Ein sehr beliebtes Argument für die Schulpflicht ist: „Es ist gegen die Kinderarbeit“.

Diesem Thema will ich mich heute etwas widmen: „Gibt es Kinderarbeit in Deutschland, wird sie durch die Schulpflicht verhindert“.

Begriffsklärungen

Zuerst muss natürlich erläutert werden, was ist Arbeit, was ist Kinderarbeit:

Arbeit ist zielgerichtete, planmäßige und bewusste menschliche Tätigkeit, die unter Einsatz physischer, psychischer und mentaler (geistiger) Fähigkeiten und Fertigkeiten erfolgt (Wikipedia).

Dieser Begriff bringt uns nicht sehr viel weiter, da er praktisch jede Art von menschlicher Tätigkeit einschließt.

Der Begriff Freizeit bringt uns hier schon weiter:

Freizeit ist die frei zur Verfügung stehende Zeit des Menschen, vor allem im Vergleich zur Arbeitszeit.

Also Arbeitszeit ist demnach die Zeit, die einem Menschen nicht frei zur Verfügung steht. Die er also an die Anweisungen eines zweiten gebunden ist, ohne diesem aus freiem Willen zu folgen.

Auch finden wir unter dem Artikel Kinderarbeit die Kriterien von Zwang und der Schuld.

Der Alltag deutscher Kinder

Sehen wir uns nun den Alltag eines typisch deutschen Kindes unter 14 Jahren an.

In der früh steht er auf. Geht in die Schule. Dann kommt er nach Hause (oder bleibt in der Schule) und macht seine Hausaufgaben. Danach hat er Freizeit bis zur Schlafenszeit.
Was passiert aber, wenn er nicht aufstehen will und auch nicht zur Schule gehen will?

Da Schulpflicht herrscht hat er die Schuld in der Schule auch zu erscheinen.

Da die Schulpflicht strafbewehrt ist, wird also seine Entscheidung nicht in die Schule zu gehen durch die Polizei geahndet und er wird in die Schule gebracht. Dies geschieht zu diesem Zeitpunkt unter Zwang.

Wir sehen die Schule ist eindeutig mit Zwang und Schuld verbunden.

Zielgerichtetheit des Schulaufenthaltes

Doch der Aufenthalt in der Schule ist nicht das störende. Jedoch werden Kinder gezwungen (Strafen) bestimmte Körperhaltungen einzunehmen und Tätigkeiten zu tun, die alle ein gemeinsames Ziel haben.

Der Schulabschluss. Dieser Schulabschluss ist kein Sternchen, das man sich irgendwohin kleben kann.

Er entscheidet über das, was man den Rest seines Lebens macht, und machen darf.

Ebenfalls, wenn man dem Zwang in befriedigender Weise nachkommt, darf man später mal studieren was einen interessiert.

Dieses Konstrukt nennt sich Hochschulreife.

Das andere Konstrukt, ohne das man nicht einmal mehr am Leben der Menschen teilhaben darf heißt: „Schulabschluss“.

Hochschulreife und Schulabschluss als Verdienst und Druckmittel

Diese beiden Ideen (die der Hochschulreife und die des Schulabschlusses) sind das Verdienst von einem frühen Leben aus Kinderarbeit.

Dennoch ist so etwas wie Hochschulreife nicht natürlich. Alexander von Humboldt und andere große Denker, als deren Erben wir uns gerne ausgeben, haben zu ihrer Zeit ihre Vorlesungen allen zugänglich gemacht. Das gemeine Volk durfte studieren. Auch ohne Reife, die einzige Reife, die man mitbringen musste war der Willen zu studieren und das Interesse an der Materie – jeder kluge Professor schätzt diese beiden Dinge höher, als jeden Freifahrtschein mit Fähigkeitsbescheinigung.

Auch der Schulabschluss ist eine Illusion. Ohne Schulabschluss keine Lehre. Also ein erwachsener Mensch darf nichts von anderen erwachsenen Menschen lernen, wenn er keinen Schulabschluss hat.

Er darf nicht einmal lernen, wie man die Wurst aufschneidet und abwiegt.

Zusammenfassung

Um überhaupt die Chance zu haben, am Leben der Erwachsenen teil haben zu dürfen müssen Kinder in Deutschland früh anfangen zu arbeiten. Sie müssen hart arbeiten.

