Stillen oder nicht Stillen

Stillen ist ein Thema zu dem ich lange nichts gesagt habe. Denn was soll man als Mann dazu auch beitragen? Die Mütter stillen halt und irgendwann wird es einem zu blöd und man sagt etwas – oder man identifiziert sich damit und findet das gut – oder was auch immer. Interessant fand ich natürlich, dass es auch sog. Male Lactation gibt (also Männer geben Milch).

Aber eine kleine Sache habe ich doch gefunden, warum so ein heißer Kampf um die lauwarme Milch auf politischer Ebene entbrannt ist – und diesen Beitrag will ich nun in die Welt werfen. Wohlbedacht, dass er eine der Grundlagen der politischen Entscheidungen birgt. Egal was dann die empörten Journalisten für und gegen das Stillen schreiben.

Es gibt nämlich in der Demographie Forschungen, die sich mit der weiblichen Reproduktionsrate(also der Anzahl legitimer Kinder, die sie bis zum Ende ihrer fruchtbaren Phase bekommt) beschäftigt. Männer werden erst nach und nach in die Überlegungen einbezogen (aber das ist ein anderes Thema).

Man hat als erste Stufe die TFR – totale FruchtbarkeitsRate (also wieviel Kinder sie wirklich bekommt).

Dann wurde gezeigt, dass es 4 Determinanten gibt, die bestimmen wie groß die TFR ist. Jede dieser Determinanten wirkt „verhindernd“ also sie verringern die maximal mögliche Geburtenrate (Total Fecundity Rate).

Wir gehen also aus von der TFR, das bedeutet wieviel Kinder unter den 4 Determinanten:

-Heirat (Hinauszögerung der Heirat (z.B. Kulturelle Gegebenheiten (erst ab 18 Jahren, statt ab dem Fruchtbarkeitsalter)) und Heiratsauflösung.

-Verhütung und induzierte Abtreibung

-Postpartum Infecundability (also nach Geburt des Kindes wird durch Stillen und Abstinenz die Fruchtbarkeit beeinflusst).

Nimmt man nun die Determinanten nach der Reihe weg, so steigt bei jeder Wegnahme die Fruchtbarkeit. Wirft man Heirat und Heiratsauflösung weg, sowie Verhütung und Abtreibung dann kommt man zur „Natürlichen Geburtenrate“.

Nimmt man im nächsten Schritt auch noch das Stillen weg, dann kommt man zum Maximum an Geburtenrate.

Neben anderen Punkten (die bei politischen Entscheidungen natürlich mit reinspielen) muss also in einem geburtenschwachem Land das Stillen minimiert werden.

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Man sieht das in einer sehr schönen Grafik hier auf Seite 16 – in der der türkise Balken ganz oben den Traumzustand (eine knapp 3-fache Fruchtbarkeit gegenüber der realen) jedes Demographen in einem „überaltertem“ Land beschreibt.

 

 

Am See

Gestern waren wir wirklich 7 Stunden am See! Ich bin für meine Verhältnisse sogar sehr viel geschwommen :) und es war so anstrengend, dass wir uns am Abend nur knapp ins Bett retten konnten – ohne auf dem Weg dorthin schon einzuschlafen. Es ist aber auch praktisch gerade mal 5 Minuten mit dem Fahrrad zum See zu haben, und praktisch keine Straße überqueren zu müssen.

Am See haben wir einen richtig großen Fisch gesehen, ungefähr so groß wie Chopper – und der ist jetzt 6 Jahre – bald sieben. Der Fisch lag im Todeskampf (und Fische im Todeskampf sind kein schöner Anblick), vielleicht hatte ihn ein Reiher gepickt, ein Fischer verletzt, oder ähnliches.

Die Kinder stellten dann alle möglichen Fragen ( wie es sein kann, dass Augen platzen und so weiter – die Augen waren auch Hauptfokus der Faszination). In der Stadt hat man meistens ein sehr romantisches und idyllisches Bild der Natur und kommt gar nicht auf die Idee dass es in der Natur und bei Tieren wirklich brutal zugeht und wenn dann mal Augen platzen, kommt kein Doktor und verbindet sie, kein Designer um eine Gucci-Sonnenbrille darauf zu setzen und auch und man kann auch nicht – wie im Kino – erklären es sei alles nur Schminke und Specialeffects.

Es ist einfach so wie es ist und der Tod beendet das Leben. Und diese Idee versuchen wir ja gekonnt in unserer Zivilisation vor uns zu verstecken und verstecken auch jedes Lebensalter in einer abgetrennten Einheit.

