Üben, Üben, Üben

Seitdem Mummy1000Sunny die Diplomarbeit abgegeben hat üben wir (fast) jeden Tag mit dem Auto.

Die erste Fahrt führte uns in die nahe Ami-siedlung. Ich hatte wirklich ein ungutes Gefühl. Aber nach einer Weile übernahm ich dann sogar das Steuer und fuhr ein bisschen in die hinteren Ecken (*Schauder*).

So eine Fahrt benötigt mehr Konzentration als 20 Stunden programmieren, oder Adorno lesen.

Dann habe ich wieder mit Mummy1000Sunny Platz getauscht und sie ist Richtung Unterhaching gefahren – bis zum Fasanenpark.

Wie dem auch sei, erschöpft kauften wir dann noch im HIT Belohnungen und dann ging es erschöpft und erfreut nach Hause. Belohnungen sind überhaupt das Wichtigste nach so einer Fahrt. Damit kann man sich gut konditionieren.

Für die Fahrten selber treffe ich immer ein paar Vorbereitungen:

  • Bananen enthalten Kalium und stabilisieren damit das Herz, zusätzlich sind sie süß (Glück + Freude) und trotzdem gesund. Dieses ist sehr wichtig, da der Körper durch Angst und die damit verbundene Anspannung sehr erschöpft wird. Chips würden da nur ein schlechtes Gefühl machen.
  • Brot und Wasser – bei Angst wird oft der Mund trocken, oder man bekommt ein Hungergefühl (OGott, ich verhungere und verdurste)
  • Bargeld für Essen – Essen macht glücklich und Glück schwemmt die Angst weg, wie eine Flutwelle
  • Gesellschaft – Je mehr Leute dabei sind, desto besser. Denn auch die Anwesenheit anderer Menschen (so sie denn frei gewählt sind) macht glücklich. Im Extremfall sind sogar unsympathische Menschen besser, als Einsamkeit. Es gibt zwar den Spruch: Besser allein, als in schlechter Gesellschaft. Aber der stimmt nicht, wenn es um Angst geht.
  • Kinder – die Anwesenheit der eigenen Kinder macht auch glücklich (selbst, wenn sie manchmal nerven und laut sind). Die eigenen Kinder schütten im Gehirn Opiate aus, das sind Glücksdrogen, die besonders nützlich gegen Angst sind.
  • Bücher – Bücher und Lesen sind große Glücksbringer
  • Supermärkte und Bibliotheken – wo sind Supermärkte, wo sind Bibliotheken. Das sind Ausruhstationen (ebenfalls Kirchen, in ihnen ist es schön kühl und die Luft ist im Sommer besonders gut atembar). Kirchen haben den Vorteil, dass sie besonders in dünn besiedelten Gebieten häufiger als Supermärkte sind.

Während der Fahrt:

