Ich will „mal kurz“ meinen Vorschlag die Welt gerecht zu verteilen erklären (und will ihn in zukünftigen Blogposts genauer ausarbeiten):
Die grundliegende Idee ist, dass jede Art der Landnahme in der Vergangenheit rein zufällig ist und die aktuellen Besitzverhältnisse sich hauptsächlich auf die „Vorfahren“ beruft. Diese haben aber nicht immer mit fairen Mitteln gearbeitet – wenn überhaupt und die aktuelle Generation kann auch nichts dafür, in welche Familie sie geboren wurde.
Chancengleichheit wird aktuell über Bildung erreicht. Dennoch verstärkt dies aber noch mehr die Gräben und verlangt von den Menschen die nichts oder wenig haben eine noch stärkere Anpassung an die Bedürfnisse der Habenden. (=Lehrplan, Sozialisation)
Also muss es uns gelingen nicht nur die immateriellen Güter gerecht zu verteilen (was praktisch trivial ist, da sie real vervielfältigbar sind), sondern auch die materiellen Güter zu verteilen – was nicht mehr trivial ist, da sie nicht beliebig sind und begrenzt.
Mein Vorschlag ist es deswegen jedem Menschen das Recht auf ein Stück Erde zu geben. Dieses kann er nützen, falls er es für angebracht hält.
Dieses Stück Land „gehört“ nicht ihm, sondern der Menschheit. Es fällt also bei seinem Tod zurück an die Allmende – nicht in den Staatsbesitz (hier ist ein gewichtiger Unterschied). Die Allmende wird frei verwaltet (dieses muss noch erklärt werden).
Einwand 1:
Leider scheitert das Konzept an der hohen Weltbevölkerung. Jeder Mensch hätte für Nahrung nur 1,4 Hektar zur Verfügung bei gerechter Aufteilung weltweit. Das würde zum Leben allerdings nicht reichen geschweige denn noch zum Hausbauen. Diese Zahl habe ich aus dem Film unsere Erde
Antwort 1:
Die Zahl 1,4 Hektar habe ich auch errechnet. Dabei habe ich die (Landmasse-Meere-Wüsten)/Bevölkerung genommen.
Allerdings ist ein Hektar= 10.000 qm. Auf Selbstversorger-Plattformen habe ich eine Zahl von 500qm für reine Gemüseernährung gefunden (Obstbäume brauchen etwas mehr, Tiere brauchen viel mehr (einzige Ausnahme: Hühner)).
Diese Selbstversorgung beansprucht nur ein paar Stunden in der Woche. Selbstversorger sagen: „es frisst die Freizeit auf“.Für eine 4-köpfige Familie hat man also 5.6 Hektar also 56.000 qm zur Verfügung.
In dicht besiedelten Ländern wie Deutschland sind es nur 5.000 qm pro Person – i.e. 20.000 qm für eine 4-köpfige Familie. Das ist immer noch genug für Haus + Versorgung.Allerdings würde eine vollständige Durchsetzung dieses Rechts und eine kulturelle Verinnerlichung zu einer freiwilligen Selbstregulation der Bevölkerung führen. Jeder wüsste, dass wenn die Bevölkerung zu stark steigt, im gleichen Zug die eigene Grundstücksgröße sinkt. Dieses Modell ist (in allen Punkten die ich aktuell sehe) jeder anderen Art der unfreiwilligen Bevölkerungsregulation überlegen. (Diese will ich später noch einmal getrennt diskutieren).
Man nennt das oben gebrachte Argument auch malthusianisch. Abgeleitet von dem Ökonom Thomas Malthus und seinem Essay über das „Principle of Population“. Er geht von einer begrenzten Welt aus, die überbevölkert wird und so alle Menschen die an diesem „Festmahl“ keinen Platz an der Tafel finden aussortiert. Dieses Jahr ist sein Buch 190 Jahre alt. Dennoch ist die Warnung einer Überbevölkerung dringlich und sollte in Modellen berücksichtigt werden, da politische Lösungen wie Indira Gandhis „Schlagt die Armut“ zu Massenzwangssterilisationen der armen Bevölkerung führten, oder die chinesische „Ein-Kind-Politik“ zu starken Abtreibungsraten von Mädchen geführt hat.