Aber wir sahen auch andere Dinge, wie einen Schwarm von Babyfischen, die sich an einer seichten Stelle im warmen Wasser sonnten. Und sobald man nur etwas näher kam, setzte eine riesige Fluchtbewegung ein, so dass es aussah, als ob der Boden sich bewegte und manch kleiner Fisch aus dem Wasser heraus über 5 andere hinwegsprang.

Etwas später suchte uns dann ein Schwan auf, er kam wirklich immer näher und machte drohende Geräusche. Bis ich Sanji beiseite nahm und dem Schwan Baguette-Stücke vorwarf. Das befriedete ihn für einige Zeit, doch er kam für eine zweite Ladung wieder und erst dann schwamm er davon.

Später im Wasser schwamm er mir wieder über den Weg, zum Glück diesmal waren die Kinder am Strand und ich ging auch in sichere Entfernung.

Zur Zeit haben wir kein Internet und ich muss immer an die deutsche Grenze, wo ich mobiles Internet habe. Da sitze ich dann – wie jetzt – auf einer Bank und die Pferde 3 Meter entfernt wiehern und machen seltsame Blökgeräusche. Komisch diese Natur :)

Lost–Verloren

Es ist als ob die ganze Welt zerbrochen wäre,

und nur noch ich einsam

leben muss.

Das Stück auf dem ich stehe,

wie auf einer Scholle, die im Eismeer treibt, nur unendlich weit weg,

im Sturm um mich herum nur kaltes, dunkles, tiefes Wasser.

Und selbst das Wasser ist nicht da.

Das Stück auf dem ich stehe, kaum größer als ich selbst,

existiert in einer endlosen Nacht und alles sagt:

Es gab nie Leben.

Du bist verloren und die Menschen von vor 10 Minuten,

sind unerreichbar für immer.

Und wenn die Sonne scheint, dann nur um mich zu verbrennen.

Und die Bäume stehen nur um mich zu erschlagen.

Es ist der Moment des Sterbens, in dem ich einatme und mittendrin hört alles auf.

Und alles ist in einem Gefühl, das zugleich kommt und in einem Abgrund verschlingt.

 

–Ungefähr so ist es, wenn die Angst mich irgendwo erwischt hat. Mittlerweile kann ich schon mit diesen Momenten umgehen, obwohl sie immer noch überwältigend sind. Unsere Mainstream-Kultur hat diesem nichts entgegenzusetzen. Und gerade deswegen will ich hier die Antwort die sich Native Americans von Generation zu Generation gaben, als sie eben dieses Gefühl im Wald überwältigte:

Lost

Stand still. The trees ahead and bushes beside you

Are not lost. Where you are is called

Here,

And you must trust it as a powerful

stranger,

Must ask permission to know it and be known.

The forest breathes. Listen. It answers,

I have made this place around you.

If you leave it, you may come back

again, saying Here.

No two trees are the same to Raven.

No two branches are the same to Wren.

If what a tree or a bush does is lost on

you,

You are surely lost. Stand still. The

forest knows

Where you are. You must let it find

you.

(from Traveling Light: Collected and New Poems by David Wagoner via: Qualitative Research & Evaluation Methods – Michael Quinn Patton)

Schulfrei-Raclette in Lauterbourg

Nur für alle, die gerade in der Nähe sind. heute machen wir ein schulfrei-Raclette. Es sind schon ein paar Familien da, wer also Lust hat einfach per Kontakt – und dann schicken wir die Adresse :)

ein paar Tage

Angstbekämpfung

Meine Angstbekämpfung geht immer noch weiter. Eineinhalb Jahre sind vergangen, seitdem ich nicht weiter konnte als bis zum Ende des Hauszauns, und ich habe diesen Samstag wieder einen großen Schritt gewagt. Ich bin in einen Zug eingestiegen und eine Station mitgefahren. Alle haben mich begleitet und für die Kinder war es wirklich toll – sie lieben Zugfahren. Mein Herz hat natürlich beim Einsteigen feste geschlagen und meine Hände haben gezittert, aber nach ein paar dutzend Sekunden nachdem der Zug losgefahren war spürte ich eine Erleichterung. Die Angstspirale ergriff mich nicht, kein Gefühl der endlosen Verlorenheit – auf einer zu großen Welt, die Welt war nicht zerbrochen bis auf den Platz an dem ich stehe, und kein Alles Dunkel um mich herum. Kein Gefühl des Sterbenmüssens sofort und auf der Stelle, ohne Vor und Zurück. Es war einfach schön und draußen war alles grün und der Zug glitt langsam von Baggersee zu Feld zu Baggersee… Dann sind wir noch ein paar mal Hin- und Hergefahren. Und mein fester Vorsatz ist, jetzt jedes Wochenende mindestens einmal Zugfahren. Wenn ich den Leuten erzähle, dass wir am Wochenende von Berg nach Lauterbourg gefahren sind lächeln die meisten … es sind schließlich nur 4 Minuten.

