Sehr geehrte Damen und Herren,am 4.3. wollen Homeschooler- und Freilerner-Eltern Ihnen selbstgebastelte Kraniche übergeben und mit dieser Aktion auf die Situation von Eltern in Deutschland aufmerksam machen.Nicht nur, dass Sie diese systematisch ausgrenzen und verfolgen, nein, Sie weigern sich sogar die Kraniche persönlich entgegenzunehmen. Diese, von Kindern und Erwachsenen liebevoll und hoffnungsvoll gebastelten Kraniche müssen hier, in einem Land, wo dauernd Elternengagement gefordert wird, an der Pforte abgegeben werden, als ob sie ein beliebiges Paket wären.Nicht nur, dass sich Eltern hier vor dem Staat verstecken müssen, nein, der Staat scheint sich auch anscheinend vor Eltern zu verstecken.Ich für meinen Teil halte dieses Verhalten „von oberster Stelle“ nur noch für peinlich und sehe nicht, woraus diese Regierung noch ihre Legitimität bezieht. Hoffentlich finden sich ein paar mutige Abgeordnete, die den wirklich mutigen und kämpfenden Eltern ins Gesicht schauen und diese Kraniche entgegennehmen.Bei mir sträubt sich alles, wenn ich dieses Ausmaß an politischer Feigheit sehe.Aber anscheinend ist es einfacher, unsinnige Gesetze gegen Eltern zu verschärfen und die Polizei und Jugendämter die schmutzige Arbeit machen zu lassen. Denn ein Kind aus einer intakten Familie zu reißen ist bestimmt keine kleine psychische Belastung und kann nur aus genügend hohem Abstand mit ruhigem Gewissen durchgesetzt werden.Auch wenn Bildung „Ländersache“ ist, so werden hier doch Familie zerstört und Eltern bedroht. Dieses geht nicht nur die Kultusminister in ihren Kultusministerien etwas an, sondern sollte überall in der Regierung Priorität haben – ein Duckmäusertum mit Zuständigkeitsverweisen ist hier nicht tolerierbar.Mit freundlichen Grüßen ein verärgerter Vater
Archiv für den Monat Februar 2010
Zitate, Auszüge John Stuart Mill
Eine weitere Hauptthese Mills besagt, die historische Erfahrung zeige, daß wir dazu erzogen werden können, aufgrund des Nutzenprinzips ebensogut wie aufgrund irgendwelcher anderen moralischen Prinzipien zu handeln. (S408)
Mill räumt ein, daß unser moralisches Vermögen durch hinlänglichen Einsatz äußerer Sanktionen und durch fürhen moralischen Drill gemäß den Gesetzen der Gedankenassoziation in nachgerade beliebiger Richtung geschult werden kann. Allerdings gebe es hier folgenden Untershcied: Frühe Assoziationen, die völlig küntlisch und ohne Grundlage in unserer Natur hergestellt werden, weichen nach und nach der zersetzenden Kraft der theoretischen Analyse. Sofern das Pflichtgefühl nicht mit einem unserem Wesen entsprechenden und mit dessen natürlichen Gefühlen harmonierendem Prinzip assoziiert wird, verliert es nach dem Einsatz theoretischer Analyse die Kraft, uns zu motivieren. (S409)
Als erstes wollen wir den Inhalt dieses Wunsches[nach Eintracht] nach einträchtigem Zusammenleben mit anderen betrachten, als zweites die Einflüsse, durch die er mit fortschreitender Zivilisation stärker wird:
(a) Den Inhalt dieses Wunsches beschreibt Mill in §10 als das Bestreben, nicht mit anderen um die Mittel zum Glück zu konkurrieren. Zu seinem Inhalt gehört außerdem der Wunsch nach Harmonie zwischen unseren Gefühlen und Absichten und den Gefühlen und Absichten anderer, so daß die Ziele unseres und ihres Handelns nicht in Konflikt geraten, sondern einander ergänzen. (S410 – Zusammenleben aufgrund Prinzips der Reziprozität – Fairness)
Durch die in der moderenen Zivlisation zunehmende Gleichheit und das hohe Maß an Kooperation mit anderen Menschen und Planung gemeinsamer Vorhaben ist uns klargeworden, daß wir nicht um individueller, sondern um gemeinsamer Ziele willen zusammenarbeiten müssen. (S410)
(d) Die zunehmende Gleichheit kommt in der modernen Gesellschaft folgendermaßen zustande: Nach Mill ist jede Form gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen – ausgenommen das Verhältnis zwischen Sklaven und ihren Herren – nur dann möglich, wenn die Interessen aller in Betracht gezogen werden. Außerdem kann ein gesellschaftliches Verhältnis zwischen Personen, die einander als Geliche ansehen, nur unter der Vorausseztung existieren, daß die Interessen aller im gleichen Maße berücksichtigt werden. (S411)
(Prinzip der Freiheit)
Überdies bedeutet der Wille des Volkes praktisch den Willen des zahlreichsten oder des aktivsten seiner Teile, nämlich der Mehrheit oder derjenigen, denen es gelingt, sich als die Mehrheit anerkennen zu lassen. Das Volk kann infolgedessen beabsichtigen, einen Teil der Gesamtheit zu bedrücken, und Vorsichtsmaßregeln dagegen sind ebenso geboten wie gegen jeden anderen Mißbrauch der Gewalt (I §4)
Mill geht es demnach um die Frage der „Tyrannei der Mehrheit“, auf die Tocqueville bereits aufmerksam gemacht hatte. (S413)
2. Man darf jedoch nicht übersehen, daß es Mill ebensosehr um „die Tyrannei des vorherrschenden Meinens und Empfindens“ geht, um
„die Tendenz der Gesellschaft, durch andere Mittel als zivile Strafen ihre eigenen Ideen und Praktiken als Lebensregeln denen aufzuerlegen, die eine abweichende Meinung haben, di eEntwicklung in Fesseln zu schlagen, wenn möglich die Bildung jeder Individualität, di enicht mit ihrem eigenen Kurs harmoniert, zu verhindern [...]. Es gibt eine Grenze für die rechtmäßige Einmischung öffentlicher Meinung in die persönliche Unabhängigkeit, und diese Grenze zu finden und gegen Übergriffe zu schützen, ist für eine gute Verfassung der menschlichen Angelegenheiten ebenso unerläßlich wie Schutz gegen politische Willkür“ (I §5 On Liberty)
(S414)
Wahrscheinlich glauben die Menschen, es bedürfe gar keiner Gründe, um ihre moralischen Überzeugungen zu stützen. Und tatsächlich gibt es Philosophen (hier bezieht sich Mill auf die konservativen Intuitionisten), die un szu der Ansicht ermuntern, daß „Gefühle über Gegenstände dieser Art besser als Gründe sind und Gründe überflüssig machen“ (I §6)
Sodann formuliert Mill eines der Hauptprinzipien, die er angreifen möchte: „Der praktische Grundsatz, der sie in ihren Ansichten über die Regeln des menschlichen Betragens leitet, ist das jedem innewohnende Gefühl, daß jeder so handeln sollte, wie er selbst und die, mit denen er übereinstimmt, ihn gern handeln sehen möchten“ (I § 6 – Kants Imperativ?).
