Zur Zeit ist so viel los.

Im Rahmen meiner Arbeit bei der PiratenPartei habe ich mir einen neuen Blog angelegt.

Er heißt PiratenBildung.WordPress.Com . Ich will dort „parteiübergreifend“ einen Bildungsorganismus entwickeln (kein Bildungssystem) – der alle integriert (ohne sie zu absorbieren). Das „Vorkaufsrecht“ auf diesen Organismus hätte zwar die PiratenPartei, aber aktuell fühle ich mich der Familienministerin von der CDU sehr nahe…. (wer hätte das gedacht? ). Es ist unglaublich, die haben eine junge, kompetente Soziologin genommen (die CDU!). Da muss ein Haken dran sein….

Zusätzlich will ich noch einen Überraschungsblog anlegen – auf dem ich mir einen Kindheitstraum erfüllen will :)

Aber was am meisten Zeit in Anspruch nimmt, das sind unsere Vorbereitungen auf Frankreich.

Wir müssen auf allen Ebenen vorbereiten:

  • Ich muss meine Gestalt-Therapie vorantreiben (die kommt aktuell viel zu kurz)
  • Ich muss meine Verhaltenstherapie vorantreiben. Wir fahren jede Nacht – oder jede zweite Nacht – eine Stunde lang im Auto herum… Mummy1000Sunny fährt und ich sage den Weg und kämpfe gegen meine Angst. Im Winter ist das besonders eklig, weil man Nachts um 1 noch mal raus muss.
  • Mummy1000Sunny muss hart an ihrer Diplomarbeit arbeiten.
  • Wir müssen anfangen Kontakte zu französischen Unschoolern/Homeschoolern zu knüpfen.
  • Wir müssen kiloweise unser Hab und Gut auf Ebay/Quoka verkaufen – denn ich will endlich Freiheit. Und es ist schon heftig, wenn man merkt, wie stark man sich doch mit Konsummüll zugekauft hat, der einem nur die Wohnung blockiert und den Raum für eigenes kreatives Schaffen raubt.
  • Ich muss weiter Deschoolen. Ivan Illich ist ein brillianter Denker, aber manche seiner Bücher beschreiben eine so unglaublich andersartige Welt, dass man sich schwer tut alles in Einklang zu bringen.
  • Und die Kinder… die Kinder sind auch da. Manchmal tut mir Chopper schon leid, er hatte Eltern, die stets nur in heller Aufregung durchs Leben gingen. Dauernd war was los. Krankenhausbesuche, Schulgründungen, Homeschooling, Unschooling, Deschooling, Studium, gesundheitliche Zusammenbrüche, wirtschaftliche Zusammenbrüche, Umzüge – er ist nicht zu beneiden. (Warum mir Nami nicht leid tut? Die würde sogar im tobenden Meer noch Rock’n'Roll tanzen)
  • Mummy1000Sunny bereitet viel für den Umzug vor.
  • Ich muss Bürokram machen und alles digitalisieren, was digitalisiert werden kann.
  • Wir müssen lernen, wie man ein Haus aus Cob baut, um das in einem fremden Land umzusetzen.

Und tausend Dinge…. alles braucht so viel Zeit und zusätzlich hält mich mein Kindheitstraum fest umklammert, den ich endlich wieder so intensiv spüre, wie ich ihn damals spürte. Und nachdem mir Jahrzehnte die Hoffnung genommen wurde, glimmt er jetzt und lässt sich nicht mehr löschen.

Also, wenn hier in der nächsten Zeit nur unregelmäßig geschrieben wird, dann liegt das nicht daran, dass wir diesen Blog aufgeben, oder auslaufen lassen. Dann liegt das daran, dass wir Anlauf holen um all das Umzusetzen, wovon wir in den letzten Jahren gelernt haben. Und dann geht es hier richtig rund :)

