Buchbesprechung – Die Entdeckung des Kindes (Maria Montessori)

Vorwort zu Buchbesprechung:

Meine Buchbesprechungen spiegeln nur meinen Wissenstand wieder. Es kann sein, dass ich etwas falsch verstanden habe, dass die Forschung schon viel weiter ist, oder ich in einem Monat mehr weiß und widerrufen würde.

Auch ist meine persönliche Meinung enthalten. Also wer das liest, bitte nicht für bare Münze nehmen. Es ist nur eine Meinung.

Sollte ich etwas falsch verstanden haben, bitte keine Scheu zeigen und mich korrigieren oder zu einem Diskurs herausfordern.

Zum Buch:

Die Entdeckung des Kindes stellt M.s Zusammenfassung ihrer Erziehungsmethode von Kinder vor.

Sie betont, dass das Kind am Anfang nichts kann, und dessen Geist nach Ordnung sucht. Nur das vollständige Absolvieren einer Erziehung, kann die vom Kind ersehnte Ordnung in den Geist bringen und ihn somit nutzbar für das Kind machen.

In herkömmlichen Schulen wird dieser Geist stattdessen gebrochen. Ebenso wird das Rückgrat gebrochen, dieses ist für sie der älteste und stärkste Teil des menschlichen Skelettes – durch Stühle, die die Bewegung zugunsten der (für Frontalunterricht) benötigten Stille einengen. Durch Pulte, die durch katholische Sexaversion, gut sichtbar erkennen lassen, was unter den Bänken vorgeht.

Sie baut auf Fröbel, Itard und Seguin auf, die schwachsinnige (Idioten) und fast Taube behandelten, und bemerkenswerte Erfolge erzielten.

M’s Kinderhäuser haben ein paar herausstechende Merkmale:

– Kinder sind Forschungsobjekte, die der Lehrer beobachten soll, und begleiten soll. Lehrer sind also Forscher

– Kurze Lektionen, knapp das wichtigste, ohne Umschweife erklären.

– Keine Hintergründe, nur die Fakten

– Sie sind im selben Haus, wie die Eltern.

– Sie ersetzen Stühle mit Teppichen

M. überträgt sehr früh, sehr viel Verantwortung an die Kinder. Wenn Kinder länger Zeit brauchen, gibt sie ihnen diese, und kritisiert die Herangehensweise der herkömmlichen Schule (und Erziehung) von Kindern die selbe Geschwindigkeit zu verlangen, oder sie z.B. einfach selbst anzuziehen, anstatt zu warten.

M. ist wohl berühmt geworden für die Stilleübung (das Kind lernt in einem sehr schönen Spiel (meiner Meinung) still zu sein) und für die frühen Erfolge beim Schreiben und Lesen.

Stilleübung (Kurzform):

1.) „Schaut mal so ist man still, tut es mir nach“ – warten, bis alle ganz still sind, auch die Bewegungen

2.) Verdunklung des Raumes, Atem der Kinder wird leiser.

3.) „Hört ihr den Hund draussen, hört ihr die Vögel mit den Flügeln schlagen?“

4.) M geht in Nebenraum, Tür einen Spalt offen, flüstern des Namens jedes Kindes. Das Kind kommt dann ganz leise herbei, und muss seine Freude unterdrücken.

Lesen/Schreiben (Kurzform):

-Buchstaben ausschneiden, Karton, Sandpapier draufkleben (fürs Fühlen).

-Buchstaben erkennen.

-Kinder können Wörter zusammensetzen – ohne sie zu lesen zu können. „Di Donato“ – „dieses T glaube ich wird in der Welt der Erziehung ein Wunder bewirken.“

-Kinder entdecken, dass sie schreiben können (Amok-Schreiben)

-Kinder können einfache Wörter lesen (Zuordnen von einem gelosten Wort zu dessen Gegenstand)

-Einfache Befehlssätze sind die Brücke zu richtigem Lesen („Gehe im Raum herum und öffne die Fenster“, „Hole 3 Kameraden und singe mit ihnen ein Lied“)

M. wird mit dem Phänomen der intrinsischen Motivation konfrontiert, kann es aber nicht verstehen, warum Belohnungen auf einmal uninteressant sind, sondern die Aufgabe die Belohnungen sogar vergessen macht.

