Das Experiment – Computerspielen ohne Ende ?

Inspiriert von unerzogen und www.heuler.de gehen wir den nächsten Schritt in die „Erziehung“ in Freiheit.

Herr Heuler hat folgende Liste an Fragen auf seinen Seiten (inklusive Blog) den ich allen sehr empfehlen kann.

  • Darf mein Kind fernsehen wann es will und so viel es will? – Nein, der Fernseher ist aus
  • Darf mein Kind ins Bett gehen, so spät es möchte? – Ja, mittlerweile
  • Darf mein Kind nach Hause kommen, wann es will? – Trifft noch nicht zu
  • Darf mein Kind essen, wann es will und was es will? – Ja, wann es will und alles außer Zucker (diesen erst, wenn es lesen und schreiben kann, somit die motorischen Fähigkeiten für Zähneputzen hat)
  • Darf mein Kind selbst entscheiden, wann und ob es sein Zimmer aufräumt? – Ja, aber einmal in der Woche kommt unsere Haushaltshilfe. Sollte etwas besonderes aufgebaut sein, räumt sie drumherum.

Punkt 1 handelt ja von Medien. Da bei uns der Fernseher aus ist, kommt eigentlich nur der Computer in Frage.

Früher gab es die Regel, sobald es Dunkel ist eine halbe Stunde spielen (oder auch eine Stunde).

Die wurde jetzt umformuliert in:

Du darfst wann und solange Du willst spielen.

– Zusätzlich hat er nur einen begrenzten Spielraum (also http://www.thomasandfriends.com/de/games.html), damit es in einer kontrollierten Umgebung stattfindet. Manchmal braucht Mama auch ihren Computer (aber nur, wenn sie ihn wirklich braucht) oder die Batterie zu Ende ist.

Es gibt keine Unterweisung, Hilfe nur insofern, als er sie verlangt. (z.B. Adobe Flash Playern angehalten, Technische Probleme)

Es sind nun 3 Tage mit dieser neuen Regel vergangen, und es ist Zeit für eine Zusammenfassung.

Tag 1:

Chopper spielt ungefähr eine Stunde, dann wird hört er auf. Warum weiß ich nicht.

Er dehnt seine Erkundung auf die ganze Website aus, kennt sie bald erstaunlich gut.

Tag 2:

Mama zeigt ihm die Seite in UK. Hier gibt es ungefähr 10* so viele Spiele, Videos und etc.

Er spielt 2* eine Stunde. Hört aber sofort immer bereitwillig auf, wenn Mama den Computer braucht. Manchmal hört er auf und stürzt zu seinen „echten“ Zügen. Baut Gleise wie wild und singt dabei wild Lieder.

Tag 3:

Er spielt sehr oft. Insgesamt 3 Stunden. Hört bereitwillig auf. Spielt auch wie wild mit den „echten“ Zügen. Verhältnis ungefähr 1:1. Das erstaunliche war, wie er der Nami beim Spielen geholfen hat (die ja noch gar nichts damit anfangen kann – viel zu kompliziert) und wie er seinen Frozen Joghurt geteilt hat. Er hat abwechselnd alle Familienmitglieder gefüttert. Sein Gerechtigkeitssinn, der schon sehr weit entwickelt ist, hat einen neues Niveau erreicht. Er verteidigt jeden gegen Ungemach in einer Weise, die mich zu Tränen rührte.

Zudem fing er an bei manchen Dingen dem Computer ewig lange Monologe zu halten. Leider musste ich aus dem Raum bleiben, da ich nicht stören wollte (die Sprache hat sich bei Chopper sehr spät entwickelt und immer noch sehr langsam).

Zusammenfassend kann ich nicht über das Abflauen seiner „virtuellen“ Spieletätigkeit berichten, wie das so mancher vielleicht gerne hören würde (vielleicht sogar ich selbst). Jedoch knobelt er richtig an Problemen herum und seine „echten“ Interaktionen werden irgendwie belebter und „erfüllter“. Auch seine Gestik und Artikulation scheinen zu profitieren.