Natürlich „gesteht sich niemand ein, daß der Maßstab seines Urteils von seinen eigenen Wünschen abhängt“. (S415)
4. Tendenziell ist die in der Gesllschaft vorherrschende moralische Meinung nach Millls Überzeugung eine Zusammenstellung unüberlegter und unreflektierter Gemeinschaftsüberzeugungen, die einander gegenseitig stützen. Dennoch werden diese Meinungen durch mannigfaltige Ursachen beeinflußt:
(a) Wo es z.B. eine dominierende soziale Klasse gibt, spiegelt ein großer Teil der Moral des Landes die Interessen dieser Klasse und deren Überlegenheitsgefühle wider [Norbert Elias?]
(b) Aber auch die allgemeinen und offenkundigen Interessen der Gesellschaft tragen ganz erheblich zur Beeinflussung der moralischen Meinung bei. … (S415)
Zu beachten ist, dass Mill glaubt, die Zeit für Veränderung sei „jetzt“ gekommen, aber die Situation sei nicht aussichtslos [(Vgl insbesondere III, §19.) "Die Mehrheit hat noch nicht gelernt, die Macht der Regierung als ihre eigene Macht, deren Meinung als ihre eigene Meinung anzusehen" (I, §8). Sobald die Angehörigen der Mehrheit - einschließlich der neu hinzukommenden Arbeiterklasse - zu dieser Ansicht gelangen, wird die Freiheit des einzelnen Eingriffen von seiten der Regierung ebenso ausgesetzt sein, wie sie es von seiten der öffentlichen Meinung schon lange gewesen ist. (S416)
Andererseit gibt es, wie Mill meint, erheblichen verborgenen Widerstand gegen solche Eingriffe. Doch aus seiner Sicht ist die Situation im Flu und kann sich in die eine wie in die andere Richtung entwickeln. "Es gibt [...] keinen anerkannten Grundsatz, durch welchen die Recht- oder Unrechtmäßigkeit von Regierunseingriffen nach Gewohnheitsrecht zu beurteilen wäre. Man entscheidet nach persönlicher Vorliebe (I, §8) {Diese müsste nach Marx/Norbert Elias aber wieder von den herrschenden Klassen geprägt sein} (S416)
6. Wenn wir dies mit I, §15 zusammennehmen, wo MIll von der gegenwärtigen Tendenz spricht, die Macht der Gesellschaft zu steigern und zugleich die Macht des Individuums zu verringern, können wir sagen, daß erfolgendes zu erreichen versucht:
(a) Sein Ziel ist die Formulierung eines Prinzips der Freiheit, das dem neuen demokrtischen Zeitalter angemessen ist {die Arbeiterklasse darf bald wählen}. An diesem Prinzip würde sich die öffentliche3 politische Diskussion über die Anpassung des Verhältnisses zwischen sozialen Regeln und individueller Unabhängigkeit orientieren.
(b) Durch überzeugende Argumente möchte Mill dieses Prinzip fundieren und „eine starke Schranke sittlicher Überzeugung“ errichten (I, §15). Die Neigung der Menschen, anderen die eigene Meinung aufzuzwingen, läßt sich nur durch eine Gegenkraft in Zaum halten. Diese Aufgabe muß, wie Mill meint, in diesem Fall wenigstens teilweise von der Kraft der sittlichen Überzeugung erfüllt werden. (S417)
(§3 Die Formulierung von Mills Prinzip der Freiheit)
Dem fügt Mill hinzu, „daß der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer ziviliserten Gemeinscahft rechtmäßig ausüben darf, der ist: die Schädigung anderer zu verhüten. Das eigene Wohl, sei es das physische oder das moralische, ist keine genügende Rechtfertigung“
Das eigene Wohl des anderen ist ein guter Grund dafür, „ihm Vorhaltungen zu machen, mit ihm zu rechten, ihn zu überreden oder mit ihm zu unterhandeln, aber keinesfalls um ihn zu zwingen oder ihn mit Unannehmlichkeiten zu bedrohen, wenn er anders handelt“. Solche Zwangsmittel sind nur berechtigt, wenn das betreffende Verhalten dazu angetan ist, einer anderen Person Schaden zuzufügen. Was den Teil des Verhaltens eines Menschen anlangt, der nur ihn selbst betrifft, sagt Mill: Es „bleibt seine Unabhängigkeit von Rechts wegen unbeschränkt. Über sich selbst, über seinen eigenen Körper und Geist ist der einzelne souveräner Herrscher“ (I § 9) (S421)
Die Gesellschaft soll die Ausbildung der Individualität „innerhalb der durch die [moralische] Rechte und [die legitimen] Interessen anderer gezogenen Grenzen“ erlauben. Daher sollen die einzelnen „an strenge Regeln der Gerechtigkeit in Sachen anderer gehalten sein“, und innerhalb dieser Grenzen soll sich die Natur der verschiedenen Personen gebührlich entfalten dürfen, so daß sie nach Belieben ihr eigenes Lebnen führen können, denn „was die Individualität vernichtet, das ist jedenfalls Despotismus„ (S424)
( §4 Natürliche (abstrakte) Rechte)
Mill schreibt: „wenn alle Menschen außer einem derselben Meinung wären und nur diese einzige eine entgegengesetzte hätte, dann wäre die ganze Menschheit nicht mehr berechtigt, diesen einen mundtot zu machen, als er, die Menschheit zum Schweigen zu bringen, wenn er die Macht hätte.“ wieder wird man zu der Frage was: wie kann es sein, dass die Anzahl der Personen im Hinblick auf die Rechtfertigung der Unterdrückung von Diskussionen wirkungslos bleibt, sofern keine Theorie des natürlichen oder abstrakten Rechts im Hintergrunde steht? Oder gönnt sich Mill lediglich eine rhetorische Floskel? (S427)
bestätigt wird diese Interpretation (das Prinzip der Freiheit ist dem Nutzenprinzip untergeordneter Grundsatz) durch Mills Ausführungen in II, §1 [dt. 2]. dort schreibt er: „Ja, wäre eine Meinung persönliches Eigentum, das nur für ihren Besitzer wertvoller wäre, in deren Genuss beeinträchtigt zu werden nur eine einfache Rechtsverletzung darstellte, dann würde es einen Unterschied machen, ob man diese Unbill nur wenigen oder vielen Personen zufügt. Aber das Besondere über der Unterdrückung einer Meinungsäußerung liegt darin, dass es am menschlichen Geschlecht als solchen Raub begeht, an der Nachwelt so gut wie an den mitlebenden, an denjenigen die von dieser Meinung nichts wissen wollen, noch mehr als an denen, die sie vertreten. Denn wenn die Meinung richtig ist, so braucht man sie der Gelegenheit, ihre Tugend gegen Wahrheit auszutauschen; ist sie dagegen falsch, dann verlieren sie eine fast ebenso große Wohltat: nämlich die deutlichere Wahrnehmung [.. .] des Richtigen, die durch den Widerstreit mit dem Irrtum entsteht.“ (S428)
