Schöne Weihnachten

und ein gutes neues Jahr.

(Unser Umzug ist auch schon fast fertig – meine Gesundheit bekam einen kleinen(hoffentlich!) Rückschlag und ich bin schon wieder fleißig am Gehen)

Es gibt keine guten Schulen

Zu oft habe ich die Aussage gehört, dass es gute Schulen gäbe. Lange Zeit auch selbst geglaubt – so sehr sogar, dass wir eine gute Schule gründen wollten.

Heute glaube ich, dass es keine guten Schulen gibt. (Es könnte sie geben, aber die Reformen bis dorthin sind weit außer Sichtweite).

Es gibt Schulen, die mehr das soziale fördern und morgendliche Kreise haben und Mittagskreise und bald auch Abend- und Nachtkreise. Aber sie haben keine Nachbarschaft und sie sind eine künstliche Gemeinde.

Es gibt Schulen, die mehr auf die Interessen des Schülers eingehen und den Stoff an ihm ausrichten. Aber sie sind alle an Lehrpläne gebunden, die sie durchsetzen müssen und das Eingehen auf die Interessen des Schülers ist nur ein pädagogischer Trick um den Lehrplan noch subtiler rüberzubringen. Um die Fremdbeschäftigung und die Fremdsteuerung intrinsisch wirken zu lassen. Die Entfremdung ist hier noch gemeiner.

Es gibt Schulen, die richten ihre pädagogischen Konzepte auf positive Verstärkung aus und verbannen alle negative Verstärkung. Progressive Pädagogen fordern sogar schon, dass Noten abgeschafft werden oder wenigstens alle Noten bis auf die Bestnote. Doch es bleibt immer noch derselbe behavioristische Mechanismus. Wie man eine Ratte dazu bringt das Knöpfchen zu drücken und einen Menschen dazu eine bestimmte Lektion zu lernen.

Es gibt Schulen, die richten ihr Konzept auf Bewegung und Natur aus, nur um im nächsten Schritt ausgepowerte Schüler wie eine Schafsherde gefügig unter dem Nürnberger Trichter zu befüllen.

Es gibt Schulen, die altersübergreifend, gehirngerecht und weiß nicht was noch lehren. Aber alles sind nur pädagogisches Feintuning um den Lehrplan – den Unbekannte zusammenstellen – noch leichter in den Gehirnen zu verankern. Teilweise trivialisieren sie den Stoff und machen eine Unterhaltungsshow aus der ganzen Welt und ihren Lektionen. Sie richten noch mehr auf die Welt der Seichtigkeiten ab, als es die alten Schulen, die den Widerstand des Schülers provozierten je taten.

Es gibt also Schulen, die besser passen.

Man kann aber ganz leicht feststellen, dass es alles keine guten Schulen sind. Die Schüler sagen, sie wollen aufs Gymnasium, sie wollen auf die Realschule oder an die Uni. Die Schüler geben also über ihre hierarchische Stelle in der Pyramide Auskunft. Dort „wo“ sie mal hinwollen – oder „was“ sie mal werden wollen.

Lernen und Bildung ist aber kein soziales Transportunternehmen. Lernen wirft Fragen auf und Bildung zeigt ihre Komplexität. Wenn man ein Kind an einer guten Schule also fragen würde, was es will, dann müsste es antworten, dass es die Welt verstehen will – oder dass es Menschen helfen will, oder dass es den Tod oder das Leiden oder irgendetwas anderes verstehen will. Vielleicht auch das Gehirn oder den Körper.

Doch die Kinder antworten nicht mehr so. Sie haben ihre wichtigste Frage vergessen, sie fragen nicht mehr „Warum?“ Sie sind ausgerichtet wie die Nadeln in einem Magnetfeld – alle nach Norden, nach oben, hoch auf die Pyramide.

Bildung und Lernen wurden in den letzten 200 Jahren ausradiert – und an ihre Stelle wurde groß mit roter Tinte geschrieben: Schule und als das nicht mehr wirkte: Schulreform.