Nach dem Zugfahren gab es dann einen Kurzaufenthalt im Penny, wo wir alle möglichen Süssigkeiten und Chips gekauft haben (diese Belohnungsstrategie möchte ich nicht missen :) ).

Über Gefängnisse

Wenn man nirgendwohin kann, es aber möchte, so ist man irgendwie ein Gefangener. Diese Woche war die Gran da (also Mummy1000Sunnys Mutter) und meinte es sei doch eigentlich ganz gut, dass ich die Angst habe. Ich müsse ja eh zu Hause bleiben um auf die Kinder aufzupassen. Ich war so erstaunt über so einen verqueren Gedankengang, dass ich gar nicht antworten konnte, sondern einfach nur nachdenklich zurückblieb.

Die Idee ist natürlich die alte Idee, dass unsere Strukturen und Blockaden und Verbote und Du-Musst-Abers uns einen guten und sicheren Platz im Leben geben und einen wertvollen und berechenbaren Platz in der Gesellschaft.

Gegen diese Idee wehre ich mich zum aller äußersten. Ich mache das was ich mache, weil ich es will. Würde ich nicht auf die Kinder aufpassen wollen, und täte es nur weil mir meine Angst keine andere Option auf ein sinnvolles Leben gäbe, so würde ich nur ein Geiselnehmer sein. Und würde meine eigene Gefangenheit an meine Kinder weitergeben. Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die sich durch Äußeres zwingen lassen. Manchmal bewundere ich das sogar. Wenn auf mich ein Zwang wirkt, dann bekämpfe ich diesen mit allen Mitteln. Würde ich wirklich wieder einen Job wollen und Karriereleiterklettern mit den anderen großen Jungs im Sandkasten spielen wollen, so würde ich alles tun, damit das geht. Ich habe mich von meiner Angst nicht abhalten lassen nach Frankreich zu fahren, und würde mich auch nicht abhalten lassen einen Job in Karlsruhe anzunehmen.

Aus einer Gefangenschaft entsteht nie etwas Gutes! Gefangenschaft ist immer schlecht und sollte etwas Gutes aus etwas Schlechtem entstehen, so ist die Frage wieso das Gute so teuer sein musste. Die Idee, dass man etwas Gutes über etwas Schlechtes erreichen kann/muss ist die dümmste Idee, die jemals in die Gehirne der Menschen gesickert ist. Wenn man etwas durch Gewalt oder Zwang erreicht, dann hat man nichts erreicht, außer den Samen für Gegengewalt gesät und alles Gute, was entstanden ist, lebt in diesem Schatten.

Und Heute

Heute sind wir dann an den See gefahren – das dauert hier ganze 5 Minuten. Nun ja, es hat länger gedauert, da wir genau in der Mittagspause an der Schule vorbeigefahren sind und ein paar Kinder gleich riefen: „Hallo Nami!“, „Hallo Chopper!“. Da sind wir umgekehrt und haben mit denen noch den Rest der Mittagspause verbracht. Da konnten alle Kinder miteinander spielen und ich habe herausgefunden, dass der örtliche Polizist der Onkel von dem Mädchen ist, dem wir als erstes erzählt haben, dass wir Unschooler sind :) Oh!

Es wurden noch Spielverabredungen für Mittwoch getroffen (nationaler Homeschool-Tag) und dann ab  an den Strand. Eines der Mädchen fragte noch: „ob sie denn nichts lernen müssten?“ Ich sagte: Doch schwimmen, tauchen, …

Am Strand waren wir dann alle im Wasser und verbrachten dort den größten Teil des Tages. Auf dem Rückweg fuhren wir noch an der Kirche vorbei, dort ist jeden Tag nach der Schule ein großes Treffen der meisten Schulkinder und deren Eltern.

Ich spielte dort mit den Kindern Karussell (alle halten sich an meinen Fingern und ich drehe sie so schnell wie möglich) und ähnliche Spiele. Ich bin dort schon richtig beliebt *freu* und ein paar Jungen löcherten mich dann darüber ob Chopper wirklich nicht in die Schule müsse und erzählten wie Mist die Schule ist und wie früh sie raus müssen und… sogar im Winter !