Außerdem glaubt Mill, dass vollständige Diskussions- und Forschungsfreiheit eine notwendige Bedingung vernünftiger Ansichten über diese Fragen ist. “ Unsere gesichertsten Überzeugungen haben keine verlässlichere Schutzwache als eine ständige Einladung an die ganze Welt, sie als unbegründet zu erweisen“ (II, §8 [dt. 9]). (S429)
Es ist nicht nur so, dass die Unterdrückung der Diskussion zu einer falschen Art von Volkscharakter erzielt, sondern sie tendiert auch dahin, die Gesellschaft und deren Angehörige der Vorteile der Wahrheit zu berauben. Dieser Gedanke wird über die Freiheit II, §§ 3-11 [dt. 4-12] geäußert, also im Rahmen des „Unfehlbarkeitsarguments“. Dort führten Mill aus, dass kein Mensch unfehlbar ist-egal, welche Überzeugungen vertritt. Und wenn alle, die entgegengewirkten Meinungen äußern, mundtot gemacht werden, verlieren jene, die im Irrtum sind, die Chance, die Wahrheit zu entdecken. (S429)
das zweitägige Interesse richtet sich also auf die sozialen Bedingungen im Zusammenhang mit dem Gedanken- und Gewissensfreiheit garantierenden Gesetzen, Institutionen und öffentlichen Einstellungen. Im zweiten Kapitel von über die Freiheit macht Mill geltend, dass diese Bedingungen notwendig sind, um in allen Bereichen die Wahrheit zu ermitteln. Überdies nimmt er an, dass wir ein bleibendes Interesse an der Erkenntnis der Wahrheit haben. Dabei schweben ihm keine düsteren Gedanken vor, wie man sie bei russischen Romanciers wie Dostojewski findet. Man denke hier etwa an die Brüder Karamasow und Iwans Erzählung vom Großinquisitor, wonach die Kenntnis der Wahrheit schrecklich wäre: Sie würde uns jeglichen Trost nehmen und die Bereitschaft erhöhen, eine Diktatur zu unterstützen, um unsere tröstlichen und unentbehrlichen Illusionen zu bewahren. {ähnlich Karl Marx’ Selbstbetrug über die Gerechtigkeit im Kapitalismus ? Ähnlich Hegels List des Bewusstseins? ).
Augustinus und Dostojewski sind die beiden düsteren Denker der- von Augustinus zutiefst geprägten – abendländischen Geistesgeschichte. (S439)
(§ 4 Zwei weitere ewige Interessen)
das Interesse an einer zuverlässigen Gewährleistung dieser Freiheiten {Geschmack, Beschäftigung, Gestaltung des eigenen Lebensstils ohne Einschränkungen} wollen wir das bleibende Interesse an den Bedingungen der Individualität nennen, wobei vorausgesetzt wird, dass die Individualität im Rahmen des Verbandes mit anderen, gleich gesinnten Menschen dazu gehört. In III §§ 10-19 [dt. 11-20] macht Mill geltend, dass diese Freiheiten eine wesentliche Voraussetzung des Fortschritts der Zivilisation sind. In III § 17 [dt. 18] sagt er, dass „die einzige unglückliche und andauernde Quelle für den Fortschritt [...] die Freiheit“ selbst sei.
Dieses ewige Interesse ist demnach – zusammen mit dem immer währenden Interesse an Gedanken- und Gewissensfreiheit – ein Interesse, dass wir als sich entwickelnde Wesen haben. (S440)
(§ 6 Beziehung zum Prinzip der Individualität)
Zu Mills Zeiten hat sich die Fragestellung jedoch offenbar gewandelt. Die Auseinandersetzung über das Toleranzprinzip aber seit langem entschieden. der Inhalt des Glaubens gilt zwar natürlich nicht ganz unwichtig, aber darüber hinaus ist das wie des Glaubens von Bedeutung. Jetzt kommt es darauf an, inwiefern man sich seine Überzeugungen wirklich zueigen gemacht hat und inwiefern man sich bemüht hat, diese Überzeugungen zu verstehen und ihren tieferen Sinn zu ergründen. Es gibt sozusagen nicht um bloße Lippenbekenntnisse, sondern darum, den eigenen Überzeugungen eine zentrale Rolle im Leben zu geben.
Diese Einstellung ist modern, obwohl sie im Laufe Religionskriege aufkam. Natürlich wurde sie nicht von Mill ersonnen, der den Beitrag Humboldts ausdrücklich würdigt (siehe „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“).
Bereits bei Milton heißt es (Areopagitica, § 49): „wenn ein Mensch etwas nur deshalb glaubt, weil sein Priester es gesagt oder weil der Ältestenrat es bestimmt hat, dann mag sein Glaube zwar wahr sein, doch wenn er keinen weiteren Grund kennt, wird diese Wahrheit, an die er glaubt, zur Irrlehre.“ Rousseau mit seiner Betonung des Ichs und des inneren Werts das durch Selbstbeobachtung kultivierten Seelenlebens hat diese Denkweise ebenfalls stark beeinflusst. Wie immer sie entstanden sein mag,eine bedeutende Äußerung dieser Denkweise findet sich in Mills über die Freiheit (III, §§ 1-9 [dt 1-10]). (S449)
Was diesen zuletzt genannten Punkt betrifft, muss man den äußerst wichtigen Absatz über die Grenzen der Gerechtigkeit (III, §9 [dt. 10]) berücksichtigen:
„Nicht dadurch, dass man eines individuellen zu Einförmigkeit abgeflacht, sondern indem man es ausbildet und seine Kräfte aufbietet – innerhalb der durch die Rechte und Interessen andere gezogenen Grenzen -, wird das menschliche Wesen zu einem edlen und schönen Gegenstand der Betrachtung. [...] Im Verhältnis zur Entwicklung ihrer Individualität erhöht sich der Wert jeder Persönlichkeit für sich selbst und wird dadurch wiederum schätzbarer für andere. [...] anstrenge Regeln der Gerechtigkeit in Sachen andere gehalten zu sein, entwickelt das Gefühl und die Fähigkeit, das Wohl anderer zu befördern. Aber in Dingen, die nicht im Wohl betreffen, bloß wie des Missvergnügens wegen gehemmt zu werden,k nichts wertvolles außer jener Charakterstärke, die sich im Widerstand gegen Zwang entfaltet. [...] Soll der Anlage eines jeden freies Spiel gewährt werden, dann ist es wesentlich, dass verschiedene Personen auch ein verschiedenes Leben führen können.“ (S451)
(§ 7 Der Ort perfektionistischer Werte)
meiner Ansicht nach würde er sagen, dass es nicht nötig ist, die Menschen zu Tätigkeiten zu zwingen, in denen diese Werte zum Tragen kommen; und der Versuch dazu werde, wenn die Institutionen der Gerechtigkeit und der Freiheit noch nicht bestehen, mehr Schaden als Heil bringen. Sobald diese Institutionen jedoch uneingeschränkt funktionieren, werden die perfektionistischen Werte in einer freien Lebensführung und den freien Verbänden innerhalb der Grenzen gerechter freier Institutionen umgesetzt werden.
