2 Enten auf dem Teich

Es war einmal eine grüne und eine rote Ente auf einem Teich.

Die grüne Ente schwamm immer links herum und die rote rechts herum. Da trafen sie sich jeden Tag tausendmal und die rote gefiel der grünen gar nicht. Und die grüne gefiel der roten gar nicht.

„Du schwimmst in die falsche Richtung!“

„Nein! Du schwimmst in die falsche Richtung“

Natürlich sagten sie das auf entisch, sie sagten es auch nicht, sondern sie schnatterten: „Nu schwimmgst nin ding falscheng Rischtungsch! Neinschg Dusch!“

Und so schnatterten sie den ganzen Tag.

Da kam eine Ente, sie war sehr schlau – wie alle Enten nun mal sind – auf die Idee, dass doch die andere wegwatscheln sollte. Da die andere Ente nicht blöd war, dachte sie sich etwas ganz schlaues aus. Eine schlaue Entenlösung.

„Wir bilden ein Abkommen, jeder dem es nicht passt der kann wegrennen – das Rennen-Abkommen“. Die andere Ente war sofort einverstanden – sie war ja auch entenschlau.

„Ja“, quakte sie zu. „Und Dir passt nicht, in welche Richtung ich schwimme. Also hau ab. Da vorne hinter dem Berg ist noch ein Teich.“

Natürlich wollte das die grüne Ente nicht, sie hatte sich das Rennen-Abkommen ja ausgedacht, damit die andere endlich abwatschelte. So eine Watschelei war schließlich anstrengend. Außerdem wusste sie wo die meisten Würmer und Schnecken in diesem Teich waren. Und vor allem: Wer konnte schon wissen, in welche Richtung die Enten im anderen Teich schwammen!

Also quakte sie säuselnd: „Nein, geh Du. Das Rennen-Abkommen stellt es Dir frei zu gehen, wenn Dir was nicht passt – mich stört nicht in welche Richtung Du schwimmst. Schau wie großzügig und freimütig ich bin“

Ab diesem Abkommen schwammen beide Enten doppelt so langsam aneinander vorbei. Und plusterten sich auf. Jede war noch genervter und beide wurden insgeheim immer wütender. Beide schnatterten, wie richtig es war was sie tat und wie falsch es war was die andere tat. Natürlich! Wie kann man nur so verblendet sein und in die falsche Richtung schwimmen.

Eines Tages platzten die Enten vor Wut und schnatterten auf sich ein. Natürlich in derbstem entisch: „Schnütz Dung dasch Schengen-Abkommengsch“ – Ja nütz Du es. Aber keine nützte es.

Da kam die grüne Ente auf eine noch schlauere Idee! Sie mussten abstimmen. Rein Demokratisch. Dazu setzten sie pompös zwei Urnen in das Wasser und jeder bekam einen Stimmzettel auf dem Stand welche Ente in die falsche Richtung schwamm und welche gehen sollte.

Das Ergebnis könnt ihr euch schon denken. 50% der Enten waren überzeugt, dass die Grüne alles falsch machte und die anderen 50% empörten sich über die Rote.

Die Enten waren aber sehr schlau – entenschlau und erkannten ihren Fehler sofort. Die Wahlbeteiligung war zu gering. Beide Enten einigten sich darauf die Schnecken und Würmer mitstimmen zu lassen. Sofort erzählten sie den Schnecken und den Würmern davon. Jede wusste, dass sie sich nun gut stellen musste mit diesem blöden Volk.

„Schnecken und Würmer! Aufgemerkt! Ich habe für euer Recht zu Wählen mit der Roten Ente gekämpft. In ihren Augen wart ihr nur Futter, doch jetzt seid ihr Wähler. Und dürft endlich mitbestimmen, was im Teich geschieht! Ich bin euer Freund, wählt mich: die Grüne Ente“

Und genau dasselbe schnatterte auch die Rote Ente – nur in ihrer Erzählung war die Grüne Ente der Feind. Die schlauen Enten wußten natürlich, dass es den blöden Schnecken und Würmern egal war, ob sie nun von Links herum oder von Rechts herum gefressen wurden. Sie wollten nur nicht gefressen werden. Eine utopische Forderung, die keine der Enten jemals zur Wahl stellten.

Es ging natürlich um das Allerwichtigste – welche Ente sollte in Zukunft das Gewaltmonopol haben? Das bedeutete, wer sollte in Zukunft die Würmer und Schnecken in diesem Teich fressen dürfen – aber so hörten das die Schnecken und Würmer natürlich nie. Und schließlich waren die meisten auch zu blöde um das zu verstehen.

„Zwei Enten auf einem Teich, das kann nicht klappen. Das gibt nur Chaos. Die Zustände sind untragbar für euch Würmer und Schnecken.“

Bald waren die Schnecken und die Würmer in zwei tiefe Lager gespalten. Die Würmer versprachen sich Gleichheit mit den Schnecken von der grünen Ente. Die Schnecken dagegen versprachen sich Gleichheit mit den Würmern von der roten Ente. Der Teichboden war übersät mit beschriftetem Schilf und Algen. Auf den Algen stand: „Würmer wählt die grüne Ente! Sie bringt Sicherheit und Wohlstand für alle!“ Auf dem Schilf stand „Schnecken und Würmer, vereinigt euch und wählt die rote Ente! Gleichheit, Freiheit, Tierlichkeit!“

Bald hatten die Schnecken und die Würmer alles andere in ihrem teichbodenständigem Leben vergessen und diskutierten nur noch die Vorteile der grünen und der roten Ente. Die Enten waren hochzufrieden über so viel Zuwendung. Denn so schlau Enten auch sind, sie sind auch sehr eitel. Und so sprachen sie mit den Schnecken und den Würmern über die vielen Vorteile von rechtsherum schwimmenden Enten – oder die Nachteile der schrecklichen linksherumschwimmenden Enten. Oder andersrum.

Das taten sie tagsüber. Nachts waren die beiden Enten so hungrig, dass sie doppelt so viel Schnecken und Würmer fressen mussten. Aber Enten sind ja sehr schlau – entenschlau – und so fraß jede Ente meistens die, die gegen sie stimmen würden. Da die beiden Enten natürlich so viel wie möglich politische Gegner fraßen, wurden beide Enten von Tag zu Tag fetter und fetter. Die grüne Ente konnte schon bald gar nicht mehr Rechtsherum schwimmen. Und auch die rote Ente hatte bald so lahme Flügel, dass sie gar nicht mehr Linksherum schwimmen konnte. So zeigten beide bald nur noch in ihre Richtung, schnatterten und fraßen noch emsiger.

