Die Zerstörung des Staatsmonopols

In letzter Zeit sehe ich immer mehr Dinge, die überall besser geregelt werden als durch den Staat. Besonders Bildung schießt durch die Decke in Gerechtigkeit und Qualifikation, sobald der Staat sein Monopol (gestützt durch Gewalt und Zwang) freigibt.

Bei dem Bildungssektor ermöglichen dies

1.) die „Freemium“-Modelle, bei denen man alle wichtigen Funktionen „for free“ bekommt und weitere Dienste im Premium Paket zuschalten kann.

2.) Community-Ansätze, die sich im freien Internet etablieren (oder darüber koordiniert werden), aber auch bei der „realen Produktion“ Erfolg haben.

3.) Die hier schon beschriebenen DIY und Selbstversogeransätze, die immer relevanter werden je mehr Produktionsmittel so billig und einfach werden, dass jeder hier zum Produzenten werden kann. (Hier gibt es sogar schon interessante Feldversuche für medizinische Versorgung)

Ich wage die steile These (an deren Beleg ich zur Zeit arbeite), dass man die komplette Bildung mittlerweile schon für umsonst (oder fast umsonst) bekommen kann.

Google bildet die Leute mehr als irgendein Staat zuvor das jemals vorzutäuschen gewagt hat. Facebook vernetzt die Leute mehr als alle staatlichen Projekte die Bürger zusammenzubringen.

Vielleicht ist es überhaupt mal an der Zeit den Staat in seine Teile aufzuspalten und dann zu sehen, bei welchen man einen gesunden Wettbewerb zulassen sollte? Aktuell hat ein Staat das Monopol über einen gewissen Landstrich (oder mehrere) – auf diesem Landstrich kann er dann weitere Monopole errichten: Gewaltmonopol (was immer schreckliche Konsequenzen hat, aber aus dem sich die restlichen Monopole ableiten), Steuermonopol, Gesetzmonopol, Sicherheitsmonopol, Währungsmonopol, Bildungsmonopol, Patentmonopol, Landmonopol, … – überall darf nur nach den Regeln dieses einen großen Agitators gespielt werden.

Ich bin mir sicher, dass es 1000 Vorschläge gibt, wie man die Judikative besser machen kann, wenn man sie dem Staat entreißt. Ich bin mir auch sicher, dass es zu einer gerechteren Landverteilung kommen muss, wenn der Staat das Landmonopol aufgibt. Das Patentmonopol will man dem Staat ja gerade entreißen.

Aber worauf es ankommt, ist die Perspektive zu wechseln. Der Staat ist der größte Überrest der von der religiösen Motivation geblieben ist. Und als nichts anderes sollten wir ihn sehen, es ist ein kleiner MenschenGott namens Leviathan, der alle seine Entscheidungen mit MenschenGottes-Strafe stützt. Und wir, da wir zufällig dem ein oder anderen Staat angeboren wurden, sollten auch nicht nur aufgrund unserer geographischen Lage dazu gezwungen werden uns diesem oder jenem großen MenschenGott zu unterwerfen.

Die aktuellen MenschenGötter behaupten ja sowieso sie wären durch Wahlen legitimiert. Und das ist es, was wir verlangen sollten, nämlich die Wahl. Und damit eine freie Wahl für jeden. Jederzeit!

Wir sehen, wie sich die ganze Welt erneuert und der Staat als riesige Schildkröte hinterherkriecht. Und das bedeutet, der Staat benötigt Konkurrenz und zwar auf dem eigenen Gebiet! (und jetzt bitte nicht mit der 16-Länder-Lösung kommen ;) )

Während die meisten Leute Angst vor Google oder Facebook haben, meine ich: Nein! Wir sollten diesen Firmen die Möglichkeit geben auf allen Gebieten dem Staat Konkurrenz zu machen. Wir sollten Gerechtigkeits-Startups erlauben, die neue Ideen entwickeln, wie man Gerechtigkeit herstellen kann.

Und dann sollten wir genau darüber nachdenken, was das bedeutet. Und uns nicht von alten Ängsten leiten lassen, die der Staat täglich in uns pflegt. Jeder Gott benötigt für sein korrektes Funktionieren den Glauben seiner Anbetenden. Jede Emanzipation benötigt den Zweifel und das systematischen Nachdenken für ein Leben ohne diesen Gott. Und die Enttarnung was Glaube und was Aberglaube ist.

Ich glaube nicht, dass wir das extra initiieren müssen. Ich glaube die Entwicklung ist da, wir müssen uns nur vom Gott Leviathan trennen und uns Gedanken machen, wie die Welt aussehen könnte.

Kapitalismus und Faschismus

In meiner Gymnasialzeit wurde ja Marx sehr geflissen verschwiegen. Anstatt dessen haben wir Schumpeter reingedrückt bekommen: Leistung zählt, und alle die im Kapitalismus versagen, beschuldigen den Kapitalismus aus therapeutischen Gründen, obwohl sie es sich lieber selbst zuschreiben sollten. (Kreative Zerstörung, Kondratieff Zyklen, blabla)

Man hat uns nur damals nicht gesagt, dass es Schumpeter wäre, denn wenn wir am Ende über Schumpeter nachgeforscht hätten, wären wir wieder auf dessen riesen Marx-Kritik gestoßen. Und Marx galt damals (und heute) in Gymnasien eher als Dissidenten-Literatur (wird verschwiegen um einseitige Indoktrination zu vermeiden :P )

Egal… Marx sagt auf jeden Fall ungefähr so etwas: Im Kapitalismus findet eine ständige Enteignung statt, so dass immer mehr Menschen abhängig von der Industrie und der industriellen Produktion werden. Sie können sich nur noch Konsumgüter kaufen, aber keine Produktionsgüter. So werden sie dauerhaft davon ausgeschlossen etwas eigenes zu machen und sich selbst zu verwirklichen. Durch die Abhängigkeit von Konsumgütern und das Fehlen von Produktionsgütern sind sie dazu gezwungen ständig in großen Firmen zu arbeiten. Sie bilden die von Produktionsgütern (Maschinen, Boden, ….) enteignete Klasse – das Proletariat und müssen Arbeit machen, die nicht ihre ist und die in kleine Teile aufgespalten ist. Dieses führt ja nach Adam Smith zu einer effizienteren Produktion (was ja auch stimmt). Somit werden sie entfremdet, zuerst ihrer Arbeit und dann ihrer Welt und dann ihres eigenen Lebens. Im Gegensatz dazu existiert die Bourgeoisie, das sind jene Menschen, die ungehindert sich von Stadt zu Stadt bewegen können und sich nie darüber Sorgen machen müssen, wie sie das finanzieren können (also auch nicht, ob das ihr Arbeitgeber zahlt). Sie sind sozusagen frei. Nach dieser Definition kenne ich übrigens sehr wenige Nicht-Proletarier, da jeder, dem wir über unser Auswandern erzählen, als erstes fragt: Wie wollt ihr das finanzieren? Ein Bourgeoisie-Mitglied würde nie so denken.