Und so ist die Schulreform das beste Politikerfußball geworden, dass es je gab. Die Versprechungen interessieren die Wirtschaft, die Eltern, die Rentner und natürlich auch die Betroffenen. Wobei die Betroffenen am ehesten wissen: Ändern wird sich nichts – denn keiner weiß mehr die richtigen Fragen.

Und so werfen sich alle Ideologien vor, obwohl es doch Ideologien sind, die sie wieder brauchen. Denn die alte Ideologie ist zwar allmächtig und im blinden Punkt, wird gar nicht mehr als Ideologie erkannt – sondern als Realität – aber sie funktioniert nicht mehr. Es folgen in immer kürzeren Abständen immer heftigere Krisen und keiner weiß was zu tun ist.

Choppers Lesespiele

In letzter Zeit habe ich ein paar Dinge gemacht um Chopper, der gerade wieder zu lesen anfängt, ein bisschen zu unterstützen.

Als erstes habe ich mit ihm Lese-Bingo gespielt. Dabei nimmt man ein Feld von Karten mit Wörtern drauf und ordnet es, wie beim Bingo an. Dann sagt man die Wörter und er muss die Karten dazu finden und umdrehen. Ist eine Reihe umgedreht, dann hat er es geschafft – das hat ihm sehr gefallen.

Als nächstes lesen wir jetzt Bücher „gemeinsam“. Das bedeutet ich lese immer so vor und wenn ich auf ein Wort zeige, dann liest er es vor. Am Anfang zeigte ich immer auf das Wort „eine“, „ein“, „einer“, dann kam „kein, keiner, keine“ dazu. Dann kamen die „ist“s dazu und die „nicht“s. Und immer mehr Wörter, dann Hauptwörter usw. Auf der anderen Seite nahmen wir erst Kinderbücher mit großer Fibelschrift und dann immer mehr Bücher mit kleinerer Schrift… bis wir endlich bei den lustigen Taschenbüchern angekommen waren.

Und so kam es, dass wir vorgestern „Kreuz und Quer durch Deutschland“ und gestern „Spiel des Wissens“ gespielt haben (wir hatten noch „Das große Wissensquiz“ aber die Fragen waren so veraltet, dass wir es auf EBay eingestellt haben).

Chopper war so begeistert davon von Planet zu Planet zu reisen und kleine Zwischenstopps auf Kometen zu machen, dass er es sogar auf sich nahm die Fragen vorzulesen – und siehe da, es klappt; wir verstehen die Fragen schon, wenn er sie vorliest (mit ein bisschen nachdenken…).

Zum Ausgleich schaut er sich zur Zeit eine Menge „Donald Duck“ an. Wir müssen dann der Oma immer erklären, dass das schon OK ist und dass er das nach seinen persönlichen Bedürfnissen steuert. Aber sie denkt so sehr in Schulmustern, dass es schwer ist, da irgendwie durchzukommen.

Keine Sorge, ich kann das schon selbst….

Manchmal wenn Nami mit dem Baby Sanji spielt, dann wird es zu rau für Sanji und er fängt an zu weinen. Oder er bönkt mit seinem Kopf wogegen und fängt an zu weinen… wie auch immer.

Gestern war einer dieser Momente und ich ging reflexartig los und wollte sehen, ob ich helfen kann. Doch gerade als ich an der Türschwelle eine Nami sah, die sich ganz lieb um Sanji kümmerte, blickte sie zu mir auf und sagte: „Nein, nein, keine Sorge, ich kann das schon selbst… (no no, don’t worry, I can do it myself)“ und dann wandte sie sich wieder Sanji zu.

Ich drehte um und ging wieder weg und nach ein paar Sekunden spielten die beiden wieder miteinander.

Später am Tag war wieder ein Moment, in dem ich helfen wollte, und Nami sagte wieder: „no, no, don’t worry I can do it myself“ – das Schöne daran ist der beruhigende Ton. So als wäre sie eine buddhistische Kindergärtnerin :)

Es ist schon erstaunlich wie Kinder wachsen können, wenn wir ihnen unsere Vorstellungen nicht in den Weg stellen (als Ziele, natürlich).

