Studenten

(Mama)

Zur Zeit sitze ich wieder jeden Tag in einem Praktikum in der Uni. Diesmal geht es um verschiedene Mikroskope und Mikroskopiertechniken. Ich mache dieses Praktikum, weil es mich genervt hat, dass ich bisher ein Mikroskop nicht richtig einstellen konnte. Mein Ziel ist es, Mikroskope zu verstehen und sie mit Verständnis bedienen zu können.
Ich sitze mit 6 weiteren Studenten jeden Tag zusammen.

Ich zähle sie mal auf:
Nr.1: Total interessiert, versteht alles wirlich in der Tiefe, und wenn er was nicht versteht, fragt und liest er so lange, bis er es versteht.

Nr.2 /3/4/5: kann man zusammenfassen: Sie interessieren sich nicht im geringsten. Sie tun zwar so, so lange der Betreuer im Raum ist, aber sobald der weg ist, fangen die doch tatsächlich an, Kartenspiele (Poker, Karten) über Internet zu spielen. Und das macht nicht etwa jeder für sich. Nein, da rufen sie sich (LAUT!) irgendwelche Tips zu und wie ihr Spiel gerade verläuft etc. Schlimmer noch: Sie spielen zusammen, über Internet, gegen irgend jemanden im Netz. Da muss man sich natürlich koordinieren, und nein, das geht nicht in einer normalen Lautstärke, sondern muss eigentlich immer in Wirtshaus-Ton zugegröhlt werden.
Auch typisch für diese Gruppe ist, dass sie sich laut über ihre Erfahrungen bei der Bundeswehr auslassen. Der lauteste, dümmste, aktivste Mobber hat natürlich 2 Jahre gedient und ist Leutnant, und die anderen aus dieser Fraktion tun ihm möglichst alles nach.
Einer hat sogar während der Betreuer uns etwas erklärt hat, angefangen, Solitär am Computer zu spielen. Ich war erschüttert von so großer Respektlosigkeit.
Die Mitglieder dieser Gruppe verändern sich total wenn sie einen Vortrag halten. Dann wird ein ganz neuer Satz Gestik und Mimik aufgesetzt, die Sprache verwandelt sich, aber ein geübter Blick genügt: Die Veränderung ist nur äußerlich. Das Interesse ist immer noch 0.

Dann gibt es noch Nr 6, meine Gruppen-Partnerin, und die einzig andere Frau im Praktikum. Sie ist total frustriert zu Zeit, weil sie in ihrem Studium nicht die Zeit hat, die Dinge in der Tiefe zu lernen, die sie sich vorstellt. Aus dem ganzen Sozial-Gemetzel der restlichen Gruppe halten wir uns raus.

Nr.1 wird von den anderen Jungs (Männer sind das nun wirklich nicht…) gemobbt, wo es nur geht. Z.B. ist ja sein Gruppen-Partner immer nur damit beschäftigt, Spiele zu spielen. Wenn er das nicht macht, schreit er den anderen irgendwelche Tips zu deren Spiel zu. Nr.1 schreibt alle Protokolle, bereitet den gesamten Vortrag vor, erklärt seinem dummen Partner alles, obwohl der ihm gar nicht zuhört, etc. Er wird im Allgemeinen als „mein congenialer Partner“ referenziert. „Wenn’s ihm Spaß macht“ ist auch noch ein häufiger Satz über ihn.

Vor ein paar Tagen hatte ich ein nettes Gespräch mit einem studierten marokkanischen Laser-Physiker, der jetzt in der Strahlenmedizin arbeitet (derzeit am CT). Der hat gesagt, dass er das nicht versteht, dass naturwissenschaftliche Promotionen so lange dauern (5 Jahre). In anderen Ländern dauert das nur 3 Jahre. Ich musste es ihm sagen: es ist auch nötig. Die Diplom-Biologen, die ich kenne (mit ein paar Ausnahmen) , haben in ihrem Studium nichts anderes gelernt, als sich „gebildet“ auszudrücken, d.h. mit möglichst fremden Wörtern möglichst verschachtelte Sätze in einem möglichst nasalen Ton zu bilden. Diesen unnatürlichen Zustand halten sie auch nur über etwa 1-2 Stunden aus.
Als ich ihm dann gesagt habe, dass wir ja sowieso auswandern müssen, weil wir unsere Kinder nicht zur Schule schicken werden, hat er geantwortet: ja das ist wirklich eine gute Entscheidung. Für die Kinder und für die Doktorarbeit. 🙂

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Ein Kommentar zu “Studenten

  1. In Deutschland und im Fach Physik dauert die Promotion drei Jahre.

    Also meistens werden drei (oder 3,5) Jahre bezahlt. Man kann auch länger brauchen, aber dann muss man sich nach alternativen Geldquellen umsehen. (Hauptsache man ist gesund und Frau hat Arbeit…)

    Aber solche Flachnasen in Praktika und im Studium generell kenne ich.

    Auch der Unterschied zwischen Biologen und Biochemikern ist interessant: Während die Biochemiker schon wissen, das der Arbeitsalltag hauptsächlich im Labor stattfindet und sich in den Praktika auch dementsprechend verhalten, denken bei den Biologen doch einige, das sie später „nur“ über die Wiese schlendern und Schmetterlinge zählen und das mit dem Laborverhalten eh alles nicht lernen müssen… Bei manchen kommt die Ernüchterung dann im Hauptstudium. Andere wechseln dann in diverse Sozial- oder Literaturstudien…

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