Nun hat man noch eine zweite Komponente, nämlich, dass Menschen, die auf diese Weise entfremdet sind und deren Leben keinen eigenen Sinn mehr hat sich sehr leicht Gruppierungen anschließen, die ihnen Sinn stiften können. Das können Kirchen sein, aber auch globale Missionen (Rettet die Wale), vereinfachte Theorien, die die Welt überschaubarer machen, aber eben auch charismatische Führungspersönlichkeiten, die eine große Mission versprechen. Nach Erich Fromm ist es einfach zu viel für einen Menschen, dass er sein Leben komplett sinnlos und nur als abhängiger Sklave verbringen und durcharbeiten soll, ohne jegliche Aussicht auf Selbstverwirklichung – außer in Trivialitäten.

Und damit komme ich auf meine Frage, kann es also sein, dass der Kapitalismus den Faschismus schon strukturell in seinem Schoss trägt? Diese Staatsform, die uns alle einer „großen Mission“ unterordnet und jeder, der nicht mitkommt soll am liebsten den Planeten oder zumindest das Land verlassen. Sind die Anzahl von Möglichkeiten, dieses Gefühl der Lehre zu unterdrücken, die ganzen Unternehmungen, das Shoppen, die Superhelden-Filme und Fußballmannschaften vielleicht einfach nur Ventile um sich wenigstens für ein paar Stunden pro Woche bedeutsam zu fühlen und über die Leere des eigenen Lebens hinwegzutäuschen? Dieses ganze Kleben an Strukturen und kleinbürgerlichen Idealen wie Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit einfach nur eine Form der Kompensation? Die aufgeräumte Wohnung, die jederzeit vorzeigbar ist der letzte Strohhalm für den Sinn des Lebens, der nie kam?

Zur Zeit, im Angesicht dieser starken Veränderung in unserem Leben, spüre ich oft diese unglaubliche Leere und Haltlosigkeit (teilweise durch Zukunftsängste hervorgerufen) und ich merke wie schwer es ist sie auszuhalten. Wie schön muss es da sein nach einem Strohhalm greifen zu können, der einem Sinn garantiert… und endlich mit der Menge mitzuschwimmen. Sich treiben lassen und einfach nur konform die Rituale der Gesellschaft nachzuäffen – egal ob sie Menschenrechte verletzen oder Grundrechte oder sonstiges Bla.

Hier noch zwei Links und dann gute Nacht:

http://de.wikipedia.org/wiki/F-Skala_(Autoritäre_Persönlichkeit)

Moral und so

(Vorsicht: In diesem Artikel benütze ich gefühlte 100 Mal das Wort „Packung“)

Neulich beim Arzt hat Chopper erst mal vom Arzt persönlich eine Packung Gummibärchen bekommen. Danach hat noch Nami bei der Sprechstundenhilfe gefragt und diese hat ihr und Chopper natürlich auch eine Packung angeboten (von diesen Mini-Gummibärchen-Packung).

Chopper hat ihr dann seine andere Arzt-Packung hervorgeholt und sie gefragt, ob er denn ihre Sprechstundenhilfe-Packung trotzdem behalten dürfe.

Das hat mich wirklich überrascht, wie ich mich einschätze, hätte ich das einfach so durchgezogen… nicht dass ich am Ende wieder eine Packung verliere. Da kam ich mir dann irgendwie schäbig vor und sinnierte mit gerührt und mit Tränen in den Augen, ob er mich nicht langsam moralisch abhängt und er vielleicht später einmal so über mich denken wird, wie so manche Kindergeneration von ihren Eltern.

Als wir dann draußen waren (er durfte übrigens beide Packungen behalten), da sang er fröhlich Nami an: „Haha, I’ve got more than you“ – Oh mann! Ich musste irgendwie erleichtert lachen. Das ist vielleicht noch komischer.

Unschooling on ABC

Eine Unschooling Familie hat im amerikanischen Fernsehen für Furore gesorgt und unter dem Artikel stapeln sich mittlerweile über 250 Kommentare. Manche von diesen Kommentaren sind wirklich gut und einen von denen werde ich hier ungekürzt einstellen. Er zeigt, was Unschooling bedeutet: Schule vergessen! Leben statt Lernen! (Und ganz wichtig finde ich die Transition Public School -> Homeschooling -> Unschooling – ich kenne nur wenige, die sofort mit Unschooling angefangen haben und das ist auch wichtig, denn man soll das machen, was man dem Kind und sich zutraut, sonst spürt es irgendwann das Misstrauen.)

I began homeschooling my son this year, and it’s morphed into unschooling. And I must say, it’s a huge change. He went from hating school (while in public school) where he would run away on a regular basis, had depression (diagnosed as severe or major), and numerous suicide attempts. Pull him out to homeschool him, and my intent was to recreate the classroom without the peer pressure. He started enjoying it a little more, but still, not quite as much. Still a struggle to get him to do things. Eventually, I decided to try a different tactic, unschooling. He thought he was taking a break. It amazes me. One night, we were watching America’s Funniest Home Videos, and he corrected the host on the correct latin usage of a phrase. I told him he shouldn’t speak or correct about things he didn’t know, he told me to look it up. I did. I was wrong, son was right! He’s gone from hating to learn to loving to learn. He chooses a topic, and we, together, look stuff up on the internet, watch documentaries, etc. He’s become a little sponge. When he and a friend have a disagreement over something, he looks it up. And not just on wikipedia, but on several different websites, so he’s sure that the information is correct. I record a lot of documentaries on the DVR, and sometimes I’ll catch him watching them, pausing them to look something up, taking notes. Without any prompt from me. Just like homeschooling isn’t for everyone, neither is unschooling. I personally wouldn’t have done well in that, I enjoyed school too much (was a great escape from alcoholic parents). But, regardless of the fact that I enjoyed school, I hated, despised, sports. My son doesn’t have much interest in them, but that was true when he was in the public schools as well. Learning never stops in my house. My son thinks he’s lucked out, not having to do any school work, but he doesn’t realize that the chemistry we do, the science, the biology, the helping me cook, it’s all school :)

Das grausame Sterben der Schulen und Universitäten

(A theory of educational evolution)

Die meisten Menschen wundern sich warum der Druck auf die Schulen und Universitäten immer größer wird und die Politik anscheinend zusieht, während sie in Sonntagsreden die Wichtigkeit von Bildung betont.

