Das Experiment – 6. Tag Computer spielen ohne Ende

(Papa)

So heute ist der 6.te Tag an dem Chopper so viel Computer spielen durfte wie er wollte.

Für alle, die hoffen, dass ungezügeltes Computerspielen abflaut und weniger wird, kann ich keine Entwarnung geben.

Es lag an Tag 4 bei 3 Stunden, sowie an Tag 5 bei 3 Stunden.

Heute lag die Zeit nur bei 1,5 Stunden (allerdings war auch Oma-Tag, also verbrachte er wenig Zeit zu Hause).

Von dieser Zeit ging aber verhältnismäßig viel Zeit an Spielen mit „echten“ Zügen. Zusätzlich baut er sich zur immer eine Grube und ist dann das Häschen (ich war ihn heute schon in der Grube -aus Kissen- besuchen).

Zum Schlafen hat er sich gerade seine Decke und sein Kissen auf die Couch (neben die Häschengrube) gelegt und schläft jetzt im Wohnzimmer (er summt noch, jetzt nur noch vereinzelt, jetzt wieder komplett).

Interessant ist die Aktivität in den Computerspielen (nach Häufigkeit absteigend):

1.) Dialoge mit den Videos (hier werden Fragen gestellt), die er beantwortet.

2.) Puzzles

3.) Songs

4.) sonstige Spiele (auch einen Vorläufer eines Jump’n’Run)

5.) allgemeines erforschen der Website

Zudem entspricht Montessoris Schwebeübung genau dem Umgang mit dem Touchpad (also der Notebook-Variation der Maus) – ist das schon mal jemandem aufgefallen?

Seine Computer-Fähigkeiten sind jetzt schon recht gut. Also er findet sich auf der Website komplett alleine zurecht. Zudem kann er Browser-Tabs schließen.

In der Früh ist oft der erste Satz: Papa, Ich will „Thomas the Tankengine“ spielen. Was wahrscheinlich die meisten stören würde, und auch mich schon mehrmals in die Nähe brachte, das Experiment abzubrechen. Aber ich entschloss mich jedesmal (gemeinsam mit Mama) das Experiment weiterzuführen. Vertrauen ist Vertrauen und Freiheit ist Freiheit.

Es ist eigentlich optimal dieses Experiment in diesem Alter zu machen. Die Computerspiele sind alle noch komplett auf Lernen ausgerichtet, keine Gewalt, auch unbedarfte Eltern verstehen die Abläufe. Die meisten Eltern scheuen sich davor Kinder so früh vor den Computer zu setzen (besonders gebrannte Kinder wie ich).

Eine leichte Variation des „Settings“ habe ich allerdings vorgenommen. Er darf nicht mehr auf einem Stuhl sitzen. Da sass er immer so „schief“, jetzt steht er, da ist seine Haltung gut. Er hat es auch verstanden, er meinte zwar die Füße und der Bauch täten ihm dann weh, war aber einverstanden, dass er sich jederzeit hinlegen und ausruhen konnte.

Verhaltensveränderungen:

Zunächst einmal spielt er mehr am Computer. Zusätzlich spielt er aber auch viel mehr mit seiner Eisenbahn und realen Spielzeugen. Oft stundenlang.

Computerspielen und reales Spielen wechseln sich ab. Wobei ich das reale Spielen mittlerweile als länger einschätzen würde. Zudem kommen noch gemeinschaftliche Aktivitäten.

Zudem hält er jetzt auch Monologe vor dem Computer (oder Dialoge mit ihm) . Und weiterhin simuliert er mehrere Personen, wenn er „real“ spielt.

Das Computerspiel scheint seine Fantasie anzuregen. Er stellt z.B. Szenen von der Website nach

Mancher mag jetzt sagen: „Das ist doch keine Fantasie, das ist Nachstellung. Fantasie ist etwas Neues.“.

Ohne auf die Problematik der Existenz von Neuem einzugehen, will ich hier diesen Begriff erwähnen: Bootstrapping – er beschreibt, wie Computer fähig sind, die ganze Welt abzubilden, nur mit der 1 und der 0.

Suchtverhalten:

Bis jetzt habe ich keine Anzeichen für ein Suchtverhalten festmachen können.

-Er hört spontan auf zu spielen

-Reize, die ähnlich denen im Spiel sind, erwecken bei ihm kein Verlangen zu spielen

-Er reißt sich leicht los, wenn äußere Ereignisse Aufmerksamkeit verlangen

-Wenn Nami dran ist, zeigt er ihr sehr höflich alle Funktionen die er kennt, und fragt sie, ob er ihr helfen kann.

-Keine Wutanfälle bei Ablenkungen oder Unterbrechungen

Eine einzige Sache ist heute einmal passiert:

Chopper hat nach einem kurzen Streit über ein reales Spielzeug den Rückzug angetreten und sich in die Computerspiele-Welt geflüchtet. Allerdings nur kurz, dann ist er anderen Beschäftigungen nachgegangen. Er hat also die Möglichkeit genutzt die Situation aufzulösen und ist nicht in der „Flucht“ verharrt.

