnis) Müll.

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