Ich denke das liegt daran, dass öffentliche Bildung einen bestimmten öffentlichen Nutzwert hat. Dieser Nutzwert wird international beziffert und dann angewendet – und zwar genau in der Höhe, dass die Bildung, die man will zu dem niedrigsten Preis herauskommt. Jeder Autobahningenieur in den USA weiß den „Wert eines menschlichen Lebens“: 168.000 $  - wie hoch ist aber der Wert von Bildung aktuell? In diesem Artikel versuche ich die Entwicklung des Wertes aufzuzeichnen um dann in einem späteren Artikel den aktuellen Preis pro Monat zu berechnen.

Würde eine Nation A viel mehr Geld für Bildung ausgeben, als eine andere Nation B und würde Nation B die gleiche Bildung zu einem geringeren Preis produzieren können, dann würde Nation A im internationalen Wettkampf um BIP und Firmen unattraktiver werden. Eine teurere Bildung bedeutet immerhin mehr Abgaben für die Firmen – werden die Abgaben auf den Konsum aufgeschlagen, so wirkt sich das auf die Gehaltsgüter aus und die Gehälter müssen nachziehen. Auch kann der Absatz der eigenen Produkte in diesem Land nur mit einem Aufschlag geschehen, während der Export zu Nation B einen logistischen Aufschlag bedeutet. Das bedeutet, diejenige Firma, die in dem teureren Bildungsland (bei gleicher Qualität) produziert, hat gegenüber der gleichen Firma in Nation B einen Wettbewerbsnachteil.

Diese Tendenz wird desto stärker, je mehr ortsgebundene Bande nachlassen und der Begriff „Nation“ an Bedeutung verliert. So gilt jemand der ein japanisches Auto kauft nicht mehr als Trittbrettfahrer der eigenen Nation und selbst wenn Volkswagen in Brasilien stört das praktisch niemanden. Ein „Made in Germany“ ist auch nicht mehr interessant, und Ikea lebt es uns vor, wenn sie auf ihre Produkte schreiben: „Made in China – Quality by Sweden“.

Wenn wir also weniger Ressourcen pro produzierter Bildungseinheit wahrnehmen, dann liegt das hauptsächlich daran, dass es in anderen Ländern eben industrielle Wissensproduktion zu einem günstigeren Preis gibt und alle Nationen sich nach dem Anbieter mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis ausrichten müssen. Wenn wir auch ein stetiges Sterben der Zweige wie Philosophie u.ä. sehen, dann liegt das daran, dass Bildung eben nicht gleich Bildung ist, solange sie dem Prinzip der industriellen Produktion und der internationalen Konkurrenz untergeordnet sind. Um es ganz klar zu sagen, ein Nationalstaat braucht zwar Philosophen, aber eben nur als Prestigephilosophen. Und da genügen ein paar wenige sehr gute und nicht ein paar tausend, die es auf nur mittlerem oder hohem Niveau betreiben.

Die Leute, oder sogar die Politiker können Beträge fordern wie sie wollen (und vielleicht auch auf Pump) in das Bildungssystem einspeisen, aber die, von denen das Geld kommt, werden dadurch nur schneller abwandern. So müssen alle seriösen Politiker darum bemüht sein, die Kosten des Bildungssystems so stark zu reduzieren und dafür den Nutzen des Bildungssystems für die Wirtschaft gleichzeitig optimieren. So wird Mathematik lange vor Philosophie gelehrt – und überall höher geschätzt.

Wir müssen uns also nach der billigsten Wissensproduktion umsehen, wenn wir wissen wollen in welche Richtung Schulen und Universitäten gehen werden. Und wir müssen auch nachdenken, was Nationalstaat B tun könnte, damit er Bildung noch billiger anbieten könnte.

Ebenfalls muss jede Nation darüber nachdenken, wie sie es schafft, diese neue billigere Bildung (die noch besser auf Arbeitgeber relevante Kriterien zugeschnitten ist) ihrem Volk gut zu erklären und zu vermitteln. Der angenehmste Weg wäre hier natürlich die Schritte so klein zu machen, dass die Gewöhnung so gut erfolgen kann, dass überhaupt kein Widerstand existiert. Dennoch wird es immer einen Nationalstaat geben, die größere Schritte wagt. So dass ein paar Intellektuelle aufgescheucht werden. Oder noch größere Schritte, dass es auch ein paar aus den unteren Klassen merken. Oder vielleicht so große Schritte, dass Teile der Betroffenen schon auf die Straße gehen und protestieren. Natürlich muss man hier mit Nationalstaaten mithalten, in denen die Menschen nicht so leicht auf die Straße gehen (vielleicht kulturell bedingt, oder durch Einschüchterung). Ich denke, dass am Kollektiv orientierte Kulturen eher mit Einschüchterung arbeiten, während individualistische Kulturen auf Atomisierung der Gesellschaft setzen müssen und die Individuen noch besser voneinander isolieren müssen (wer hier zufällig was weiß, ich wäre für Hinweise dankbar). Insgesamt müsste sich das aber ausgleichen und kollektivistische industrielle Nationen müssten sich einfach zaghafter den Menschenrechten verschreiben.

Die Frage, die sich also stellt ist, wie viele streikende Menschen können ignoriert werden. Und wenn man den Streikern nachgibt, was ist gewonnen? Mehr Firmen wandern ab und die Finanzierung der Bildung wird noch prekärer. Also kann man diesen Streikern nicht nachgeben, sondern muss sich Taktiken ausdenken. Hier sind neben offener Repression, natürlich Fehlinformationen denkbar (man kann jeden Schritt in die „richtige“ Richtung als Erfolg verkaufen), ein einstweiliges Nachgeben und dann Wiederaufnahme in nächtlichen Sitzungen – und schauen wie viele Leute beim zweiten Streik wegen des gleichen Themas auf die Straße gehen. Oder man nimmt regnerische Tage, was auch immer. Ein ganz einfaches Mittel ist es auch die Streiker an Verbesserungsdiskussionen zu beteiligen. Sie werden schnell die Gründe einsehen und selbst sprachlos neben ihren Forderungen stehen bleiben (außer ein paar, die ideologisch an ihrer Lösung festhalten und über Vernunft nicht mehr zu erreichen sind).