So rückte das Wahldatum immer näher und näher. Und am großen Tag standen überall Kabinen mit Stimmzetteln. Auch standen überall Urnen für die Würmer und Schnecken. Es glich einem Volksfest. Die Würmer und Schnecken putzten sich feierlich heraus. Schließlich ging es um ihre Zukunft. Es ging mittlerweile nicht mehr nur um das Gewaltmonopol, sondern auch um den Bildungszugang und die Weltrettung. Die beiden Enten im kleinen Teich hatten sich große Mühe mit ihren Programmen gegeben. Je mehr die rote Ente versprach, desto mehr musste die Grüne nachlegen. Und so hatten sich beide fast täglich mehrmals überholt.

Es sollten sogar Orte für alle kleinen Schnecken und Würmer eingerichtet werden, wo die Leckerbissen zusammen lernten und die Ente auch mehrmals täglich Besuche abstatten würde, um zu sehen wie sich die Investition in Bildung so machte. Schließlich musste die zukünftige Generation von Schnecken und Würmern auch Bescheid wissen, welche Ideen die Enten hatten und welche man wählen solle. Die Enten waren nämlich sehr schlau und wussten – sind solche Lernorte erst einmal eingerichtet, wo alle zarten, jungen und schmackhaften Kriechtiere zusammen kommen, dann würde das auch sehr schnell negative Auswirkungen auf die Zahl der Schnecken und Würmer haben. Um dieses Problem zu lösen brauchte man auch schlaue Würmer und Schnecken!

Man musste nur aufpassen, dass man möglichst früh unterschied in Problemlöserkriechtiere und Futter. Und das war schon wieder ein Problem, das man lösen musste. Und jeden Tag kamen neue Probleme hinzu und neue Chancen zu einem Problemlöserkriechtier zu werden. Ja, die Probleme waren überhaupt das allergrößte. Sie machten es erst möglich, dass manchen Schnecken und Würmern bald ein sorgenfreies Leben zukam. Das war eigentlich das wichtigste Problem von allen und wurde von oberschlauen Würmern als Chancengleichheit bezeichnet. Würmer mochten nämlich lange Dinge, und lange Wörter waren das allerwurmigste von allem. Die Schnecken waren dagegen schon ein bisschen zurückgezogener. Der Traum, dass jeder Wurm und jede Schnecke bald die Chance auf einen Platz in Sorgenfreiheit und Überfluß haben sollte war eines der größten Ziele. Und dass nur die Leistung und nicht die Abstammung zählte, das war die große Aufgabe.

Besonders die Enten legten Wert darauf, dass kein Wurm zum Futter wurde, bloß weil er ein Wurm war. Und keine Schnecke zum Problemlöser, bloß weil sie eine Schnecke war. Schließlich ging es darum das Problem der immer kleiner werdenden Kriechtierbevölkerung zu lösen. Und da die Enten so viel fraßen und ihre Verdauung so gut funktionierte, musste man sich auch bald Sorgen um die Umwelt machen. Schließlich verdunkelten die Hinterlassenschaften der Enten schon den Teich und machten teilweise das Atmen schwer – für alle, die unter der Oberfläche lebten. Aber sie machten auch das Tauchen nach Futter schwerer. So kam es dazu, dass die Lernorte für die Jüngsten und Leckersten natürlich schon vor den Wahlen eingerichtet wurden. Dafür setzten sich beide Enten kompromisslos ein.

Und es war natürlich einhellige Meinung, dass alle jungen Kriechtiere an diese Lernorte kamen. Sogar die ganz faulen – besonders die! Mjamm! So wurde es bald zur Pflicht; sogar noch vor den Wahlen. Denn darin waren sich alle beiden Enten einig.

Am Wahltag dann strömten die Kriechtiere in die Kabinen. Überall waren Wahlbeobachter – man hatte sogar welche vom anderen Teich herbei bestellt. Denn es war das wichtigste Ereignis überhaupt im Leben dieser Kriechtiere. Was konnte es wichtigeres geben, als all die Versprechen der Enten des kleinen Teiches.

Am Abend wurde es dann bekannt, die Rote Ente hatte gewonnen. Und noch am selben Abend beschlossen beide Enten, dass keine den Teich verlassen müsse, aber die Rote Ente jetzt für ein paar Jahre sagen durfte in welche Richtung geschwommen wird. Und ab diesem Tag schwammen beide Enten in dieselbe Richtung. Während sie schwammen diskutierten sie über Politik. Die schlauesten der Problemlöserkriechtiere nannten dies das Schnablament – andere sagten es wäre der Bundesquak.

Wie immer man es auch nannte, wenn die kleinen Würmer und Schnecken nach oben schauten, sahen sie einen Himmel der überzogen war mit Entenkot und zwei Enten, die in dieselbe Richtung schwammen. Alle Jahre wurde gewählt und es gab ein Volksfest der Versprechungen, wie die beiden Enten den Teich und die Welt retten sollten – und einen Plan alle Errungenschaften zu reformieren und sie noch besser zu machen. Von so einem Leben konnten die Kriechtiere früher nur träumen! Was hatten die Kriechtiere jemals ohne den Schutz der Enten gemacht? Das wusste nicht einmal der Lehrer.

Das Schengen-Abkommen hatten die Enten natürlich beibehalten. Jeder Wurm und jede Schnecke, die am Teichboden lebte konnte – wenn sie wollte und einen langen Atem hatte – in einen anderen Teich aussiedeln.

Endphase

So jetzt hat die Endphase der Diplomarbeit begonnen. Wir sind alle wirklich fertig und Wetter + Behausung + Kinder-Dauerhüten + Sonstiges lässt mich nicht wieder richtig gesund werden.

Egal. Bald ist es vorbei und nun gilt es alle Kräfte wie durch ein Brennglas auf die letzten Wochen der Diplomarbeit zu fokussieren.

Dann aber!

Das Frankreich Projekt

Das „Flüchtlings“-Projekt in Frankreich wird immer konkreter. Wir haben jetzt eine neue Yahoo-Liste:

http://groups.yahoo.com/group/schulfrei_frankreich/

Dort kann man sich anmelden. Bitte auch nach der Anmeldung eine kleine Vorstellung an die Liste schreiben – wer ihr seid (gerne mit anonymisierten Namen, warum ihr auf der Liste seid, was ihr plant usw.)

Auch können wir unsere Vorstellungen über das Projekt austauschen und Ideen sammeln.