  • Gegessen wird erst in der Angstsituation selber, wenn der „Pegel“ schon einen gewissen Stand erreicht hat. Ißt man zu früh, kann einem schlecht werden, schließlich ist der Körper dann in der „Voraufregung“ und der Magen ist aufgewühlt.
  • Bei der Fahrt habe ich gemerkt, dass ich oft auf eine 2-dimensionale Sicht umschalte. Die perspektivische Sicht, die man von Bildern, Fernsehen und allen anderen Medien kennt, die die 3 Dimensionen der echten Welt auf ein virtuelles 2-D Bild herunterbrechen. Der Unterschied von 2-D auf 3-D ist eklatant. 2-D Bilder erzeugen Tiefe durch eine optische Täuschung, so gehen Wege, Straßen und Flüsse nach oben und werden dünner. Strecken, die nach unten gehen, werden gar nicht dargestellt und man sieht erst wieder den Hochweg. Dies sind aber genau die Dinge, die bei Ängsten bedrohlich wirken. Die Straßen wirken wie ein steiler Aufstieg ins Nichts. In 3-D ist das aber ganz anders. Dort geht die Straße in Wirklichkeit immer gleich breit weiter. Und sie geht geradeaus. Vielleicht sind unsere Hirne schon so sehr daran gewöhnt perspektivisches 2-D und 3-D gleichzusetzen. Aber sie sind einfach nicht gleich. Es ist eine rein kulturelle Idee. Ich versuche also aktiv andauernd auf die 3-D Realität umzuschalten. Dies geht anfangs besonders leicht, indem man seine unmittelbare Umgebung anschaut und wahrnimmt, wie breit und umfangreich doch das kleine Stück Erde ist, auf dem man steht.
  • Berührung – auch Berührungen, wie ein sanftes Streicheln der Wange setzt der Angst einiges an Glück entgegen.
  • Babysteps – bevor die Angst zu stark anschwillt, gilt es umzukehren. Lieber noch mal ein paar hundert Meter zurück und dann einen neuen Versuch, als dass man immer mehr Angst auftürmt, bis es einen erschlägt und man die Gegend als feindlich einstuft (unterbewußt). Wichtig ist, sich Zeit geben. Nichts mit Gewalt brechen, was Sanftheit biegen kann.
  • Verdauen – ganz wichtig ist es zu verdauen. Wenn man seine Angst überwindet, dann ist das eine große bewusste Anstrengung. Diese Anstrengung darf aber nicht auf das Bewusstsein beschränkt bleiben. Es ist hier wichtig auch das Unterbewusstsein „mitzunehmen“. Das bedeutet drüber schlafen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen usw.
  • Verdauen und Babysteps zusammenarbeiten lassen. Wenn man an einer Stelle nicht weitermachen will, so sollte man hier nicht sagen, dass man so viel Angst hat, dass man es sein lässt. Dieses ist ein Vermeidungsverhalten und gibt der Angst eine Macht, die sie nicht hat. Wenn man an so eine Stelle kommt, dann ist das wirklich in Ordnung. Ich sage dann: „Das mache ich heute nicht mehr, das kommt morgen dran“.
  • Den Super-Modus benützen. Wenn man einiges erreicht hat (vielleicht an eine neue Stelle gekommen ist, oder ein Stück überwunden hat), dann ist man oft sehr glücklich. Und dieses Glück soll man ausnützen. Die Rückfahrt bin ich meistens sehr, sehr entspannt und wenn wir auf der Hinfahrt stadtauswärts, hinaus aufs Land fahren, so fahren wir dann auf der Rückfahrt, vorbei am zu Hause, noch viel weiter in Richtung Stadtmitte. Je stärker der Leidensdruck der Angststörung war, desto größer ist die Erleichterung nun so viel zu schaffen. Wieder so viel Freiheit zu haben. Dieses Glück gibt einen Kraftschub, den man unbedingt ausnützen sollte.
  • Am Ende sollte man sich auf jeden Fall belohnen. Man hat seinen Kreis in zwei Richtungen erweitert. Stadtauswärts und Stadteinwärts (und vielleicht bald darüber hinaus zum anderen Stadtende). Dieses ist es Wert, dass man es feiert. Jetzt kann man auch Junk-Food springen lassen, der Rest des Tages ist zum Genießen da.
  • Ausruhen – Angst überwältigen benötigt sehr viel Kraft. Sowohl Geist als auch Körper werden unglaublich beansprucht (und trainiert). Man sollte auf jeden Fall das Ausruhen nicht zu kurz kommen lassen. Ein freier Tag hier und da sind unabdingbar und lassen das Unterbewusstsein aufholen. Auch auf den Übungsstraßen sollte man sich hier kleine Oasen suchen und es dann genießen dort Zeit zu verbringen.
  • Feinarbeit – es gibt immer kleine Stellen, die besonders stark mit Angst assoziiert werden. Bei mir sind das weit offene Feldwege. Ich habe dort die Angst einfach wegzufliegen oder von der Erde geschleudert zu werden. Bei diesen Wegen steige ich dann oft einfach mal aus und gehe dort ein Stück. Je öfter man in eine Situation geht, desto gewöhnlicher wird sie. Die Angst sinkt immer weiter herab und irgendwann ist sie gelöscht.