Die Werte Gerechtigkeit und Freiheit spielen eine grundlegende Hintergrundrolle und genießen in diesem Sinne einen gewissen Vorrang. Mill würde sagen, dass er den protektionistischen Werten Gerechtigkeit widerfahren läßt. (S452)
Sechs Hauptelement der sozialen Macht:
- physische (zahlenmäßige) Stärke,
- Eigentum
- Intelligenz
- Organisation
- Besitz der Regierungsgewalt
- aktive soziale Macht im Sinne der Steuerung durch eine einheitliche und durchsetzungsfähige öffentliche Meinung (und Grade einer solchen Macht im Falle einer passiven oder uneinigen Meinung).
Tisch und Wasserglas – über soziale Institutionen
Um die Funktion und Verankerung von sozialen Institutionen, wie Schulen aber auch Gesetze, Medien, Gerichte, Universitäten, Geld, Kapitalismus, Sozialismus, usw. besser zu verstehen will ich das Bild von einem Tisch benützen, auf dem ein Wasserglas steht.
Stellen wir uns also die Gesellschaft als einen Tisch vor und die Stabilität als ein Wasserglas, das auf diesem Tisch steht.
Steht der Tisch schief, so rutscht das Wasserglas zur niedrigsten Stelle. Der Tisch steht, da die Welt gewisse Ungerechtigkeiten hat, von Natur aus schief. An diesem Punkt setzen menschliche Institutionen ein, die den Tisch stützen, um das Wasserglas nicht herunterfallen zu lassen.
Diese Institutionen dienen wie Bierdeckel oder Keile, die unter die Beine des Tisches gestellt werden, um diesen zu stützen.
Die nächste Frage ist nun: Wie werden diese Bierdeckel und Keile aussehen?
Die einfachste Lösung wäre es natürlich, dass man – wie bei einem realen Tisch auch – diese Keile immer unter das kürzeste Bein stellt und dies so lange macht, bis der Tisch waagerecht ist.
Jetzt kommt das Problem, viele sind gar nicht daran interessiert, dass der Tisch vollkommen gerade steht, sondern wollen für sich einen Vorteil haben, schließlich können gesellschaftliche oder technische Umwälzungen jederzeit den Tisch wieder aus dem Wasser bringen.
Zusätzlich haben sie, wenn sie auf der Seite der hohen Kante des Tisches sind, ja Vorteile, die sie nicht einfach hergeben wollen. Und diese Vorteile können sie auch nützen, um die Größe und Form der Keile zu bestimmen.
Kleine Keile unter das jeweils kleinste Bein sind also für diese uninteressant. Das Wasserglas darf nur nicht herunterfallen, das würde Revolution bedeuten.
Keine Keile wollen diejenigen nicht, die am niedrigen Ende des Tisches stehen, da sie klar benachteiligt sind. Also werden sie eine Art von Keilen fordern.
Damit bleiben also nur große Keile, die nicht nur den Tisch am niedrigen Ende hochheben, sondern auch am hohen Ende.
Nun könnte man also Keile einfügen, die das niedrige Ende mehr anheben, als die höheren Enden. Doch auch dies würde bedeuten, die natürlichen Vorteile der Stärksten aufheben.
Die einzige Option die also von unten durchsetzbar ist, sind also Keile, die alle Beine gleich unterstützen. Dabei fällt das Glas nicht herunter, und alle haben ein höheres zivilisatorisches Level erreicht. (Um vom Tisch zu essen, müssen sich allerdings auch alle höhere Stühle besorgen, was wir z.B. im Bildungsparadoxon haben, oder auch in der Justiz, die durch steigende Qualität und Komplexität besonders für ärmere Schichten Gerechtigkeit unerschwinglich und undurchschaubar machen).
Diese Menschen spielen aber nicht mehr so sehr in die Überlegungen der gesellschaftlichen Stabilität herein, da sie sozusagen wie mit einem Rasiermesser abgeschnitten wurden und außen vor sind. Sie müssen von Almosen leben und können leicht auf eine niedere Stufe der Sklaverei übergeführt werden.
Da die Stärkeren in jeder Gesellschaftsform Gesetze in ihre Richtung beeinflussen können, werden sie aber nicht mit gleich hohen Untersetzern zufrieden sein, sondern immer noch ein paar Vorteile zusätzlich einbauen wollen. Dieses geschieht gar nicht aus böser Absicht, sonder eher aus dem Fakt, dass man höhere Ansprüche hat und somit eine Reform dies auch berücksichtigen muss. Während Menschen mit nicht so großen Ansprüchen auch für kleinere Vorteile dankbar sind.
Die Untersetzer werden also immer ein paar Millimeter mehr Privilegien für die ohnehin schon Privilegierten mit sich bringen, während sie für alle eine Verbesserung bringen.
Daraus ergibt sich eine interessante Situation, zum einen helfen die Untersetzer (in Form von gesellschaftlichen Institutionen) allen. Und führen dennoch zu einem Privilegienausbau, der die Ungleichheiten verstärkt.
Zusätzlich kann man schnell erkennen, dass niemand einfach die Untersetzer übereinander stapeln würde. Das wäre zu instabil. Untersetzer könnten wie eine Tischdecke schnell herausgezogen werden und das Wasserglas bliebe stehen. Somit ist es wichtig die Untersetzer ineinander zu verkeilen. Institutionen müssen also ineinander verkeilt werden, sich gegenseitig stützen. Die Struktur muss in sich gegenseitig verankert werden. Dieses ist auch im Interesse aller: einmal errungene Fortschritte können so nicht mehr rückgängig gemacht werden, ohne das ganze System zu destabilisieren.
Die Situation kennzeichnen verschiedene Merkmale und Konsequenzen:
- -Die Institutionen zu durchschauen wird immer komplexer, es gibt keine nur schlechten Institutionen.
