Straßen, Normen und Werte

Nami geht es endlich wieder besser.
Eigentlich könnte man jeden Tag so viel schreiben, da man ja die Kinder jeden Tag zu sehen bekommt, und immer unglaublich viel passiert.
Eines der Highlights war dass Chopper nach langen Verhandlungen jetzt die Straße selber überqueren darf. Zuerst gibt er uns eine Einschätzung, ob die Straße gerade sicher zum überqueren ist, nach unserer Zustimmung darf er dann losbrausen (wir hinterher – ächz).
Chopper spielt zur Zeit sehr viel Computer. Lollipop und die Schlaumäuse, und heute, als er nicht durfte, fragte er mich dann dauernd, was er jetzt tun solle. Erst hab ich mir überlegt „spiel doch was“, „mal doch was“. Dann sagte ich: „Bleib genauso sitzen“. Das ist dann zu einem Spiel geworden, da er auf keinen Fall so sitzen bleiben wollte 🙂


Ich habe ein bisschen über Sozialisation nachgedacht (und auch gelesen). Es ist die Weitergabe der Werte und Normen der Gesellschaft an die Kinder. Pädagogisch ist das Optimum eine aktive Auseinandersetzung mit den Werten und Normen.
Leider gab es nirgends eine Liste, welche Normen gerade Top sind, also wollte ich hier mal die Top 10 Normen und Werte, die wir in unserer Familie als wichtig ansehen:

10.) Bescheidenheit
9.) Anderen helfen ihre Träume zu erfüllen
8.) Liebe zum Leben (auch von Tieren und Bäumen)
7.) Wille für und Glaube an seine Träume
6.) Ehrlichkeit
5.) Integrität
4.) Fleiß
3.) Interesse an Andersmeinenden
2.) Wissensdurst
1.) Nächstenliebe

Wahrscheinlich gibt es noch 1000 andere.

Interessanterweise sind auch Medien, Freunde und Eltern für die Sekundäre Sozialisation wichtig. Und mein Favorit, die Sprache (viele kennen wahrscheinlich Newspeak).

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4 Kommentare zu “Straßen, Normen und Werte

  1. Darf ich fragen, wie ihr diese Werte vermittelt?

    Und was soll man unter „sekundär Sozialisation“ verstehen?

    Die Werte finde ich gut… und der Zahl 10 ist uralt…
    Biblisch gesehen, könnten vielleicht die Zehn Gebote genommen werden?

  2. Die Frage: „wie wir das vermitteln?“, die ist wirklich gut. Da habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht.
    Na, auf keinen Fall durch stundenlange Vorträge 🙂
    Muß ich meine Werte überhaupt vermitteln ?
    Werden meine wirklichen Werte nicht automatisch an Kinder übertragen, da sie all mein Handeln manifestieren ?

    Sozialisation wird in drei Stufen unterteilt, grob gesagt ist die erste Familiäres Vertrauen (Urvertrauen), die zweite Phase dann in der Jugend über „Kultur“ und die dritte Phase dann im Beruf und Erwachsenenleben.
    Die öffentliche Diskussion geht ja auf die zweite (sekundäre) Phase.

    Die 10 Gebote sind auf jeden Fall eine gute Arbeitsgrundlage. Wobei ich auch das neue Testament, Jesus, später Ghandi, den Buddhismus, Zen usw. auch gut finde.
    Religion ist aber so ein kompliziertes und auch emotional tiefes Thema, dass ich meine Werte bewusst gerne unabhängig davon gestalten würde.

  3. Hmmm.

    Also, ich verstehe meine Rolle als Mutter einerseits als sehr „intrinsisch“, daß heisst, meine Kinder beobachten mich und übernehmen meine Haltung, Handlung.