  • Rückfälle – Rückfälle gehören dazu. Sie machen mehr Angst als die eigentliche Bekämpfung der Angst. Schließlich hat alles einmal damit angefangen, dass der Wirkungskreis kleiner wurde. Rückfälle sind genau das: Der Wirkungskreis wird wieder kleiner. Dieses muss einen aber nicht entmutigen, denn selbst wenn er kleiner wird. Dieses mal ist man voll bewaffnet, vorgewarnt und kennt das Terrain. Rückschritte gehören zu jedem Tanz dazu. Auch hier gibt es ein schönes Sprichwort: Pass auf den Gegner auf, der nachgibt, er könnte nur ausholen um dir in den Rücken zu fallen. Man muss immer daran denken, die Angst hatte über Jahre, oft Jahrzehnte, Zeit ihre Macht voll zu entfalten und dann kam noch eine kleiner Schicksalsschlag der ihr zur Machtübernahme verhalf. Ein Rückfall ist meistens eher ein Entdecken einer kleinen Ablegerangst, die sich im Schatten der großen Angst ausgebreitet hat. Diese ist nun aufgespürt und ihr kann ebenfalls aktiv und bewusst begegnet werden.
  • Narrative – Narrative bedeutet eine Erzählung zu finden. Dieses ist nicht irgendeine Phantasiegeschichte, sondern es geht darum aufzuspüren, warum sich in der Vergangenheit die Ängste gebildet haben. War mir an einem Tag schlecht und mein schwacher Körper hat die gefühlte Hilflosigkeit auf die Umgebung übertragen? War mir schwindelig und es war heiß und ich habe den Schwindel auf die Umgebung übertragen anstatt sie der Hitze oder den Ozonwerten zuzuschreiben? Ereignete sich ein Schicksalsschlag und meine geschwächte Psyche konnte sich nicht auch noch zusätzlich gegen den Autolärm der Stadt wehren? War es sehr heiß und ich habe gefroren als ich in die U-Bahn hinunterging, nicht weil ich mich schwach und ängstlich in der U-Bahn fühle, sondern weil ich luftig gekleidet war und U-Bahntunnel nun mal kühl sind?
  • Hier und Jetzt – In der Gestalttherapie gibt es eine Übung, die sich mit dem Hier und Jetzt beschäftigt. Angst veranlasst einen die Welt nicht so zu sehen, wie sie ist, sondern man bekommt ein Zerrbild. Dieses ist präverbal. Man kann also nicht zu sich sagen: „Schau mal die Straße ist nicht wirklich 10.000 Kilometer lang und führt durch heißes Gebiet, sondern sie geht 20 Meter durch eine schattige Baumalle“ – dieses bringt nichts, da man es einfach anders *sieht*. Ich denke das ist evolutionär zu erklären, wollte der Körper, dass eine mögliche Gefahrenstelle verlassen wird, so hat er diese als besonders bedrohlich wahrgenommen. Dabei wollte er keinen Diskurs über die Mut und Gefahr beginnen, sondern einfach nur weg. Deswegen verzerrt sich die Wahrnehmung und die Situation wird unendlich mehr gefährlich *wahr*genommen, als sie ist. Hier gibt es eine Übung, dass man sich außerhalb von Gefahrensituationen klarmacht, was man eigentlich sieht und spürt – und zwar genau in diesem Moment und genau an diesem Ort. Man sagt also: „Im Hier und Jetzt sehe ich ein Auto, … Im Hier und Jetzt höre ich einen Vogel,… Im Hier und Jetzt sehe ich ein Auto“ (diese Übung kann anfangs ziemlich langweilig ausfallen, besonders in der Stadt). Doch diese Punkte, an denen man anfängt Langeweile zu verspüren oder man die Übung aus irgendeinem Grund abbrechen will, das sind die Widerstandspunkte, die es zu erforschen gilt. Mit dauernder Übung fängt man an immer mehr in das Hier und Jetzt zu gelangen und klarer zu sehen. Man kommt in einen stärkeren Kontakt mit der Umwelt und verliert sich nicht mehr so leicht und stark in seinen Gedanken. Je mehr man dies übt, desto weniger hilflos ist man der Machtübernahme durch die Angst ausgesetzt.
  • Eine andere wichtige Übung ist es, im Geist die Stellen des Tages noch einmal zu besuchen. Am Anfang sollte man hier üben angstfreie, oder sogar angenehme Situation sich wieder ins Gedächtnis zu rufen. Es geht nicht darum sich mit Gewalt so gut wie möglich zu erinnern. Sondern es geht darum locker und ungezwungen sein eidetisches Gedächtnis (photographisches Gedächtnis) wieder zu aktivieren. Das eidetische Gedächtnis haben alle Menschen als Kind und es wird später abtrainer, bzw einfach nicht beachtet und verkümmert. Dennoch kann man sich oftmals an bestimmte Sachen szenisch erinnern. Oft auch aus der Kindheit. Dieses gilt auch für Gerüche, Geschmack oder Geräusche. Dieses Gedächtnis kann man wieder trainieren, indem man sich frei und ohne Druck in Szenen begibt und diese wiederholt besucht. Es geht nicht darum die ganze Szene zu durchleben oder Perfektion anzustreben, sondern nur darum, sie immer wieder zu besuchen. Ist das eidetische Gedächtnis erst einmal wieder funktionsfähig (egal wie unperfekt), so kann man es benützen um im Geist bestimmte Orte noch einmal zu besuchen. Auch diese Übung ist aus der Gestalttherapie.