Die geschichtliche Rolle der Piratenpartei

Am Sonntag waren Wahlen in NRW – die Piraten schnitten dabei sehr schlecht ab und nun gibt es Schuldzuweisungen und Ratlosigkeit in der Partei. Jeder benützt das Ergebnis um darauf hinzuweisen, dass man nicht auf ihn gehört hat und dass es deswegen so schlecht war. Andere verlassen die Partei und wieder andere zweifeln daran, dass sie mehr als eine Modeerscheinung ist.

Alltagspolitik wie gehabt.

Ich glaube die Frage ob die Piratenpartei eine Modeerscheinung, ein Sommermärchen oder etwas ähnliches ist entscheidet aber nicht die einzelne Entscheidung in der Politik. Die Mechanismen welche Partei gebraucht wird (vorausgesetzt man nimmt an, dass man Parteien überhaupt bräuchte) sind viel tiefer und die Selektion findet auf einer geschichtlichen Ebene statt – und auf diese will ich nun den Blick richten.

Die Piratenpartei hat ihre „Kernthemen“ Patente, Monopole, Bürgerrechte – alles ganz wichtige Themen – aber alles Themen die die alten Parteien mehr oder weniger problemlos aufgreifen können, wenn sie populär sind und nicht zu starke Eigeninteressen entgegen stehen (wobei hier Einzelstimmen vernachlässigt werden können, sondern nur geteilte Eigeninteressen zählen, sozusagen Klassenweite-Eigeninteressen).

Die Piratenpartei steht aber noch für etwas anderes (oder will für etwas anderes stehen) – und dies ist geschichtlich relevant. Sie steht dafür die Entscheidungen und Lösungsfindungen auf noch mehr Menschen zu verteilen. Und hier sehe ich einen Berührungspunkt mit der geschichtlichen Entwicklung. Immer wenn sich Zentralisierung vollzog, vollzog sich auch eine Gegenreaktion, die versuchte der neuen Machtlosigkeit des Einzelnen Herr zu werden. Immer wenn alle Macht auf einen Punkt konzentriert wurde und sich dabei lokale Machtvakuen bildeten, bildete sich dort auch der Wille zur Selbstbestimmung.

Und ich denke allein das entscheidet über das Weiterbestehen der Piratenpartei. Vielleicht wird die Partei erst einmal schrumpfen. Vielleicht bleiben nur noch Kollektivisten zurück, oder vielleicht bleiben auch die, die für eine strikte Ordnungspolitik stehen. Was immer die Piratenpartei auch für eine ideologische Richtung annimmt, so könnte diese Partei eine Mitmach-Alternative der analogen Partei der vordigitalen Zeit werden.

Es könnte also dazu kommen, dass aus der Piratenpartei die CDU2.0, die SPD2.0, Grüne2.0, FDP2.0 – oder die Linke2.0 . Das sind die aktuellen Denkmuster und es ist unwahrscheinlich dass ein Ausbruch gelingt. Aufgrund dieser Denkmuster werden die aktuellen politischen Fragen in den Medien bearbeitet und nach diesen Fragen funktionieren die Wahl-O-Maten. Was für einen Ausbruch aus diesen Denkmustern nötig wäre kann ich hier nicht bearbeiten.

Die Geschichte der Menschen hat einen starken Trend zur Zentralisierung, dieser ist zur Zeit in Europa ungebrochen. Dies ist der ideale Nährboden für Mitmachlösungen und sie können der Demokratie eine neue Dimension geben. Es ist praktisch irrelevant, ob die Piratenpartei als solche Erfolg hat, sondern es ist relevant wie eine Konsensfindung entstehen kann, die mehr Menschen miteinbezieht. Ob die Piratenpartei das ist, ob sich im Internet an zentralen Knoten politische Polarisationen finden, die dann Einfluss nehmen – oder irgendeine andere Lösung - wissen wir noch nicht .

Das Modell der Mitmachpartei ist auf jeden Fall eine Antwort auf stets dieselbe historische Frage: Wie können wir uns gerechter organisieren? Es ist ein Modell aus dessen Erfolgen und Fehlern wir lernen können und ich denke es ist ein Modell, dass eine wichtige historische Rolle spielt – vielleicht auch nur in dem sie zeigt, welche Schwächen das Parteiensystem an sich hat.

PS: Für mich persönlich habe ich unglaublich viel gelernt in der Zeit, in der ich bis jetzt dort teilnahm. Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit so vielen verschiedenen Menschen, ist jedem Sozialkundeunterricht überlegen. So viel ist klar. Für eine echte, dauerhafte Beteiligung müssen aber bequemere Wege gefunden werden, so wie es jetzt läuft kann ich die Menschen die alle aus Frustration von Bord gegangen sind gar nicht mehr zählen.

Wozu ist denn jetzt die Schulpflicht eigentlich da?

Eine offene Rede an die Partei und das geneigte Volk:
Die Schulpflicht ist ja nicht da um Menschen zu bilden, sondern um den Widerstand gegen das effektive Aussortieren zu unterdrücken. Jemand der viele Fehler macht und dabei eine Bildungspflicht fordert ist also nur konsistent. Allerdings sollte man es sich überlegen, ob man eine Bildungs- statt eine Schulpflicht einführt. Wenn man ein Volk einmal so unterwürfig gemacht hat und nun das Joch von ihnen nimmt, sind sie nicht mehr so leicht regierbar. Das würde uns als Regierungspartei dann ebenso vor neue Schwierigkeiten stellen. Während die Menschen aktuell nach ihren Ketten lechzen und man sie nach Strich und Faden ausnehmen kann, Schulden machen kann und massenweise leere Versprechungen, die sie bis zur nächsten Wahl eh schon wieder vergessen haben. Ich bitte also die Vorteile einer Schulpflicht zu bedenken.
Eine gute Untersuchung, wie die Schulpflicht hilft aktuelle Machtstrukturen zu erhalten und Minderheiten effektiv auszusortieren ist von Harvey Graff – Legacies of Literacy. Wir sollten berücksichtigen, dass es vor der Einführung der Schulpflicht in manchen Ländern eine Alphabetisierungsquote von knapp 100% gab, Gesellschaften den Beinamen Lesegesellschaften bekamen und sich überall Parteien gründeten – dies führte später zu Revolutionen (wie der Französischen). Bevor wir also dem Volk Bildung zugestehen sollten wir uns das genau überlegen – Politik kann oftmals nicht ohne leichte Manipulation leben. Bildung außerhalb der staatlich kontrollierten Zensurorgane ist ein gefährliches Eisen; das hat die deutsche Politik-Elite ganz richtig erkannt.