    Aber sie machen das nicht immer. Eigentlich sehr oft tun sie genau das Gegenteil! Sie sehen mein handeln und erkennen vielleicht, daß meine Art auch funktioniert, aber in vielerlei Unternehmen wollen sie selber ihren eigenen Weg finden und gehen…

    So sehe und erkenne ich, daß ich nicht nur intrinsisch sondern bewusst und mit mütterlicher Vorbedacht handeln darf und soll. Zum Beispiel verwende ich viel Zeit, in dem ich in Alltagssituationen erkläre, warum ich etwas tue. Das können bei „amoralische“ Tätigkeiten (zum Beispiel: „Ich schlage mein Ei so auf, da ich vermeiden möchte, daß die Eierschale überall rumfliegt“) oder „moralische“ (zum Beispiel: „Ich stelle XY nicht vor seinen Freunden bloß, weil ich ihn nicht verletzen will, aber wenn ich ein Problem mit XY habe, dann nehme ich mir bewusst Zeit vor, um daß mit ihm zu klären“)

    Ja, die Kinder können sowohl die „amoralische“ wie die „moralische“ Tätigkeiten über Jahre bei mir beobachten, aber es hilft einen Menschen, wenn er einen Blick hinter die „Abläufe“ bekommt und das ist meines Erachtens einer der große Vorrechte und Vorteile Mutter (oder Vater) zu sein: diese Beziehung als Fundament für tiefergehende Gespräche und Vermittlung von Werte kann hier am allerbesten und allereffektivsten stattfinden.

    Wie kommst du auf diese drei Stufen der Sozialisation? Klingt interessant, habe es noch nie so „gegliedert“ wargenommen, ist das eine selbstverständliche Einteilung (ich lebe auf den Mond was manche Sachen angehen…)?

    Ist es richtig und wichtig, daß die öffentliche Diskussion sich auf die zweite (sekundäre) Phase „beschränkt“? Da denke ich an solche Bewegungen wie: Kinderbetreuung ab 1 Jahr… (da wird meines Erachtens sehr wenig Zeit gelassen für diese primäre Sozialisation!).

    Gibt es eine Hierachie der Phasen? Ist einer Phase wichtiger als eine andere? (Ich hätte da meine eigene Thesen, aber ich frage dich, ob dies alles „wissenschaftlich“ irgendwo dagestellt ist oder ob daß eher deine eigene Überlegungen sind?)

    Danke für diesen Austausch…
    Anitz

  4. Über Sozialisation gibt es eine recht gute Zusammenfassung unter auf Wikipedia.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialisation

    Die erste Phase gilt als die „wichtigste“, da sie das Urvertrauen bildet. Ein Mensch der die nicht erfolgreich abschließt, kann das aber immer noch später im Leben nachholen (wenn auch viel langsamer und schwerer).

    Interessant finde ich auch, dass Chat und Lokalisten.de die sekundäre Sozialisation sehr gut ergänzen. Auch 2nd Life und ähnlich e virtuelle Realitäten. Sogar die 3. Phase wird hier schon eingebunden.

    Gerade habe ich von einer Frau gelesen, die bei einem Autounfall ihr rechtes Bein verlor. Sie flüchtete sich in eine virtuelle Welt, erschuf einen Avatar mit einer Beinprothese. Menschen näherten sich ihr dort, sie konnte unbefangen und gefahrlos mit ihnen reden und sogar eine virtuelle Beziehung aufbauen.
    Mit diesem neuen Wissen konnte sie wieder hinaus in die echte Welt und dort wieder normal mit Menschen interagieren.

    Was ich als besonders spannend finde, sind die Werte meiner Kinder. Sie sind ja noch minimal (gegenüber Erwachsenen) zivilisiert worden.
    Also haben sie eine frische und undogmatische Weltsicht. Manchmal habe ich das Gefühl, ich kann mehr von ihrer „Unwissenheit“ lernen, als sie von mir.
    Wenn Richi zum Beispiel nicht zum Essen kommt, weil er noch spielen will, dann ist das OK für mich. Und ich erinnere mich, dass es für mich auch so war (und auch oft noch so ist, wenn ich etwas spannendes lese oder arbeite).
    Mittlerweile finde ich es sogar traurig, wenn mir Eltern stolz erzählen, sie würden immer alle zusammen essen, denn sie genießen diese (eine) Zeit am Tag zusammen.
    Allerdings müssen sie auch tagsüber arbeiten und unterliegen diversen Sachzwängen.

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