Stadtgründungsfest

Mummy 1000Sunny

Eindrücke vom Stadtgründungsfest:

Es gab jede Menge zu sehen und zu hören, doch das beste war der Handwerks-hof für Kinder:

Ein Töpferer war da, und machte mit jedem Kind ein Ton-gefäß. Er war super-geduldig und lehnte kein Kind ab (zu klein). Ihm verging auch bei der immer wachsenden Schlange vor seiner „Werkstantt“ nicht einmal die Lust.

Vorallem Chopper hatte große Freude daran nützliche Dinge herzustellen. Wir haben jetzt eine Kupfer-Schöpflöffel, einen Holz Schaber, 3 Vasen und eine Schale, und viele Bilder.

Nami fühlte sich mehrzur Küche gezogen, wo es über dem Feuer gekochte Gemüsesuppe mit Kräuterfladen gab.

Vorallem beim Töpfern fiel mir eine Sache auf: Obwohl mir alle meine Kinder sehr unterschiedlich erscheinen, hatten sie dort – gegenüber den anderen Kindern – eine große Gemeinsamkeit. Wo andere Kinder sofort „parierten“ wenn der Töpferer Anweisungen gab („und jetzt die Finger zusammen, so“), und sofort vom Ton abliesen, wenn er seine Hände wegnahm, machten Chopper und Nami einfach weiter, was sie zuletzt gemacht hatten. Oder sie probierten selber etwas, wie sie es meinten. Sie ernteten auch viel „nein, nein, lass mich Deine Hände wieder halten!“. Jetzt wollen beide unbedingt wieder töpfern, sobald es geht. Und sägen.


Bayern ist PISA-Führungsmacht

Diesen Kommentar habe ich bei CDU-Politik hinterlassen. Die rühmten sich dafür, dass die ganzen CDU-geplagten Länder besser seien als die SPD-verseuchten Länder:

Man kann überhaupt keine Aussagen über Bildung machen, wenn man nur Schulen miteinander vergleicht.
Das ist so als ob 16 Schnecken ihre Geschwindigkeit vergleichen und dann die Schnellste von ihnen zur höchstmöglichen Geschwindigkeit erklären.

Die Schule vergleicht sich nur mit der Schule und redet dann über Bildung. Das ist lachhaft.
Schule muss sich den Vergleich mit Homeschooling und Unschooling gefallen lassen. Und da ist sie peinlich hinten dran. Zumindest weiß Josef Kraus das und macht das einzige, was ein Lehrergewerkschaftsfunktionärsglöckner machen kann (wenn sein Horizont kuschelig nah ist): Er hetzt gegen jede Bildung die außerhalb der Schulmauern stattfindet (also gegen jede Bildung).

Wenn man diesen Vergleich zieht, dann merkt man schnell, dass hier nur 16 Schnecken kriechen und den Menschen massenweise ihr Potential genommen wird.

Aber was macht man? Man macht sich Gedanken, wie viel Glieder die Hydra haben soll. Ob drei, oder ob man lieber eines oder zwei abschlägt.
Das ist Schulpolitik – aber keine Bildungspolitik.

Zu viele Projekte

So, jetzt ist es ungefähr 2 Wochen her, dass die Diplomarbeit abgegeben wurde (oder 4 Wochen…? ).

Anstatt dass wir weniger Arbeit haben – was wir erwartet hätten – haben wir jetzt viel mehr Arbeit. Kiloweise! Nein, Tonnenweise!

Deswegen komme ich auch fast gar nicht mehr zum Schreiben.