Ein kleiner Abstand zur Piratenpartei-NRW

Morgen sind ja Wahlen in NRW und ich habe mich seit einiger Zeit bei den Piraten engagiert und auch mal Wahlempfehlungen für sie ausgegeben.

Für die NRW-Wahl will ich das jetzt aber nicht tun, stattdessen will ich ein paar Ausschnitte aus dem Bildungsprogramm zitieren und dann kann sich jeder selbst die Frage stellen, ob der Landesverband der Piratenpartei-NRW für Freiheit steht:

Schulerziehung:

Die NRW-Piraten sprechen sich für eine Beibehaltung der bestehenden allgemeinen Schulpflicht aus.

Die Teilnahme am Schulunterricht sichert, dass Kinder und Jugendliche die Grundlagen einer gleichberechtigten, demokratischen, pluralistischen Gesellschaft kennenlernen, und in Form von Mitschülern, Lehrern und sonstigen Betreuern Ansprechpartner für Fragestellungen und Probleme finden, die von den Lebensentwürfe der Eltern oder dem sozialen Umfeld abgelehnt oder tabuisiert würden. Im Rahmen des Schulbesuchs ist den Kindern und Jugendlichen transparent zu machen, wie sie ihren eigenen Bildungsweg gegebenenfalls auch unabhängig von den Elternwünschen gestalten können. [aber nie unabhängig von Staats- und Verwaltungsbeamtenwünschen]

Früherziehung:

Die Jugendämter sind verpflichtet, alle Eltern, deren Kinder im vierten Lebensjahr [das ist also nach dem 3.ten Geburtstag] nicht in einer Kindertagesstätte angemeldet sind, nachhaltig über die Vorteile des KITA-Besuchs durch verständliche Informationen aufzuklären.

Dauererziehung:

Für jeden Schüler ist eine Ganztagsbetreuung mit Mittagessen und individuellen Lerngruppen oder einer Hausaufgabenhilfe am Nachmittag vorzusehen.

Und das ist nur das aus dem Wahlprogramm.

Petition an den Bundestag

Obwohl wir alle wissen, wie verschlafen und ver… unsere Herren/Frauen Superhelden-Politiker sind, die anscheinend nichts besseres zu tun haben, als zusammen mit der BILD-Zeitung gegen Eltern zu hetzen, gibt es jetzt eine Petition an die Armee der Kinderräuber.

Gestartet wurde die Petition von einem mir Unbekannten in der Lehramtsausbildung (!) und verdient unsere volle Unterstützung. Also anmelden und zeichnen:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=11495

Wer sich nicht traut von seinem Computer zu zeichnen, für den ist hier ein kleiner Link:

http://www.lifehacker.com.au/2008/10/how_to_watch_videos_on_hulu_from_anywhere-2/ (aber nicht für hulu benützen, das ist nur in den USA erlaubt und wir wollen uns ja an die Gesetze halten :) )

Also unterstützen. Es sind schon über 700 Menschen und auch wenn die Schulpflicht hier in Deutschland ein interessantes soziologisches Feldexperiment ist (und als solche mein Interesse erregt), wäre es nur human sie abzuschaffen.

Also für eine Abschaffung der Pflicht sich professionell verblöden zu lassen!

Die Geschichte vom alten Athmen

Vor langer langer Zeit – an einem Ort, den wir gar nicht mehr kennen, das alte Athmen – war es besonders wichtig für die Menschen gut atmen zu lernen.

Richtig atmen konnte dort keiner. Viele atmeten zu schnell und fielen oft um – das waren die Schnellatmer. Die Langsamatmer dagegen taumelten dauernd blau durch die Gegend und waren eine große Gefahr im Verkehr. Am schlimmsten waren aber die Luftschlucker – die machten überall Bäuerchen und wurden wegen Erregung öffentlichen Ägernisses oft angezeigt. Ja, die Gefängnisse waren voll von Luftschluckern und anderen Atemversagern. Die Seitenstecher waren zwar schmerzgebeugt, aber sie waren gute Bürger und waren überall gerne gesehen – außer bei Fahrradausflügen. Es gab recht wenige, die gut atmeten – sie wurden überall bewundert und schrieben tolle Bücher übers Atmen. Wie frei Atmen macht und Atmen sei Macht. Sie waren dem Rest der Athmener aber verdächtig, da man ja schließlich hochbegabt sein musste, oder irgendeine Art von Wunderkind, dass man so gut mit der Luft zurechtkam.

Atmen war schließlich eine hohe Kunst, man musste genau 15 Mal in der Minute atmen um nicht blau anzulaufen. Man durfte nicht zu tief atmen, sonst wurde einem schwindelig, aber auch nicht zu oberflächlich – sonst wurde einem auch schwindelig. Atmete man zu tief und auch noch schnell, dann fing der Körper an zu stechen. Musste man schnell laufen, so musste man auch schneller atmen – wieviel schneller, das hing leider von tausend Dingen ab. Auch beim Treppensteigen und beim Ausruhen gab es Sonderfälle und Ausnahmen. Die Professoren an den Athmademien schrieben sich die Finger wund um das Atmen zu erforschen. So mancher hat schon Leib und Lunge in Selbstversuchen riskiert und gottseidank hatte man nun ausgedehnte Programme entwickelt um das Atmen jedem beizubringen.

Da Atmen aber so wichtig war für die Athmener, wurde jedes Kind sofort nach der Geburt mit einem künstlichen Atemgerät versorgt. Dieses besorgte die wichtigen Arbeiten, bis die Kinder dann endlich in die Schule kamen, wo sie sofort die Grundlagen des Atmens kennenlernten. Zuerst einmal musste man lernen, wie man bis 60 zählt – denn 60 Sekunden hatte eine Minute. In der zweiten Klasse lernten sie dann alles über die Luftbläschen und das Zwerchfell. Später kam dann das Aufrichten der Rippen (was so manchem sehr schwer fiel).

In den höheren Klassen wurden dann Berechnungen gelernt, wie man den Bronchiolen-Durchmesser berechnet, die Atemwege genau studiert und die Oberflächenspannung von Seifenblasen berechnet – alles sehr wichtig zum tieferen Verständnis des Atmens. Immer war ein Athmeist hinter einem, der einem genau zeigte, wie es geht und die Fortschritte bewertete. Auch hatte man Spezialisten, die feststellten wer Dysluftie oder das gefürchtete Atmungs Defizit Syndrom hatte.

