Unschooling – einfach schön

Hier auf dem Campingplatz läuft es super.

Immer kommen irgendwelche anderen Camper mit ihren Kindern und dann spielen sie alle zusammen. Diese Woche hatte man fast den Eindruck man sei bei die “Kinder aus Bullerbü” aufgewacht.

Schon früh morgens kommen andere Kinder zu uns an den Wohnwagen und fragen nach Chopper. Manchmal kommt er gleich, aber heute lief es anders ab:

Erst wollte er noch ein Brot

Dann wollte er sich noch in sein Bett hineinkuscheln.

Dann stand er auf und sang das Lied: “Endlich komme ich aus meinem Bett – Jahahaha – endlich kommt der Chopper aus dem Bett”

Und dann sagte er: Jetzt erst noch eine Runde Lego spielen – und seitdem spielt er.

Dank unserer neuen Heizung, musste er sich dafür noch nicht einmal anziehen. Obwohl es draußen schon recht kalt ist.

Nami ist den ganzen Tag eine richtige Freude. In der früh geht sie oft sofort zu Sanji, scherzt mit ihm, und zieht ihm sein Hemd an. Ansonsten singt sie auch praktisch den ganzen Tag – immer mischt sie französische Wörter hinein. Auch erfindet sie stets Wörter und fragt uns, ob wir wissen was sie auf Deutsch heißen (sie erfindet nämlich immer französische Wörter :) ). So heißt Conicona zum Beispiel: “Öffne die Tür” (ich habe mich gerade noch einmal rückversichert, aber jetzt heißt “Ini” – öffne die Tür (sie meint man muss es aber mit “J” schreiben).

Letztens haben Chopper und ich versucht sie zu überzeugen, dass La Foret der Wald ist, aber sie blieb bei ihrer Überzeugung, dass es irgendwas anderes hieße.

Sanji entdeckt gerade Bücher, immer bringt er uns eins an, oder blättert darin und dann müssen wir was zu der Seite sagen. Sonst macht er laute Krähengeräusche – sehr, sehr laute.

So jetzt geht es erst einmal auf zum Strand. Zur Zeit gefällt es mir so gut am Campingplatz, dass ich gar nicht weiß, wie wir uns jemals losreißen sollen. Insbesondere nicht, wenn unser Vorzelt steht – mit Küchenzeile und Kinderspielzimmer.

(Bei all dem darf man nicht vergessen, dass es mittlerweile schon 0° hatte und es schön kuschelig warm war. Vor dem Winter haben wir jetzt nicht mehr so viel Bammel).

Tiefschwarze Nacht

Ich wache mitten in der Nacht auf, mein Herz schlägt schnell und ich spüre die ganze Weite und Größe dieser Erde und des Universums. Ich fühle mich unendlich einsam und hilflos. Wenn mir jetzt etwas passiert, dann bin ich ganz allein und alles um mich herum ist schwarz. Nichts scheint zu existieren.

Ich kann mich nicht mehr an meinen Traum erinnern, dennoch war er genauso Angst einflößend und in dieser Welt scheint nichts mehr zu existieren, außer der schwarzen Nacht, die mich umgibt. Es ist auch egal, das einzige, was ich tue, ist mein Herz beruhigen.

Langsam den ganzen Körper entspannen, egal wie tief und schwarz die Nacht ist. Egal, ob sie jemals vorbeigeht. Dinge wie Sonne und Morgen, Tag und andere Menschen scheinen nicht zu existieren. Nicht einmal die Begriffe fallen mir ein. Es ist einfach nur schwarz und ich entspanne alle meine Muskeln in meinem Körper.

Ich weiß nicht einmal, ob ich die Augen offen habe, oder ob sie geschlossen sind. Es ist so uninteressant, denn was soll man schon sehen in einem unendlichen Schwarz. Eine Nacht, die ihr Ende nicht mehr fürchten muss. Wo vorher die Welt war, da ist jetzt nur Dunkelheit.

Mein Herz wird von Sekunde zu Sekunde langsamer und der Sturm geht in Stolpern über. Extraschläge, auch diese ebben ab. Und dann ist wieder alles normal. Mein Körper ist ganz ruhig, ganz entspannt. Es ist nur noch schwarz und ich schlafe wieder ein.

