Elmar der Rutschbahnhallodri

(Papa)
Letztens (am Samstag) waren wir auf dem Spielplatz (mal wieder).
Dort war ein kleines Kind namens Elmar und sein Eltern.
Elmar kletterte also auf dem Spielgerät herum. Dann hüpfte er auf der Hängebrücke. Schon kam sein Vater an: „Elmar, das ist nicht zum Spielen da. Kletter hoch, und rutsch runter. Dafür ist es da.“
Aber Elmar machte weiter Probleme. Er stieß sich den Kopf. Der Vater bekam einen Gesichtsausdruck, den aussah, als würde er folgende Gefühle alle zusammen wiederspiegeln: Oh Gott, Der Regenwald ist abgeholzt, die Flüsse sind ausgetrocknet, das jüngste Gericht steht vor der Tür, ich habe meine Steuererklärung vergessen, und wir werden alle sterben.

Ja, Elmar hatte sich den Kopf an einer Stange gestoßen. Weinte Elmar? Nein. Schrie Elmar? Nein. Verzweifelte Elmar an der Ungerechtigkeit der Welt und der Stangen insbesondere? Auch nein. Elmar machte, was die meisten Kinder machen, wenn sie sich den Kopf stoßen. Er fiel hin und stand wieder auf.
Dann kam der Vater: „Elmar, hast Du Dich verletzt? Tut’s Dir weh? Wo tut’s Dir weh? Wie weh tut’s denn? Siehst Du? Nur rutschen!“
Elmar antwortete nicht.
Ein paar Minuten später entdeckten Elmar und Chopper sich. Sie kletterten die Rutschbahn hoch. Sobald sie halb oben waren, ließen sie los und rutschten sich gegenseitig über den Haufen.
Das Lachen und die Freude war groß.
Die beiden hatten so viel Spaß zusammen.
Irgendwann war dann Heimgeh-Zeit für Elmar. Er wurde hermetisch verpackt, mit allen möglichen Knie-, Kopf-, Arm-, Bein- und Rückenschonern versiegelt und dann auf sein Fahrrad gesetzt.
Dann versuchte er davon zu fahren (mit dem Fahrrad). Dabei fiel er natürlich öfter hin (er konnte sich unter seiner Versiegelung ja kaum noch bewegen).

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es das ist, worauf sich der Umgang mit Kindern mittlerweile reduziert hat. Ruhigstellen, Verpacken, zur Schule schicken.

Für einen Moment (mit einem Ähnlichaltrigen in diesem Fall) hatte Elmar das Glück, Elmar sein zu dürfen.

Doch ich glaube es ist nicht das Alter, sondern es sind die Interessen. Menschen brauchen Menschen mit ähnlichen Interessen. Menschen, die ihnen nicht ein Muss und eine Autorität befehlen können.
Das können Ähnlichaltrige sein, aber auch ganz ausgewachsene Menschen, ja sogar Rentner.
Für keinen Menschen sind Ähnlichaltrige unersetzbar. Ähnlichaltrig ist nicht mal eine Qualität an sich. Es ist eine Zahl, von der wir nicht mal wüssten, wenn wir nicht zählen könnten.

Menschen brauchen gleichberechtigte Menschen – alle, egal welchen Alters.

Woher ich diesen Glauben nehme? 5 Minuten nach Elmars stolpriger Abreise, kam ein anderer Mensch in Choppers Alter. Chopper ging mehrmals hin und wollte mit ihm spielen. Fehlanzeige!
Warum ich mir erlaube diesen Glauben zu verallgemeinern? Weil ich es immer und immer wieder erlebe, und es meinem eigenen Kontakt-Knüpfen mit anderen Menschen entspricht.
Ich suche mir Menschen mit gleichen Interessen. Egal wie alt.
Dann gibt es keinen Generationenkonflikt mehr.

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Ein Kommentar zu “Elmar der Rutschbahnhallodri

  1. Ich mag Deine Beschreibungen. Du bist ein guter Beobachter.

    Bei unserem kranken Kind müssen wir leider viel einschränken und kontrollieren.
    Aber bei den Jungen ist das zum Glück nicht nötig. Die dürfen alleine wieder aufstehen – und weiter rennen.
    Der Papa fragt meist nur: „Hab‘ ich was von hinlegen gesagt ?!“ Was der eine mit NEIN und Weiterrennen beantwortet, und der andere mit JA, einem schelmischen Grinsen und Weiterrennen.

    Wenn es Tränen gibt oder sie von sich aus ankommen, dann schauen wir ob alles okay ist. Die meisten Schrammen finden wir aber erst beim Waschen.

    Ob sich manche Leute vielleicht gar nicht vorstellen können, daß Spielzeuge (oder allgemein die Dinge unseres Alltags) auf mehr als eine Art und auch anders als vorgesehen genutzt werden können ?

    Wir haben es übrigens nicht über’s Herz gebracht, die Kleinen in solche einen Gepäckträger-Fahrradsitz zu stopfen, wo sie nichts sehen können, außer den Rücken vor sich.

    Kennst Du diese Körbchen noch, die man vorne auf die Stange schraubt ? Wo die Kinder zwischen Deinen Armen sitzen und bei Bergabfahrt noch das richtige „Easy Rider“-Gefühl erleben ! Herrlich !

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