Ich glaube, dass es uns Menschen fast unmöglich ist, uns mit unserer Meinung über die Mainstream-Kultur und deren Ableger (die Sidestreams) zu erheben.

Hierfür wurde unsere Phantasie vom ersten Tag unserer Geburt zu stark beschränkt und die permanente Durchdringung der Medien zieht unsere Gedanken immer wieder auf die Hauptstraße zurück.

Manchmal passiert es aber, dass wir Momente haben, in denen wir besondere Dialoge führen. Diese Dialoge sind wild und wühlen uns auf, sie zeigen uns, wo das Universum der Zivilisation zu Ende ist und bringen uns für einen Moment auf die andere Seite der Käseglocke. Es ist egal, ob wir diese besonderen Dialoge mit uns selbst, unseren Nächsten, oder mit irgendwelchen Menschen auf einer Party, wenn die Musik aus ist führen – oder virtuell.

Papa und Mama (wir die Eltern von Chopper und Nami) hatten einen Dialog, der ein Jahr lang gedauert hat. Es ging darüber, wie Kinder lernen. Und es ging noch viel tiefer. Unser Lernen als Kinder bestimmt nicht nur das, was wir als Erwachsene denken werden. Es bestimmt, was wir als Erwachsene überhaupt denken werden können.

Seitdem haben wir uns stark geändert. Wenn wir manchmal anderen Menschen von unseren Veränderungen erzählen, und was wir anders machen, gibt es die unterschiedlichsten Reaktionen.

Die bei denen jeder aufschreit will ich hier vorstellen. Denn dieser Aufschrei des Mainstreams bedeutet: „Ihr seid anders“:

-Wir vergleichen nicht:

Bei uns gibt es kein besser, kein schlechter. Kein Größer, kein Kleiner. (Mathematische Operatoren natürlich außen vor).

-Wir beurteilen nicht:

Bei uns gibt es kein richtig oder falsch

-Wir zwingen nicht:

Bei uns gibt es kein „muss“. Auch nicht für uns selber.

-Ich(Papa) rechtfertige mich nicht:

Diesen Schritt habe ich letztes Sylvester als guten Vorsatz gefasst. Ich rechtfertige keiner meiner Handlungen mehr. Ich kann im Geiste des Austausches erklären, aber rechtfertigen heißt, dass der andere ein Problem hat und nicht ich.

-Wir vertrauen unserem Nächsten

All diese Punkte beschreiben Vorgänge, Umbrüche, in denen wir uns selbst befinden.

Auch wenn so mancher manchmal lehrerhaft aufzeigt und sagt: „Hier hast Du aber verglichen.“ – „Ja, und.“

Es sind keine starren Regeln. Es sind keine -ismen. Es sind Leitideen, die das Leben von Druck befreien.

11 Antworten to “Anders”

  1. Marie Sagt:

    Was genau meinst du hiermit:

    Papa und Mama (wir die Eltern von Chopper und Nami) hatten einen Dialog, der ein Jahr lang gedauert hat. Es ging darüber, wie Kinder lernen. Und es ging noch viel tiefer. Unser Lernen als Kinder bestimmt nicht nur das, was wir als Erwachsene denken werden. Es bestimmt, was wir als Erwachsene überhaupt denken werden können.

    Beim ersten Lesen, dachte ich, du meinst: so, wie wir von Kindesbein an geprägt werden, so „starr“ gehen wir unsere Wege als Erwachsene. Das Wörtchen können am Ende habe ich nicht so ganz verstanden.

    Denn, wenn eure Erziehung (als ihr Kinder wart) euch so tief geprägt hat, dass ihr nur „so oder so“ denken könnt, wie ist es möglich, dass ihr euch doch zu eine andere Denkweise durchringen könntet?

    Offensichtlich habe ich etwas nicht oder falsch verstanden.

  2. 1000sunny Sagt:

    (Papa)
    Du hast mich eigentlich sehr gut verstanden.
    Die Schule bestimmt in meinen Augen, was wir als Erwachsene überhaupt denken können.
    Hier sollte man auf jeden Fall die Sapir-Whorf-Hypothese sich mal gemütlich vor Augen führen. Als Zusatzliteratur „1984″ und die dortige Sprache Newspeak.

    Warum es dann doch Menschen gibt, die daraus ausbrechen, ist eine gute Frage. Wie weit sie überhaupt ausbrechen können ist eine fast unbeantwortbare Frage.