Der Tag kommt doch und die Nacht geht zu Ende wie jede Nacht. Als ich aufwache, weiß ich nicht, ob es ein Traum war oder Wirklichkeit. Ich bin mir sicher, dass es ein Traum war, weil ich einfach hilflos war. Ich bin mir sicher, dass es Wirklichkeit war, weil ich alles gespürt habe und mein Herz sich so beruhigt hat, wie es das auch in Wirklichkeit täte. Ich bin mir sicher, dass es ein Traum war, da ich nicht will, dass es Wirklichkeit war. Ich bin mir sicher, dass es Wirklichkeit war, da ich damit fertig geworden bin und nächstes Mal bereit bin.

In Lauterbourg sehen ich jeden Tag die sternklare Nacht, die Milchstraße und oft auch Sternschnuppen. Die Weite überwältigt mich. Alles fühlt sich so bedeutungslos an. Wir haben die Kultur und praktisch alle Wege darauf verlassen, die sie uns bietet. Wir haben praktisch jeden Sinn des Lebens, den sie uns bietet – jeden normalen Lebenslauf – in den Wind geschlagen. In ihr gibt es keine Befriedigung und keine Erfüllung. Wir handeln jetzt auf eigene Rechnung und jeder Weg ist neu – oder von so wenigen begangen, dass wir sie nicht kennen.

Manchmal frage ich mich – wenn ich in diesen weiten Sternenhimmel sehe – ob ich alles richtig mache, oder ob ich meinem Leben nur eine weitere Dummheit hinzufüge (wie alles verlieren in der Dot-Com-Krise und der Finanzmarktkrise). In der ich glaube alles besser machen zu können, als die Experten und am Ende alles verliere. Dieses mal ist der Einsatz so hoch und die Brücken hinter mir sind komplett zerstört. Ich kann nicht in die Kultur zurückkehren, irgendwo 5*8 Stunden am Tag an meinem Arbeitsplatz aufgehen, meinen Kindern einen tollen Schulabschluss ermöglichen, mich für Tagespolitik interessieren und auf Wochenmärkte gehen. Das ist alles tot.

Auch der aktuelle Weg macht mir Angst vor dem Tod. Es gibt nicht dieses kulturelle Fangnetz, dass mir jeden Tag Erfüllung in der Ameisenkolonie verspricht. Es ist alles auf eigene Verantwortung. Es ist das eigene Leben und zurückgehen wäre eine Alternative zu wählen, die sicher tot ist nur weil ich Angst habe vor dem was kommt. Oder, wie es jemand mal formuliert hat: Selbstmord machen, nur weil man Angst vor dem Tod hat.

Und so sage ich dann manchmal tief in der Nacht – zu mir – und zu den Sternen: Wenn ihr wisst was ich machen soll, wenn ihr es besser wisst, oder wenn ihr wisst, dass ich einen großen Fehler mache, dann sagt es mir. Wenn nicht, dann schweigt und lasst mich weitermachen – denn dann weiß ich keinen besseren Weg, als den den ich gerade gehe.

Alle stehen Kopf

Auf dem Weg nach Lauterbourg hat Nami entdeckt, dass sie schon Kopfstände machen kann.

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Chopper hat sich gleich verpflichtet gefühlt das auch zu versuchen, was dann so aussah:

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Sanji machte dann auch bald mit:

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Mittlerweile stehen beide schon recht stabil auf ihren Köpfen.

Nami benützt mehr Technik und Geschick, während Chopper sich einfach auf alle viere stellt und dann mit purer Kraft einfach nach oben drückt und dann so lange stehenbleibt wie die Kraft hält.

Nach einiger Zeit der Erschöpfung hat er am ersten Tag (das war auf dem Parkplatz vom Super-U in Seltz) immer gesagt: “Ich fühl mich wie ein Sklave. Ich fühl mich wie ein Sklave.”