Beim Abschluss konnten die gut gebildeten Athemener dann zeigen, was sie all die Jahre gelernt hatte und dass sie auf das Leben vorbereitet waren. Natürlich schaffte es nicht jeder die hohe Kunst des Atmens zu verinnerlichen, aber diesen winkte ein gutes Leben – denn man wusste, dass sie zu den Auserwählten gehören, die das wertvolle Kulturgut des Atmens an die nächste Generation weiterreichen konnten. Und vielleicht würde genau ihre Art zu atmen endlich Reichtum und Chancengleichheit für alle bringen, bei denen nicht persönliches Versagen, sondern armes Elternhaus oder andere Atemprobleme sie zu Atmungsverlierern gemacht hatten. Schließlich war die Atemausbildung auch noch nicht perfekt – und obwohl sie stets reformiert wurde brachte sie weiterhin stetig schlechtere Ergebnisse. Die Theorie des Atmens war inzwischen schon so gut ausgearbeitet, dass sie Bücherregale füllte und jeder, aber auch jeder mit einigem Fleiß und Energie und viel individueller Betreuung ein guter Atmer werden konnte.

Um diesen Traum für jeden Athemener Wirklichkeit werden zu lassen, verließ das Thema Atmen auch nicht mehr die Boulevardblätter, ständig sprachen die Athemener über nichts anderes, als die nächste Reform über das Atmen. Über die neuesten Techniken, wie man der Jugend das Atmen noch besser beibringen könnte. Insbesondere jene, die eigene Atemprobleme noch nicht vollständig aufgearbeitet hatten und in ihrer Jugend oft benachteiligt waren, waren auch die besorgtesten und gingen auf jede Demo um noch mehr Athmeisten und eine bessere finanzielle Ausstattung für die Atemschulen zu erkämpfen. Die Demonstrationen waren jedesmal bemitleidenswert, die Langsamatmer hielten sich taumelnd an ihren Plakaten und Transparenten fest und traten sich gegenseitig auf die Füße. Oft beschimpft durch Schnellatmer am Straßenrand, die abwechselnd zu Boden fielen und erst nach ein paar Minuten wieder aufstanden.

Besonders die frühe oder späte Selektion beim Atmenlernen war einer der heftigsten Streitpunkte. Besonders die Eltern der Schnellatmer hatten Angst, dass wichtige Theorien über die Bronchiolen nicht mehr ausreichend gelernt werden konnten und so Atmen als Geisteswissenschaft an Bedeutung verlieren könnte. Das Atmen würde somit profanisiert und proletarisiert. Aber auch ob man lieber individuelle Textbewertungen oder klare Ziffernbewertungen über die Atemfortschritte haben wolle war ein großes Thema. Auch die Erweiterung des Fächerkanons um verwandte Themen, wie Husten und Räuspern waren nicht unumstritten.

Zu allem Ärgernis gab es da noch eine kleine Gruppe von Sektierern, die sich weigerten ihre Kinder überhaupt in die Atemschulen zu schicken. Mit ihrer Aussage, dass Atmen doch natürlich sei, schlugen sie den Reformbemühungen der ganzen Atmenischen Gesellschaft ins Gesicht. Jedem war klar, dass dies verantwortungslos war und zudem nur Verblendung zu solchen Wahnvorstellungen führen konnte. Die Kinder mussten so schnell wie möglich vor diesen Spinnern in Sicherheit gebracht werden. Die meisten dieser „Freiatmer“ konnten ja selber nicht richtig atmen! Manche waren Langsamatmer, Seitenstecher und andere Schnellatmer. Wie sollte so ein chaotischer Haufen der Jugend von Morgen jemals das Atmen richtig beibringen, wenn es denn schon den extra Jahre lang dafür ausgebildeten Athmeisten nicht gelang! Es wäre doch viel sinnvoller die bestehenden Ateminstitutionen weiter zu reformieren! Besonders bei denen, deren Eltern Atmungsbenachteiligt waren gab es noch viel zu tun – denn nichts schien erblicher als Atmungsbenachteiligung.

Die „Freiatmer“ gefährdeten ihre Kinder zudem in unübertreffbarer Weise indem sie die künstlichen Beatmungsgeräte verweigerten. Ab der Geburt! Sie sagten, dies schwäche die Lungen und das Zwerchfell. Sie unterbinden eine natürliche Entwicklung des natürlichen Atmens. Dabei war doch jedem Menschen klar, dass jeder Mensch von Natur aus atmen konnte… man musste es ihm nur richtig beibringen. Und was war überhaupt mit der Sozialisation dieser armen Kinder? Konnten sie später mal im richten Atemalltag in der Gegenwart von anderen Menschen auch atmen? Oder gar in U-Bahnen oder Büroräumen? Musste man nicht fürchten, dass Menschen, die nicht in großen Ateminstitutionen das soziale Atmen gelernt haben, später dann auch nur im einsamen und stillen Atmen können? Oder würden diese unsozialen Atmer dann am Ende allen anderen die Luft wegatmen oder sie verpesten und schlechtatmen?

Und vor allem: Woher weiß ein „Freiatmer“ denn wann er richtig atmet? Es ist ja kein Athmeist da, der ihm erklärt was er falsch und was er richtig macht. Es war unglaublich mit welcher Naivität die „Freiatmer“ dieses Thema angingen und mit welchem Leichtsinn sie die Zukunft ihrer Kinder gefährdeten. Die Gefängnisse waren voll von Falschatmern, wollten sie das ihren Kinder wirklich zumuten? Korrektes Atmen war eine Grundvoraussetzung für einen guten Job. Besonders die taumelnden und stets bläulichen Langsamatmer waren praktisch unvermittelbar und oft auf Arbeitslosenhilfe angewiesen. Wollten sie ihre Kinder diesem Risiko aussetzen? Die Eltern würden am Ende ihre eigene Atembiographie weitervererben! Die Chancengleichheit, für die jahrelang gekämpft wurde, wäre mit einem Schlag für all diese Kinder verloren! Und schlimmer noch: Einseitige Atemindoktrinierung. Jeder Mensch sollte das Recht auf ein Luftzeugnis haben, wie sollte man sonst feststellen können, wie gut er im Zwerchfellatmen war? Oder im Ausatmen?