Seitdem Mummy1000Sunny „frei“ hat/ist – können wir endlich mit dem Auto üben. Zuerst habe ich es mir gar nicht mehr zugetraut überhaupt einen Meter zu fahren und jetzt sind wir schon in den umliegenden Ortschaften. Gestern waren wir sogar in der … Innenstadt. Ich wollte ungefähr 2000 Mal umkehren, aber irgendwie ging es trotzdem immer weiter. Bis zum Hauptbahnhof! Dort sind wir ausgestiegen (15 Minuten parken= 1 € ) und dann durch die Bahnhofshalle gewandert. Leute an Hauptbahnhöfen sind irgendwie noch zombiger als im Rest der Stadt. Dann sind wir sogar noch weiter gefahren, bis zur Theresienhöhe. Aber dann hat es mir wirklich genügt und wir sind ganz entspannt zurückgefahren.

Solche Übungssessions dauern oft bis zu 4 Stunden und je abgeschlossener sie sind („Boah, das war jetzt aber was… ab nach Hause mit uns“), desto abenteuerlustiger werde ich („Ach, wir könnten hier noch nach Links und das noch ausprobieren…“).

Zusätzlich haben wir uns ein paar Spiele aus der Bibliothek geholt und ich spiele jetzt wieder mehr mit Chopper und Nami.

Der kleine Sanji macht sich super. Es ist unglaublich, wie aktiv er schon am Familienleben teilnimmt.

Mummy1000Sunny plant jetzt auch schon den Umzug nach Frankreich und hat schon die ersten Wohnungen ausgesucht und angeschrieben. Zusätzlich bewirbt sie sich noch bei allen möglichen Firmen und wir sind gespannt, was dabei herauskommt.

Und zu guter Letzt habe ich nun endlich den Weg gefunden, auf dem ich gut an der Demontage des industriellen, gebäudeorientierten Lernens beitragen kann. Aber das ist ein bisschen ein Geheimprojekt – und dieses beansprucht zur Zeit am zweit/drittmeisten Ressourcen.

Ich kann es mir gar nicht vorstellen, dass ich in irgendeine Firma jeden Tag gehe und einen Bürostuhl aufwärme, ein bisschen auf der Tastatur rumdrücke und mit ein paar Kollegen um die Gunst des Chefs wetteifere. Dafür hat man viel zu viel Arbeit damit Herr über sein Leben zu werden, einen Sinn darin zu finden und ihn zu verwirklichen, als dass man auch noch für solche Kinkerlitzchen Zeit hätte.

Gottseidank haben wir Josef Kraus und seine heilige Armee derer, die uns erzählen, dass es genau andersrum ist. Dass unser Leben in den Büroräumen stattfindet und dass die Karriereleiter ein Maßstab unserer Selbstverwirklichung ist. Wenn wir die nicht hätten, dann würden wir diesen Quark nämlich alles nicht glauben – und wer würde dann noch die Bibliotheken aufsperren/Bücher einräumen und Zapfsäulen wienern? Und die wichtigste Botschaft: Alles, was außerhalb von bezahlter Arbeit stattfindet ist Hobbyismus und trägt zu gar nichts bei, außer der Entspannung zu dienen, die man für die Arbeit benötigt.

Hier jedenfalls stimmt das Gegenteil. Man kann gar nicht genug Frei(z/h)eit haben. Wenn man sich nicht in alltäglichen Routineaufgaben verliert und alle Familienmitglieder sich ständig weiterentfalten, dann gibt es bald so viele Projekte, dass jeder Tag immer zu kurz ist. Und Worte wie „Langeweile“, „Zeittotschlagen“, „Zeitvertreib“ u.ä. grenzen ans Absurde.

Puuuh. Jetzt aber schnell schlafen, morgen ist wieder viel zu viel zu viel zu tun.

Erziehung, Bildung und Interesse

Wenn man sich die aktuellen Diskussionen um Bildungsreformen anschaut, dann wird einem schnell klar, dass es hier nur um einen Strukturstreit geht.

Was überhaupt Bildung ist, das kommt gar nicht zur Debatte. Natürlich gibt es ein paar Huldigungsschreiben über Bildung, die versuchen genau zu umreißen welches Wissen Bildung ist und welches nicht, aber die Idee Bildung mal komplett zu hinterfragen, das fällt niemandem ein.