Also überlegt sich jeder Nationalstaat, wie kann er die Streiker so gut wie möglich minimieren – oder ihre Wirkung neutralisieren. Der Nationalstaat, der hier die beste Methode gefunden hat, wird wieder neuer Taktgeber für zukünftige Reformen. Er kann seine Reformen mit den größten Schritten durchsetzen und bietet somit der industriellen Wirtschaft die besten Konditionen.

Ein beliebter Trick gute Bildung ins Land zu bekommen und sehr wenig dafür bezahlen zu müssen ist der Brain Drain – hier werden einfach Länder, die bei dem Spiel zwar mitmachen müssen, aber nicht mithalten können um ihren gut ausgebildeten Nachwuchs gebracht. Das trifft meistens Entwicklungsländer, die mit dem 1000-fachen, was in die Ausbildung eines Bauers gesteckt wird, die Elite an ihren Universitäten heranbilden – nur um zu sehen, wie diese dann in die entwickelten Länder abwandern, da es dort mehr Menschen gibt, die sich ihre Dienste leisten können.

Das Ganze ist eigentlich eine Fortsetzung des kalten Krieges, es geht weiter um Rüstungs- und Konsumvorherrschaft wettgeeifert. Um BIP und um Arbeitsplätze.

Der nächste Punkt in diesem Wettlauf sind natürlich kulturelle Gegebenheiten, so wird die Bildungsproduktion in Japan anders ausfallen, als die in Deutschland.  In Japan werden die Kinder erst um 10 Uhr Abends zurückkommen – wenn die Eltern schon Abendgegesssen haben- , damit alle wirklich das Maximum an Bildungszeit bekommen. Training und Drill werden weiter ausgebaut, Beleidigungen verstärkt. Auf der anderen Seite breitet sich das Hikikomori-Problem weiter aus. Das sind die japanischen Bildungsverlierer, die ihre Zimmer nicht mehr verlassen (teilweise bis zum 30.ten Lebensjahr), da sie die Erwartungen der Gesellschaft nicht erfüllen können. In westlichen Ländern werden die Sommerferien geopfert, erst für Nachhilfe, dann für Zwangsnachhilfe, dann für Bildungscamps und Summer Schools.  Ebenfalls – man muss mit den östlichen Ländern mithalten – wird der Konkurrenzdruck fast automatisch erhöht und die Elite (also die, die eine echte Bildung bekommen) verkleinert. Dieses könnte hier in dem Zusammenführen von Schulformen geschehen. Die Hoffnung, dass Hauptschüler und Realschüler bald zusammen lernen wird dadurch verspottet, dass nur noch Abiturienten für Arbeitgeber interessant sind. Und dann nur noch solche, die zusätzlich Sprachen können, Auslandsaufenthalte haben usw.

Auch entdecken immer mehr Länder, dass es Online besser läuft, als Offline. Dass es einfach angenehmer ist sich Stoff zweimal anhören zu können und in der Geschwindigkeit, die man will, als einmal vorgetragen zu bekommen. Diese Entwicklung in einigen Ländern wird die Maßstäbe für andere Länder setzen. So denke ich, wird man hier nachziehen müssen, in dem man die Klassengröße ausreizt und die Lehrpläne noch stoffintensiver macht. So dass jeder, der nicht aufpasst eben auch nicht mitkommt. Die Bestrafung und Disziplinierung, die vorher Aufgabe der Schulen und Lehrer war, wird den Eltern und der Gesellschaft übertragen – oder durch Auffangpersonal (Psychologen, Vertrauenslehrer, usw.) . So dass man die Klassenstärke weiter erhöhen kann und Eltern es sich zweimal überlegen müssen, ob sie „Nein“ zu Ritalin und ähnlichen Konzentrationshilfen sagen, die eine konzentrierte Lernumgebung ermöglichen.

Der Wettlauf, der sich auf dem Bildungssektor vollzieht kann klar dem Wettlauf auf dem Produktionssektor untergeordnet werden. Solange man kein anderes, effektivers Produktionsparadigma (als das industriell / bürokratische)  findet, wird sich diese Entwicklung vollziehen. Es wird das beste Produktionsparadigma „siegen“ (wobei es unklar ist, was ein Sieg ist). Was klar ist, ist dass der Druck in der Arbeitswelt (und aus dieser unfreiwillig auszuscheiden) sich immer mehr auf das Bildungssystem und dort von oben nach unten (als von den Universitäten zu den Kindergärten) übergreifen wird. Wer sich dieser Tatsache nicht bewusst wird, braucht nicht anzufangen über Lösungen nachzudenken. Er hat das Problem noch nicht erkannt und wird wahrscheinlich nur in die Richtung optimieren, die er eigentlich vermeiden will.

Die Schulpflicht ist wichtig!