Man konnte nur den Kopf schütteln und hoffen dass irgendwo ein Jugendamtsmitarbeiter die Kinder abholte, und ihnen ihr Grundrecht auf künstliche Beatmung und eine gute Atemschule sicherte, wo es dann nach 12 Jahren einen Abschluss in Atmen machen konnte und ein gut integriertes Mitglied unserer Gesellschaft werden konnte.

Es ist komisch

Es ist komisch Karl Marx zu studieren. Er schreibt so viel, das wir tagtäglich beobachten können. Er beschreibt, wie wir von unserer Arbeit entfremdet werden und insbesondere beschreibt er den Vorgang der „primitiven Akkumulation“.

Die primitive Akkumulation geht von einem Zeitpunkt aus, an dem es noch keine Ungleichheiten gab (oder wenige).  Jedem stand genug Essen und Platz zur Verfügung, er musste ihn sich nur nehmen. Ich weiß nicht, wie weit man dafür in die Vergangenheit zurückgehen muss, aber das ist auch uninteressant für den Vorgang an sich.

Einige reißen nun mehr Dinge an sich, sei es durch Fleiß (wie es die Kapitalisten gerne sehen) oder Raub (wie die Kommunisten sagen) – und irgendwann bleibt vielen nichts mehr übrig um selber noch etwas zu werden. In dieser Welt. Das einzige, was ihnen noch geblieben ist, ist ihre Arbeitszeit, die sie in den Fabriken der Kapitalisten verkaufen können – womit sie gleichzeitig ihr Leben verkaufen. Die Produkte, die sie durch ihre Arbeit herstellen gehören dann automatisch ihrem Chef.

Sie haben keine Chance etwas anderes zu tun, als sich und ihr Leben zu verkaufen, da sie keine Produktionsmittel besitzen. Sie besitzen keine Geräte für den Anbau, keine Tiere, kein Saatgut und keinen Boden. Alles was hergestellt wird, wird als „Wage-Good“ also Gehaltsgut hergestellt. Und was man sich kaufen kann, kann man nur konsumieren. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, in München ist der Boden „verschwunden“.  Wer sich hier heute ein Haus leisten kann, der zahlt unglaublich viel und kriegt gerade mal einen Handtuchbreiten „Rahmen“ von Garten um das Haus herum. Schon etwas mehr Menschen können sich eine Eigentumswohnungen leisten, der Grundanteil ist verschwindend gering und der echte Grundbesitz dieser Menschen übersteigt meist nicht einmal 30 qm. Die nächste Welle, das sogenannte Erbbaurecht, bedeutet, dass man nie Grund besitzen wird, sondern immer nur das Gebäude darauf. Aber die allermeisten Menschen leben hier zur Miete, das bedeutet, sie sind davon abhängig dauerhaft jeden Monat der Industrie zur Verfügung zu stehen, damit sie weiterhin einen Platz zum leben haben.

Zusätzlich gibt es stetig steigende Bonitätskontrollen, so dass sich auch wirklich niemand mehr nicht einmal eine eigene Wohnung leisten kann. Dass eine Verkäuferin sich heutzutage ein großes Einfamilienhaus in München kaufen kann, ist praktisch undenkbar. Vor zwei Generationen noch klar möglich. Die nächste Welle der Enteignung steht schon bevor, da internationale Investoren die Innenstadtlagen als Investitionsobjekte kaufen und leerstehen lassen, erhöhen sich die Mietpreise und alle flüchten weg vom Zentrum, was sozusagen eine Welle der Mietpreiserhöhungen vom Zentrum her auslöst. Dieses ist in vielen Metropolen zu erkennen. Im Gegenzug benötigen nun alle Menschen Autos, um an ihre Innenstadtarbeitsplätze zu kommen um ihre Schlafplätze finanzieren zu können. Diese Art von Autos gehören zu den Gehaltsgütern und werden gerne in einem Markt der Konkurrenz immer billiger hergestellt. Doch noch kurz zur Enteignung von Boden, sie ist nicht nur hier in München, sondern vollzieht sich genauso in London oder dem tibetischen Bergland wo Bauern in Massengräbern der Industrie Platz machen müssen.

Dieses ist ein zweiter Effekt, den Marx beschreibt. Nämlich, dass es bestimmte Produkte gibt, die der Arbeiter zu seinem Selbsterhalt und seiner Reproduktion benötigt. Wenn man all diese Kosten für diese Produkte zusammenrechnet, so hat man die unteren Gehälter. In diese Richtung tendieren alle Lohnbewegungen. Auch wenn der nominale Lohn sich für den unbedarften Arbeitnehmer erhöhen mag, so wird sein Geld durch Inflation und Preiserhöhungen (die sich nicht im Warenkorb niederschlagen) immer Richtung Minimalgehalt gehen. Während also Produktionsmittel immer teurer werden – zum einen durch zunehmenden Fortschritt und den Anforderungen an die Produktion, so werden Lohngüter immer billiger. Denn diese Lohngüter machen den Preis aus, zu dem man Arbeiter minimalst erhalten kann. Ich finde auch dieses äußerst schön nachzuvollziehen. Würde heute jemand nur in einem Tante-Emma-Laden Güter kaufen, so würde das einen Großteil seines Gehalts auffressen. Und so kamen mit der Zeit billigere Märkte (Supermärkte, die wie Warenlager organisiert sind), dann wurde die Qualität des Essens gesenkt. Für die Qualitätsbewussten wurden Bio-Produkte eingeführt – so wurden bestimmte Essensgüter zum Luxusgut. Dann wurde die Qualität noch mehr gesenkt (durch absolute billig Discounter). Und es wurden Eigenmarken eingeführt (auch wieder mit einem Luxusgut-Äquivalent).

Heutzutage kann man sich also absolut billig ernähren, während sehr viele es sich nicht mehr leisten können, sich normal zu ernähren. An der jeweils billigsten Form der Erhaltung und Reproduktion orientieren sich die Gravitationskonstanten für die Durchschnittsgehälter.