Dennoch haben sie keine Gewerkschaft, sie gewinnen kein Einkommen aus dieser Arbeit (und sei es auch nur um sich einen Rechtsanwalt leisten zu können, der sie gegen den „Arbeitgeber“ vertritt) und sie hatben keine Wahl des Beschäftigungsbereiches, oder der Fabrik. Alle Fabriken arbeiten unter nahezu den gleichen Bedingungen. Diese werden festgelegt durch die KMK und für Privatschulen durch undurchsichtige Genehmigungsverfahren mit Auflagen die man lieber 120% erfüllt.

Kinderarbeit ist in Deutschland also keine überwundene Tragödie, oder eine schlimme Ausnahme, sie ist vielmehr eine Pflicht und Alltag.

Sie wird durch Zeugnisse und Noten zu einem erpresserischen Mittel. Denn Kinder (im Gegensatz zu Erwachsenen) müssen sich ihre Zukunft erst verdienen.

Wie können wir das abschaffen

-Abschaffung der Hochschulreife (dieses kann kosteneffizient geschehen)

-Ermöglichung finanzieller Existenz für Kinder

-Abschaffung der Schulpflicht

-Abschaffung des Qualifikationsmonopols des Staates

-Einführung ehrlicher Paragraphen zur Kinderarbeit (Kinder dürfen nicht ausgebeutet werden, nicht gezwungen werden)

FAQ

Aber werden dann nicht die Eltern die Kinder zum arbeiten schicken anstatt auf die Schule und alles Geld selbst behalten ?

In Deutschland wird der Kinderschutz immer mehr in die Richtung ausgebaut, den potentiell bösen Eltern und den auf jeden Fall lernunwilligen Kindern alle Mündigkeit abzusprechen und ihnen ein Gefängnis zu bauen, dass sie vor sich selbst und vor sich gegenseitig schützt.

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Dies war früher mal ein guter Ansatz. Heutzutage haben aber Eltern und Kinder die Wichtigkeit von Bildung verstanden.

Zudem lieben die meisten Eltern ihre Kinder.

Es gibt Ausnahmen, doch in diesen Ausnahmefällen sind Zwänge immer der falsche Ansatz. Kindern früh eine wirtschaftliche Existenz zu ermöglichen ist ein Ansatz, mit dem sich Kinder aus Abhängigkeit befreien können.

Sie können früh ein eigenes Konto bekommen, sich Aufsichtspersonen ihrer Wahl mieten und eine Wohnung mieten (wahrscheinlich eine WG) und unter guten Bedingungen sich etwas dazuverdienen.

Die heutige Gesetzgebung macht Kinder, die ihre Eltern anschwärzen zum Spielball der Jugendämter. Es gelten Regeln und Gesetze, die sie nicht mehr durchblicken. Meistens ist das Jugendamt, die komplette Entwurzelung und das Fehlen aller Selbstbestimmung das tiefere Trauma.

Aber werden dann nicht alle Kinder sobald sie 6 sind von zu Hause ausziehen?

Hier gilt auch andersrum: Kinder lieben ihre Eltern.

Zudem könnte es ein Beitrag sein, eine Erziehung zu verbreiten, die sich auf gegenseitigem Respekt stützt.

Aber die Teilgeschäftsfähigkeit ist doch ein Privileg, Kinder werden damit vor sich selbst geschützt?

Schon wieder soll der Mensch vor sich selbst geschützt werden. Schlimmer noch, ihm wird die Möglichkeit versagt Fehler zu machen und daraus zu lernen.

Kein erwachsener Mensch würde den Entzug der Geschäftsfähigkeit als Privileg empfinden. Vielleicht hätte er eine kaputte Spülmaschine weniger gekauft. Jedoch ist dieser Preis zu hoch.

Da viele Erwachsene nie die Gelegenheit hatten in ihrer Kindheit Fehler zu machen, gibt es jetzt ein massives Schutzwerk, das auch Vollgeschäftsfähige vor ungerechter Übervorteilung schützt.

Noch ein paar Links:

Kinder finden Selbstbestätigung bei Arbeit

Ein zu lasches Gesetz schützt nur vor Emanzipation nicht aber vor Kinderarbeit

4 Antworten to “Kinderarbeit in Deutschland”

  1. eljascha Sagt:

    Freiwilligkeit müsste wohl Grundbedingung sein, doch manche Kinder werden gar nicht gefragt: Die Berliner Behörden etwa beobachten seit einiger Zeit vietnamesische Lebensmittelgeschäfte in Lichterfelde, wo Kinder ihre Eltern wie selbstverständlich viele Stunden in der Woche im Laden unterstützen. Das gilt auch für türkische und andere Ausländerfamilien. Oft findet das komplette Familienleben in den kleinen Ladengeschäften statt.