Dies deutet sie an, dass sie es im Buch „Kinder sind anders“ noch einmal genauer untersucht. – Dabei erfahren wir, dass Kinder gar nicht anders sind, sondern der Originaltitel „Il segreto del‘ Infantia“ (Das Geheimnis der Kindheit) heißt. Da auch Erwachsene mittlerweile als Geheimnis gelten, ist der Buchtitel „Kinder sind anders“ verwirrend gewählt.

Besondere Erwähnung verdienen die „3 Zeiten“, das ist ein Erklärungsmodell, das in 3 Schritten abläuft:

1.) Das ist blau, Das ist rot

2.) Welches ist blau, welches ist rot

3.) Welche Farbe hat das

Zusätzlich hat die Sinneserziehung einen Grundsatz:

Dinge sind in einer Dimension verändert, in allen anderen konstant. Z.B. 4 gleiche Würfel, unterschiedliche Farben. Oder 4 gleiche Würfel, unterschiedliche Länge.

(es erinnert ein bisschen daran, wie Roboter Gläser greifen lernen).

Zusätzlich beschreibt sie auch noch die sensitive Phase:

Dies soll bedeuten, dass Kinder in den ersten 3 Jahren besonders gut lernen. Und dann noch mal besonders gut bis 6 Jahre. Das ganze ist etwas komisch, da Montessori sich nur mit Kindern in diesem Alter beschäftigt. Außerdem schreibt sie an mehreren Stellen, wie toll es wäre, wenn auch die weiterführenden Grundschulen sich solch toller Erziehungsmethoden bedienen würden.

Ihren Sohn Mario erwähnt sie in dem Buch in den höchsten und löblichsten Tönen.

Sie gibt auch noch viele verstreute Hinweise und leistet eine Menge Überzeugungsarbeit, zusätzlich gibt sie Tipps zu allen Fächern (auch Arithmetik, aber diese sind ja nicht spektakulär).

Zudem versichert sie, dass die Kinder auf jeden Fall phänomenal stille und andächtige Kirchgänger werden, mit dem allerhöchsten Respekt vor jeder einzelnen Hostie. Wahrscheinlich hätte sie der Papst sonst verbrennen lassen.

Kritik:

M. ist wohl der Feind jeder Kreativität und jeden Spiels, das für sie sinnlos ist. Kinder, die anfangen mit dem Lernmaterial „sinnlos“ zu spielen, denen muss es sofort weggenommen werden. Gezeichnet wird auch starr, damit am Ende „schöne“ Sachen herauskommen.

Auch das eigene Herausfinden ist für sie wohl ambivalent, da sie es sowohl als das wichtigste überhaupt ansieht, als auch eine Verschwendung von Energie. Das arme Kind könnte diese ja gezielt einsetzen.

Insgesamt muss man auf jeden Fall den geschichtlichen Kontext betrachten, M. war eine Frau, die im Rom von vor 100 Jahren sagte: „Kinder sind nicht böse, sondern gottgleicher als der Papst selber“.

Wir müssen ihnen nur die Chance geben sich entfalten zu können, anstatt sie in unser krankes System zu pressen.

Hut ab, auch wenn die pädagogischen Betrachtungen mittlerweile wohl eher historischen Wert haben, stellen sie doch einen der ersten Schritte in die Unschooler-Pädagogik dar.

Da M. hauptsächlich überzeugen will, ist es ein sehr langes und besonders langes Buch. Zudem ist es echt lang (im Verhältnis zum Inhalt). Es kommt selten was wirklich neues (vom heutigen Standpunkt aus).

Manchmal widerspricht sie auch ihrer eigenen Argumentation.

Dass M. ein Feind jeglicher Kreativität und jeglichen Spiels ist kann man auch an der Satzstellung erkennen. Sehr verkrampft und nur gut, wenn man einschlafen will. Vielleicht wollte sie aber möglichst wissenschaftlich klingen 🙂 Vielleicht ist aber auch nur die Übersetzung schlecht gewesen und M. ist ein genialer Schriftsteller. Das weiß ich leider nicht.

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