Es ist viel passiert

Zu viel um es detailliert zu beschreiben also kurz:

-Chopper hat eine neue Art zu schreiben entdeckt. Er verkrakelt die Buchstaben total. Im Gegensatz zur 1.Klass Schönschrift könnte man es Hässlichschrift nennen. Es hat aber einen immensen Wert, da ja Buchstaben immer ganz verschieden geschrieben werden, haben wir ja so etwas wie eine Idee von einem Buchstaben (sowie die Idee von einem Baum, während Bäume grundverschieden aussehen). Diese Abstraktion hilft ihm die „Idee des Buchstabens“ zu entdecken. Und es macht ihm Spaß.

-Heute hatte ich einen Termin in der Bank. Da ja Namis Geburtstag war und die Oma Geld für Namis Rollschuhe gab, fragte ich Chopper woher er glaubt, dass dieses Geld komme: Goldstückverleih (glaube ich war seine Antwort). Am Abend fragte ich ihn noch einmal: „Die Bank“.

-Im abendlichen Gespräch kamen wir auf das Thema Kindergarten zu sprechen. Am Tag hatte ein Kind geäußert, es würde die Schule lieben. (das gefällt den Herren Kultusministern – bei näherem Fragen, waren es aber leider nur die Freunde – da er in eine Ganztagesschule geht, hat er keine Freunde in der Nachbarschaft – darüber schon mal nachgedacht ? – Oder ist das Absicht).

Auf jeden Fall meinte Chopper, es habe ihm im Kindergarten sehr gut gefallen. Er erinnerte sich korrekt an alle anderen Dinge des Tages, an dem er im Kindergarten ausgelacht und ausgegrenzt wurde. Komisch? Ist das die Art Verdrängung, die uns in einer Gesellschaft leben lässt, die uns abstößt ?

-Der Bankberater, ein ganz junger Spund, frisch aus der Ausbildung, hat mich so genervt. Keinen Respekt für meine Zeit, als ob mein einziger Existenzzweck wäre, dass er Kundenkontakt üben darf. Ich wechsel die Bank, ich will nichts mit Leuten zu tun haben, die gerade aus der Schule kommen – da fehlt der Respekt gegenüber dem Mitmenschen.

-Gerade lese ich Montessori, Die Entdeckung des Kindes. Manche Ideen sind wirklich gut, vom System her, und ich kann sie auch gleich auf Chopper übertragen. Aber man merkt, dass sie vor 100 Jahren gewirkt hat. Besonders ihre Bastelanleitungen für ihr Spielzeug ist wirklich heftig und viel zu lange (und komplett off-topic). Außerdem hat sie ein Problem: Das Endprodukt ihrer Erziehung müssen gute Kirchgänger sein. Die Vergnügen und Freude daran empfinden, still zu sein und sich zum richtigen Zeitpunkt hinknien wollen. Sonst wäre sie im katholischen Italien von vor 100 Jahren nicht akzeptiert worden – und ihre Kinder auch nicht. Aber alles, was sie über Schulbänke und Stühle, sowie über die alte Schule sagt (die erstaunlich ähnlich zur heutigen Schule ist) stimmt voll und ganz.

-Eine Übung, die ich jetzt mache ist, dass ich immer ein Wort mit Straßenmalkreide auf die Straße schreibe. Chopper holt sich dann auch Kreide und mal es vergnügt nach. Er beweist auch jedesmal, dass er es funktionell abschreibt und nicht einfach kopiert. Nämlich: Ich schreibe BUTTER BROT. Er liest das Wort und fügt dann erst mal einen Bindestrich hinzu 🙂 BUTTER-BROT.

Dann schreibt er es ab. BUTA, dann wundert er sich und sucht die Unterschiede meiner Butter zu seiner Butter.

-Auch habe ich den Piaget-Test gemacht über die Volumenerhaltung, ich habe erst ein Glas mit ein wenig Wasser gefüllt. Ich habe ihn gefragt, wie viel ungefähr drin sei. Dann habe ich es umgeschüttet (in ein Glas anderer Größe) und ihn gefragt, ob es jetzt mehr, weniger oder gleichviel ist. Er überlegte kurz und sagte: Gleichviel. Dann habe ich noch die Position des Wortes Gleichviel variiert: also noch mal umgeschüttet und gefragt: Mehr, Gleichviel oder Weniger? Wieder Gleichviel.

Dann wiederholte ich dasselbe mit „Luft in einem Röhrchen“, und stellte es Senkrecht und Waagerecht auf. Immer gleichviel.

-Nami und Chopper haben jetzt Rollschuhe und einen Scooter (Roller). Das mögen sie wirklich gerne. Während sie auf den Rollschuhen nur langsam vorankommen (Schritt für Schritt) und die Möglichkeiten auch nur ahnen, braust Chopper auf dem Scooter schon durch die Gegend.

-Es ist erstaunlich mit welcher Ignoranz und Intoleranz uns Politiker zur staatlichen (oder privaten – alles dasselbe) Schule bekehren wollen. Das wirft ein ganz schlechtes Bild auf die Schulen, wenn schon deren geistige Väter sich nur in Ignoranz und Intoleranz üben.

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4 Kommentare zu “Es ist viel passiert

  1. Montessori ging es vor allem um Freiheit der Kinder. Von Kirchgängern habe ich da noch nie etwas gelesen. 😉

    Ihre Pädagogik war auch im krassen Gegensatz zu dem damaligen autoritären System. Deshalb wurde ihre Pädagogik in den 30er Jahren auch wieder verdrängt (Freiheit und Würde des Menschen passen nicht zum totalitären System).