Eine Sache ist noch wichtig denke ich: Wir lassen Chopper zwar mit dem Computer allein, aber wir lassen ihn nicht allein. Ich höre mit einem Ohr immer, welches Video er gerade anschaut, oder bei welchem Spiel er gerade frohlockt (manchmal jubelt er richtig oder es schüttelt ihn vor Freude und einem zurückgehaltenen Jauchzen).

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7 Kommentare zu “Das Experiment – Computerspielen ohne Ende ?

  1. Nur eine ganz banale Frage hierzu:

    Darf mein Kind essen, wann es will und was es will? – Ja, wann es will und alles außer Zucker (diesen erst, wenn es lesen und schreiben kann, somit die motorischen Fähigkeiten für Zähneputzen hat)

    Worunter fallen Lebensmittel, die sich in Zucker verwandeln oder von natur aus ein hohen Zuckergehalt haben? (Also, Kartoffel, Äpfel, Mais, Trauben…)

  2. Wir hatten mal das selbe Experiment mit dem TV.
    Leider steigerte sich der Konsum immer weiter und das Programm sog meine Tochter förmlich in sich auf.
    Ich fand das sehr anstrengend, zumal in vielen Filmen viele Konflikte und Gewalt (ja, auch in Trickfilmen) dargestellt werden.
    Sie begann den Inhalt dieser Filme in unser Familienleben zu tragen, und das war garnicht gut.
    Mein Fazit war: Fernseher kommt in den Wandschrank, und Kinder dürfen Videos oder DVDs schauen, so viel sie wollen.
    Nun ist der Fernseher kaum noch interessant.

    Am Computer ist es ähnlich. Wenn ich Lisa lasse, dann sitzt sie den ganzen Tag davor und ist nicht mehr ansprechbar. Sie versinkt in ihre virtuellen Welten, und versinkt in Phantasiewelten, und findet nur schwer in die Realität zurück.
    Anders ist es mit Knobelspielen. Damit gibt es dieses Problem nicht.
    Dennoch findet sie es generell schwer, sich vom PC zu lösen, wenn ich sie einfach lasse. Sie findet immer wieder neue Dinge, die sie ja auch ausprobieren könnte, etc.

    Wenn sie zu viel vor so einem Kasten gesessen hat, bemerke ich, wie sie auch aggressiver wird und wir irgendwie ein familiäres Problem bekommen. (Vielleicht, weil sie sich dann zu wenig bewegt?)
    Allerdings ist Lisa älter als Chopper. Wenn Jamie (3,5) vor dem PC sitzt, schaut er sich auch gern Videos über DAmpfloks an, oder spielt Thomas. ABer irgendwann ist ihm das dann auch zu langweilig. Genau dasselbe, wenn wir eine DVD schauen – in der Mitte des Filmes hat Jamie schon keinen Bedarf mehr, weiter zu gucken.

    Daher denke ich: Nicht-erziehung hin oder her… man muss trotzdem immer ganz individuell hinschauen, da jedes Kind einfach ganz anders ist. Wie kann ich ‚Probleme‘ möglichst ’nicht-erziehend‘ lösen, oder auch mit dem Kind gemeinsam eine Lösung finden.

  3. (Papa)
    Ich war ungefähr 13+8 Jahre Computerspiel- und fernsehsüchtig.
    Wie macht Ihr es jetzt? Reglementiert ihr? Wie? Wer entscheidet, wann zu Ende ist und was gesehen wird?


    Vielleicht sollte ich mir abgewöhnen zu sagen: „Zucker“ und lieber „Süßigkeiten“ wählen 🙂
    Honig ist allerdings auch bei den Süßigkeiten dabei 😦

    Chopper und Nami haben diese Regel übrigens mittlerweile selber verinnerlicht. Also sie lehnen ab, oder kommen zu mir und fragen ob das „Adult Food“ ist (gilt auch, wenn ich in einiger Entfernung bin).