    Ich will das mal versuchen zu beschreiben: Nimm an das Denken einer Gemeinschaft wäre eine Autobahn, auf der sich alle bewegen. Diese Autobahn hat eine gewisse Breite, die alle ziemlich bequem nutzen können. Aber schon die Leute, die auf dem Seitenstreifen sind werden schief angeschaut. Wer in den Graben fährt, oh oh.
    Wer dann wirklich rechts raus fährt, aufs Feld neben der Autobahn, der benötigt dafür so eine Überwindung (und es existieren nur sehr wenige Menschen, die das machen).
    Dann, wenn man immer weiter durchs Feld fährt erreicht man irgendwann den Horizont (von der Autobahn aus gesehen). Wer hinter den Horizont fährt, der ist für die anderen Autofahrer nicht mehr sichtbar.
    Also für die Gesellschaft nicht mehr nachvollziehbar.
    Eysenck ist einer der größten Intelligenzforscher gewesen. Seine Sätze fingen frei zitiert immer so an: „Die intelligentesten Menschen, die noch nicht im Irrenhaus sind,…“

    Umso länger Traditionen weitergegeben werden, umso starrer werden sie. In unserem Beispiel ist es: Verlass nicht die Autobahn!
    Hinter dem Horizont ist die Welt zu Ende!

    Für eine Kultur oder Gesellschaft bedeutet das: sie hat anfangs freie Spiele. Dann werden diese zu Ritualen. Dann zu Zeremonien. Daraufhin zu Traditionen und dann geschriebenes Gesetz.
    Man merkt die Schritte vom freien Spiel bis zum geschriebenen Gesetz ahmen eine Art Kristallisierung nach. Also etwas Lebendiges wird etwas Starres.
    Hat die Kultur diese Starre erreicht, wird sie sehr zerbrechlich. Und geschichtlich sind solche Kulturen immer untergegangen (auf verschiedene Arten). Hier kann man mal den Begriff Puerilismus in den Kulturwissenschaften suchen.

    Es gibt auf jeden Fall ein paar Tipps die Starre zu durchbrechen:
    -Geschichte lesen (Lehrbücher, bloß keine Schulbücher, bloß keine Lehrer) – besonders Gesamtdarstellungen anderer Kontinente.
    -Soziologie
    -Wilde Dialoge (wie oben beschrieben).
    -Traditionen hinterfragen.
    -Keine Zeitungen, Zeitschriften (außer Fachzeitschriften) oder Magazine lesen, denn diese sind die weiße durchgezogene Linie am Rande der Autobahn -> lieber Blogs

    -> Es gibt aber auch ein Problem an der ganzen Sache: Man verlässt dadurch die Autobahn. (Ein bisschen, wie in Matrix, wo Neo die Wahl zwischen der blauen und der roten Pille hat). Und da kann man sehr schnell sehr viel verlieren.

  3. Marie Sagt:

    Hm.

    Die Welt ist flach! (*lach*)

    Ok, das leuchtet mir ein. Das ist mein Problem: ich erkenne nicht, wie es dazu kommen kann, dass ihr doch in der Lage seid, aus diesen Denkmuster auszubrechen. Seid ihr dann eine besondere, weiterentwickelte Mensch? Können wir alle daraus brechen? Warum brechen nicht mehr aus?

    Welche Blogs liest du? Magst du uns welche „vorstellen“ (Heulers hast du schon vorgestellt, lese ich auch gerne, aber sonst?)

  4. 1000sunny Sagt:

    (Papa)
    Hi Marie,

    hmmm…. keine Ahnung, ob wir wirklich aus dem Denkmuster ausgebrochen sind. Aber 90% der Leute verstehen nicht was wir sagen, wenn wir über „nicht vergleichen“ reden.
    „Nicht bewerten“ ist ja mittlerweile zu einer Art Mainstream geworden.
    Warum nicht mehr ausbrechen? Ob wir besondere, weiterentwickelte Menschen sind? Du stellst Fragen. Wir vertreten ja ein Weltbild, wie es vor der Industriellen Revolution „normal“ war. Also keine Trennung von Familie und Arbeitsstätte. Leben in einem gesunden großen Familienverband.
    Vielleicht sind wir also auch nur besonders rückständig :)

    Warum nicht mehr ausbrechen? Wie sagte jemand so schön: Man kann den Schulen alles vorwerfen. Aber ineffizient sind sie nicht.

    http://freiebildung.wordpress.com/200-grunde-gegen-den-schulbesuch/

  5. rip Sagt:

    > Bei uns gibt es kein richtig oder falsch

    > bloß keine Schulbücher, bloß keine Lehrer)
    > Keine Zeitungen, Zeitschriften

    Da tut sich doch ein Widerspruch auf, nicht? Offenbar sind Schule und Lehrer für euch grundsätzlich „falsch“, ebenso wie Mainstream-Medien.
    Dass jemand sich die Freiheit zum Denken in eigenen Bahnen erkämpfen und diese Freiheit ausüben will, das ist für mich ein nachvollziehbares Ziel, eine sinnvolle Grundeinstellung. Wenn damit aber gleichzeitig die Verteufelung anderer Einstellungen verknüpft ist, dann nimmt man sich einen Teil dieser Freiheit selbst wieder weg.