Ebenso ist es mit der Reproduktion, auch hier muss darauf geachtet werden, dass der Nachwuchs möglichst schnell die Arbeitskräfte freigibt. Also möglichst schnell weg von den Eltern und möglichst lange. Wer also denkt, dass die Schule gut war die Kinder von der Arbeit zu befreien, der sollte sich mal darüber Gedanken machen, ob nicht die Maschinen damals einfach immer komplizierter geworden sind und die Kinder immer genau so viel mehr Schule bekamen, wie ihre Anwesenheit in den Fabriken oder am Rockzipfel der Eltern störend war. Nach Marx könnte man sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass die Kinder in den Schulen nicht auf *ihr* Leben und *ihre* Probleme vorbereitet würden, sondern mit den Arbeitsweisen in den Fabriken vertraut gemacht werden. Aufstehen, Arbeiten nach einem fremden Takt und einem fremden Auftrag. Tun, was ihnen gesagt wird. Und die Bewertung von oben zu akzeptieren. Als Stoff werden die Dinge genommen, die auch den Großteil der Arbeit in Fabriken und Firmen bestimmen. So musste man früher Plakatschrift lernen, Rechtschreibung, Schreiben, Lesen und natürlich Rechnen. Sollte sich ein Versicherungswesen in der jeweiligen Zivilisation gebildet haben, dann vielleicht auch Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Eine zusätzliche Komponente ist die Wohnungsgröße, die man Menschen zugestehen muss. Würden Kinder viel Zeit in der Elternwohnung verbringen (oder gar ein Leben). So müssten diese Wohnungen groß sein, ein Stück Land beinhalten, vielleicht in der Dimension, wie die alten Bauernhöfe. Je länger man Kinder von dort ausquartiert, desto kleinere Wohnungen kann man als Standard produzieren (und Stadtarchitektur, Transport, Arbeiterzugänge zu Firmen, usw. danach ausrichten). Ist die aktuelle Wohnungsgröße für eine Familie mit Kindern noch bei 80-100 qm (recht viel größere Wohnungen gibt es schon gar nicht mehr), so könnte man mit einer 10 Stunden-Fremdbetreuung schon auf 70 qm runtergehen. Bei einer weiteren Steigerung könnte man dieses vielleicht auf 60 qm senken. Bei einer anvisierten 24-Stunden-Fremdbetreuung, würde man das gesamte soziale Leben auf öffentliche Plätze und Kaufhäuser auslagern können (bei Kindern dann analog die Schulen als „Lebensort“). Man könnte die Appartementgrößen auf 30 qm schrumpfen lassen oder sogar nur noch reine Schlafstätten anbieten. Die Trennung der Kinder von den Eltern ist also in einer Industrie, die ihre Kraft aus der Zentralisierung und Arbeitsteilung beruht ein optimierender aber langsamer Fortschritt.

Kinder bekommen in dieser Betrachtungsweise noch eine weitere Komponente. Denn waren sie früher ein Zeichen für Reichtum und halfen mit, so wurden sie durch die üblen Zustände des Frühindustrialismus genauso stark ausgebeutet wie ihre Eltern und später fielen sie als Produktionsmittel für die Familie komplett weg. Sie halfen nicht mehr mit. Ein Kind, das 8 -10 Stunden in der Schule ist und dann noch Hausaufgaben machen muss – oder sich auf einen Test vorbereiten muss (ausgefragt wird jeden Tag) – steht ständig unter Druck und kann nicht auch noch die Spülmaschine ausräumen oder den Tisch decken. Ein Kind, das den ganzen Tag in der Schule ist, kann sich schwer mit um den Gemüsegarten kümmern, auf die kleineren Kinder aufpassen, mithelfen am Haus zu bauen und nach den Hühnern sehen. Marx würde sagen, dass die meisten Menschen das als Errungenschaften ansehen, denn der Kapitalist sorgt schon dafür, dass man dessen Vorteile sich zueigen macht.

Aber sehen wir genau hin, macht es den meisten Kindern nicht Spaß sich um einen Gemüsegarten zu kümmern? Oder auf kleinere Kinder aufzupassen? Chopper verbietet mir sogar in die Küche zu gehen, wenn er die Geschirrspülmaschine ausräumt.. Macht es den meisten Kindern nicht Spaß nach Hühnern zu sehen? Es gibt sogar Vorzeigeschulen, die Kindern genau diese Erfahrung bieten. Und würde es nicht Spaß machen sein Zimmer mit den Eltern und Freunden zusammen aus einem Material zu formen, das leicht zu bearbeiten ist und schnelle Erfolge bringt? Kinder werden auch mal erwachsen, und spätestens dann müssten sie all dies machen. Sie müssten fähig sein für sich zu sorgen und auch auf ihre Kinder aufzupassen – für die meisten ist das heute ein Schock. Das erste Kind ist eine Transition, die die meisten Eltern nicht so gut verkraften und mit der sie meist überfordert sind. Hier drängen sich immer mehr Dienstleister auf, und lösen ab, so wie die alle anderen Lebensbereiche abgelöst wurden, die früher autonom liefen. So werden alle Dinge, genauso wie die Kindererziehung, alternativlos von Fremdanbietern bezogen.

Die primitive Akkumulation drängt einen großen Teil der Menschheit in eine Abhängigkeit, die keiner der Kritiker von Marx bis jetzt widerlegen konnte. Sie ist da und wir sehen, wie jeden Tag Dörfer aussterben und die Jugend in die Städte abwandert um sich dort dem Heer der Arbeiter anzuschließen.

Es ist komisch, wenn man Marx gelesen hat und der Nachbar kommt zu einem und erzählt, dass sie sich endlich eine Wohnung gekauft haben – „Erbpacht natürlich, was anderes kann man sich ja gar nicht leisten.“ Und es ist komisch, wenn man Marx gelesen hat und man sieht eine Bürgerinitiative, die sich dafür einsetzt, dass die Kinderbetreuung auf 10 Stunden täglich ab dem 0.ten Lebensjahr flächendecken ausgedehnt wird, während andernorts die ersten 24-Stunden Kitas öffnen. Viele geben den Eltern dort die Schuld, aber die können nichts dafür, sie werden gezwungen und die nächste Generation wird das schon als normal empfinden und flächendeckend nach 24-Stunden Kitas verlangen. Mit Lehrplan, mit Statistik ab 3 Jahren natürlich. Wir wollen ja alle schön funktionieren und um die besten Arbeitsplätze konkurrieren.