Bildung und Schule ist bei uns schon lange ein ziemlich intensiv diskutiertes Thema. Ich selbst habe, als ich den Widerstand und die Abneigung des Älteren in der ersten Grundschulzeit erlebt habe, eine freie Alternativschule gegründet und dort fünf Jahre gearbeitet. Der Kleine ging dann dorthin, der Große hat am Ende der zweiten Klasse zwei Wochen hospitiert und sich entschieden, lieber auf der staatlichen Schule bleiben zu wollen, weil die Kinder dort netter seien. Da das mit der Alternativschule sich als sehr schwierig gestaltete, insbesondere was das Finden geeigneten Personals und die Aufrechterhaltung des freiheitlichen Grundgedankens anbelangte, bin ich nach fünf Jahren dort ausgestiegen. Der Kleine hat dann zu Hause gelernt, als Kind beruflich reisender Eltern gab es da eine legale Möglichkeit, wir waren auch einige Zeit in Frankreich, dort sind beide Kinder nicht in die Schule gegangen.

Jetzt sind wir wieder in Berlin, ich bin zutiefst davon überzeugt, dass für beide Unschooling die beste Variante wäre und bin auch bereit, dafür wieder ins Ausland zu gehen. Nur: die Kinder wollen in eine staatliche Schule gehen. Auch der „Kleine“ (12), der bisher entweder auf eine freie oder auf gar keine Schule gegangen ist, will jetzt tatsächlich in eine staatliche Schule gehen. Es gäbe dort eine größere Auswahl an Mädchen, sagt er. Mir macht das große Schwierigkeiten, je mehr ich mich mit Unschooling beschäftige, je mehr ich Ivan Illich lese (Entschulung der Gesellschaft), desto klarer erkenne ich die ganzen Nebenwirkungen und das ist hart. Der Große (14) kommt permanent übelgelaunt nach Hause, seine Motivation außerhalb der Schule irgendetwas eigeninitiativ zu tun, ist gegen Null gesunken, obwohl er früher ein ausgesprochen kreatives Kind war, das sich stundenlang selbst beschäftigen konnte und eine Konzentrationsfähigkeit hatte, über die die LehrerInnen gestaunt haben. Aber jetzt. Was haben die mit ihm gemacht dort? Mir treibt das echt die Tränen in die Augen, ihn so apathisch und missmutig zu sehen. Er ist so weit von sich selbst entfernt. Dann sagen alle, ja das ist die schwierige Pubertät, aber es ist nicht die Pubertät, es ist das Übermaß an Fremdbestimmung, dem er tagtäglich ausgesetzt ist. Aber wie kriege ich ihn da raus? Er selbst merkt es nicht, er meint zwar, Schule sei Scheiße, aber die Alternative, nicht zur Schule zu gehen, kommt für ihn auch nicht in Frage. Auch von Freien Schulen hat er nach dieser einen Hospitation die Schnauze voll.

Als wir in Frankreich waren und er nicht zur Schule ging, hat er sich meiner Beobachtung nach sehr gut erholt, er hat immer bis mittags geschlafen und total viel gelesen und war einfach ausgeglichener. Jetzt liest er gar nicht mehr. Ich kann das verstehen. Warum müssen die 13-Jährigen auch Gottfried Keller lesen??? Aber ihm selbst hat es dort nicht gefallen. Es fehlte die Peergroup. In dem Alter ist es wichtig, sich von den Eltern wegzubewegen, aber dort war das Gegenteil der Fall, das fühlte sich auch für mich komisch an.

Ich träume von einer Gemeinschaft mit mehreren Homeschoolern unterschiedlichen Alters……dann würde es meinen vielleicht auch leichter fallen, den Ausstieg zu schaffen. Wer macht mit?

(ich sortiere gerade die alten Kassetten meiner Mutter aus)

Ne m’appelez plus jamais France

So ging es mir vor ein paar Jahren, als mich Deutschland fallen ließ. Ich dachte immer, ich würde an dem „Wealth of Nations“ mitarbeiten. Ich dachte, ich würde all meine Kraft aufwenden um die Welt zu einem besseren Platz zu machen für alle… und ich dachte alle anderen würden auch daran arbeiten.

Doch ich musste erfahren, dass die Welt nicht so einfach ist. Und dass man sich als letztes auf Nationalstaaten verlassen kann.