  6. 1000sunny Sagt:

    Hi rip,
    danke für den Kommentar.
    Versuchen Sie es im Kontext zu sehen – wenn man die Starre durchbrechen will, dann sollte man eine gewisse Abstinenz zu Zeitungen/Zeitschriften (die immer eine sehr vereinfachte, geraffte Oberflächendarstellung bieten), Schulbüchern (die einen kulturellen Schutzschild beinhalten) und Lehrern (die in diesem kulturellen Schutzschild operieren müssen) halten.
    Dieses war nicht lebenslänglich gemeint, sondern episodisch, um eben die Starre zu durchbrechen. Danach kann man sich das Ganze von außen gerne anschauen – auch Zeitungen und Zeitschriften.
    Lehrer meinte ich nicht die Menschen, sondern die Funktion des Lehrers. So kann man gerne mit diesen Menschen in ihrer Freizeit diskutieren. Lehrerfunktionen muss man sich allerdings verbitten (z.B. bewertet werden, absolute Sichtweisen, keine Gleichberechtigung unter Menschen (wie bei Herrn Rau diskutiert)).
    Um sie zu beruhigen: Zur Zeit lese ich Zeitungen (FT, FTD, LeMonde, Vesti.ru, Corriere della Serra, New York Times, Washington Post).
    Wenn Sie unseren Blog durchforsten, finden Sie auch heraus, dass unsere Kinder freien Zugang zu Bibliotheken haben, und zusätzlich Youtube unbegrenzt sehen dürfen.
    Das Ausbrechen aus der Starre ist für Unschooler nicht nötig (deswegen können sie sich auch Schulbücher anschauen), da sie nie normiert wurden.
    Für uns andere, die eben die staatlichen Lehrpläne und Lernparadigmen durchlaufen mussten, ist eine gewisse Periode der Abstinenz förderlich.

    Ich suche auch einen Weg zu den Lehrern, da sie (meistens) gut meinende Menschen sind, die selbst in diesem Gemisch aus Lehrplänen, politischen Zielen, institutionellen Vorschriften und implizite Regeln untergehen (können).
    Die Lehrer sind heutzutage genauso wenig frei wie die Schüler. Da es hier um Bildungsfreiheit geht, gilt das damit für Lehrer, Schüler, Eltern, Studenten und alle anderen. Dieses ist kein Kampf gegen Menschen, sondern ein Untersuchen von Wahrheiten. Denn hinter so mancher Wahrheit verbirgt sich ein Dogma. Und so manches Dogma sperrt uns ein und so manch anderes bringt uns auseinander.

    Ich würde mich auf weitere Hinweise freuen, denn besonders solche Widersprüche führen manchmal dazu, dass Menschen gut gemeinte Gedanken anders interpretieren, als sie gemeint waren. Und aus der temporären Entschlackung (vom Mainstream) wird eine lebenslange Isolation (von den Mitmenschen).

    Die Phase oben nennt man übrigens Deschooling – sie dauert nach meinen Informationen 2 Wochen pro erlebtes Schuljahr.

    Noch ein letztes PS: Ich wünsche mir mehr Lehrer auf diesem Blog :)

  7. iea-sieie3392-amö332i2 Sagt:

    1000sunny!!!!!!!!

    Homo ludens – Ursprung der Kultur im Spiel nach Huizinga. Vom Spiel zum Gesetz.

    Ist das empfehlenswert zu lesen? Klingt zumindest interessant.

    Obwohl warum kristallisiert Spiel von seiner Vitalität zur Erstarrung?

    Ein Spiel ist zuerst etwas freies, laut Spieltheorie, freies Handeln, Freiheit. Wenn es einmal gespielt ist, bleibt es im Gedächtnis, in der Erinnerung, und kann jederzeit wiederholt werden.

    Die Spielregeln, und die damit geschaffene zeitweilige (Spiel)Welt die durch die Regeln geschaffen wird, eine virtuelle Welt? Und plötzlich wird aus dieser Virtualität des Spiels eine Realität der Kultur?

    Also ist alles auf reiner Virtualität gegründet?

  8. 1000sunny Sagt:

    Genau! Und dann noch das Buch Medienpädagogik – in dem Buch wird beschrieben, dort erfahren wir, dass die Virtualität gar nicht so unreal ist. Damit haben wir einen surrealen realen geschlossenen Kreis.
    Homo Ludens ist der Bringer. Das Alterswerk von Huizinga. Das Spiel kristallisiert immer mehr, da die Regeln immer starrer werden (umso öfter man spielt) und immer mehr Regeln dazukommen. So kommt man vom Kodex zum Gesetz.

  9. iea-sieie3392-amö332i2 Sagt:

    Virtualität ist laut Wikipedia nicht das Gegenteil von Realität, der Unterschied zwischen Realität und Virtualität liegt nur im nicht-physischen Charakter des Virtuellen, jedoch kann Funktionalität und Wirkung auch beim Virtuellen gegeben sein.
    Ein virtueller Lehrer am Computerschirm kann einem genauso Dinge beibringen, wie ein echter, physisch existierender Lehrer.

    Was meinst du mit surreal? Willst du da irgendwie das Unterbewusstsein oder den Traum ins Spiel bringen? Und falls ja, wie?

Eine Antwort schreiben