Marx sagt – und zwar ziemlich gut belegt und wissenschaftlich eindringlich – dass sich alle Entscheidungen nach dem Produktionsparadigma richten. Und nichts hat das eindringlicher bewiesen, als das Scheitern der Planwirtschaft, die dem Rüstungs- und Konsumwettlauf unterlegen war und nicht nur den kalten Krieg verlor. Der Kapitalismus ermöglicht eine optimale Arbeitsteilung und dadurch eine maximale Produktion. Diese Produktion betrifft nicht nur Güter, sondern auch Wissen und Wissenschaft, wie aktuell eindeutig an den Universitäten demonstriert wird. Dies bedeutet, Kapitalismus ist nicht nur die produktivste Form (noch mal erläutert in Adam Smith) sondern auch die innovativste Form (dargelegt von Joseph Alois Schumpeter). Zusätzlich produziert er das wichtige Gut Freiheit auch am besten, wie uns Friedman und Mises erläutern, und insbesondere die Untersuchung der gelebten Alternative (nämlich der zentral geplanten Wirtschaft) zeigt. Es ist auch lächerlich von uns zu glauben, dass irgendeine Entscheidung in der Politik nicht dem darunterliegenden Produktionsparadigma untergeordnet wären. Die Tatsachen sprechen für sich. Fragt man den Otto-Normalbürger nach irgendeiner Innovation, so fragt er von sich selbst aus schon nach der Finanzierbarkeit (die Allokationsweise von Ressourcen im Kapitalismus).

Die Kritik von Kapitalismusgegnern wie Naomi Klein bleibt schwach. Ihre Gedanken gehen streckenweise in Paranoia über und beschwören das Bild von einem mächtigen Milton Friedman, der uns alle über sein Schachbrett bewegt. Sie zeigen keine Lösung, da sie keine wissen.

Eine Alternative zum Kapitalismus muss einem wichtigen Satz gehorchen: Sie muss effektiver als der Kapitalismus sein.

Ist sie es nicht, so wird sie vielleicht durch politische Anstrengung erreicht, wird aber bald von Mechanismen, die den Kapitalismus entwickeln weginnoviert und wegproduziert. So kann sie nur durch Gewalt eingeführt werden und gravitiert schnell in Richtung ihrer eigenen Abschaffung.

Daraus können wir noch eine weitere Sache ableiten: Das neue Paradigma kam noch nicht in der Geschichte vor, sonst wäre es effektiver als der Kapitalismus gewesen und hätte diesen schon im Keimen besiegt.

Aus dieser Forderung können wir aber noch eine dritte Sache ableiten, nämlich dass der Kapitalismus diese Alternative selbst hervorbringt. Gibt es nämlich etwas effektiveres als die aktuelle Produktionsweise, so wird der Kapitalismus dahin streben. Nach dem alten Mechanismus: Der als erstes das effektivere Paradigma entdeckt macht den meisten (noch realisierbaren) Gewinn. Würde er es nicht einführen, so käme bald der zweite der es entdeckt – und dem ersten bliebe nicht mal dieser noch realisierbare Gewinn.

Mein Vorschlag:

Aktuell liegt das Potential von Millionen(oder Milliarden) von Menschen brach oder sie sind durch oben erwähnte Enteignung in Jobs gefangen, die sie nur noch nach Vorschrift ausführen. Burn-Outs, frustrierte Kunden, gelähmte Firmen usw. sind die Folge. Der Kapitalismus streut sich hier durch seinen eigenen Effekt Sand ins eigene Getriebe. Zusätzlich muss er diese Menschen auch unterhalten – würde er sie einfach sterben lassen, so hätte er als Produktionsparadigma verloren. Nun kann man aber auch nicht beliebig viele Menschen in erniedrigenden Arbeitsmarktmaßnahmen halten – ohne wirkliche Aussicht auf Beschäftigung. Ab einer gewissen Prozentzahl sorgt das für massive soziale Unruhen – die Prozentzahl hängt davon ab, wie gut man die Illusion der Hoffnung aufrechterhalten kann. Und natürlich wie stark die Berechtigung der aktuellen Misslage die Betroffenen sich selbst zu eigen machen – so wird der Kapitalismus in seinem Massenbildungssystem (Schule, Medien) eine Kultur der Selbstbeschuldigung säen und pflegen. Trotz all dieser Gegenmaßnahmen wird er über eine gewisse Prozentzahl unzufriedener Bevölkerung nicht gehen dürfen.

Auf der anderen Seite können nach dem Produktionsparadigma nur Jobs vergeben, von denen man auch leben kann. Es ist zum einen unmöglich viele Menschen auf Gehälter unterhalb der Selbsterhaltung zu bringen. Nach Marx könnten hier die Steuermittel noch eine gewisse Differenz überbrücken (was wir bei den HarzIV-Aufstockern beobachten) – aber ab einer gewissen Menge wächst die Steuerbelastung für die Restbevölkerung zu stark und die Belastung ist für alle zu groß. Auf der anderen Seite kann man diese Jobs aber nicht zu einem höheren Gehalt ausschreiben, als zu dem man sie im Ausland vergeben könnte. Schließlich stehen alle Kapitalisten zueinander in Konkurrenz – würde einer Billigjobs zu lokalen Mindesgehältern anbieten hätte er einen so starken Wettbewerbsvorteil, dass es diese Firma ohnehin aussortiert und sie nicht mehr relevant für unsere Betrachtung ist.

Viele verlangen deswegen nach dem BGE – von dem ich glaube, dass es bald kommt, weil es der Kapitalismus erzwing. Hier werden auch schon sehr viele Studien gemacht usw.

Das BGE könnte aber weiterhin eine Menge Potential brachliegen lassen. Aus dem einfachen Grund, dass die Sicherstellung von Grundversorgung nicht sicherstellt, dass die Menschen auch Produktionsmittel haben, die sie bräuchten um ihre Träume zu realisieren.

Dazu sind mindestens nötig:

  • Wissen(Bildung),
  • Kontakte(andere Menschen),
  • Grundversorgung,
  • Boden(um etwas aufzubauen und die Produktionsmittel zu bündeln)

Um es kurz zu machen, wir sollten ein Opt-Out-Modell anbieten. Jeder Mensch hat das gleiche Recht auf die Erde wie jeder andere. In diesem Opt-Out-Modell gibt man Menschen die Möglichkeit zu wählen, zwischen dem BGE und einem Grundstück, das so groß ist wie:

produktive Grundfläche des Landes/durchschnittliche Anzahl Bewohner des Landes.

Für Deutschland hieße das, man kann also zwischen 5000 qm Boden und dem BGE wählen.

Dieses würde dafür sorgen, dass alle die sich mit BGE entfalten können oder nicht entfalten wollen diese Option nehmen können, andere können die Option des Grund-Opt-Out nehmen und darauf anfangen etwas aufzubauen. Ein Mensch benötigt für seine Grundversorgung ca. 500 qm. Eine Familie mit 2 Kindern hätte in diesem Beispiel also 20.000 qm.

Wissen und Kontakte sind mittlerweile ohnehin frei. So könnte jeder sich eine Arbeit suchen, die ihn erfüllt und die vielleicht sogar die Gesellschaft weiterbringt.