Super Rock- & Porn-Star Zillionaire

Dieser Artikel lag mir schon länger auf der Brust – angeregt durch verschiedene Eltern die klagten, dass ihr Kind wieder in die Schule will (eine auch hier auf dem Blog) und ein paar Beobachtungen zum Kindergarten wage ich es nun doch.

Von Geburt an unseres Lebens sind wir einer massiven Werbeindustrie ausgesetzt. Und ich meine jetzt nicht die Werbeindustrie, die ihre Spots im Fernsehen oder der Zeitung netterweise mit Werbung tituliert. Ich meine die subtile, gesellschaftliche und ideologische Werbung auf die man überall trifft und deren Macht überwältigend ist. Deren kollektive Allmacht nur individuelle Ohnmacht erzeugt.

Hat man Kinder mit 2 Jahren, so hört man von allen Seiten: „Na, habt ihr schon einen Kindergarten ausgesucht?“ – „Jetzt ist es bald so weit, der Kindergarten“ und an die Kinder gerichtet: „Freust Du Dich schon, bald darfst Du mit anderen Kindern spielen“. Und von gesellschaftlicher Seite: „Bald geht es wieder zurück ins echte Leben, ist doch besser als dauernd nur zu Hause rumzusitzen und die Kinder zu bespielen„.

Auch gibt es kaum ein Kinderbuch, das nicht Werbung für den Kindergarten macht und darauf konditioniert bald in einer bunten Kinderwelt zu leben, den ganzen Tag im Schlaraffenland mit anderen Kindern zu spielen und am Ende des Kaninchenlochs die wundersamsten Dinge zu erleben.

Doch nicht nur das, die gesamten Produktpaletten für Kinder sind auf die „nächste Stufe“ ausgelegt. Alles wird toll und klicki-bunti – eine Traumwelt außerhalb der virtuellen Grenzen.

In dem Alter haben Kinder noch ein gutes Gefühl für das Natürliche und das sind nun mal die Eltern. So gibt es das Berliner Modell – das ist ein Plan, wie man Kindern die leiblichen Eltern abtrainiert und ihnen Bezahl-Eltern antrainiert. Angeborene Liebe wird durch konditioniertes Vertrauen ersetzt. Das ist der erste Schritt in die allumfassende Ideologie.

Doch schon bald kommt der nächste Schritt. Dieser wird mit noch mehr Literatur, Werbung, Propaganda und noch mehr Ritualen versehen. Von „Hurra, ich bin ein Schulkind“ über die Playmobil-Schulanfangs-Box bis hin zur kleinen Hexen-, Vampir-, Drachen- und Piratenschule. Egal welcher Figur ein 5-jähriger in unserer Gesellschaft begegnet und sei es Janoschs kleiner Tiger: Die Werbung für die Schule ist allmächtig und kommt in dem Schafskostüm der Bildung als Buch ins Haus. Für die Unterpriviligierten betreiben die Tageszeitungen und Wohlfahrtsverbände eine Propaganda, die noch keine andere Institution oder Ideologie so ideologie- und schichtübergreifend genießen durfte.

Das selbe gilt für Schulränzen, die von Kosmonauten über wilde Kerle bis zum Tiefseeforscher alles bieten und zeitlich vom Dinosaurier bis zum Raumschiff gehen. Modisch und topaktuell für die, die ihre Bildung über Symbole gewinnen wollen oder abgegriffen und unzeitgemäß, für die aufgeklärten Antikonsumisten und intellektuellen Humboldtianer. Das gleiche Spektrum lässt sich bei einer der drastischsten Bestechungsmaßnahme, die irgendeine Zivilisation jemals gesehen hat, sehen. Die Inhalte der Schultüte gehen von „schlechten“ Süßigkeiten bis zu „gesunden“ Obst und Karrotten. Doch eines liegt all diesen Ritualen zu Grunde: Das kritische Hinterfragen der Institution Schule wird von einer Rhapsodie an Ritualen, Bestechungsmaßnahmen und Propaganda übertönt. Es ist die große Initiation in die Ideologie der Fremdbeschäftigung und des Aufsteigens.

