Die Beschleunigung des Prozeß der Zivilisation

Stellen wir uns die Zivilisation als Prozeß vor. Die Richtung ist erst einmal klar, man will sicher sein vor Hungerskatastrophen, materiellen(finanziellen) Wohlstand, weniger Schmerzen aushalten müssen (bessere Medizin, insbes. Zahnarzt :) ), Krankheiten und so etwas minimieren oder wegkriegen aber auch daraus entstehende Probleme lösen (Umwelt, Energie, … -krise).

Je mehr man diesen Prozeß beschleunigt desto schneller erreicht man neue Stadien. Eine neue Krankheit zu identifizieren und ein Gegenmittel suchen dauert nicht mehr 50 Jahre, sondern nur noch 30 oder bald 20. Eine neue bahnbrechende Erfindung dauert nicht mehr die üblichen 50 Jahre, die Kondratjew feststellte, sondern eben nur noch 5 Jahre und bald 2 Jahre. Auch Marktbereinigungen(Wirtschaftskrisen) kommen nicht mehr alle 10 Jahre, sondern alle 5 oder auch 3 Jahre … oder hören irgendwie gar nicht mehr auf und sorgen für ein schnelleres Fortschreiten. Dieses führt ja bald dazu, dass wir überhaupt nicht mehr auf Bedürftigkeit prüfen, sondern einfach die Grundsicherung jedem blanko zugestehen.

Insgesamt wird einfach alles dauernd beschleunigt und die Zivilisation schreitet immer schneller voran. So dass Links und Rechts die Leute schneller „konservativ“ werden, als sie es selbst überhaupt begreifen können. Denn die Werte von Gestern sind durch die Revolutionen von gestern Abend überflüssig und um Mitternacht wurden neue Tugenden und eine neues Menschenbild definiert.

Auf allen Ebenen (bis in die Forschung) ist die Beschleunigung schon zum Tagesordnungspunkt geworden, und jeder überlegt, wie kann ich dies oder das optimieren. Wie können wir die Arbeit an den Universitäten und Forschungslaboren noch besser optimieren, damit wir noch besser publizieren können und noch schneller. Es gibt sogar schon den Witz der kleinsten publizierbaren Einheit (also ein Paper, das gerade noch genug Neues enthält um publiziert zu werden).

Viele beschweren sich in diesem Zusammenhang über ein Verschwinden der Gemeinschaften, der Familie usw. Doch dieses ist nicht ganz richtig. Die Gemeinschaften werden nur modularer, ganz im Sinne der Optimierung werden sie auch Serviceorientiert. Das bedeutet es werden zu jederzeit genau die Menschen zusammengesteckt, deren Fähigkeiten sich ergänzen und die damit eine bestimmte Sache am optimalsten produzieren. Sei es Wissen, Bildung, Ideologie, Kinder, Optimierung selbst oder Unterwäsche.

Die Auswahl, Zusammensetzung, das Erzeugen eines gemeinschaftlichen Gefühls, Sinns, usw. sind hierbei auch stark optimiert und ritualisiert. Schon allein die Bewerbung, das erfolgreiche Gespräch und der beeindruckende Arbeitsvertrag lässt uns Teil der Firma/Idee werden, was immer sie auch sei, und sorgt für eine Instant-Bindung an diese neue Gemeinschaft.

Teams, Boni, Zielvorgaben, gemeinsames Grillen, Lob und Mitarbeiterrankings usw. sorgen für eine gute Kalibierung auf die Ziele der Ad-Hoc-Gemeinschaft und fördern den Willen sich möglichst schnell in der neuen Gemeinschaft einzubringen (und möglichst viel). Motivationsforscher und Mikrosoziologen suchen nach Wegen die Ad-Hoc-Gemeinschaften noch loyaler und schneller konstruieren zu können und werden eifrig von Managern studiert.

Danach werden diese Ad-Hoc-Gemeinschaften wieder aufgesplittet und in neue Ad-Hoc-Gemeinschaften übertragen. Die Gemeinschaften verschwinden also nicht, sie werden nur „flexibilisiert“. Es gibt sogar einflußreiche Soziologen, wie Richard Sennett, die das beweinen, aber was bringt es?

Wir haben eine Welt in der sich der besser angepasste durchsetzt, das bedeutet gleichzeitig, dass derjenige der sich an wechselnde Verhältnisse schneller anpasst auch besser durchsetzt. Das hat gar nichts mit Kapitalismus oder Industrialisierung zu tun, das ist das Grundgesetz der Evolution und die menschliche Intelligenz scheint einen Flexibilisierung und Schnelligkeit der Anpassung von praktisch unendlich zu haben.