Die Partei spricht sich für eine Beibehaltung der bestehenden allgemeinen Schulpflicht aus.
Nur die Teilnahme am Schulunterricht sichert, dass Kinder und Jugendliche die Grundlagen einer gleichberechtigten, demokratischen und pluralistischen Gesellschaft kennenlernen. Keine Open-Education-Bewegung, keine sozialen Netzwerke im Internet, der Familie und der Gemeinschaft können die vielen Vorteile eines mindestens 9-jährigen ganzwöchigen Schulbesuchs ersetzen.
Eltern und deren Lebensentwürfe und das soziale Umfeld außerhalb des Schulgebäudes schränken Kinder ein. Es gibt sogar Eltern, die manche Dinge tabuisieren und ablehnen. Dieses kann nur von fürsorglichem Schulpersonal abgefangen werden, die unter staatlicher Genehmigung nur die Dinge ablehnen und tabuisieren, die von den aktuellen Kultusministerien oder ihren eigenen Wertevorstellungen abgelehnt werden.
Zusätzlich sind Mitschüler für alle Kinder und Jugendlichen die beste Möglichkeit sie in die Gesellschaft zu integrieren. Auch hier darf man keinem Angebot außerhalb des Schulgebäudes trauen. Wieder gibt es Eltern, die sich falsch um die Kinder kümmern, oder ihnen gar den Umgang mit bestimmten anderen Kindern verbieten.
Nur im Schulgebäude und der jahrelangen permanenten Verbringung dorthin und über sonst keine anderen Kanäle können Kinder heutzutage über ihre Rechte aufgeklärt werden. Und nur dort kann ihnen vermittelt werden, dass sie ihren Bildungsweg unabhängig von Elternwünschen gestalten können.
Dafür braucht es die aktuelle Regelung der Schulpflicht und wir erkennen an, dass dafür alle aktuellen Grundrechtseinschränkungen in den Landesgesetzen gerechtfertigt sind. Wenn nur ein Kind gerettet werden kann, dann sollten wir vor keiner Maßnahme zögern. Nur durch diese Grundrechtseinschränkungen ist es möglich sicherzustellen, dass auch alle Kinder und Jugendlichen – wenn nötig gegen ihren eigenen geäußerten und begründeten Willen – in dem Schulgebäude unsere gleichberechtigte und demokratische und pluralistische Gesellschaft kennenlernen. Für dieses Ziel sind auch polizeiliche Maßnahmen, Erzwingungshaft gegen die Eltern, Zwangspsychiatrisierung oder Sozialarbeit als Strafe gerechtfertigt.
Zusätzlich müssen Kinder so früh und lange wie möglich aus dem Einflußbereich ihrer Eltern gebracht werden. Wieder gibt es hier Eltern die falsche politische Ansichten haben – oder religiös sind. Auch dieses kann nur durch eine allgemeine Schulpflicht und ihre Grundrechtseinschränkungen in den Landesgesetzen sichergestellt werden. Wir distanzieren uns deswegen von allen Experimenten, wie sie aktuell in Ländern wie den USA, Kanada, Frankreich, Italien, Österreich, Portugal, Finnland, Dänemark, Belgien, Russland, Japan oder Australien begangen werden. Wenn Familien hier in Deutschland die Schulpflicht nicht passt, können sie in jedes beliebige Land auswandern. Hier liegt es dann alleine in der Verantwortung der Eltern, wenn sie die Kinder von ihrer Nachbarschaft trennen, diese ihre sozialen Kontakte und Freunde verlieren. Deutschland hat sein Möglichstes getan und die anderen Länder sind jetzt am Zug nachzuziehen.
Zusätzlich hilft die Schulpflicht es zu verhindern, dass sich Dinge wie Online-Unterricht etablieren können und so potentiell unkontrollierbare und gefährliche Alternative zur Schule entstehen könnte, die dann ihren allgemeinen Integrations- und Erziehungsauftrag gefährdet. Ebenfalls verhindert die aktuelle Schulpflicht die Möglichkeit, dass Kinder sich in Berufung auf Grundrechte und Streikrechte vor dem Unterricht drücken. Ebenfalls können mit der Möglichkeit die Kinder in die Schule zu zwingen – gegen ihren Willen – keine Schulreformen durch Verweigerung des Besuchs von „schlechten“ Schulen erzwungen werden. Dieses würde Kinder und ihre Familien in eine Machtposition gegenüber dem Staat stellen, der unseren Wohlstand gefährden könnte.
Auch ist die Schulpflicht in vielen Bundesländern das einzige Mittel Schulen in Elterninitiativen zu verhindern – denn diese müssen erst dagegen klagen, was sich nur große Anbieter aber nicht kleine Elterninitiativen leisten können. Damit sorgt sie dafür, dass der Staat hier das wichtige Bildungsmonopol fest in der Hand halten kann und ein einheitliches und monolithisches Bildungssystem sich nur verändert, wenn ein gesamtgesellschaftlicher Konsens gefunden wurde. Dieses wichtige Verfahren kann nur durch die Politik und den Staat bewerkstelligt werden – und die Schulpflicht ist das erste Mittel um private Initiative und Abweichungen zu verhindern. Besonders wirtschaftlich schwache Elterninitiativen werden so elegant verhindert, da diese Eltern ohnehin gezeigt haben, dass die Bildung, die sie für ihre Kinder wollen würden nicht zu wirtschaftlichem Erfolg führt und so die Existenz ihrer Kinder in unserer Gesellschaft gefährdet und sie womöglich gleich von vornherein zu einer Generation neuer HarzIV-Empfänger macht.
Oberstes Augenmerk muss aber auf den vielen, vielen Eltern liegen, die versagen und von denen man täglich Horrorberichte in der Zeitung liest – denn vor denen ist die Schulpflicht das einzige Mittel, das diese Kinder retten kann.
Experimente in anderen Ländern, wie mit der Bildungspflicht sind generell abzulehnen, denn bei der Schulpflicht geht es um Schule.
Quellen:
Eine Schule ohne Klassenzimmer ist keine Schule

Asyl für Schulverweigerer

Der Kampf um eine Schulgründung
Bildungspflicht statt Schulpflicht:
Religiöse oder Liberale Gründe:
Konservativ-Liberal:
Verhinderung von Schulstreiks durch Repressionen:

Propaganda von Online-Unterrichtsbefürwortern:

Online-Unterricht bringt bessere Ergebnisse

http://www.youtube.com/watch?v=VcRctjvIeyQ (Keynote on Open Education)

zu bestätigende Landesgesetze (Beispiele):

Bayern BayEUG

Artikel 118 Schulzwang

(1) 1 Nimmt eine Schulpflichtige oder ein Schulpflichtiger ohne berechtigten Grund am Unterricht oder an den sonstigen verbindlichen Schulveranstaltungen (Art. 56 Abs. 4 Satz 2) nicht teil, so kann die Schule bei der Kreisverwaltungsbehörde die Durchführung des Schulzwangs beantragen. 2 Die Kreisverwaltungsbehörde kann durch ihre Beauftragten die Schulpflichtige oder den Schulpflichtigen der Schule zwangsweise zuführen. 3 Eine Vorladung der oder des Schulpflichtigen ist nicht erforderlich.

(2) Zur Durchführung des Schulzwangs dürfen die Beauftragten der Kreisverwaltungsbehörde Wohnungen, Geschäftsräume und befriedetes Besitztum betreten und unmittelbaren Zwang ausüben.

(usw.)

