Die Entdeckung der Null

Chopper ist natürlich noch nicht so weit, dass er das Konzept der Null begreifen kann.

Jedoch ist gerade das Leerzeichen dran. Wie erklärt man das einem Menschen? Zum einen markiert es ja den Beginn des Wortes, aber auch das Ende des vorigen Wortes.

Nun ja, er entdeckt es auch ein bisschen beim Schreiben. Er schreibt MAMAPAPANAMICHOPPEROMAGRAN dann versucht er es zu lesen. Er schafft es natürlich immer, jedoch merkt er langsam, wie nützlich ihm doch ein Leerzeichen wäre.

Das entspricht Piagets Beobachtung, das ein neugeborener Mensch eine geraffte Version der geistigen Entwicklung der Menschheit durchläuft.

Auch hier gab es lange keine Leerzeichen (und noch länger keine Null) – war ja auch wenig Platz auf Steintafeln, und wie sollte denn ein Leerzeichen überhaupt aussehen? In Japan gibt es immer noch keine Leersymbol. Das ist sehr verwirrend, besonders für mich als Anfänger, aber unsere Haushälterin (sie ist Japanerin) hat uns gesagt, dass es auch Japanern Schwierigkeiten macht (in seltenen Fällen) den Text korrekt in Wörter zu zerteilen (Lexing) – man sieht also Piaget operiert auf einem streng westlichen Hintergrund und ist damit sehr kulturgebunden.

Ich mache zur Zeit eigentlich ein Pause mit Choppers Lese-„Unterricht“, irgendwie fühlt es sich so an, als ob er gerade selber auf Entdeckungstour gehen will. Und was soll ich hetzen, er hat alle Zeit der Welt 🙂

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4 Kommentare zu “Die Entdeckung der Null

  1. (Papa)
    Hi,
    deswegen habe ich „Unterricht“ auch in Anführungszeichen gesetzt.
    Aber ich gebe schon zu. Beim Lesen lernen geht viel von mir aus. Chopper ist generell, im Gegensatz zu Nami, noch sehr autoritär erzogen. Wir sind ja erst im Laufe der Zeit umgeschwenkt. Er muss diesen Schwenk mitmachen, und da er noch das erste Kind ist, wird auch manchmal etwas „gezogen“.
    Allerdings höre ich sofort immer auf, wenn er zu verstehen gibt, wenn es ihm keinen Spaß mehr macht.
    Vielleicht hört das „Unterrichten“ ja ganz auf – irgendwann.
    Wahrscheinlich sind wir aber keine „reinen“ Unschooler oder Homeschooler. Sondern ein Derivat, von dem wozu wir erzogen wurden, dem was wir gut finden, dem was uns im Moment sinnvoll erscheint.
    Generell merke ich, dass ich sobald ich eine Linie ganz „rein“ durchziehen will eine Sache verloren geht. Nämlich der Kontakt mit dem kleinen Mensch wird verdrängt durch den Kontakt mit dem Konzept Kind.
    Dann sage ich mir, STOPP, sei Du. Das ist hier kein System, es muss nicht für den letzten Affen funktionieren, Du musst Dich nicht festlegen. Du kannst aus Deiner ganzen Kreativität und Hingabe die Situation beurteilen und zu alten oder neuen Ergebnissen kommen.
    Also wundere Dich nicht, wenn manchmal der Unterricht durchscheint, wundere Dich nicht, wenn am anderen Tage die Selbständigkeit ungemein überwiegt.

    Ich bin ein Mensch und kein Konzept 🙂 Ich bin ein Organismus und kein System.
    Weise mich aber bitte weiter drauf hin, auf diese Ungereimtheiten, diese Hinweise von außen, sind es, die mich noch mal alles überdenken lassen. Und alte automatische Verhaltensweisen entdecken lassen.

    Vielen Dank
    Papa

  2. Entschuldige, wenn das falsch rüber gekommen ist. Das war nur ein Gedanke von mir. Gerade, weil Du auch von Piaget geschrieben hast.

    Konzepte sind immer gut für Denkanstöße, finde ich, können aber auch verwirrend werden, wenn man nicht mehr genau weiss, was bin ich, was ist Konzept?
    Authentisch sein ist wichtig – aber wann sind wir erzogenen und beschulten Menschen wirklich authentisch?
    Das sind so Dinge, die mir durch den Kopf gehen.

    Auf der anderen Seite entwickelt man sich sowieso immer weiter (naja, zumindest ist das wünschenswert 🙂 und was ich bei meiner ältesten noch mit einer gewissen Unsicherheit vertreten habe, kann ich heute mit (fast) vollem SElbstvertrauen leben. Chopper ist ja erst 3,5 (oder bereits 4?) und ich denke einfach, wir als Eltern müssen uns immer fragen, ob UNS etwas wichtig ist (in diesem Fall das Lesen) oder ob es wirklich vom Kind aus geht (oder erfüllt er Deine Wünsche oder Hoffnungen).
    Finde ich schon wichtig, darüber nachzudenken. Und das ist ja kein Kozept, wie Du schreibst, sondern einfach nur eine Frage. 😉

  3. (Papa)
    Ja Isla,
    ich glaube Du hast meinen Wunden Punkt getroffen. Bei Chopper schieben wir noch zu viel. Wir fühlen uns irgendwie so unter Druck, und ich wünsche mir auch eine Entlastung (also dass er auch mal selber was lesen kann), und lesen ist für mich auch wirklich wichtig.
    Für mich ist es keine Kulturtechnik, sondern eher so etwas wie eine Atemtechnik.

    Aber jetzt zur guten Nachricht 🙂 Das „Drücken“ fahre ich immer mehr zurück. Und umso mehr ich es zurück fahren, umso mehr kommen die Sachen von ihm.
    Nami kommt schon in den vollen Genuss, Chopper nur graduell.
    Und all unsere Umgebung sagt immer: „Das kann er doch noch nicht selbst entscheiden“ – das ist doch schon mal die halbe Miete 😉

    Mein großes Vorbild ist der „Heulerismus“ (http://www.heuler.de/)
    – Ich sehe aber schon, dass ich auch Deinen Blog noch genauer studieren werde.

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