Ich war natürlich ganz verwundert und fragte, ob sie das nicht total genießen :) Und sie waren wirklich empört als sie hörten, dass Chopper vielleicht 20 -40 Minuten am Tag „lernt“, während sie um 6.30 aufstehen müssen und dann bis 16 Uhr ( minus 2 Stunden Mittag) rumschulen müssen.

Naja, so ist das Leben. Die einen müssen in die Schule, die anderen wissen es besser :)

Ein Update für die deutschen Kultusministiere

Da die deutschen Kultusministiere ja sehr rückständig sind folgt hier eine kleine Aufklärung, was alles so passiert ist, seitdem sie auf ihren SPD/CDU/andere Parteien-Ideologie-Indoktrinationsseminaren waren:

(vielleicht passen sie auch ihre Lösungen mal an den neuen Volkscharakter an :) )

Die Geschichte zweier Freunde

Es waren einmal zwei Freunde. Der eine hieß Ivan Illich – der andere hieß (na wie hieß er noch?… hmmm…) er hat Laborschulen in Bielefeld…

Sie wurden ungefähr ein Jahr auseinander geboren und während Illich Priester wurde, wurde der andere Pädagoge.

Zum Spot aller Menschen die Priester gerne als Mittelalterlich und Wissenschaftsfeindlich charakterisieren studierte Ivan alles mögliche und kann (meiner Meinung nach) zurecht als Universalgenie des 20Jhds. bezeichnet werden.

Illich legte sich als Priester mit den Obrigkeiten an und stand deswegen schon mal vor dem Vatikan und wurde mit streng geheimen Fragen gelöchert. Diese Fragen waren so geheim, dass niemals von keinem Kirchenmann jemals darüber in der Öffentlichkeit gesprochen wurden durfte. Ein Grund für Illich, sie sofort nach seinem Verhör zu veröffentlichen.

Er sabotierte auf hohem Niveau die Bemühungen der Kirche Entwicklungsländer zu missionieren. Seine Kritik an der Kirche war so fundamental und gut ausgearbeitet, dass sie (würden die Benedikts und Piuse dieser Welt sie befolgen) die Kirche wahrscheinlich wieder Erfolg hätte – und Sinn. Dafür aber nicht so viel Macht (allerdings mögen Päbste gerne teure Glasautos).

Ivan Illich war einer der schärfsten Kritiker der Zivilisation und insbesondere ihres Initiierungsritus (der Schule, oder schole). Er prägte den Begriff des „Deschooling“ in seinem Buch Deschooling Society. Und war auch einer der intellektuellen Wortgeber der Abschaffung der Schulpflicht in den USA.

In seinem Buch über ein demokratisches Bildungssystem zeichnete er eine Plattform auf, über die Leute ihr Wissen mithilfe von Videos und anschließenden dezentralen Plauderstündchen teilen und vermehren. Wer sich durch meine kurze Beschreibung an Youtube, die OpenEducation-Bewegung, skill-storm.org 5-minutes.com, khan-academy und an OpenStudy erinnert fühlt sollte erst mal das Buch dieses Mannes lesen :) Sein Mittel den Erfolg von Bildungsmaßnahmen im Sinne von Demokratisierung und Nachhaltigkeit zu messen war das von ihm entworfene und geprägte Kriterium der „Konvivialität“.

Ivan Illichs Bücher wurden in unzählige Sprachen übersetzt und oft hielt er auch Reden zu der Bildungsvision von dem ein oder anderem Politiker / Partei / ideologische Strömung. Leider war er nie sehr nett zu den Herrschern und ihren Vorstellungen vom Schulparadies und seine Kritik war so fundiert und belegt, dass den Herrschern nie etwas anderes übrig blieb als sich in Grund und Boden zu schämen.

Die Übersetzung der Bücher wanderten auch nach Deutschland in die Hände deutscher Übersetzer und Vorwortschreiber. Und hier kommt oben besagter Freund ins Spiel, der andere, der mit den Laborschulen in Bielefeld, Professor für Pädagogik. Dieser Andere schrieb dann natürlich auch deutsche Vorwörter in denen er den Deutschen versicherte, dass Ivan eigentlich alles gar nicht so meine. Und die Schule doch eigentlich so super ist (und er gerne eine oder zwei Laborschulen hätte, ansonsten hätte er zu viel Zeit und müsste sich am Ende noch diesen Kritikern oder den Studentenunruhen anschließen) – ja die Schule ist eigentlich super, würde man nur seinem Konzept folgen. Als Sohn von Diplomaten gibt man sich halt diplomatisch.