(Zur Zeit haben wir eine große Diskussion über Sklaverei, da sie manchmal meinen wir müssten alles so machen, wie sie es wollen, und ich dann einfach antworte: “Vielleicht solltest Du Dir einen Sklaven kaufen”. Chopper war ganz begeistert von der Idee einen Sklaven zu haben. Zusätzlich kam dann noch bei OnePiece eine Folge, bei der Sklaven verkauft wurden – diese minderte aber die Begeisterung für Sklavenhandel erst mal ein bisschen – das aber nur anbei)

Ich finde es immer wieder interessant wie gut und natürlich besonders die körperliche Entwicklung in Schulfreiheit ist. Keine 2 Stunden wöchentlich nach der Pfeife eines Befohlenen zu “turnen”, sondern einfach genießen wie sich die eigene Kraft entfaltet und die Fähigkeiten zunehmen. Kein zentraler Plan kann die individuelle Entwicklung fördern.

Der Weg in die Freiheit II

So. Jetzt sind wir weitergezogen und auch schon angekommen. Wir haben am Freitag unsere neuen Freunde in Strasbourg verlassen und sind nach Lauterbourg gezogen. Eine Nacht haben wir auf dem Supermarktparkplatz in Seltz verbracht und eine Nacht auf dem Supermarktparkplatz in Lauterbourg.

Irgendwie mag ich Supermarktparkplätze, man wacht auf und Schwupp: Frisches Obst, Baguette, kühle Milch. Es ist fast so, als ob man einen Riesen-Kühlschrank hat und der ist auch noch begehbar!

(Mummy1000Sunny weist mich gerade darauf hin, dass Sanjis erstes Wort “Book” war – meiner Meinung war es aber mehr ein “Jiuck” und kein Wort. Unsere Familie besteht irgendwie auf der mänlichen Seite aus einer Horde Late-Talkers).

Wie dem auch sei…. zurück zu dem was ich eigentlich sagen wollte.

Wir haben jetzt hier eine Lösung gefunden, die uns folgendes gibt:

1.) Platz (auf dem wir ohne Angst abgeschleppt oder von der Gendarmerie (die französische Staatsschlägertruppe) aufgeweckt zu werden)

2.) Frischwasser! (Ja!)

3.) Strom!! (Ja, Doppelcool!)

4.) Minigarten!

5.) Spielplatz in 3 Metern Abstand!

6.) Strand in der Nähe! Mit großem Spielplatz! (wobei in Lauterbourg alles “in der Nähe” ist)

7.) Hier hat man schon Deutschen Netzempfang :) (Frankreich ist technisch noch ca. 5 Jahre zurück)

8.) Wireless-Lan!

9.) Duschen!!! (Super-Suke-Doppel-Angenehm)

10.) Eine Möglichkeit Wäsche zu waschen.

11.) Echte Toiletten (!!!!!!) Juhu!

Und das alles für ca. 100 € im Monat.

Zusätzlich ist unser Wohnwagen schön isoliert (der Boden ist mit so einem Alu/Superdichtstyropor-Zeug und darüber ein kuscheliger Schafswollteppich) – das hat Mummy1000Sunny gemacht.

Noch besser: Mummy1000Sunny braucht von hier zur Arbeit nur ca. 29.3 Minuten.

Alles in allem kommt mir das schon fast Spießbürgerlich vor. Ich finde es mittlerweile seltsam zu wissen, wo wir das nächste Monat sind.

Aber der Winter kommt und wir brauchen eine kleine Pause und natürlich Geld. Das Finanzamt hat uns nämlich mit einem Schlag unsere stählerne Reserve weggefräst, die brauchen anscheinend noch mehr Geld um noch mehr Rentner zu verprügeln und noch mehr Kinder einer Zwangserziehung zu unterwerfen um “gute Staatsbürger” aus ihnen zu machen; es soll ja in Deutschland echt Leute geben, die überrascht über den brutalen Polizeieinsatz bei Stuttgart21 waren oder die 5€ HarzIV-Luxusgüter-Bonus.

Ich bin mittlerweile ein echter Fan davon im Wohnwagen zu wohnen. Wir sind alle beisammen, haben den Platz den wir brauchen und viel draußen und wir sind mobil, dass es einem Angst macht. Wenn wir den Winter gut überstehen und es uns immer noch Freude macht, dann kann uns niemand mehr was. Weder der Kultusmüllminister und seine Glöckner noch der HarzIV-Wohlstandsversorgerstaat.