Michel Sardou:Comme d’habitude

Ein Leben, das zur Gewohnheit wird hatte ich nie. Doch ich verstehe, was er meint. Denn dieses Gewohnheitsleben aus oberflächlichen Tätigkeiten, gewohnheitsmäßigem Lächeln und automatisierten Bewegungen beschreibt meine größte Angst vor einem Leben, das keines mehr ist.

Michel Sardou et Patrick Bruel: Je Vais T’Aimer

Wenn ich an Gemeinschaft denke, dann denke ich an eine Welt in der die Menschen wieder miteinander singen und sprechen – anstatt den wenigen Auserwählten zuzuhören. Und eine Welt, in der wir uns nicht mehr den ganzen Tag dumme Fragen und dumme Antworten geben, sondern uns mit Poesie den wirklichen Fragen des echten Lebens zuwenden…

Die Schule gilt in unserer Zeit als die Wunderwaffe für Chancengleichheit. Der Traum ist, dass alle Kinder zusammen in kleine Käfige gesperrt – sich vertragen und dann schichtenübergreifend Brüder/Schwesternschaft schließen.

Dieser Traum wird (wenn man dieser Ideologie folgt) durch folgende Hindernisse verhindert:

  • Privatschulen (auf die sich die reichen Schichten flüchten)
  • Schulschwänzer (hier entzieht sich die Unterschicht)
  • 3-gliedriges Schulsystem (hier wird die alte Trennung: Infanterie, Artillerie und Offiziere) wieder eingeführt.

Da die Schule aber systemimmanent Eigen- und Fremdgruppe unterscheiden lernt („wir halten zusammen“) würden auch die Reichen sich in Staatsschulen ihre Ecke suchen.

Da die Selektion ein Sinn der Schule ist, ist es nur ein gesunder Reflex der Unterschicht sich dort nicht aussieben zu lassen und lieber zu fliehen (das Problem der Unterschicht ist viel eher, dass sie diesen gesunden Menschenverstand nicht verbalisieren kann).

Auch in einer Gesamtschule würden sich die Offiziere von den Infanteristen entfernen.

Ein weiterer interessanter Punkt ist die Abschaffung der Hauptschule – also der Infanterie. Dieses ist logisch, in einem Zeitalter, in dem man die untere Arbeitsschicht / Kriegerkaste durch Robotik und Maschinen ersetzen kann.

Aber all die Reformen (und ihre Gegenreformen und Reaktionen) verdecken das eigentliche Problem der Schule. Das was man in der Schule lernt ist Schrott. Es ist unbrauchbares Partywissen. Dargelegt von Adorno (Theorie der Halbbildung) und Liessmann (Theorie der Unbildung) und vielen anderen.

Und dass man dort nur Schrott lernt hat seinen guten Grund.

Nehmen wir einmal an, wir würden dort wirklich lernen unsere Grundbedürfnisse zu stillen: Also Nahrung und Unterschlupf.

Lobbies würden zu Hauf Empörung in die Massenmedien tragen: „Wo bleibt Goethe und warum wird der Differentialrechnung nicht gehuldigt?“

Wir haben hier in der Nähe eine von diesen Massenmenschenlege-Batterien. Dort sind gesunde und starke Menschen, die mit HarzIV abgespeist werden und einer fruchtlosen und frustrierenden Beschäftigungs- und Bewerbungstherapie unterworfen werden.

Dort lernen sie jeden Tag aufs neue, dass sie Bittsteller und Parasiten sind, die nichts können, ausser still zu halten und aufs Mana zu warten, dass der Wirtskörper ihnen zuteilt.

Würden sie anstelle dessen gelernt haben ihre Kraft und Gesundheit zu nutzen und sich ein Haus fernab von allen Krediten, Baulöwen und Grundstücksmaklern selber zu bauen; würden sie anstelle dessen gelernt haben ihre Kraft und Gesundheit in einen Boden zu stecken, aus dem sie ihre Früchte ernten, wie sähe ihre Situation dann aus?

Viele von ihnen würden diese Wohncontainer verlassen und hätten bald ein eigenes, selbständiges Leben fern von eingepferchter Demütigung.

Aber ich will noch einen Schritt weitergehen. Was würde passieren, wenn sie neben diesen Grundbedürfnissen Technologie begreifen lernen würden. Nehmen wir einfach mal an, das nächste staatliche Investitionsprojekt lautet: „Beliefern sie uns mit transparenten Computern, denen man ihre Funktionsweise ansieht, deren Teile man mit gesundem Menschenverstand aus- und einbauen kann.“

Hätte man ganz früh im Leben die Möglichkeit selbständig zu lernen und so schnell und so oft zu spezialisieren wie man will – und zuallererst werden die wirklichen Grundbedürfnisse zu befriedigen gelernt, dann würden wir eine neue Welle der Mündigkeit erleben und eine neue Welle der Autarkie und Autonomie. Die Menschen könnten sich in Subsistenz-Netzwerken ein besseres, glücklicheres und gesünderes Leben leisten, als sie es heute können. Sie würden nur noch kleine Teile dazukaufen müssen und diese schnell selbst nachbauen können.

Die unmittelbare Folge aus einer Schule, die echte Fähigkeiten entwickelt wäre ein Einschmelzen des BIP (die goldene Meßlatte für die Fortschrittlichkeit einer Nation).

Es wäre eine Abkehr von der industriellen, esoterischen Gesellschaft – die all ihr Wissen hinter schickem Design versteckt – in eine postindustrielle, hochtechnische, dezentralisierte Gesellschaft. Es wäre ein Abschied von den hohen Mieten und Investitionsmargen der Stadt und dem Ausstrocknen der ländlichen Bevölkerungen.

Das Industrie-Paradigma sieht jedoch eine große Konsumentenmasse vor, die sich einer kleinen Erfinder-Elite und ein paar Nutznießern gegenübersteht vor.

Und deswegen dürfen echte Chancen – also die Möglichkeit Dinge anzupacken und selbst zu machen – gar nicht in der Schule gelernt werden. Der Lehrplan muss nutzlos sein. Der Lehrplan muss eine Gleichheit von Unchancen herstellen, die nur derjenige durchbrechen kann, der genügend Kapital kanalisieren kann um wirklich etwas zu bewirken: Nämlich eine Marketingmaßnahme, die den sozialisierten Konsumentenhorden ein neues Bedürfnis verkauft und sie noch ein Stück mehr zu abhängigen Konsumenten macht.

Es geht also nicht um Chancengleichheit oder Chancenungleichheit. Die Lehrpläne und Staatsschulen sind ausschließlich auf Unchancengleichheit ausgerichtet. Die aktuell vermittelten Inhalte (besonders die der höheren Schulen) lassen sich nicht mehr autonom einsetzen. Diese Inhalte stehen nicht mehr für sich selbst. Niemand kann damit eine Entdeckung machen oder etwas herstellen, ohne in einen großen Konzern eingegliedert zu sein, der die komplette Infrastruktur und „Manpower“ des industriellen Fließbandbetriebes herstellt.

Alles andere würde als Untergrabung des Rechtes auf Allgemeinbildung abgestempelt. Und so sieht man die Gymnasiasten die Supermarktregale einräumen und Kinder das Wochenblatt austragen – denn etwas eigenes auf die Beine stellen, das ist politisch unerwünscht.

zur Zeit komm ich nicht hinterher… aber das hat heute Nami auf Youtube gefunden:

der 3.te Sektor (Tertiäre Sektor) muss beim Konsum dazugerechnet werden ! (Tadaaa, Tusch)

Ein Fehler den alle Anti-Konsumisten begehen ist, dass sie die Anzahl konsumierter Waschmaschinen (materielle Güter) zwar anprangern, aber nicht die Anzahl von konsumierten Dienstleistungen.

(nur so nebenbei bemerkt)

 

Ivan Illich (Selbstbegrenzung – S. 166):

[...] das juridische System ist nicht eine Gesamtheit von geschriebenen Regeln, es ist ein Prozeß, durch den die Gesetze geformt und auf reale Situationen angewandt werden. Der Korpus von Gesetzen, der eine Industriegesellschaft lenkt, reflektiert unvermeidlich deren Ideologie, soziale Merkmale und Klassenstruktur, wobei er diese verstärkt und ihre Reproduktion sichert.

Selbes gilt auch für die Sprache und für die Schule. Besonders die Schule hat eine enorme Auswirkung, da sie die Denkstruktur formt, „falsch“ Denkende aussortiert und die Eliten von Morgen selektiert, die das Land führen werden (dabei ist es egal, ob diese an bürokratischen Hebeln in Beamtenstuben sitzen oder über Investition und Marktmacht wirken). Somit formt die Schule, mehr als die anderen Systeme, die Struktur der Zivilisation.

Die Reproduktion der bestehenden Machtverhältnisse durch den Niederschlag ihrer innewohnenden Ideologie in den Systemen wurde nicht nur von Illich festgestellt, auch Bourdieu stellte in seinem Buch „Die feinen Unterschiede“ den Erhalt der Klassenstrukturen durch die Schule fest. Ebenso natürlich Norbert Elias, der zusätzlich die Distribution der Werte der Eliten nach unten aufzeichnet.

Ein weiteres interessantes Buch in diesem Zusammenhang ist Helmut Wagners „Elitenbildung und Einordnung in eine Gesellschaft“.

Auch Holt (wie viele andere) stellt in diesem Zusammenhang die Frage nach der Frage. Denn die Schule konzentriert sich so stark auf Antworten geben, dass Schüler (die die spätere Bevölkerung ausmachen) aufhört die interessanten Fragen zu stellen. Die Bevölkerung verliert gar selbst die Fähigkeit neue Fragen zu stellen. Und so wird das Frage und Antwort-Spiel von einer kleinen Gesellschaft aus Politikern, Gruppenvertretern und Journalisten dominiert. Der gesellschaftliche Diskurs, die Vorraussetzung für eine Demokratie, wird ersetzt durch einen herrschaftsorientierten Diskurs.

Der Bürger hat den toten Punkt der intellektuellen Entwicklung erreicht – er folgt dem Tagesgeschehen in den Tageszeitungen. Er bewegt sich fortan, wie eine Billardkugel über den Tisch. Gewinnen können in diesem Moment nur noch die Gruppierungen und Parteien mit den glaubwürdigsten(im PR-Sinne) und besten Versprechungen. Diese Entwicklung zeichnete Platon in seinem Kreislaufmodell der Staatsformen auf (nachzulesen in „Der Staat“).

Als ich klein war, da gab es nur ein paar Eissorten. Stracciatella war damals schon exotisch.

Doch das schien niemanden mehr zu befriedigen. Und so kamen immer neue Eissorten dazu. Malaga, Schlumpf (oder Azzuro, damit es auch der Bildungsbürger für seinen Nachwuchs bestellen kann), Melone, usw.

Und immer wieder war man nach einiger Zeit gelangweilt, selbst von den allertollsten neuesten Eissorten.

Unser Eishändler um die Ecke folgt dem Prinzip der Eissorten-Expansion und führt im Winter knapp 20 Eissorten und im Sommer dann um die 40 Sorten.

Und doch bleibt es immer nur kalter Zucker mit irgendeinem Geschmacksstoff – und je größer die Auswahl wird, und desto mehr man sich von den kleinen Portionen Glück „genehmigt“, desto schneller merkt man das auch. Das versprochene Glück bleibt aus, man wird nur abgespeist.

Die einzige Methode, die Eishändler kennen ist: Mehr Eis. Zusätzlich bauen sie noch die Glücks-Gadgets aus. Der eine wirft ein paar Smarties drauf, ein anderer verkauft Riesen-Waffeln mit in Schokolade und Zuckerstreusel getauchtem Rand, bunte Zuckerstangen – Kaffee (für den anspruchsvollen Geschmack), Kuchen für die Dame von Welt.

Und trotzdem wird es – sobald das Eis die wertvolle Schau-Vitrine verlassen hat – wertlos. Schnell heruntergeschlungen, mit hektischem Blick auf die Straße oder einen in der Ecke montierten Fernseher, der die neueste Tour de France zeigt.

Die einzige Möglichkeit diesem ganzen entgegenzuwirken ist: Mehr Eis. (oder mehr Auswahl). Schon träumt man von riesigen Eis-Restaurants mit Kaffee-Flatrate oder neben Kugeleis noch ein breites Menü an Eis-Spezereien. Vom Banana-Split bis zum Xeno-Azzuro.

Die Eis-Großfresshalle steht schon in den Startlöchern und man träumt von riesigen Hallen, die einem das ganze Lebensgefühl von Freiheit, Genuß und Leben vermitteln. Alles vereint unter einem großen gemeinsamen Dach mit minimaler Aussenhülle.

Und man träumt genau so lange von all diesem, bis man es hat und erkennt, dass auch das nichts mit wahrem Leben und echtem Genuss zu tun hat. Es bleibt eine Illusion vom kaufbaren Glück.

Wenn man einen Schritt zurück geht und sich unter diesem Aspekt unsere aktuelle Zivilisation anschaut, so sieht man dieses Muster überall. Die Großmärkte, die Shopping-Malls (Einkaufszenter auf Deutsch), Schokolade, die hundert Biersorten und tausend Autos (die alle ungefähr gleich aussehen, weil ab 30 km/h die Aerodynamik die Form vorschreibt). Die Häuser, die mit immer mehr Isolierung und immer goldeneren Wasserhähnen, immer tolleren Fenstern und besserer Zentralheizung produziert werden. Der gelehrplante Unterricht und die universitären Curricula. Alles folgt dem Ritual der industriellen Massenproduktion und des unmündigem Abspeisens.

Im nächsten Schritt kommt dann der Verbraucherschutz, der mehr Schutz und bei manchen Institutionen bessere Mitbestimmung fordert.

Auch zur Zeit erleben wir dies bei den Studenten/Schulprotesten. Es wird eine Ausweitung des Angebots zu besseren Preisen gefordert, die Bildungsgroßmarkthalle in Form der Gesamtschule; mehr und immer mehr Geld für Bildung – mehr Mitbestimmung über die Produktion des immer gleichen industriellen Produkts. Und die Forderung, dass wir endlich die eine befriedigende Eissorte erfinden, die uns glücklich macht und unserem Leben einen Sinn gibt.

Die Ursache bleibt unangetastet. Uns fehlt die Möglichkeit zur Entfaltung! Das eigene Haus bauen, zusammen mit den Kindern die Wände wie Skulpturen formen, mit ihnen zusammen ein echtes Eis hingebungsvoll konchieren, oder ganz einfache Schokolade zu machen. Bier in der alten Badewanne im Keller brauen oder ein Fahrzeug selber zu konstruieren. Das eigene Lernen wachsen lassen und sich sein Gleichgewicht zwischen Generalisierung und Spezialisierung zu suchen. Die wiederverwendbaren, genormeten Wegwerf-Industriefenster durch intelligente Standortplanung und noch intelligentere Plazierung von individuellen Fenstern zu ersetzen. Spielzeug selber bauen und jeden Tag eine neue Fähigkeit dazulernen, die einem noch mehr Selbst-Effektivität gibt.

Heutzutage heißt es: Man kann nicht alles können. Das mag sein. Aber man kann so viel lernen und so viel mehr können. Die pädagogischen und didaktischen Mittel haben sich in den letzten Jahrzehnten so verbessert, dass unser Bildungsniveau (und damit die Möglichkeit effektiv und selbstverantwortlich sein Leben zu gestalten) unendlich gestiegen sein müsste. Die Universalgenies, die es in der Renaissance gab (und auch noch sehr sehr viel später) sind heute mehr möglich als jemals zuvor.

Es ist ein Irrglaube, dass Menschen nur in großen Konzernen/Universitäten zum Fortschritt beitragen können. Dass man große Teams für große Erkenntnisse bräuchte. All das ist die gute alte Forderung nach mehr Eis in noch größeren Abspeisungs- und Fertigungsanlagen.

Forschung, Fortschritt und Produktion waren zu keinem Zeitpunkt in einem kleineren Rahmen als heute möglich. Wir müssen diese Möglichkeiten nur entdecken und nutzen. Und uns nicht länger erzählen lassen, dass Nano-Forschung nur in zentralisierten Makro-Gebäuden möglich ist.

Diese Frage stellt sich für jeden – und jeder beantwortet sie anders.

Ich will nun unsere neue Deschooling-Antwort geben. Sie formuliert die Frage komplett um: Wie kann man es sich leisten nicht zu Unschoolen – Deschoolen?

Der Lehrplan ist nutzlos, denn wenn die darin gelernten Dinge Nutzen hätten, dann käme sofort eine Zunft daher und würde Streß machen.

Wären Mummy1000Sunny und ich also Unschooler gewesen (von Geburt an und nicht erst so spät), dann hätten wir wahrscheinlich folgende Dinge gelernt:

-Wie versorge ich mich selbst mit Essen?

(ab 4 Min)

-Wie baue ich mein eigenes Fortbewegungsmittel?

(ab Sekunde 40)

-Wie baue ich meine eigene Wohnung? Und auf Wikipedia. Hier noch ein Buch über den Selbst-Hausbau.

-Und zusätzlich: wie gewinne ich Energie und baue mir technische Dinge?

Leider habe ich nichts von alledem gelernt und habe also ge-lohn-arbeitet wie eine Drone. Je mehr ich aber verdiente, desto mehr wurde ich in den Kreislauf gezogen, musste noch mehr verdienen und wurde noch abhängiger (ich kriege heute noch liebe Briefe vom Finanzamt).

Ich sage nicht, dass wir wieder zurück auf die Bäume sollen und die Spezialisierung abschaffen sollen. Aber wir müssen ein gesundes Gleichgewicht finden. Hierzu zählt auch die Fähigkeit sich selbst erhalten und versorgen zu können.

Chopper macht zur Zeit die ersten Schritte in diese Richtung. Vor zwei Wochen hat er gelernt sich Nudeln zu machen, dann Brot zu streichen und heute hat er sein erstes Schokoladeneis hergestellt und ist nicht mehr abhängig davon jeden Tag 0,90€ zu dem Eishändler zu tragen.

Ich habe die letzten 3 Jahre etwas sehr Wichtiges gelernt: Wie ich ohne jede fremde Hilfe Bildung produziere (wobei ich durch meine Unfähigkeit im Unterricht wach zu bleiben, schon immer ein guter Autodidakt war).

Und auch ich habe diesen Sommer eine der größten Fähigkeiten gelernt, die ein Mensch haben kann: Ich habe gelernt physische Gesundheit zu produzieren. Und gleichzeitig habe ich gelernt, wie ich massenhaft soziale Beziehungen knüpfe, ohne eine Institution.

Die Lektion dieses Winters wird sein: wie ich auch noch psychische Gesundheit produziere.

Und dann kommt ein Auto…. nicht so ein Schrott-Industriell-Fabriziertes Auto wie wir jetzt haben, sondern ein total cooles super-duper Auto. (Da ich jetzt nämlich firm in Pädagogik, Psychologie usw. bin will ich mich der Physik und der Chemie zuwenden).

Man stelle sich vor solche Dinge stünden im Lehrplan. Autofabrikanten, Häuserbauer, Zünfte, Nahrungsmittelindustrie, Ärzteverbände, Pharmazieunternehmen, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände usw. würden diesen Lehrplan in den Medien zerreißen lassen. Insbesondere die Regierung lebt davon, dass sich Leute über Geldströme versorgen, die einer zentralen Steuerabführung unterworfen sind (was bei jeglicher Selbstversorgung entfällt).

Und das ist ein weiteres strukturelles Problem der Schule: Ihr Lehrplan muss nutzloses Wissen vermitteln, das einzig erlaubt sich schneller in industrielle Strukturen einzufügen (von der Bewerbung über Unterordnung bis zum sozialisierten Zuarbeiten).

Google!

Google Scholar!

Google Books!

Google Docs!

Und hier: Alle Bücher der Welt

Googles Buchdigitalisierung ist der TURBO für alle Unschooler

« Vorige SeiteNächste Seite »