Die Politik, damals tief verschreckt und verängstigt, schließlich hatte man Angst dass in Deutschland wirklich noch der Muff von 1000 Jahren am Ende doch noch verloren geht. Und am Ende auch die Miefenden und Obermiefer. Die Politik tat nun einen so genialen Schachzug, dass ich finde sie hat den Titel Machthaber wirklich ohne Neid verdient: Sie gab ihm zwei Laborschulen. Und zwar wurden diese Laborschulen an die Uni des milden Vorwortrelativierers und Volksberuhiger angeschlossen und Personal dieser Uni hatte Vorkaufsrecht für ihre Kinder. Schließlich kosten Laborschulen (der Name klingt ja sogar schon teuer).

Es gab also zwei Möglichkeiten, entweder „Der Andere“ versagt – und keine Sau interessiert sich mehr für ihn. Oder er hat Erfolg und man sagt, natürlich dass sind ja eh alles Akademikerkinder (damals glaubte man eh noch, dass Wissen sich über Gene vererbt und nicht durch die 1000 Mechanismen die nach heutigem Wissenstand dafür sorgen, dass die Schule heftiger trennt als das rigideste Kastensystem). Wie dem auch sei der Andere war kaltgestellt und immer wenn es um Bildungsreformen geht, dann darf er zwar einen Beitrag in der ein oder anderen Zeitung schreiben, aber wer glaubt einem der ein ganzes Labor braucht um ein paar Kinder zu erziehen, die schon mit dem Goethe in der Hand geboren wurden und zu lateinischen und altgriechischen Schlaflieder im Sinusrhythmus gewiegt wurden? Keine Sau. Vor allem nicht, wenn das Land auch eine einfache Grundschullehrerin zu bieten hat, die es durch permanente Fortbildung geschafft hat all ihren Kindern in Jahrgangstests Bestnoten zu verschaffen – so etwas wie ein pädagogisches Genie, realt Streetborn anstatt im Labor inkubiert.

Und so hatte der Diplomatensohn seinen diplomatischen Eiertanz verloren, „Deutschlands bedeutendster Reformpädagoge“ war kaltgestellt und hatte zuvor seinen Dienst getan und die radikalen Ideen politische hinreichend abgeschwächt. Seine nächste diplomatische Großtat war dann eine Strategie für seinen Freund zu entwickeln, wie dieser die Missbrauchsvorwürfe an Kindern in der Odenwaldschule aussitzt.

In einem Buch schrieb dieser Diplomatenpädagoge (von dem mir der Name immer noch nicht eingefallen ist – hab ich ihn vielleicht verdrängt?): dass die Ideen seines Freundes Ivan Illich nie richtig bei den Menschen angekommen wären, keine Resonanz gefunden hätten und auch nicht wirklich gangbar waren, weil zu radikal.

Mir wird bei soviel Selbstgefälligkeit immer noch schlecht, hätte er damals den Stachel in die Politik gehauen hätten Ivan Illichs Ideen vielleicht auch in Deutschland bessere Verbreitung gefunden. Ich möchte diesem einen Mann nicht zuviel Verantwortung zuschreiben, aber vielleicht hätte eine kleine Unterstützung aus intellektuellen deutschen Kreisen damals die Schulpflicht zu Fall bringen können.

Was Illich und all die anderen bewirkt haben sehen wir zum einen natürlich an der Deschooling und Unschooling Bewegung, die in den USA und in England abhebt und sogar in Frankreich werden es immer mehr (ich habe letztens sogar einen Rechner für die USA gefunden, in dem man ausrechnen kann, wann die Schulatheisten mehr sind als die Schulgläubigen).

Doch Ivan Illich gewinnt auf allen Ebenen immer mehr Relevanz:

The Future of Learning

Anthony Giddens – Standardwerk für Studenten der Soziologie

Entwicklungshilfe (insbe. Post-Development-Ansätze)

Denken nach Illich (ein Kreis von Professoren, die sich mit seinen Ideen beschäftigen)

(wer was findet, gerne)

Und am Ende der Basis-Relevanz-Vergleich: die Anzahl Sprachen in die der jeweilige Wikipedia-Artikel unserer beiden Freunde übersetzt wurde:

Ivan Illich

Der Andere

Ich freue mich auf menschliche Gemeinschaften der Konvivialität. Auf Bildungssysteme, Transportsystem, Gesundheitssysteme die durch seine Ideen eine menschliche Form gewinnen.

Ah, jetzt weiß ich wieder, wie der andere heißt. Ha… , nein es ist mir wieder entfallen. Egal.