Ebenso wird das Stillsitzen schichtenübergreifend trainiert: die einen vorm Fernseher, die anderen beim Vorlesen oder Gesellschaftsspielen.

Dann kommt „der große Tag“ – Millionen von Kindern weltweit werden gleichzeitig an diesen Tagen auf ihre kleinen Inseln gebracht, wo sie eine Parallelgesellschaft mit eigener Legislative, Justiz und Exekutive . Denn was sie lernen ist nicht mehr mit rechtsstaatlichen Mitteln zu verteidigen, sie bekommen alle, die eine große einheitliche Doktrin: „Leistung, Verdienst und das schaffst es bis ganz hoch auf die Pyramide“ – die säkularisierte Variante des Koran-Versprechens – oder des alten Testaments. Die Einschulung ist das eine globale Sozialisations-Großereignis, das jede Weltmeisterschaft und die olympischen Spiele übertrifft. Auf Postern sehen uns afrikanische Kinder an, die sich nichts sehnlicher wünschen, als auch in die Schule gehen zu dürfen – einen Ort, den sie nicht kennen und mit dem sie alle Hoffnungen auf ein Paradies verbinden.

Die Kinder werden in einer Welt, die extra für sie geschaffen wurde, groß. Ein künstlicher Uterus, der nichts mit der Realität zu tun hat, aber stetig darauf vorbereiten soll. Und in der wir darauf trainiert werden, später auch einmal in so großen Gebäuden eine Rolle zu spielen, oder sie gar für uns zu haben. Für die Leister ist sie das Paradies des goldenen Käfigs, das später einmal die Industrie/Leistungsgesellschaft für sie sein wird. Für viele andere ist sie nur ein Käfig und eine tägliche Versklavung. Doch für alle ist sie in einem Punkt gleich: Das Training für die ganz große Karotte. Das große Geld, die Freunde, die sexuelle Erfüllung, die dort für alle versprochen wird und wie bei den meisten Religionen, nie gehalten wird.

Die Schule verspricht uns das, was die Gesellschaft uns verspricht. Arbeite schön, sei kreativ, sei teamorientiert, sei alles was wir brauchen … und verdiene dir damit die goldene Karotte.

Die Gesellschaft hat einen so überwältigenden Initiations-Ritus geschaffen, dass er die Struktur formt in der wir denken. Und da alle Institutionen besetzt sind von Menschen die erfolgreich waren in diesem Inititiations-Ritus erreichen uns über die Medien keine Informationen mehr von „außen“. Denn das „Außen“ wird jeden Tag weiter ausgelöscht. Der Schulexport in die Entwicklungsländer lässt nichts zurück, von dem das einmal vorher war. Das außerhalb der westlichen Kultur entstanden ist, in der die Schule ein radikales Monopol von 100% erreicht hat. Es gibt kein Außen mehr, und somit keine Informationen mehr von Außen – die Pressefreiheit und die Redefreiheit ist stärker beschnitten als es die Schere im Kopf je könnte. Jedes Hinterfragen ist in einen blinden Punkt gerückt, den wir – obwohl vor unserer Nase – nicht mehr hinterfragen können.

Und so bekommt die ganze Welt die eine große Nachricht: „Auch Du kannst es schaffen und alles erreichen. Die ganz große Auswahl an Konsumgütern, sei es Geschmeide oder Geschlechtspartner, Ansehen aus Deiner Umgebung – alles kannst Du in unserer großen Zivilisation erreichen, unserem unendlichen Wachstums-Paradies – zu Lebzeiten“

Die Schule ist der erste und mächtigste mythenbildende Ritus unserer Gesellschaft – er formt die Struktur unseres Denkens. Er ist die Ideologie, die wir nicht mehr erkennen – zu früh, zu dogmatisch und mit der geballten Ladung von allem, was wir für Gut, Menschenwürdig und Wichtig halten kauft sie uns in einem Alter, in dem wir noch nicht einmal wissen, dass wir einen Preis haben. Und wir verlieren Schritt für Schritt die wertvollsten Dinge, die wir besitzen können: Unsere Familie, unsere natürliche Gemeinschaft und unser Selbst.