    Anderen geht es noch schlechter: Das Kinderhilfswerk Terre Des Hommes spricht von mindestens 9000 Straßenkindern, die jährlich in Deutschland betreut werden. Die Gesamtzahl dürfte erheblich höher liegen. Betteln, Rauschgifthandel, Prostitution sind die Einnahmequellen, mit denen diese Kinder ums Überleben kämpfen. In Statistiken über Kinderarbeit kommen sie gar nicht vor.

    Das ist ein Zitat aus dem Artikel unter dem zweiten angegebenen Link.

    Es fällt mir dabei auf, daß automatisch angenommen wird, daß die Kinder der Migranten nicht freiwillig in den Ladengeschäften mitarbeiten. Vielleicht werden sie nicht explizit gefragt, aber vielleicht arbeiten sie doch gerne dort mit? Könnte das nicht auch der Fall sein? Und wäre damit diese Art von Kinderarbeit nicht auch begrüßenswert?

    Einmal mehr kommt es mir so vor, als ob alles, was familienintern geschieht, von vorneherein als verdächtig eingestuft wird – verdächtig das Wohl des Kindes zu gefährden, dem Wunsch und Interesse des Kindes entgegengerichtet zu sein. Alles, was außerhalb der Familie geschieht, gilt dagegen als begrüßenswert. Wäre mir das bewußt gewesen, bevor ich eigene Kinder bekam, ich weiß nicht, ob ich wirklich in diesem Land Kinder geboren hätte – oder ob ich nicht entweder keine Kinder bekommen hätte oder versucht hätte, mir zuerst in einem anderen Land eine Existenz aufzubauen und dann dort meine Kinder zu bekommen.

    Ich finde, eine Beschreibung wie „Oft findet das komplette Familienleben in den kleinen Ladengeschäften statt.“ klingt eigentlich nach einem relativ annehmbaren Lebensstil. Es erinnert mich auch an die Familie aus Olivier Kellers Buch „Denn mein Leben ist Lernen“, die ein Restaurant hat, wo die beiden (unbeschulten) Söhne mitarbeiten. Solch ein Familienbetrieb erscheint mir eigentlich als eine gute Lösung, um Familie (mit oder ohne Schule) und Beruf zu vereinbaren.

    Daß dann im zweiten Absatz des Zitates bemängelt wird, daß gewisse Einnahmequellen gar nicht in den Statistiken über Kinderarbeit vorkommen, ist ja wohl voll daneben. Das kann man doch nicht als Arbeit ansehen oder bezeichnen …

  2. aiya8 Sagt:

    Mein Sohn hatte mit acht oder neun Jahren Lust bekommen, einen kleinen Job im benachbarten Spielzeugladen zu machen. Er nahm all seinen Mut zusammen und ist dort hinmarschiert, um zu fragen. Er wollte helfen, Kisten auszupacken etc. Die Ladenbesitzer war sehr gerührt über seine Anfrage und meinten, sie dürfen ihn nicht beschäftigen wegen dem Jugendschutzgesetz, auch wenn sie es gerne gemacht hätten. Er war darüber ziemlich enttäuscht. Mir wurde klar, wie absurd diese Regelung ist. Sie geht davon aus, dass das, was die Kinder wollen, nachrangig ist. Wesentlich ist das, was die Erwachsenen denken, was für sie richtig ist. Sie haben bis zum Alter von 16 bzw. 18 Jahren in die Schule zu gehen, ob sie nun wollen oder nicht, ob was Positives dabei herauskommt oder nicht, ob sie krank macht oder nicht. Und so sollen sie zu verantwortungsbereiten geschäftsfähigen Erwachsenen werden? Das ist ein Widerspuch in sich. Wie lernen sie denn Geschäftsfähigkeit? Nur wenn sie ihre eigenen Geschäfte und wirtschaftlichen Erfahrungen machen können.

  3. 1000sunny Sagt:

    Eines kann man von der Entmündigung der Kinder in unserem System nicht behaupten: sie wäre ineffektiv.

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