  4. Naja, der Fernseher ist ja im Wandschrank gelandet, und Video ist nicht so sehr interessant.
    Da reglementiere ich nicht.

    Beim Computer teilweise schon, wenn ich merke, dass sie nur noch aus Gewohnheit von einem zum nächsten klickt und eigentlich schon keine Lust mehr hat.
    Entweder muss ich dringend an den Computer 😉 oder der Computer selber braucht mal eine Pause. Der ist ja schon ganz heiß gelaufen. Nicht, dass er kaputt geht. 😉
    Oder ich bemerke, dass sie nach gesteigertem Konsum nicht mehr weiss, was sie außerhalb des PCs anstellen soll. Sie hängt dann rum und ihr ist nur langweilig, und es gibt nichts anderes mehr zu tun. Sie kommt mir dann so abgestumpft vor… Kann mir vorstellen, dass das ein Problem von vielen Jugendlichen und auch Kindern ist, die viel PC und Fernsehen haben.
    Also…ich bin da vorsichtig.

    Gestern abend haben Lisa und Jamie beide gespielt, und ich wollte mich eigentlich nur ausruhen. Ich bin tatsächlich eingeschlafen, und die beiden sind dann – irgendwann – wohl allein ins Bett gegangen. Jedenfalls war der Computer eben abgeschaltet und beide liegen im Bett und schlafen.
    Das ist allerdings noch nie passiert. ABer- gut, dass man sich trotzdem auf die Kinder verlassen kann. Das Licht war aus und sie waren beide umgezogen, usw.

    Mein Problem ist, dass ich – je mehr ich vor dem PC sitzte- desto schlechter kann ich mich lösen. Ich selber finde es dann auch schwierig, wieder ‚zurück‘ zu kommen.
    Gerade, wenn ich viel lese und research betreibe.
    Und das ist das, was ich bei Lisa auch beobachtet habe. Wenn sie anfängt, bei ‚My little ponys‘ oder soetwas Phantasiespiele am PC zu spielen, dann wird es schwierig.
    Wenn es nur Knobelspiele sind, ist es nicht so das Problem.

  5. Hm.

    Also, Zucker ist es nicht, sondern „Süßigkeiten“… aber warum sagt ihr „Adult-food“ (klingt irgendwie X-rated! 😉 )?

    (Mir fällt auf, dass ihr sehr bewusst einen „Erwachsenenrechtsystem“ habt, magst du etwas dazu schreiben? Mich interessiert, wie Heuleristen damit umgehen, die unterschiedliche Rechten/Pflichten, die ein Kind Mensch z.B. nicht hat, gegenüber einen ErwachsenenMensch… Wonach richtet ihr euch? Wieso? Was sind Rechten, was Pflichten?)

    Zu den Medien.

    Sowohl mein Mann wie ich waren eine Zeitlang süchtig. (Und bloggen könnte man ruhig dazu nehmen… 8) !)

    Für uns als Erwachsene sehe ich ein Teil der persönliche Biographie als hinderlich: der Tatsache, dass man eigentlich als junge Mensch sehr wenig Zeit und Möglichkeit hat, sich selbst zu sein, eigene Interessen nachzukommen (sprich: Schule). Konkret ist es so, dass ich bewusst mich erinnern kann, wann wir einen (ersten) Fernseher bekamen, das war dennoch uninteressant, da ich noch so jung war, dass mein Alltag aus spielen, phantasieren, entdecken und forschen bestand (mit oder ohne andere Kinder). Später, da war ich in der 8ten Klasse, hatten meine Eltern einen Commodore Vic 20 gekauft. Da gab es auch nicht viel (außer programmieren), was man damit machen konnte (also, programmierte ich).