Und deswegen muss ich das wohl wieder machen :)

Ich sehe Bildung als etwas stets Fremdes. Jeder macht sich seine Gedanken über Bildung und wie man diese am besten in den nächsten reinbekommt. Wie man in qualifiziert und sog. Funktionswissen (also dass er braucht um in der Arbeitswelt/politischen Welt zu funktionieren) in den Menschen reinbringt.

Meiner Meinung nach geht es aber gar nicht darum. Bildung ist eigentlich schon ein Wort, dass der Sklavenhalter benützt um das meiste aus seinen Sklaven herauszuholen. Natürlich muss er sie dafür bilden! Wie sollten sie auch sonst seine Befehle in angemessener Qualität ausführen können? Bildung ist also etwas das zur Arbeit qualifiziert.

Erziehung stößt in das selbe Horn. Auch diese ist jeder Sklavenhalter bereit seinen Untergebenen zukommen zu lassen. Erziehung bedeutet immerhin zu erklären, warum der eine Sklavenhalter und der andere nur Sklave ist. Warum der eine dient und der andere befiehlt. Warum die Vorstellungen des einen verwirklicht werden und der andere dafür Steine/Bits schleppt/programmiert. Erziehung ist das Gefügigmachen des Sklaven während Bildung das Veredeln desselben ist. Natürlich braucht ein vollwertiger Sklave beides, Bildung und Erziehung – verabreicht nach den Vorstellungen des Sklavenhalters. Nur so kann man den Nutzen maximieren. Das haben mittlerweile auch alle Nationen eingesehen, und so gibt es überall Bildung und Erziehung in Staatshand – selbst in despotischen Ländern (welch unglaublicher Fortschritt!).

Deswegen ist ja auch der Lieblingsspruch aller Peitschenschwinger und Despoten: „Bildung muss auf das Leben vorbereiten“. Aber schon vor 200 Jahren wurde die Frage gestellt: „Auf welches? Auf ein Leben, dessen Bedingungen ihr diktiert?“

Und die Antwort lautete und lautet immer noch: „Nein Danke!“ Bildung muss das natürlich alles tun. Aber wir brauchen etwas anderes. Wir sind Menschen und wir wollen zu uns selbst finden und uns selber „perfektionieren“. Selbstwirksam sein und uns auch selbst verwirklichen. Und hier kommt ein anderer mächtiger Begriff in den Raum. Ein Begriff bei dem, wie ich zu behaupten wage, Bildung und Erziehung verblassen und sich in ihre düsteren Kloaken zurückziehen, aus denen sie entstiegen sind. Ein Begriff, der die Vampirzähne und Werwolfsklauen aller Bildner und Erzieher stutzt und sie empört zu Staub zerfallen lässt. Denn im Angesicht der Sonne, was kann da jemand bewirken, dessen Ziel es ist die Gehirne einzufrieren?

Dieser Begriff ist das „Interesse“. Das Interesse ist die echte Tätigkeit, der wahre Zustand des denkenden Menschen, inter(zwischen) esse(sein). Man sieht ganz deutlich, dass es mal eine Tätigkeit war, die von Menschen ausgeführt wurde. Es wurde sogar konjugiert: interest (engl), interesse (deutsch). Und so suchen wir heute immer noch unser Inter-esse zu finden, die eine Tätigkeit, die unser Hobby(in dem wir uns die Tätigkeiten selbst aussuchen) zum Beruf(in dem uns ein anderer alles vorschreibt) zu machen.

Eigenes Interesse hat heutzutage einen negativen Beiklang. Es weist auf etwas unsoziales hin. Egoistisch, nicht im „Interesse“ der Allgemeinheit und wahrscheinlich auch keiner „Interessens“gruppe zuzuordnen. Ja, das Interesse und das Hobby, diese beiden „eigenen“ Sachen würden in jeder Gesellschaft, die von Sklavenhaltern betrieben wird, in die Ecke „Unquack“ gestellt werden. Sie sind schlecht. Und man muss auch gar nicht darüber reden, dass das Folgen eigener Interessen (so konsequent zu Ende gedacht) zu nichts anderem als dem Niedergang der Gesellschaft führen würde. Was in einer Sklavenhaltergesellschaft ja auch logisch ist, denn diese lebt ja davon anderen ihre Fremdbeschäftigung als Eigentätigkeit zu verklären.

Wenn mich also jemand fragt, ob ich Bildung habe, dann müsste ich ehrlicherweise antworten: „Das hatte ich mal, war keine schöne Zeit. Mittlerweile habe ich Interessen“.