Wie Chuck Palahniuk in seinem Buch Fight Club ausführt: Man macht uns glauben, dass wir Millionaires, Movie Gods and Rock Stars werden… But we won’t

Und ich will hinzufügen: Würden wir Millionaires, Movie Gods und Rock Stars werden, dann würden wir nur sehen wie leer und sinnlos das ganze Bühnenstück ist. Dass es nur eine Karotte ist und dass wir unser Leben eigentlich noch einmal neu anfangen müssten – dieses mal: ohne Motivierung auf fremde Ziele.

Doch als wir in die Schule kamen, da waren wir Kinder – wie hätten wir das alles wissen sollen, wenn es nicht einmal die Erwachsenen wußten?

Chopper leuchtet mir heim

Gestern Abend wollte ich ein bisschen lesen und meinte, dass ich meine Nachtischlampe noch in der alten Wohnung habe.

Darauf meinte Chopper: „Du kriegst meine“

Ich blieb dann aber und wir spielten zusammen noch Kreuz und Quer (Reise durch Deutschland).

Als ich nachts dann ins Bett gehen wollte, lag dort eingesteckt und fertig aufgestellt seine Nachtischlampe.

Mir kamen fast die Tränen und ich war ganz sauer auf mich, dass ich manchmal so hart zu den Kindern bin.

Ich habe das Gefühl, je mehr man gibt, desto mehr ist in ihnen – und da muss ich noch viel lernen für die Momente, in denen ich genervt bin oder mir der Geduldsfaden reißt.

Anmerkung: Schon gemerkt, wenn man „Reise durch Deutschland“ abgekürzt rückwärts liest, dann heißt das DDR…. ist aber auch schon ein älteres Spiel :)

Umgezogen…

… da Weihnachten immer so gemütlich und entspannt ist, haben wir beschlossen die besinnlichen Tage für einen beschaulichen Umzug zu nützen :)

Nun sind wir angekommen. Mit der Oma unter einem Dach sind wir jetzt eine richtige Großfamilie … ob das wohl klappt?

Aber München ist einfach sehr, sehr, sehr, sehr teuer – dafür sind die Wohnungen aber kleine Schuhkartons und baulich schlecht gemacht (Grund kostet ja schon, dann auch noch die Bauzeit, da muss gespart werden, wo man’s nicht auf Anhieb sieht).

Jetzt können wir das Geld sparen für unseren nächsten Umzug.. nach Frankreich.. in ein paar Monaten. Wir haben schon erste Kontakte geknüpft und es scheint, dass die Homeschooling-Bewegung wirklich etwas erreicht hat im letzten Jahr: Es scheint eine Art Massenemigration stattzufinden.

Und dort wird man von einer lebendigen Gemeinde mit offenen Armen empfangen. Die ganzen Antworten aus Frankreich waren ein tolles Gefühl von internationaler Verbundenheit, Respekt vor Kindern und dem Gefühl kein „komischer Home/Unschooler“ zu sein, sondern ein vollwertiger Mensch unter vollwertigen Menschen.

Übrigens Unschooling heißt auf Französisch: auto-gére :)

Aber jetzt gilt es erst einmal die letzten 3 Monate in Deutschland zu überstehen und die Angst so weit zurückzutreiben, dass ich es nach Frankreich schaffe.

(1/4 zum Hauptbahnhof ist schon „sichere Zone“)

Seltsame Begebenheiten beim Kampf gegen die Angst

Das Leben ist doch manchmal sehr seltsam. Vor einigen Wochen habe ich meinen Radius sehr ausgeweitet. