Winterliches

 

Wir hätten nie gedacht, dass wir das Leben im Wohnwagen selbst im Winter so genießen. Aber dieser dauernde Kontakt zur Natur macht wirklich stark – auch wenn er viel Energie kostet.

Morgen ist schon wieder Sonnenwende und die Tage werden länger.

Und jetzt Bühne frei für Chopper und den Schneemann (wundere mich, warum Nami nicht drauf ist…, sie hat eigentlich den mittleren Teil gebaut).

SDC10496 SDC10497 SDC10499 SDC10502 SDC10503 SDC10504

Warum alle die Schulpflicht wollen

Ich glaube eher, dass es so ist, wie ich damals in meinem Antrag beschrieben hatte. Jede Gruppe hat ein Interesse daran die Schulpflicht zu behalten. Die Nationalisten wollen sprachliche Assimilation und Leitkulturvermittlung. Die Linken wollen die „alten Ideologien der Elterngeneration“ überkommen und eine neue Welt auf komplett neuen Ideologien schaffen. Die Mittelschicht will die Unterschicht retten und ihnen „gute Werte“ beibringen. Die Oberschicht will dass so früh wie möglich eine unüberbrückbare Hierarchie aufgebaut wird, die möglichst ein Leben lang gilt (Zeugnisse, Uniranking, internationales Ranking, Harvard vs. Community College). Die Unterschicht hofft auf „Rettung von Oben“. Die gerade Eingewanderten wollen sich möglichst gut assimilieren lassen. Die Arbeitgeber in einer industriellen Landschaft wollen möglichst normierte „Human Resources“. Viele haben selbst ihre innerfamiliären Konflikte nicht überwunden und hadern mit ihren eigenen Eltern. „Der Staat“ will dass er alle Individuen auf gemeinsame Werte ausrichtet und somit eine Basis für Loyalität und Grenzen schaffen – auch muss das aktuelle Wertsystem und Allokationssystem (also wer verfügt über welchen Anteil der Produktionsmittel und wer ist nur Produktionsmittel selbst) gerechtfertigt werden. Die Allokation ist praktisch immer geschichtlich (wie hat die jeweilige Familie ihre Sozio-ökonomische-Position erreicht über die Generationen) und teils ideologisch (also warum die, die das Meiste haben, auch die Besten sind) gerechtfertigt und bringt damit eine Menge Verstimmung (also Menschen, die ihren Geburtsstatus ungerechtfertigt finden oder die aktuelle Ideologie nicht teilen) mit sich. Um diesem Dissens entgegenzuwirken bekommt man eben beigebracht, dass das aktuelle System ziemlich in Stein gemeißelt ist (als Gottesgesetz „das war schon immer so“ oder Naturgesetz, kurz „natürlich ist das so“) – kurz Sozialisation. Man kann zwar nie alle Dissenter ausschalten (mit steigender Aufklärung immer schwieriger), aber man kann sie soweit marginalisieren (die kleine Gruppe am Rand, das sind eh nur Spinner) und ihre Gründe als illegitim erklären (verspotten, „der schon wieder“) dass sie in der Bevölkerung keine Rolle spielen und somit die bestehende Allokation hingenommen wird – „weil sie die Beste ist, die wir kennen und andere schon gezeigt haben, dass sie nicht funktionieren“.
Somit könnte man zu jeder Gruppe von Menschen einen separaten Grund für die Schulpflicht anführen – diese Gründe widersprechen sich oft und das ist es warum das Schulsystem so umkämpft ist. Nehmen wir die emanzipierten Frauen, die bestimmt keine Kinder im Büro haben wollen/können. Oder die Statistiker der Arbeitgeberverbände/Regierung/Gewerkschaften, die das Familieneinkommen als notwendiges Minimum nehmen und es das Ziel weniger hoch setzt (und somit erreichbarer/lukrativer), wenn beide arbeiten gehen, anstatt dass einer die Kinder hütet.
Das geniale an der Schule ist, dass jeder einen Grund hat sie zu behalten und einen Konsens auf den sich alle einigen können: Wir müssen sie nur zum Funktionieren bringen, denn so schlecht sie auch ist und so viele Nachteile sie auch hat, sie ist das Beste was wir haben.
Und in unserer Gesellschaft mit den komplett motorisierten Städten, entkräftenden Normierungen ist dieser Schutzraum für Kinder traurigerweise wirklich besser als vieles was draußen so ist. Niemals dürfte ein Kind einen Limonadenstand vor dem Supermarkt aufmachen, außer es ist ein Schulprojekt, usw.
Die Schule ist das tote Pferd auf das alle setzen, weil es das einzige ist, was sie in ihrer „Bildung“ kennengelernt haben. Und somit wird daraus ein Kult, der die Widersprüche(Bildungsparadoxon, Zwang und Gewalt als Grundlage der Bildung und Erziehung der Kinder, Menschen vor Freiheit schützen) und das Unbehagen (meinem Kind geht es schlecht, aber Ritalin ist bestimmt nicht gefährlich, oder?) das er erzeugt vergessen lässt.

Probleme beim Homeschooling

Manchmal bin ich recht froh, dass wir mit Nami und Sanji schon Unschooler sind. Nur bei Chopper sind wir noch ein bisschen Homeschooler (also was das Lesen anbetrifft). Lesen muss er also bei uns lernen und wir haben ja schon sehr früh damit angefangen (eigentlich zu früh).

Vor 2 Wochen hat Chopper sich dann richtig gesträubt mit „Mo – Lesen lernen leicht gemacht“ weiterzumachen. Mich hat das dann total genervt, da ich finde wir geben ihm alle Zeit der Welt (naja nicht wirklich) und 10 Minuten lesen lernen am Tag ist wohl nicht zu viel verlangt (aus Homeschooler-Sicht) gegenüber den 5-10 Stunden Fronarbeit der Schuleltern.

Das habe ich ihm auch so gesagt, nämlich dass ich nicht viel von ihm erwarten (also die 10 Minuten), aber dass es mich sehr nervt, dass ihm das schon zu viel ist. Als Mummy1000Sunny mir auch noch zustimmte, war er sehr traurig und zog sich in sein Bett zurück. Er hat auch ein bisschen geweint.

Die nächsten Tage haben wir dann einen Weg gefunden, wir haben eine zweite Welle eingeführt. Das bedeutet wir fangen (mit höherer Geschwindigkeit natürlich) das Buch noch einmal von vorne an und machen alle Übungen noch einmal – eben die zweite Welle. Sobald Chopper sich dann soweit fühlt kann er dann wieder in der ersten Welle weitermachen. Ein paar Tage später haben wir noch eine dritte Welle eingeführt. Und in diesen drei Wellen jagt er jetzt durch das Buch. Das macht richtig Spaß und gibt ihm Selbstvertrauen.

Wenn wir aber eine Sache gelernt haben, so ist es, dass wir uns über unsere Erwartungen klar werden und sie mitteilen, bevor wir sauer werden. Und wir haben gelernt, dass die eigene Geschwindigkeit auch einmal bedeuten kann: zurückzugehen.

(Mit Nami und Sanji ersparen wir uns das und warten, bis sie auf uns mit dem Wunsch lesen zu lernen zukommen (was witzigerweise diese Woche geschehen ist). Und wir machen es nur ganz spielerisch, bis sie von sich aus die Initiative ergreifen schneller voranzugehen).

Alles in allem bin ich froh, dass das nicht in der Schule passiert ist. Besonders wenn ich die anderen Eltern (hier in der Nähe sind ja gleich welche :) ) erlebe, die ihr Kind zwar jeden Tag in die Schule schicken, aber dann noch einen mehrstündigen Hausaufgabenkampf am Abend haben, der nicht selten in Weinen und Streiten endet.

Das Leben genießen im Winter… im Wohnwagen

So jetzt ist es Dezember, draußen liegt der Schnee und drinnen (im Wohnwagen) sind wir. Eigentlich sind wir sehr oft draußen. Eigentlich sind wir viel öfter draußen, als wir es mit Wohnungen jemals waren.

Wir haben uns sehr viel Sorgen gemacht, dass es im Wohnwagen nicht ginge wenn der Winter kommt. Jetzt ist er da und es ist superschön. Wir haben eine Heizung, die richtig warm macht, ein Raclette… jetzt kam auch noch die Kochplatte und laufendes Wasser. Allerdings ist das Wasser ein bisschen ein Problem, da die Ablaufrohre alle unter dem Wohnwagen entlanglaufen und zugeeist sind – also haben wir zwar warmes Wasser (und fließendes) im Wohnwagen – aber es läuft nicht mehr ab. Macht nichts, lassen wir es halt die Friertage in Schüsseln laufen und kippen die von Hand in Eimer. Pillepalle.

Nun, jetzt ist der Winter also da und auf dem Platz ist oft eine sagenhafte Stille. Man hört nichts – wirklich nichts. Man sieht nur den Schnee im Mondschein glitzern und freut sich einfach nur.

Und unser großer Garten ist wirklich super. Wir haben ein kleines Fußballfeld (eigentlich für Petanque) direkt vor der Tür, dann haben wir auch noch einen See und eine Eisbahn (!) direkt vor dem Campingplatz. Die Eisbahn ist zwar klein und die Kinder trauen sich noch nicht so richtig, aber immerhin.

Wenn wir im Wohnwagen sind ist es am Abend (besonders wenn die Mama nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt) sehr nervig. Dann hüpfen alle Kinder durch die Gegend als ob sie Gummibälle mit Atomantrieb wären und der Wohnwagen wackelt. Oft müssen wir den dann richtig vor den Kinder beschützen (und uns) weil die so viel Energie haben. Selbst wenn wir vorher eine Stunde draußen Fußball gespielt haben. Also eng ist es schon, besonders mit so sportlichen Kindern.

Langsam fangen wir auch an uns hier in die Gemeinde zu „integrieren“ (LOL) oder „sozialisieren“ (das Wort haben mir die Politiker echt vergrault). Auf jeden Fall ist Nami jetzt in einer Tanzschule (auf eigenen Wunsch) in der sie Balett-Tanz macht. Die ist auf der deutschen Seite und so fährt jedesmal ein ganzer Kurs französischer Kinder nach Deutschland rüber um dort Balettstunden zu nehmen. Sobald die Balettstunde fertig ist, will sie aber sofort wieder und fragt ob am nächsten Tag wieder Balett ist. Wenn die „echte Schule“(TM) nur Balett anbieten würde, dann würde Nami wahrscheinlich dorthin umziehen :)

Chopper ist in der Kindermalwerkstatt in Karlsruhe und hat dort viel Spaß. Hier auf dem Campingplatz sind doch eine ganze Menge Leute, sogar im Winter. Und wir kennen schon einige. Ein paar gehen sogar jeden Tag im See schwimmen (auch bei Minusgraden) und da haben wir schon erste Freunde.