Artikel 120 Einschränkung von Grundrechten

Auf Grund dieses Gesetzes können im Vollzug der Bestimmungen über die Schulpflicht die Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit, Freiheit der Person und Unverletzlichkeit der Wohnung eingeschränkt werden (Art. 102 Abs. 1 ,Art. 106 Abs. 3 der Verfassung,Art. 2 Abs. 2 , Art. 13 Abs. 1 des Grundgesetzes).
Hessen

§ 68 Schulzwang

Wer seiner Schulpflicht nicht nachkommt, kann der Schule zwangsweise zugeführt werden, wenn andere pädagogische Mittel, insbesondere persönliche Beratung, Hinweise an die Eltern, die Kinder- und Jugendhilfe, den Ausbildenden und den Arbeitgeber oder gemeinsame Gespräche der Beteiligten erfolglos geblieben sind. Die Entscheidung über die zwangsweise Zuführung trifft die Schulleiterin oder der Schulleiter im Einvernehmen mit dem Staatlichen Schulamt. Bei der Zuführung kann die Hilfe der für den Wohnsitz, für den gewöhnlichen Aufenthalt oder für den Beschäftigungsort der oder des Schulpflichtigen örtlich zuständigen Verwaltungsbehörde (Gemeindevorstand) in Anspruch genommen werden.

Auch Behinderte flüchten anstatt unsere Reformen abzuwarten:

Auf der Flucht vor der Schule

wachsende Propaganda der Homeschool-Lobby:

Dieter Lenzen Heimunterricht muss erlaubt sein.

Henk Blok hat im Auftrag der niederländischen Regierung

Homeschooling verbessert akademische Leistungen, verringert Auswirkung sozio-ökonomischer Faktoren

Zusammenfassung mehrerer Studien über Sozialkompetenzen:

Zusammenfassung einer Studie in UK – University of London

Thomas Spiegler

http://learninfreedom.org/socialization.html

Lernen aus der Konserve

Das Internet  ist für viele die Lernressource Nr.1 geworden. Überall findet man Vorlesungen, Sprachkurse und jeden Tag gründet sich ein neues Startup mit irgendeinem hilfreichen Werkzeug (Mindmaps, Notizblöcke, …) oder ein Verein bringt eine wichtige Funktionalität der Schule online (z.B. freie und kooperative Schulbücher) – die Industrie verwöhnt uns mit tragbaren Geräten, die uns vorlesen und nur ein paar Gramm wiegen (die teuersten sind so billig, wie ein Fernseher vor ein paar Jahren).

Diese Ressourcen sind meist phänomenal und der Schrott ist schnell aussortiert – wobei selbst dieses aussortieren andere Blogger machen und man sich eigentlich nur noch (wie im Schlaraffenland) in den Schatten der Bäume legen muss, aus dem Milchbach trinken kann und wartet bis einem die gebratenen Hühnchen in den Mund fliegen.

Kurz gesagt: Wir sind da (außer Deutschland, die noch versuchen das Bildungskaiserreich zu errichten – aber die paar Quadratkilometer kann man -global gesehen- ignorieren). Also noch mal: Wir sind da! Applaus!

In diesem Stadium ist es belustigend zu hören, dass manche das Lernen aus dem Internet als Konserven-Lernen betrachten.

Wenn wir uns nur den Ausdruck Konserve anschauen, dann ist es klar, dass alles und jeder der konserviert (also existierendes Wissen trägt/aufbereitet) eine Art Konservator ist und die Wissensvermittler allesamt Konserven.

Die billigste Konserve – die uns aber auch den Gedanken der frischen Frucht am nähesten bringt – (ist) und war das Buch.

Die teuerste Konserve – mit der größten Schwankungsbreite zur originalen Quelle – ist der Lehrer (oder früher der Priester).

Es gibt nun Menschen mit gar schlichtem Gemüt die denken, dass ein Lehrer, der das Wissen konserviert allein aufgrund seiner Bewegungsfähigkeit keine Konserve wäre! Ihre Argumentation ist, dass sie noch nie eine Konserve gesehen haben, deren Inhalt sich bewegt – und wenn, dann nur weil der Kühlschrank ausgefallen war und die Konserve schon länger geöffnet drinnen stand.

Nun stimmt dieser eine Unterschied nicht mehr, seitdem die Bilder angefangen haben sich zu bewegen.

Der nächste Unterschied wäre nun, dass man nur eine Richtung hat und die Rückrichtung fehlt. Also der „konservierte Lehrer“ kann einem zwar etwas beibringen, aber man kann ihn nicht mehr mit Fragen löchern. Dieses stimmt jedoch auch nicht mehr, seit dem überall Kommentarfunktionen und EMail-Buttons sind und das einzige, was einen Lehrenden am Antworten hindert sein Tod ist.

Der nächste gewichtige Unterschied ist natürlich, dass man seinen Lehrer nicht anfassen kann – und er einen auch nicht. Nun ist das auch nicht so ein immenser Unterschied, da ja anfassen von Lehrern und Schülern sowieso verboten ist und ich auch keinen Schüler kenne, der während einer Unterrichtsstunde über Integralrechnen vom Lehrer gestreichelt wurde.

Was bleibt also für ein Unterschied? Nüchtern betrachtet: Nichts. Eine Konserve bleibt eine Konserve. Sie konserviert erarbeitetes Wissen und gibt es wieder sobald jemand es haben will.

Wobei hier ist schon der gewaltige Unterschied, ein echter Lehrer, der mir aus Fleisch und Blut gegenübersteht hat Bedürfnisse und ist ein Mensch. Ich kann ihn nicht mit auf einen Spaziergang in den Wald nehmen, wo ich mich nur auf ihn konzentriere. Ich kann ihn nicht auf den Spielplatz mitnehmen und während er seine Korollare runterspult und nur 10% meiner Aufmerksamkeit benötigt werden noch nebenbei mit meinen Kindern spielen – oder einkaufen gehen.

Ich kann auch nicht vor- und zurückspulen. Oder für eine Wiederholung 5 Minuten überspringen, 10 Sekunden anhören, 5 Minuten überspringen, 10 Sekunden anhören usw. Oder wenn ich es kurz machen will mir eine Konserve mit 1,5-facher Geschwindigkeit reinziehen. Was zu erhöhter Aufmerksamkeit führt! All dieses macht aber der Lerner2.0 mittlerweile. Ich kann auch nicht an drei schlechten Tagen nicht zur Vorlesung gehen, während ich dann an einem guten Tag ein komplettes 10er-Pack bearbeite. Bookmarks setzen! Pause drücken! Originaltexte in diesen Pausen bearbeiten! Lauter stellen! Leiser stellen! Abschalten! All das geht für den neuen Lerner.