    Montessori selber wirkte aber noch bis 1950er. (Sie starb 1952, glaube ich)
    Vielleicht würde Dich auch Rebeca Wild oder John Holt interessieren?

    Zum Basteln: Man braucht keine komplizierten Anleitungen dafür. Da findet man ganz einfache im Netz oder man denkt sich selber etwas aus ;-), oder kauft sich sehr günstige Ausdruckvorlagen. (etc.)

    Um das nochmal gerade zu stellen: Ich bin kein Anhänger von Montessori. Aber ich finde ihre Entdeckungen/Beobachtungen sehr interessant.
    Letztendlich haben alle Reformpädagogen (Freinet, STeiner, Mason,…) versucht etwas positives für Kinder zu verändern und versucht die damaligen autoritären STrukturen aufzubrechen und die Würde des Kindes wieder herzustellen. Da denke ich dann immer nur: „Hut ab!“

  2. Also, ich habe auch einiges von Montessori gelesen. Gestört hat mich enrom, dass um diese Arbeit zu machen, sie ihr eigenes Kind abgab (es würde fremd erzogen).

    Ihre Beobachtungen finde ich sehr gut, aber die Schlussfolgerungen gehen in eine andere Richtung, als die meine.

    Ich schätze, ihre Pädagogik wird hier akzeptiert (auch seitens der Staat in Form von Schulpflicht), weil es immernoch eine starke Manipulationsmöglichkeit gibt. Da ist viel weniger eine freie Entfaltung in ihre Methode und viel mehr eine gelenkte Entwicklung… und das kann nur im Sinne des Staates sein!

    Dennoch, wenn man sich dies bewusst macht, ist ihre System (wenn man gezwungen wird, sich IN ein System seine Bildung zu „holen“) meilenweit besser (und Kindgerechter) als das herkömmliche staatliche Schulsystem… denn da kann das Kind seine Manipulation holen/bekommen, wenn es soweit für den jeweiligen Entwicklungschritt ist…

    Und zum Thematik Kirchgänger… eine gute Katholiken war die Frau nicht (aussereheliche Beziehung sowie uneheliches Kind, nicht gerade –oder vielleicht ganz genau?– katholisches Benehmen…), sie hat es auf jedenfall verstanden, wie man politik betreibt und das durchsetzt, was man durchsetzen will… sie hat ihre Ziele verwirklicht trotz oder wegen der soziale Korsette, in der sie sich befand…

    Vielleicht kann man daraus etwas lernen?

  3. (Papa)

    Hi, eine Diskussion über Montessori. Das ist schön. Ich will aber das Buch vorher noch zu Ende lesen. Wenn man aber bedenkt dass das vor 100 Jahren war, und Bildung ein derart politisches Minenfeld ist, dann kann man wirklich nur Respekt haben.
    Viele ihrer Schlüsse klingen heute zwar nahezu lächerlich, aber sie hat auf jeden Fall Vorarbeit geleistet, dass man für eine Pädagogik wohl doch eher das Kind beobachten sollte 🙂

    Politisch war sie wohl wirklich sehr fit. Vielleicht weil ihre Lieblingssätze zu sein scheinen: „Das überflüssige weglassen. Mit so wenig Worten wie möglich die Sache erklären“.

    Ihr Ansatz kommt mir auch sehr auf das Ziel ausgerichtet (also: das ist blau, das ist rot) und nicht auf die Hintergründe oder das Verständnis. Logisch, das soll ja vom Kind kommen.

    Ein Beispiel für Kirchgänger-Erziehung ist es, dass sie es als die höchste Entwicklungsstufe der Motorik ansieht, wenn ein Kind sich in der Kirche würdig bewegen kann (kein Lärm, …).
    Wahrscheinlich wäre sie im Rom von vor 100 Jahren ansonsten jedes Mandats entzogen worden.
    Damals wie heute war ja Sozialisation das allerwichtigste und nicht Bildung 🙂

    Holt habe ich vorletzte Woche gelesen. Freinet, Steiner und Wild kommen noch.

  4. Damals wie heute war ja Sozialisation das allerwichtigste und nicht Bildung

    Da erhebt sich mal wieder die Frage: Was ist eigentlich Bildung? Könnte dazu gehören, daß eine (gereifte*) Person weiß, wie man sich verhält, um nicht der Elefant im Porzellanladen zu sein? Und sich auch – wenn nicht tiefe Gründe zur Provokation rufen – aus einem inneren Antrieb heraus daran hält?

    Was Kinder betrifft: Ich meine, daß man beobachten kann, daß sie sich (ohne gereifte* Personen zu sein) in der Regel nicht wie Elefanten im Porzellanladen benehmen, nicht um zu gefallen, sondern aus einem freien inneren Antrieb.

    Der Mensch ist wohl einfach auf das Zusammenleben mit anderen Menschen hin ausgerichtet, da kann der Aspekt Sozialisation nicht aus dem Begriff Bildung herausgeschnitten werden.

    Was verstehst Du unter Bildung? Nur das Wissen und die Kenntnisse, den Forschertrieb und die Kreativität? Wer all das hat aber kein ethisches Empfinden, der baut mit Freuden Atombomben und ähnliches und testet diese auch aus. Menschliches ethisches Empfinden kann wohl nur im Kontext dessen gesehen werden, daß der Mensch ein soziales Wesen ist.

    ———————————-

    *) gereift könnte auch gebildet heißen, aber eben von innen heraus, nicht verbildet durch das Anpassen an von außen vorgegebene Maßstäbe

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