Wenn wir also die Politiker anrufen, dass sie das alles ändern möchten und es doch nur den Willen dazu braucht, dann ist das so als ob wir die Götter anrufen, dass sie doch den Lauf der Zeit für uns ändern sollen. Wir können das tun, doch Frau Merkel, oder Nikolaus Sarkozy werden nichts an dem Lauf der Zeit ändern können. Sie können uns höchstens trösten und wir können uns darüber empören oder jubeln (je nach Geschmack). Und die Intellektuellen können sich an die Heulsusen aus der Wissenschaft wenden, die das Problem zwar eingehend untersuchen aber sich dann auch wieder weinend an Politiker wenden und an den Gemeinsinn und alte Werte appelieren. Die Werte sind aber schon veraltet, wenn das Buch die Leser erreicht (vielleicht sogar blitzschnell über Kindle!).

Aber was viel wichtiger ist, ist dass wir etwas tun können. Im ersten Schritt müssen wir erkennen welche Prinzipien unter der Oberfläche gelten, im zweiten Schritt sehen wie wir die Ideen die wir über eine echte Gemeinschaft haben in diese Prinzipien einfügen.

Und erst dann, wenn wir Problem, Mechanik und Ziel verstanden haben, dann können wir etwas tun. Das ist der Punkt an der Sache. Wir können etwas tun. Es ist Unsinn an Politiker zu appelieren, Unsinn gegen einzelne Institutionen zu kämpfen und Produktionsmechanismen zu sabotieren oder für böse/unmenschlich zu erklären. Es macht aber Sinn sich dafür einzusetzen, was man will und eine Lösung finden, die die Welt zwar beschleunigt… aber in die richtige Richtung. Denn eine Sache ist eben nicht zu bezwingen, die Beschleunigung des Prozeß der Zivilisation.

Und ich freue mich darauf zu sehen, was die Zukunft alles bringt.

Der Weg in die Freiheit I

Zur Zeit sieht es nicht so aus, als ob wir schon bald eine Wohnung finden würden. Besonders wenn man gerade ausgewandert ist und der Job zwar an die Tür klopft aber man trotzdem nicht weiß, ob das auch alles klappt.

Das schlimmste wäre ja wieder nach Schulzwang-Deutschland zurückzukehren. Wenn man nicht dauernd die bescheuerten,Kult-Stussministiere und ihre Glöckner im Rücken hat, dann beginnt man nämlich ganz anders über Unschooling nachzudenken.

Auf einmal konzentriert man sich auf die Sache und auf die Kinder, man beginnt das so zu machen, wie man es eigentlich vor hatte es zu machen.

Wie dem auch sei, wir beginnen jetzt unseren Wohnwagen (die 1000Sunny :) ) winterfest und autark zu machen. Das bedeutet: Boden isolieren und autarke Stromversorgung. Ich glaube wer einmal die Freiheit geschmeckt hat, der will sie nicht wieder hergeben.

Angekommen

Puh! Knapp ein Monat nach dem letzten Blogeintrag übers Fahren-Üben sind wir nun endlich in Frankreich angekommen. Endlich. Vor einem Jahr war ich auf der „Höhe“ meiner Angststörung und konnte nicht einmal 10 Meter vom Haus weggehen und jetzt habe ich es nach Frankreich geschafft.

Wir haben uns in München einen Wohnwagen gekauft und dann ging es erst mit kleinen Schritten los und dann wurden die Schritte immer größer, hin zu richtigen Sprüngen.

Jetzt sind wir erst einmal angekommen und ich will mich erst einmal zurück lehnen. Nun gilt es erst einmal auszuhalten so weit weg von München zu sein. Zusätzlich sind wir noch auf einer kleinen Anhöhe und das ist auch ein Trigger für meine Angst.

Wie dem auch sei. Wir haben es geschafft und es ist so befreiend nicht mehr über die Schulpflicht als Bedrohung nachdenken zu müssen. Es hilft das ganze viel wissenschaftlicher und sachlicher zu betrachten. Zumal sie ja ein interessantes Phänomen in einer „Demokratie“ ist.

Mummy1000Sunny hat sich super geschlagen und liest jetzt noch Little Dorrit zu Ende und dann stürzt sie sich auch wieder ins Geschehen.

Nami geht es super und sie klettert von Tag zu Tag auf höhere Dinge (Mauern, Pfosten, usw. )

Chopper hat immer noch seine Stimmungsschwankungen, aber diese „Whinges“ werden weniger. Dafür hat er sich gestern eine neue Aufgabe übereignet – er schnallt seinen kleinen Bruder Sanji im Auto an und spielt dabei ganz süß mit ihm (wir haben das die „Adulties“ genannt).

Sanji spielt jedes Ballspiel, das er sieht. In Phase 1 starrt er minutenlang die Spieler an (sei es Volleyball, Fußball oder Tennis); in Phase 2 sucht er sich die nötigen Dinge und in Phase 3 schließlich spielt er es selbst – stundenlang.

Jetzt stehen wir mit unserem Wohnwagen erst einmal bei neuen Freunden, die auch Kinder haben und die Kinder verstehen sich prima.