Die Überlegenheit von Lernen2.0 wurde mittlerweile schon untersucht. So wurden die Vorlesungen gehalten und gleichzeitig aufgezeichnet. Eine Gruppe Studenten „durfte“ in die Vorlesungen kommen, die andere Gruppe wurde gebeten zu Hause zu bleiben und nicht zu kommen („echte“ Hörsäle und Klassenzimmer haben ja immer noch Platzprobleme). Während also die einen entspannt zu Hause lernen mussten, wann sie wollten bekamen die anderen das Privileg sich zu einer bestimmten Zeit in einen engen Raum quetschen um dem Lehrer ohne Unterbrechung zu lauschen (Essen war erlaubt, Spazierengehen eher nicht, den Lehrer um eine Pause zu beten um sich unterhalten zu dürfen war nicht einmal gestattet, wenn es dazu dienen sollte sich über den Stoff auszutauschen).

Am Ende wurden dann beide Gruppen gemeinsam geprüft. Und siehe da: Die Lerner2.0 waren wirklich den Präsenz-Studenten überlegen. Durch die Bank!

Und das obwohl ihre Anwesenheit nicht überwacht wurde, sie nicht ermahnt wurden, wenn sie „schwätzten“ und niemand sie zwang zwischen 8.00 und 8.45 konzentriert zuzuhören.

Ja, man möchte es gar nicht glauben.

Wie werden die deutschen Kultusministerien darauf reagieren? Nun, zuerst werden sie erst einmal leugnen, verzerren, ignorieren und anfechten. Wenn dann -internationalen Vergleichen sei Dank- das deutsche „Bildungssystem“ auf dem letzten Platz landet werden sie zögerlich die Erkenntnisse umsetzen. Stets darauf bedacht, dass sich keine Parallelgesellschaften bilden und auch die terroristisch veranlagten Eltern ihre Kinder nicht in Al-Kaida-Scientology-Camps aufwachsen lassen (eine der Hauptbeschäftigungen deutscher Terroristen-Eltern, vor denen sich die Regierung von Rot bis Blau fürchtet).

Die Schule/Uni2.0 wird also so aussehen. Es gibt einen Raum in dem die Schüler sich zusammen mit einem Überwachungsspezialisten aufhalten (dieses wird in der Übergangsphase ein Polizeibeamter sein – oder ein Kinderpsychologe). Die Kinder werden dort alle Notebooks, Kindles und Mp3-Player haben (Schul- und Staatseigentum, das Mitbringen eigener Geräte wird weiterhin verboten sein). Im Nebenraum wird ein Lehrer den Unterricht halten und auf Fragen direkt über Twitter eingehen. Dieses wird aufgezeichnet und kann dann im Internet von den Schülern im anderen Raum über Youtube abgerufen werden. Der Zugriff ist über IP aber auf das Schulgebäude beschränkt, hier wird es einen Staatsvertrag mit Youtube geben.

Das Kultusministerium wird dieses als ungeheuren Fortschritt verkaufen – allerdings werden die Mehrkosten das Geld für die Schulrenovierung auffressen und während alle anderen Völker schon im Bildungsschlaraffenland, kooperativ und dezentral lernen, werden die deutschen Schüler in maroden Gebäuden weiterhin auf das Funktionieren in der industriellen Fertigungslandschaft des 19.Jhds vorbereitet. Die Webmaschinen und Stahlwalzen sind nun durch Notebooks ersetzt und aus dem damaligen Fabrikarbeiter wurde der moderne Wissens-Fabrik-Arbeiter.

Für alle Eltern, die ihren Kindern ein freies Leben wünschen (und auch für sich selbst) gilt es Deutschland großräumig zu umfahren.

Hier die Keynote on Open-Education (großartig! )

Eine rabige Woche

Diese Woche hatte ich die Kinder die ganze Zeit (also bis auf Abends und kleine sporadische Stillpausen).

Der Plan ist, dass ich mein „Gehen“ etwas zurückfahre und wir dafür 100% unserer Kräfte auf Mummy1000Sunny’s Diplomarbeit legen.

Gesagt, getan.

Diese Woche hatten wir dann auch zufällig gleich 3 Treffen mit anderen Rabeneltern – das ist eine Initiative in der sich Eltern zusammentun, die einfach die Zeit mit ihren Kindern genießen wollen und sie gleichberechtigt behandeln wollen.

Das hat den Kindern so gut gefallen, dass sie Freitag früh sofort sagen: „Ich will zu den Rabeneltern“. Ich musste ihnen dann klar machen, dass es am Freitag erst um 15 Uhr beginnt. Bis dahin haben wir dann noch Grießbrei gemacht. Die erste Portion wurde sofort gegessen (Nami in der Hängematte und Chopper auf dem Trampolin). Die zweite Portion habe ich ein bisschen versemmelt, da ich immer wieder wegging um etwas für das Finanzamt zu schreiben (das sind die, die eine Brieffreundschaft mit jedem Bürger pflegen möchten. Vorsicht! Sekte! Sobald man ihnen einmal viel Geld gegeben hat kommen die immer wieder). Die dritte Portion hat Nami dann von Anfang bis Ende sanft umgerührt und der Brei ist so lecker und cremig geworden, dass ich den Geschmack am liebsten fotografiert hätte. Die beiden Portionen haben wir dann zusammengepackt und zum Rabentreffen mitgenommen.

Auch ansonsten waren wir jeden Tag draußen und es ist unglaublich schön – durch die Gestalttherapie sehe ich die Welt mit ganz anderen Augen und genieße es richtig in den Eindrücken zu baden und die Farben und Formen zu entdecken, an denen ich Jahrzehnte einfach so vorbei ging.

Am Kindergartenspielplatz (so etwas gibt es hier in der Nähe, da benützt ein Kindergarten einen ganz normalen Spielplatz und man hat damit oft sehr viele Kinder dort) kam auch ein Mädchen auf uns zu und sagte: „Ich komme dieses Jahr in die Schule – weil ich bin schon 5 und werde 6″.

Ich fragte sie dann: „Freust Du Dich?“

Sie: „Ja“

Da es aber klang, als ob sie eine Nummer aus dem Telefonbuch vorgelesen hätte, fragte ich noch weiter: „Warum“

Sie: „Weiß ich nicht“

Die war wenigstens noch ehrlich. Die meisten 5-jährigen schwärmen einen ja zu, wie toll die Schule ist und was man dort alles lernt, wie sie sich freuen und was für gute Manieren sie bald haben werden (!) .

Auch trafen wir auf der Straße einen aus der 3.ten Klasse und der redete schon ganz anders über die Schule. Seine Mutter war gleich noch cooler und sagte, dass sie auch sofort verweigern würden, wenn sie dürften. Da hat sich im letzten Jahr aber ganz schön was getan in Deutschland.

Wenn Unschooler aufwachen…

Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgegangen ist, wacht erst der eine und dann der andere auf. Kurz darauf der Sanji. Während dann Sanji schon herumklettert, ich ein bisschen lese und auch schon Chopper im anderen Zimmer ein Lustiges Taschenbuch aufgeschlagen hat, wacht langsam der nächste auf. Und Nami schläft noch etwas weiter… oder auch länger.

Irgendwann kommt dann Chopper und trägt sein Spielzeug vom Playroom zu unserem Zimmer und langsam füllt sich das Aufwachen mit Geräuschen. Inzwischen ist auch Nami wach und fängt an zu singen, und auch Chopper singt einen kleinen Marsch vor sich hin. Es ist als ob die Geräusche – ähnlich wie die Sonne – aufgehen. Und der Tag belebt sich immer mehr, bis dann der eine oder die andere aufsteht und auch anfängt dies oder jenes zu tun.

Und innerhalb von einer halben Stunde ist aus dem leisen Atmen im Schlaf ein lautes und singendes Leben geworden, das am Computer oder am Frühstückstisch klappert und es dauert nicht mehr lange, da „fliegen die ersten aus dem Stock“ und Dreiräder, Laufräder und Fahrräder setzen sich in Bewegung und wir machen alles mögliche und genießen die Zeit, die wir miteinander verbringen. Immer und überall treffen wir neue Leute und finden die Kinder neue Herausforderungen.

Bis wir dann nachts – total erschöpft – noch ein bisschen lesen und den Kindern vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung die Bücher aus den Händen fallen. Oder Nami an uns vorbeischleicht und sich noch verabschiedet mit den Worten: „I’m going to bed now“ und 3 Minuten später schon schläft.

Kein Wecker, kein Gong – nur der eigene Rhythmus des Lebens.

Explosion

Wir wussten alle, dass es schwer werden wird, wenn wir zu meiner Mutter ziehen. Wir sind ungefähr die schlimmsten Non-Konformisten auf diesem Planeten (noch schlimmere gerne bei mir melden :) ) und sie ist Gottes Gegenentwurf. Ein großer Reibungspunkt waren natürlich die Bettgehzeiten für kleine Menschen.

Wir hatten keine – und sie hat diese Vorstellung, dass Kinder SPÄTESTENS um 8 Uhr ins Bett gehören. Wir haben uns dann irgendwie auf 10 Uhr geeinigt und gehen jetzt alle um 10 Uhr ins Bett. Wie die Hühner. Das schaffen wir natürlich nicht genau und vor allem Nami sträubt sich richtig dagegen um diese Zeit schon die Zähne geputzt zu bekommen.

Mit der Zeitumstellung (die Nami anscheinend nicht automatisch auch macht) wurde es dann ganz heftig und als wir ihr gestern die Zähne putzen wollten, sagte sie immer nein. Irgendwann hatte Mummy keine Zeit mehr und musste etwas anderes machen, dann kam ich. Und sie wollte Mummy. Dann musste ich auch etwas machen und Nami stellte sich mir in den Weg. Als ich sie dann aus dem Weg stellte (jaja, ich mache solche Sachen, wenn es nur noch stressig ist) da warf sie sich auf den Boden und schrie. Richtig laut, so wie man es in der Werbung sieht.

Ich blieb ganz ruhig und ließ sie ausflippen, dann musste aber die Oma auf die Toilette und ich musste Nami rausnehmen. Nami schrie dann halt draußen weiter. Auf einmal begann aber die Oma auch auszuflippen und beschimpfte Nami und drohte sie zu schlagen und mit dem Besen und so weiter. So wie man das hier früher in Deutschland machte – als der gute alte Adolf die totale Schulpflicht einführte (wofür ihm ja die meisten heutigen Politiker sehr dankbar sind: „Ach der Adi, Autobahnen, Schulpflicht, keine Arbeitslosen, das waren noch Zeiten – der hat noch was für die Kinder getan“) – bis dann die bösen 68er kamen (und viele von denen waren auch noch Lehrer; sozusagen Maulwürfe mitten im autoritärsten System). Die stülpten irgendwie alles um und jetzt dürfen Lehrer Kinder nicht einmal mehr physisch zu besseren Leistungen motivieren (aber dafür dient die Forschung neue Manipulationstechniken an). Aber ich drifte ab.

Da hab ich der Oma gesagt: „Sie soll sich verziehen“. Sie schrie weiter. Dann hab ich es ihr noch einmal gesagt und als ich es ihr dann noch einmal sagen musste, fing ich auch an zu schreien. Nami machte das einzig Vernünftige (ich wünschte ich wäre bei meiner Mutter auch so vernünftig) und lief schweigend ins hintere Zimmer. Meine Mutter und ich schrien uns noch weiter an und dann knallte sie die Tür und das machte mich richtig sauer (erinnerte mich an früher) drohte mit Polizei und Jugendamt und wir schrien uns nur noch an. (Kommt bei Euch in solchen Konflikten dann auch immer das ganze alte Zeug hoch?  - Bei mir leider schon. )

Irgendwann war das ganze dann gottseidank vorbei. Sie ging wieder ins Wohnzimmer und schaute weiter fern und ich ruhte mich erst mal aus (war natürlich super für mein Herz). Ich weiß nicht, wie lange wir es hier noch aushalten, aber Mummy1000Sunnys Diplomarbeit dauert anscheinend schon noch 2 Monate (!)  und ich bin auch noch nicht so fit, dass ich es im Zug aus dem Land schaffe… Die Situation ist ein bisschen verzweifelt, da wir dauernd überlegen müssen: Kinder stark einschränken/mit ihnen normal umgehen – oder Oma.

Ich bewundere an Chopper, wie cool er bleibt. Er hat die ganze Zeit Comics gelesen und ist auch heute ganz normal. Er kennt die Oma schon und ihre Art, das hilft ihm wohl sehr.