Buchbesprechung – (Vorläufig) Jacques Derrida – Schurken

(Papa)

So Derrida habe ich jetzt gelesen. Und viel neues dabei gelernt. Zusätzlich habe ich es in 2 Tagen mit meiner neuen Lesetechnik durchgelesen. Deswegen ist diese Buchbesprechung auch nur vorläufig.

Derrida ist ein Philosoph und sein Gebiet die Dekonstruktion, das bedeutet er zerreißt/zerlegt Wörter und Sachverhalte und schaut was dann noch übrig bleibt.

Schurken, das sind alle Staaten. Der erste Schurke, das sind die USA. Das Recht des Stärkeren ist immer das beste. Denn der Stärkere, der macht das Recht (indem er sich zusätzlich das Gewaltmonopol sichert).

So nennt er auch die Fabel über den Wolf und das Lamm. Nachdem der Wolf in einem langen und überzeugenden Diskurs das Lamm überzeugt hat, dass es gefressen werden muss, kann er es fressen. Er fragt, wer ist nun nach unserer Sicht der Schurke. Der Wolf bestimmt nicht, denn er hat ja klar und deutlich das Recht auf seiner Seite und dieses dem Lamm auch dargelegt. Das Lamm ist trivialerweise auch nicht der Schurke.

So gibt es denn in unserer Welt eigentlich nur Schurken(-Staaten). In der Definition von Schurke (voyou) übrigens findet man, dass er ein Aussenseiter ist (seit Geburt) und ohne Vorwarnung angreifen kann.

Da es aber nur noch Schurkenstaaten gibt, ist der Begriff Schurke an sein Ende gestoßen. Somit gibt es den Begriff nicht mehr und auch keine Schurken mehr. Mit diesem löst sich jede Form des Krieges, auch den gegen den Terrorismus, und der Terrorismus selber in Luft auf. Denn Krieg (oder auch Terrorismus) braucht eine regionale Bindung, oder zumindest Staaten, die ihn unterstützen.

Das Ereignis, das er hier natürlich benennen muss, ist der 11.September. Hier flogen zwei amerikanische Flugzeuge, gestartet von amerikanischen Flughäfen, geflogen von in Amerika ausgebildeten Piloten in die Twin Towers. Dieses Ereignis erschütterte die Welt. Er führt aus, die eigentliche Erschütterung war, dass es kein Krieg mehr war, es gab keine Feinde mehr. Im kalten Krieg konnte man noch vom Selbsterhaltungstrieb des Gegners ausgehen, somit war die nukleare Abschreckung wirksam. Ab dem 11.September kann man auf diesen Selbsterhaltungstrieb nicht mehr zählen. Der Angriff kann überall und in jeder Dimension erfolgen. Eigentlich war das schon vor dem 11. September, doch dieser zeigte es medienwirksam weltweit.

In jeder Dimension, da die weltweite Ausbreitung von Nuklearwaffen außerhalb der USA nicht mehr kontrolliert werden kann.

Auch über die Demokratie geht es in diesem Zusammenhang. Anscheinend gibt es keinen einzigen Philosophen von Platon bis Heidegger, der dieses Wort wirklich gut fand. So beschreibt er es als etwas für Frauen (Platons Worte) und Kinder, ein wunderschönes glitzerndes Kleid, dass sich aber jeder anziehen kann. Da es ja ein Kleid ist. Und somit inhaltslos. So gibt es dann auch die liberale Demokratie, die sozialistische, die kapitalistische, die wehrhafte (von mir hinzugefügt) und die autoritäre Demokratie. Für jeden Geschmack ist was dabei (auch Indien und China). Auch die Rechtsradikalen sind seit neuestem lupenreine Demokraten.

Die Demokratie hat das Problem der Auto-Immunisierung. Das bedeutet ein Körper stößt ein körpereigenes Organ ab, und zerstört sich selbst damit (z.B. nach Transplantationen). So führt er den Fall Marokko an, wo, in einer demokratischen Wahl eine nicht-demokratische Partei zu gewinnen drohte. Hier griffen die Autoritäten durch und stoppten die Auszählung.

Ein anderes Problem der Demokratie ist natürlich das Wahlrecht. Gleichheit egal wieviel der einzelne vermag, das -sagt er- ist eine Perversion (er bleibt hier auch nie ohne Quellenangabe und rechtfertigt das sehr tiefgründig). Zudem wer darf wählen, Kinder, Bewohner, Leute, die das Land verlassen haben. Zudem hat das ganze auch noch psychologische Konsequenzen, so nennt er das Unterbewusste, das Über-Ich, das Ich-Ich. Aber die Schizophrenen stellen auch eine Frage.

Zusätzlich kommt die Frage der unbedingten Gastfreundschaft. Diese bedarf des Verzichts auf jedes Asylrecht und jeden Asylantrag. Jeder darf kommen, und wenn er denn da ist muss er auch wählen dürfen. Alles andere ist bedingte Gastfreundschaft. Eine bedingte Gastfreundschaft ist aber keine Gastfreundschaft. Somit ist ein Land mit Asylrecht nicht gastfreundlich.

Seine Quintessenzen sind, die Demokratie ist immer am kommen (a-venir), kommt aber nie an. Deswegen ein Gruß der kommenden Demokratie.

Und über die Vernunft muss man vernünftig nachdenken können.

Zusätzlich habe ich den Begriff der Aporie kennengelernt. Aporie bedeutet wohl ein philosophisches Problem, das nicht gelöst werden kann. Die Demokratie ist ein solches 🙂

Das klingt jetzt alles sehr verwirrend, der Original-Text ist aber noch verwirrender. Eben dekonstruktivistisch.

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Ein Kommentar zu “Buchbesprechung – (Vorläufig) Jacques Derrida – Schurken

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