—-

Nachtrag zu Islas Kommentar (eigentlich soll man ja in den Kommentaren kommentieren, aber diesen Nachtrag will ich lieber direkt beim Artikel haben):

Chopper ist wirklich nach stundenlangem Alleinspielen (mit realen Zügen) aus seinem Kinderzimmer zu mir gekommen und hat gesagt: „Mir ist langweilig“ (sonst hat er das nur ein paarmal in der Selbstbeschäftigungszeit gesagt – mittlerweile aber nicht mehr).

Ich habe mich dann zu ihm gesetzt (in den Playroom) und er hat wieder angefangen alleine zu spielen. Nach kurzer Zeit wieder komplett ohne meine Beteiligung (so dass ich unauffällig den Raum verlassen habe).

Was ich interessant fand, ist dass er wider Erwarten nicht an den Computer ging, ja nicht einmal erwog. Hier fehlt mir aber noch eine Interpretation (hat jemand Vorschläge)

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5 Kommentare zu “Das Experiment – 6. Tag Computer spielen ohne Ende

  1. Sehr interessant euer Projekt. Ich bin gespannt, wie’s weitergeht.
    Allgemein habe ich kein Probleme mit Medien, soweit ich sehe, dass das Kind sich von selbst lösen kann, und der Computer nicht einen größeren Platz einnimmt, als die reale WElt.

    Ein anderer Punkt, der für mich wichtig ist, ist dass ein Kind, was freien Zugang zu Medien hat (TV, computer, Gameboy) kaum in den Genuss von Langeweile kommt.
    Und Langeweile ist sehr wichtig im Hinblick auf Kreativität, eigene Lösungen finden, sich mit sich selber auseineander setzten, etc.
    Bei uns war es so, dass die Außenwelt zunehmend langweiliger wurde (über einen längeren Zeitraum hinweg), und Computer oder TV das einzig ‚richtige‘ wurden.
    Ich habe Langeweile? Ach dann schau ich eben fern. (Berieselungsfaktor)

    Aber wie man auf diese Freiheit reagiert, denke ich ist von Kind zu Kind ganz verschieden.
    Ich hatte freien Zugang zum Fernseher, aber für mich war er nur ab und an interessant (das Angebot war aber auch noch nicht so groß).
    Mein (7 Jahre)jüngerer Bruder hatte ebenfalls freien Zugang zum Fernseher, und er verbrachte fast seine ganze Kindheit und auch Jugend davor! (allerdings gab es da schon die privaten Sender)

  2. (Papa)
    Hi Isla, ich habe einen Nachtrag zu der Langeweile direkt im Post gemacht.
    Ich habe es damals sogar ohne private Sender zu einem 8+ stündigen Fernsehkonsum gebracht, als ich noch klein war. Z.B. habe ich Am-Dam-Des nur angeschaut, um zu wissen, wann es vorbei war. Auch andere Sendungen habe ich aufgepeppt (z.B. habe ich aus Tennissendungen in meiner Fantasie Ritterspiele gemacht).
    Hauptproblem war, meine Mutter war in der Arbeit und in der Nachbarschaft kannte ich niemanden. Ich war ja unter der Woche den ganzen Tag in einer Ganztagsschule, kannte folglich kein einziges Kind in der Nachbarschaft – alle meine Schulfreunde wären nur mit dem Auto erreichbar gewesen.

  3. …also, die Frage ist ja jetzt, was Du für Schlüsse aus dem Experiment ziehst.
    Ich meine, wenn das so für Chopper funktioniert, ist es doch vollkommen okay.
    Heisst dann aber nicht, dass es für ALLE funktionieren wird/muss/kann.

    Auf der anderen Seite: Wie würdest Du dann reagieren, wenn Du bemerkst, dass diese bestimmte Freiheit Chopper irgendwann nicht mehr gut tut?
    Wie denkts Du, wirst Du damit umgehen?

  4. (Papa)
    Hi Isla, und alle, erst einmal, es tut mir leid, dass ich es nicht schaffe alle Kommentare zu beantworten.

    Bis jetzt ziehe ich noch keine Schlüsse daraus. Für einen Abbruch gibt es auch noch keine Gründe.
    Verallgemeinern kann man auch bestimmt aus dieser einen Erfahrung nicht.
    Ich würde mich freuen, wenn ich noch ein paar Erfahrungsberichte bekommen würde.

    Zunächst will ich mal schauen, wo es sich einpendelt und was daraus wird. Ich werde alle 3 Tage einen Statusbericht geben 🙂
    Mit dem heutigen Tag bin ich eigentlich sehr überrascht zufrieden – im nächsten Statusbericht wird dann wahrscheinlich auch Deine Frage beantwortet, wie ich damit umgehen werde 🙂

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