In diesem Sinne schlage ich auch dieses Modell als Lösung für Deutschland vor, das in anderen Ländern angepasst und überprüft werden muss. Und nach lokalen Gegebenheiten und kulturellen Besonderheiten begutachtet werden sollte.
Einwand 2:
Dies würde eine Verstaatlichung aktueller Privatbesitze bedeuten.
Antwort 2:
Zuerst würden nur Menschen mit mehr als 5.000 qm/pro Person Grund betroffen sein.
Diese würden natürlich ihre 5.000 qm frei behalten dürfen – für den Rest bekämen sie eine Entschädigung. Das bedeutet für einen Besitzer von 20.000 Hektar könnte man Geld oder Stadtwohnungen als Tausch anbieten. Landwirtschaftsbetriebe könnte man von dieser Regel ausnehmen.
Dieses betrifft aber alles eine vollständige Durchsetzung.
In einem ersten Schritt würde man aber einen Projektversuch starten. Man könnte z.B. in besonders armen Städten Kontingente einrichten. Ein Beispiel:
Menschen, die keine Beschäftigung finden können und schon Jahre von HarzIV leben, bekommen das Recht auf Grund, Hilfe und Startkredite um sich dort eine eigene Existenz aufbauen zu können. Die Sozialhilfe läuft nach einem oder 2 Jahren aus, so dass der Mensch auf eigenen Füßen stehen kann – die Startkredite müssen nicht zurückbezahlt werden.
Einwand 3:
Ist das nicht ein Aussteigermodell mit dem viele Menschen den Anschluss an die moderne Zivilisation und ihre Errungenschaften verlieren und im Gegenzug in einen mittelalterlichen Zustand der Selbstversorgung zurückfallen? Würde nicht am Ende die gesamte Zivilisation in einen mittelalterlichen Zustand zurückfallen?
Antwort 3:
Genau die Errungenschaften der letzten Jahrhunderte ermöglichen eine Selbstversorgung auf sehr hohem Niveau.
- Sollte man seine ganze Zeit investieren, so hat man eine hohe Überschussproduktion. Man wird also vom Konsumenten zum Produzenten.
- Sollte man nur das Nötigste investieren (hier setze ich 2 Stunden am Tag als realistisch an + 4 Monate für den Hausbau), bleibt noch eine Menge Zeit um „normaler Arbeit“ nachzugehen. Hier kann man (da man nun materiell frei ist) auch unbezahlte Arbeit machen, die man sich selbstbestimmt aussucht. Man kann sich – in einem Wort – verwirklichen.
- Sollte man es bevorzugen „normal“ weiterzuarbeiten, so wird dieses nicht von dem Modell verhindert. Es wird sogar gefördert, man könnte seinen Anteil für einen geringen Preis untervermieten und so eine Unabhängigkeit zur Lohnarbeit erringen. Über die Vermietbarkeit muss man aber noch einmal getrennt diskutieren.
Einwand 4:
Ist das nicht Kommunismus?
Antwort 4:
In diesem Fall gibt es keine zentrale Planung, während alle Mechanismen des Kapitalismus erhalten bleiben. Das einzige was es hier gibt ist ein Grundrecht auf ein Stück Land und das Zurückfallen an die Allmende (oder Kommune).
Da die Verantwortung des einzelnen Menschen und seine Selbstverwirklichung gestärkt wird, bleibt der positive Aspekt des Kapitalismus vollständig erhalten. Auf der anderen Seite gibt es nun natürlich eine Art von materieller Gemeinheit, dieses ist also ein kommunistisches Element. Jedoch ist es nicht das Element eines zentralgeplanten, sondern eines individualistische Kommunismus. Den ersten können wir in jeder Hinsicht als gescheitert ansehen (eine Detaildiskussion dazu findet sich bei Ernest Gellner – Bedingungen der Freiheit) während der individualistische Kommunismus noch nie versucht wurde.