    (So, ich bin einfach SOOO alt, da gab es irgendwann ATARI’s, hatten wir aber nicht, da kenne die Nachbarskinder: Stundenlang hockten sie daran. Auch ferngucken war nicht viel drin: kein Kabel, viel Ameisen Fußball…)

    Später, als das Schulleben dann doch „übermächtig“ würde, mehr in den eigenen Alltag drang (sprich: Freizeit), gab es Kabel bei uns, und etliche Spiele für den neuen Rechner usw. Da gab’s auch die Mittagsgespräche (auf der Ganztagsschule): hast du gesehen [Fernsehprogramm] gestern? Oder ich habe Level XY erreicht… eigentlich blöd. Wer nicht gesehen hat oder gespielt hatte, hatte nichts zu sagen.

    Wie regeln wir das?

    Fern gucken wir zusammen Samstagabend. So etwa eine Stunde. Wenn es ein Buchverfilmung ist, dann müssen wir vorher das Buch gelesen haben. Sonst sind es wirklich „Familien-freundliche“ Videos und DVD’s–ja, von den Eltern „genehmigt“. Heis begehrt sind diese Abende und wir haben eine eigene Familienkultur mit Zitaten, Lieder, Ideen usw. aus unsere Familienfernsehen–aber auch durch die etliche Bücher, die wir zusammen lesen… „Coons, Coons, verdammte varmints“ (aus Sterling North’s „Rascal“ ist momentan hoch aktuel!)

    Unsere Kinder haben zwei Rechner in ihren Zimmern (die Mädels, 11 und 9, sowie die Jungs, 7 und 4). Diese Rechner haben kein Internet zugang (hey, ich bin auch so aufgewachsen, ok?). Diese Rechner sind z.T. sehr alt und rudimentär eingerichtet. So entdecken vor allem die ältere Kinder (die jüngere gehen einfach kaum an ihren dran, da gibt es einfach vielzuviel andere interessante Dinge, Aktionen, Pläne, da arbeiten sie lieber mit Hammer und Säge…) forschen ihren Rechner: was ist da alles drauf? (War mein Arbeitsrechner, also viele Graphikprogramme usw.) Eine Handvoll CD’s mit spielen (und auch Hörcds) haben sie auch. Am liebsten „Smashhits“ rein und mit den Graphikprogramm etwas machen. Tochter 1 schreibt auch darauf einen Roman…

    Für den Rechner, müssen alle Pflichten erledigt werden (von Zähneputzen bis zum Ranzenpacken bzw. Hausaufgaben erledigt), ansonsten haben sie ihre Termine, die Uhr regelt das schon mit der Zeit.

    Nun ja, ein Gebiet, wo jede Familie es anders handhabt, gel?

    Ich merke in das schreiben hier, dass wir sehr bewusst mit unsere Regeln und unseren Alltag umgehen. Es gehört irgendwie zu unserem „Stil“ (?), dass die Kinder lernen zu verstehen, was Rechten, was Pflichten sind, zu erkennen, dass wir alle sie haben, einzusehen, dass Eltern (durch ihre Lebenserfahrung) eine weitere Sicht haben und dadurch doch manchmal das Gesetz bestimmen (dürfen). Ich beobachte in meinen Umfeld (auch virtuell), dass viele diese Dinge (Rechten und Pflichten) nicht auf ihren Programm haben, soll heissen: sie sprechen nicht darüber, sind entweder sehr streng (behalten alle Kontrolle) oder sehr locker (behalten keine Kontrolle) in der Erziehung ihrer Kinder.

    Ich freue mich bei dir zu lesen und zu erfahren, wie ihr das macht. Ich habe den Eindrück, ihr steht im Umbruch, trifft bewusst Entscheidungen, wie ihr etwas angehen wollt. Wenn ihr uns dann auch teilhaben lässt… wow! Vielen dank dafür!

  6. Hallo!

    Super, dass ihr uns an diesem Experiment teilhaben lasst! Ich lese mich gerade erst „von hinten nach vorne“ 😉 durch und bin sehr gespannt auf den weiteren Verlauf 🙂

    Fröhliche Grüße, Ulrike

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