- -Wenn man eine Institution als schlecht erkannt hat, so kann man diese nicht rückgängig machen. Die Privilegierten würden zwar ein paar ihrer Privilegien verlieren. Aber die Unterprivilegierten würden unter eine erträgliche Grenze der Zivilisation sinken – und es war ein Kampf diese zu überwinden.
- -Die einzige Möglichkeit bleiben mehr Institutionen, jeder der Untersetzer entfernen will, gilt sofort als rückschrittlicher Gesellschaftsfeind; insbesondere als Feind der Unterprivilegierten. Da die Privilegierten überproportional von den Institutionen profitieren, werden sie das durch ihren Einfluss (z.B. Medien) auch lautstark äußern.
- -Dies führt bei steigendem zivilisatorischem Niveau zu einer steigenden Ungleichheit und Ungerechtigkeit.
- -Neue Untersetzer führen zu mehr Instabilität und die Untersetzer müssen behutsamer angebracht werden, da sonst die schon bestehende Instabilität (die natürliche Schieflage wurde ja nur verstärkt) das Wasserglas sofort herunterfallen lässt.
- -Untersetzer werden somit asymptotisch immer kleiner, um etwas zu tun (das bestehende System hat die maximal ertragbare Ungerechtigkeit erreicht – das Wasserglas steht an der äußersten Kante und überragt diese schon).
- -Das System an Untersetzern, das der Gesellschaft untersteht wird immer komplizierter und schwerer zu durchschauen.
- -Die Gesellschaft gewinnt zunehmend an Instabilität, bis neue Institutionen undenkbar sind und die alten nur noch reformiert werden können.
- -Die Reformen betreffen dadurch immer gewohnte und sich eingefahrene Strukturen und verursachen damit einen immer größeren Aufschrei in der Bevölkerung.
- -Reformen erleiden dasselbe Schicksal und werden asymptotisch kleiner bis sie sich nur noch im Kreise drehen.
- -Das Gewöhnen der Neuankömmlinge an die Institutionen dauert immer länger und wird immer schwerer zu erklären. Diese Gewöhnung nennen wir Sozialisation – da man an die sozialen Institutionen, die die Gesellschaft stützen gewöhnt wird und ihr Normen und Werte übernimmt und internalisiert.
- -Da sich die Untersetzer alle gegenseitig stützen und miteinander eng verwoben sind, bringt jede neue Institution oder Reform das Risiko von Instabilität mit sich. Dies führt zu einer zunehmenden Handlungsunfähigkeit. Einem Ausgeliefert-Sein gegenüber den Geistern, die man rief.
- -Jeder Abbau einer Institution muss erklären, wie das komplette System (in all seiner Verworrenheit und Starrheit) funktionieren kann, wenn es ohne die oder jene Institution funktionieren soll. Die Erklärung wird dadurch erschwert, dass das Gegebene durch die Sozialisation als „Natürlich“ anerkannt wurde und man sich nichts anderes vorstellen kann/wagt.
- -Durch die gewonnene Höhe an zivilisatorischem Niveau (also die immense Höhe, die der Tisch gewonnen hat) ist man losgelöst vom Boden. Man weiß zwar, dass man Dinge nicht tun soll und Grenzen zu achten hat, aber man weiß nicht mehr „Warum“. Es fällt auch zunehmend schwer dieses Neuankömmlingen zu erklären und Sinnfragen werden mit einem Das-Ist-Halt-So oder einer beliebigen Begründung zum Schweigen gebracht.
- -Durch diese Entfremdung wird es immer schwerer Richtig und Falsch zu erkennen und es zieht ein großer Relativismus in die ganze Gesellschaft ein, in dem es keine Tatsachen mehr gibt, sondern nur noch Meinungen. Wissenschaft die sich einst aus der Religion entwickelte wird zu einer neuen Religion und die Untersetzer nehmen die Formen von Kirchen an.
- -Mit den Meinungen wird je nach Gesellschaftsform umgegangen. So kann man darüber abstimmen, sie niederschreien, sie respektieren. Dieses hängt von der Superstructure (dem institutionellen Überbau) ab. Oder in unserem Beispiel von der Art der Untersetzer und ihrer Verkeilung.
- -Je weiter das Glas über den Rand hinausragt, desto gereizter und ungehaltener werden die Reaktionen auf Dissidenten (Andersdenkende).
Segregation beim Homeschooling?
Homeschooling bekommt immer wieder den Vorwurf zu hören, dass es sich von den anderen Menschen abkapselt.
Dass das Kind nur noch die Kontakte bekommt, die den Eltern genehm sind… aber warum? Ich halte dieses Argument für absurd und es läßt meiner Meinung nach auf ein komplettes Unverständnis von HS/US schließen.
Hier mein Punkt:
Ich beobachte oft, wie Schuleltern ganz genau darauf schauen, welchen Umgang ihre Kinder haben. Dieser Umgang soll nach „oben“ zeigen. Insbesondere keine HarzIV-Kinder, die den sozialen Abstieg als ansteckende Krankheit übertragen zu scheinen können.
Auf der anderen Seite ist es kein Problem, dass unsere Kinder sich mit allen möglichen Kreisen umgeben. Insbesondere suchen wir sehr stark niederschwellige Angebote auf (Kinder und Jugendfarm u.ä.) – dort kommen primär niedere Einkommen hin (während die anderen sich mit Chinesisch und Geige plagen um „Vorsprung“ zu erreichen).
Der Punkt ist, als Unschooler braucht man dieses ganze Konkurrenzdenken nicht mehr (das ist schulisch) und kann den Kindern einfach die Welt zeigen, so dass sie das Beste aus sich machen können, was in ihnen steckt. Im Gegensatz zum Schulsetting, in dem sie nicht das Beste aus sich machen sollen, sondern besser als 2/3 der Klasse sein müssen um weiterhin bei der Selektion die Nase vorne zu haben.
Damit das in der Schule in Zukunft auch nicht mehr der Fall sein muss, könnte man Ideen von Unschooling übernehmen: Tests außerhalb der Schule und nach freier Wahl (keine direkte Konkurrenzsituation mehr) und Universitätszugang (zumindest die Prüfungen) für Alle (keine Selektion – ob früh, ob spät).
Selektion an sich – egal ob sie mit 10 oder mit 12 Jahren passiert (wobei sie meistens schon im Kindergarten geschieht) ist immer menschenverachtend. Da hilft auch „ein längeres gemeinsames Lernen“ „unter einem Dach“ nichts.
Wenn also hier einer zur Zeit segregiert, dann genau die Schulen (und das weiß auch jeder).
Kranichaktion und Neubronner-Brief
Da ich zur Zeit, zu viel zu wenig komme (aber eine Menge mache), hier ein wichtiger Hinweis:
http://bildunginfreiheit.blogger.de/
Besonders die Kranichaktion unterstützen!
Doktrin der Schulpflicht
da jeder Staat die Schule zur Indoktrinierung benützt – und manche Doktrin ja gewollt ist (z.B. Pazifismus, Gleichstellung von Mann und Frau), habe ich mal eine Doktrin gesucht, die der Staat in den Schulen voranbringt und die eben nicht gewollt ist.
Also hier mein Punkt:
Die Schulpflicht an sich beinhaltet eine bestimmte Doktrin; nämlich, dass der Zweck (Kinder der Schule zuzuführen) alle Mittel heiligt (Bruch von Grundrechten/Menschenrechten).
Diese Doktrin ist bekannt als Macchiavellismus.
Man sieht insbesondere an der Menge und Überzeugung der Schulpflichtverteidiger (kurz Schupflis) in Deutschland, dass es hier eine komplette Indoktrination ist, die praktisch jeden Bürger erreicht. Die Idee, dass Lernen ohne Schule geht, oder dass man Kinder nicht in die Schule zwingen darf, wird oft von den ansonsten freiesten Denkern verteidigt. Diese sind oft sogar bereit auf niedere Argumentationen zurückzufallen (z.B. die USA haben kein Recht über uns zu urteilen, da sie selber auch Menschenrechte verletzen; Herr Munoz kommt eben aus einem Entwicklungsland und versteht deswegen die deutsche Kultur nicht).
Die meisten Menschen in Deutschland wurden auch noch nie (z.B. über Lehrpläne) auf die Alternativen zur Schulpflicht aufmerksam gemacht und diese wurden auch ganz bestimmt nicht neutral diskutiert.
Übertritt man jedoch die Grenzen Deutschlands nach Westen, Norden oder Süden so löst die Vorstellung, dass der Staat besser für die Kinder sorge, als die eigenen Eltern Empörung und Unverständnis aus.
Besonders eklatant bemerkt man hier die Unterschiede an der Grenze zu Österreich, Frankreich oder zu Belgien (soweit ich nicht irre).
Somit beruht das auf einer nationalen Doktrin, die den hier beschulten indoktriniert wird.
Beispiel für Macchiavellismus: So gab es zu Zeiten Macchiavellis einen Fürsten der gerade eine Stadt erobert hatte. Die Anwohner wehrten sich gegen den neuen Herrscher und es gab permanente Unruhen und Bürgerkrieg. Der Fürst setzte nun einen grausamen Stadthalter ein, der mit äußerster Brutalität durchgriff und auch diese Anweisung vom Fürsten hatte. Die Anwohner wurden schnell fügsam. Im nächsten Schritt kam der Fürst und stellte den grausamen Stadthalter vor einen Gerichtshof und lies ihn verurteilen und töten. Dann setzte er einen milden Stadthalter ein
Schulpflicht und Rechtsstaatlichkeit
Die Schulpflicht verstößt gegen die Rechtsstaatlichkeit. Die Rechtsstaatlichkeit liegt aber unserer Gesellschaftsordnung zugrunde. Mehr noch als die Absegnung der aktuellen Regierung durch Urnengänge.
Durch die Überordnung der Schulpflicht über diese lernen Menschen von Anfang an, dass die Rechtsstaatlichkeit gebrochen werden darf. Dass sich also das grundlegendste Prinzip unserer Gesellschaft der Schulpflicht unterordnen muss. Und somit auch alles andere, was diesem Prinzip untergeordnet ist.
Zuerst mal Wikipedia Rechtsstaatlichkeit und meine Anmerkungen in eckigen Klammern:
Das moderne Verständnis vom Rechtsstaat ist ein Komplex teils separater teils zusammenwirkender Prinzipien und Mechanismen: Rechtssicherheit und Frieden durch
* Ordnungs- und Sicherheitsgarantie des Staates, Gewaltmonopol
* Gewaltenteilung - Verschränkung,
gegenseitige Kontrolle (eng. checks and balances) der Staatsorgane sowie personelle und
Institutionelle Machtbegrenzung [Schulverweigerung zählt
mittlerweile sofort als Kindeswohlgefährdung, elterliches Versagen
wird nicht mehr überprüft (§1666 BGB) - das Jugendamt hat
ultimative Kontrolle und Entscheidungshoheit, ebenfalls mit
Polizeiunterstützung - ohne vorherige richterliche Anhörung]
* Gesetzmäßigkeit von Exekutive und Judikative, Bindung des
Gesetzgebers an Verfassungsprinzipien (Vorrang des Gesetzes
und Vorbehalt des Gesetzes)
* Beschränkung des Gesetzgebers, Beschränkung auch der Demokratie
durch beständige Grundprinzipien und -rechte [siehe Landesgesetze
aller Bundesländer zum Schulzwang (heißt wirklich so), diese
schränken viele Grundrechte ein, Liste folgt unten]
* Transparenz und Begründungspflicht staatlichen
Handelns, Transparenz der Willensbildung staatlicher
Organe, Informationsfreiheit [Schulpflicht kann nicht mehr
begründet werden, Studien z.B. Thomas Spiegler "Homeschooling in
Deutschland", aber auch Dieter Lenzen u.a. stellen Homeschooling
ein positives Zeugnis aus, die vom Staat gegebenen Begründungen
halten nur für die Leute, die die Schulpflicht nicht hinterfragen
wollen (aber wollen, muss man schon wollen)]
* Überprüfung staatlicher Entscheidungen und staatlichen Handelns
durch unabhängige Organe, Anfechtungs- und Appellationsrecht
[Schulpflicht ist in den blinden Punkt gerückt, somit gibt es
keine unabhängigen Organe mehr, die Menschen, die in den obersten
Gerichten sitzen, sind die, die von der Schule für eine Karriere
selektiert wurden und die ganz besonders an der Rechtmäßigkeit
dieser Selektion festhalten]
* Normenhierarchie, Bestimmtheitsgebot, klares und
widerspruchsfreies Recht, Einheit des Rechtssystems [Hier steht §6
BGB klar vor §7; jedoch schreibt §7 auch keine Schulpflicht vor -
diese wird erst in den Landesgesetzen zur Erziehung festgelegt
z.B. §118 §120 BayEUG, Schulzwang/Einschränkung von Grundrechten]
* Verlässlichkeit und Vertrauensschutz in staatliches Handeln,
grundsätzliches Rückwirkungsverbot für
staatliche Entscheidungen sowie Übergangs- und
Anpassungsregelungen bei Veränderung traditioneller Zustände
* Verhältnismäßigkeit (eine Abwägung der Geeignetheit,
Erforderlichkeit und Angemessenheit) [Der Zwang entweder ins
Ausland fliehen zu müssen und seine komplette Existenz aufgeben zu
müssen, sowie Erzwingungshaft und Existenzbedrohenden Bußgeldern
stehen in keinem Verhältnis zur Handlung sich um die Bildung der
Kinder zu kümmern und sogar dem Staat darüber Rechenschaft ablegen
zu wollen, oder staatliche Kontrollen zulassen zu wollen]
Es gibt hier auch ein Rechtsgutachten von Professor Reimer – Allgemeine nicht absolute Schulpflicht.
Landesschulgesetze:
Beispiel 1: brandenburgisches Schulgesetz
§ 145 Einschränkung von Grundrechten
Das Grundrecht der Freiheit der Person gemäß Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 des
Grundgesetzes sowie Artikel 9 der Verfassung des Landes Brandenburg wird
nach Maßgabe der Bestimmungen über das Schulverhältnis und über die
Schulpflicht eingeschränkt. Das Grundrecht der körperlichen
Unversehrtheit gemäß Artikel 2 Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes sowie
Artikel 8 der Verfassung des Landes Brandenburg wird nach Maßgabe der
Bestimmung über Untersuchungen eingeschränkt. Das Grundrecht auf
Datenschutz gemäß Artikel 11 Abs. 1 der Verfassung des Landes
Brandenburg wird nach Maßgabe der Bestimmungen über die Verarbeitung von
personenbezogenen Daten und über wissenschaftliche Untersuchungen
eingeschränkt.
Beispiel 2: Schulgesetz NRW
§ 125Einschränkung von Grundrechten
Durch dieses Gesetz werden eingeschränkt:
1. das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit gemäß Artikel 2 Abs. 2
Satz 1 des Grundgesetzes nach Maßgabe des § 54 (Schulgesundheit),
2. das Grundrecht der Freiheit der Person gemäß Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 des
Grundgesetzes nach Maßgabe der §§ 34 bis 41 (Schulpflicht) sowie des §
42 Abs. 1 (Allgemeine Rechte und Pflichten aus dem Schulverhältnis),
3. das Grundrecht der Pflege und Erziehung der Kinder gemäß Artikel 6 Abs.
2 Satz 1 des Grundgesetzes nach Maßgabe des § 36 Abs. 2 und 3
(Vorschulische Beratung und Förderung, Feststellung des Sprachstandes),
4. das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung gemäß Artikel 13 Abs. 1
des Grundgesetzes nach Maßgabe des § 41 Abs. 4 (Verantwortlichkeit für
die Einhaltung der Schulpflicht).
Beispiel 3:
Hessen – § 183 Einschränkung von Grundrechten
Bayern – Art. 120 Einschränkung von Grundrechten
Chopper liest so krass wie Feuer
Heute hat Chopper angefangen ganze Absätze vor zu lesen und am Ende jedes Absatzes hat er sich total gefreut.
Zusätzlich hat er sie immer mit sehr seltsamen Beobachtungen kommentiert: „Ich lese so krass wie Feuer“ oder „Da wirst Du echt wütend“ (???) oder „Da wird Dir richtig übel“ (da konnte ich mir nicht verkneifen zu sagen, dass ich 3 Tage lang kotzen werde
– er meinte dann: Nicht wirklich (was es wohl traf)).
Irgendwann blätterte er vor und sagte: Wenn ich bis dahin lesen kann, dann wird das echt krass sein. (und freute sich)
Er war richtig froh. Ganz am Anfang, im ersten Absatz den er an sich riss, wollte ich die 2.te Zeile lesen, doch er empörte sich sofort, verbot mir zu lesen und fing noch mal von vorne an.
Ich denke, jetzt dauert es noch zwei oder 3 Wochen und er erreicht das Stadium mit dem ich ein routinierter Leser geworden bin: Mit Comics! (von da an dauert es noch 4-6 Jahre bis zu Adorno, aber das hat noch Zeit
)
Zusätzlich hat er heute angefangen einen Salto zu üben. Nachdem Nami das Stockbett erfolgreich umgebaut hatte und nun immer vom ersten Stock, die Matratze runter in das Erdgeschoss rutschte, fingen beide an Purzelbäume hinunter zu machen. Und ich musste dann ein Video von einem Salto auf Youtube raussuchen. Und zusammen entwickelten wir dann verschiedene Stufen, wie man sich von einem Purzelbaum einem Salto nähert. Morgen ist ja sowieso Zirkus-Training, da kann er dann in die Akrobatik-Gruppe (wenn er mag).
Morgen ist auch Sanjis erster Geburtstag; Chopper hat heute schon den ganzen Tag Karten gemalt, gebastelt und beschriftet. Ich bin wirklich gespannt.
Es ist unglaublich wie Kinder sich übers Lesen lernen freuen und wie es sich in ihr Lebenskontinuum einfügt, wenn man es einfach nur begleitet und nicht forciert (über’s forcieren bin ich mittlerweile gottseidank ziemlich hinweg). Aber so ein bisschen rumlehrern kann man sich wohl beim ersten Kind nicht verkneifen; besonders wenn das Konzept Unschooling und Vertrauen in die natürliche Entwicklung der eigenen Kultur so fremd und unglaubwürdig erscheint.
Fast schon am Hauptbahnhof
Ich persönlich habe es am Samstag (da war wieder eine Zirkusvorstellung von Chopper) geschafft, nicht nur in die Bibliothek am Gasteig zu fahren, sondern auch noch bis zum Sendlinger Tor (da war die Zirkusvorstellung). Tram sei Dank – und dem Buddhismus und Goodman.
Dann war dort eine Demo gegen die Nato und ich habe sogar ein Stück mitdemonstriert. Dort waren auch ein paar hundert Polizisten mit Waffen und allem, was man so braucht. Das ganze hat mich emotional stark aufgewühlt und ich hatte ein starkes Ziehen im linken Arm.
Ist die PiratenPartei von Schupflis unterwandert?
So nach 5-6 Monaten (gefühlte 5 Jahre) bei der Piratenpartei ist es Zeit ein Resümee zu ziehen.
Die Piratenpartei, die damit wirbt, dass „Freiheit statt Angst“ herrschen sollte und Überwachung schlecht ist, da es keine Terroristen im Land gäbe – oder zumindest erst einmal die Unschuldsvermutung anzunehmen ist, zeigt sich sobald die Schulpflicht aufs Tablet kommt von einer ganz anderen Seite:
- Überall sind fundamentale Christen – oder schlimmer!
- Überall werden Al-Kaida-Camp/Schule gegründet werden!
- Eltern werden sofort anfangen ihre Kinder erbarmungslos abzuschotten, isolieren, indoktrinieren, malträtieren und auf die Felder (oder zu H&M) zum arbeiten schicken!
- Schulpflicht ist größte Errungenschaft seit der Entdeckung der Kartoffel!
- Individualzombies werden entstehen, statt für’s BIP notwendige Fabrik- und Wissensarbeiter!
- Wolkenkuckusheim!
Selbst wenn wissenschaftliche Studien angebracht werden, die blankweg das Gegenteil fundieren werden auf einmal alle wissenschaftlichen Grundsätze fallen gelassen.
Selbst wenn Artikel im Grundgesetz angebracht werden und deren Aufhebung durch Schulgesetze (wie z.B. BayEUG) schwarz auf weiß zitiert werden, kommt der Einwand, dass auch verurteilte Verbrecher nicht den ganzen Schutz des GGs genießen. Ja, kurzum Eltern sind nicht nur schlimmer als Verbrecher, sie sind auch schlimmer als Terroristen. Und das faule Kinderpack, das sowieso nichts lernen will sondern lieber Wii spielt, sowieso.
Selbst Beweise und das Sehen mit den eigenen Augen können die meisten Piraten nicht überzeugen. Es ist wie im Mittelalter, als man den ganzen Tag den horizontalen Horizont vor Augen hatte und ihn auf Bildern doch stets vertikal malte.
Überall scheinen dort Schupflis zu sein, das Ansprechen der Asyl-Genehmigung der Romeikes brachte nicht sofort die Bollwerke der Bürgerrechtspartei zum donnern, sondern veranlasste Diskussionen über Guantamo und die Todesstrafe. Fazit: Die USA brauchen nicht reden – die haben Guantanamo – wir haben die Schulpflicht.
Das ganze gipfelt in einer Liebeserklärung an die Schulpflicht:
Die NRW-Piraten sprechen sich für eine Beibehaltung der bestehenden allgemeinen Schulpflicht aus. Die Teilnahme am Schulunterricht sichert, dass Kinder und Jugendliche die Grundlagen einer gleichberechtigten, demokratischen, pluralistischen Gesellschaft kennenlernen, und in Form von Mitschülern, Lehrern und sonstigen Betreuern Ansprechpartner für Fragestellungen und Probleme finden, die von den Lebensentwürfe der Eltern oder dem sozialen Umfeld abgelehnt oder tabuisiert würden. Im Rahmen des Schulbesuchs ist den Kindern und Jugendlichen transparent zu machen, wie sie ihren eigenen Bildungsweg gegebenenfalls auch unabhängig von den Elternwünschen gestalten können.
Wer so staatsgläubig ist, dem kann man nicht mehr helfen. Die Zensur im Internet wird bekämpft, aber es wird vergessen, dass die staatliche Indoktrination schon die nächste Generation an Internet-Misstrauern erzeugt:
Ansonsten holten sich die Schulen aber auch immer häufiger Gastreferenten (z.B. Internetfahnder) in die Schule, damit diese vor Schülern die Gefahren des Internets demonstrieren.”
Bald wird das Internet in den Köpfen der dann Erwachsenen eine genauso große Gefahr darstellen, wie die freie Bildung es heute tut. Man wird sich ein unzensiertes Internet gar nicht mehr vorstellen können. Falls dann eine neue Partei entsteht, wird diese analog zur heutigen Piratenpartei zwar Freiheit für irgendeinen Nebenschauplatz fordern (z.B. Avatare in Chatrooms), aber caesaro-papistisch die Internet-Zensur gar nicht mehr in Frage stellen. Auch sie wird dann zu den größten Errungenschaften der Menschheit gehören, ohne die sich niemand frei ins Internet wagen kann. Sie werden statt freieren Menschen einfach mehr Konformin für alle beanspruchen. Und wenn das nicht hilft, noch mehr Konformin – denn auf keinen Fall dürfen die Kinder reicher Eltern einen Konformin-Vorsprung gegenüber der Arbeiterklasse haben.
Und das ist das Problem der ganzen Reformer, sie vergessen das zugrunde liegende Problem anzugreifen. Die ultimative Zensur – die Indoktrination von Kindesalter an. Die Ausbildung an das aktuelle Staatsdogma zu glauben, das egal ob China, Russland oder Deutschland uniform in den Schulen verbreitet wird und denen die Lehrer sogar hilflos ausgeliefert sind, solange sie sich an zentral vorgeschriebene Lehrpläne halten müssen. Denn dort steht – und die leistungsbewusste Mittelschicht wird das einklagen – drinnen, was richtig und was falsch ist und welches Wissen zu einer erfolgreichen Partizipation an der Gesellschaft berechtigt. Alle anderen, die es besser wissen (oder auch nur fühlen) werden aussortiert und kommen auf den Müllhaufen der Non-Konformisten.
Und so -dem Traum Johann Gottlieb Fichtes nach- braucht der Staat innerhalb einer Generation weder Polizei noch Militär, denn er hat Bürger, die ihre Fesseln verteidigen und selbst die größte kognitive Dissonanz überwinden nur um Sklaven bleiben zu dürfen.
Das Internet erschüttert diesen Traum Herrn Fichtes so gewaltig, wie es vorher nur der Buchdruck tat (der in Deutschland auch erst mal verboten wurde). Die Buchgesellschaft konnte man mit den Mitteln der Schule und der ununterbrochenen Beschallung durch zertifizierte Lehrkräfte mit zertifiziertem Stoff niederringen. Deswegen ist es wichtig in die Offensive zu gehen, die Schulpflicht und die Lehrpläne direkt anzugreifen, anstatt nur ein Rückzugsgefecht um Internetzensur zu führen.
In der Piratenpartei sind unglaublich viele Schupflis, vielleicht aufgrund des hohen „Ich habe gerade mein Abitur geschafft“-Anteils mehr als in der Restbevölkerung. Doch gibt es auch einige wenige, die sich gegen die Schulpflicht stellen (für die möchte ich meinen größten Respekt aussprechen, es ist nicht leicht über das deutsche Dogma hinaus zu denken – wer das schafft beweist nicht nur akademische Intelligenz sondern auch emotionale Stärke).
Edit: Ich bin mittlerweile gar nicht mehr so überzeugt davon, dass man die Schulpflicht in Deutschland auflösen sollte. Immer wenn in den USA ein Angriff auf Homeschooling vom Staat aus erfolgt, wird das mit dem Verweis auf die deutsche Schulpflicht niedergeschmettert. Vielleicht braucht die Welt das Bild des „faschistischen Deutschlands“ als Gegenpol um daran zu sehen, wie ein vertikaler Horizont gegenüber einem horizontalen Horizont aussieht. Vielleicht sind wir ein Mahnmal an den Rest der Welt, keine Schulpflicht zu haben. Vielleicht sind die Leiden der deutschen Familien und die Flüchtlingsbewegung und die Verweigerung Kinder zu bekommen eine große Aufforderung an den Rest der Welt nicht denselben Fehler zu machen und eine Schulpflicht zu begehen. Auf der anderen Seite sind die Verbrechen, die im Namen der heiligen Kuh Schulpflicht begangen werden nicht zu ignorieren, ohne sein Gewissen zu kompromittieren, also werde ich wohl auch weiterhin gegen eine Schulpflicht in D sein (oder zumindest gegen JA und Polizei außer Rand und Band)
Videos aus den USA, die Deutschland nützen um Ängste zu schüren (insbes. wegen der deutschen Vergangenheit):