Aber was sollte ein Sklave mit so einer Antwort anfangen? Er muss den Kopf schütteln und sich abwenden. Sollte er sich damit beschäftigen läuft er Gefahr dysfunktional zu werden, und sollte er dann keine Therapeuten aufsuchen, die ihn wieder auf den „richtigen“ Weg bringen dann läuft er Gefahr sich endgültig zu emanzipieren und auch Interessen zu entwickeln, die er dann verfolgt und sich selbst verwirklicht. Aber das hieße von der Leiter runterzuspringen, auf die man so mühsam geklettert ist und die Privilegien und Sicherheit gewährt, die man sich über Jahre erringen musste. Solch ein Mensch wäre unnütz für die Gesellschaft und müsste sich parasitär ernähren. Die schlimmste Gefahr für einen Menschen in einer Gesellschaft von Sklaven und Sklavenhaltern ist es, dass er frei würde. Denn alle Wörter würden für ihn zu billigen Floskeln und Ideologien und umgekehrt würden sie ihn nicht mehr verstehen. Die Interaktion mit seinen Mitmenschen wäre unmöglich und jeder Erfolg wäre verwehrt.

Gottseidank haben auch die Sklavenhalter ein Einsehen und Nischen für freie Menschen geschaffen, in denen sie sich verwirklichen können und ihre Interessen verfolgen können. Immer natürlich mit dem schalen Nachgeschmack, dass sie nicht mehr wirklich frei sind und ihre Aktivität jederzeit durch verschieden viel Bürokratie zum erliegen gebracht werden kann. Denn echte Freiheit kann es nicht geben, und Interessen von freien Menschen müssen auch nützlich für die Sklavenhalter sein – und dieses muss auch dauernd gerechtfertigt werden, wenn es nicht offensichtlich ist. Denn was wäre sonst der Nutzen von diesen freien Menschen, bei denen das Interesse und die Anforderung glücklicherweise zusammentrifft? Keiner!

Diese freien Menschen kommen immer irgendwann an einen Punkt an dem sie ihre Fesseln bemerken. Nämlich der Moment in dem sich ihre Interessen verändern. Dann müssten nämlich auch sie erkennen, dass es nur der Zufall war, der ihre Interessen und die Anforderungen der Sklavenhalter vereinigte und dass es auch der Zufall ist, der sie von den Anforderungen der Sklavenhalter trennen kann. Wollten sie ihren neuen Interessen folgen müssten sie nämlich von ihrer Leitersprosse herunterspringen und noch einmal von vorne anfangen.

Die Begriffe Erziehung und Bildung können erst fallen, wenn sich die Arbeitswelt (besser Produktionswelt) so verändert, dass sie Freiheit zulässt. Dass die Interessen des Menschen zuerst kommen. Wie so eine Gesellschaft aussehen kann und wie produktiv und organisiert sie sein kann, das haben die OpenSource-Projekte gezeigt. Diese haben in kurzer Zeit „Traditionsunternehmen“ eingeholt und oft sogar vernichtet. Auf der Tradition andere Menschen zu unterjochen kann eben nichts besseres wachsen, als aus der Arbeit echt freier Menschen.

Die Idee, dass ein paar Menschen (die wissen, wie man alles am besten macht) Milliarden von anderen Menschen befehlen, was sie zu tun haben (da diese ja nicht wissen, wie man etwas richtig macht, oder was überhaupt das „Richtige“ ist) – diese Idee ist ein Humbug der von der Legende einer Gruppe von „auserwählten“ Menschen ausgeht. Diese Auserwählten sind aber zutiefst in unserer Geschichte und unserer Kultur verankert und wir zelebrieren sie. Bei Fußballfesten, WM’s, Verkaufszahlenhitparaden. Ja manchmal gehen wir sogar selber los und erwählen diese Gruppe.

Wie peinlich. Aber so handelt nun mal der gebildete Mensch. Gegen seine eigene Interessen, streng nach seiner Erziehung.

Also lasst uns die Lehrpläne ausmisten, neue Medien besorgen und freien Unterricht einführen (am besten in einem modularen Kurssystem) – damit bald jeder die Gleiche Chance hat weiter oben auf der Leiter zu sein und vielleicht sogar auch Sklavenhalter werden zu dürfen.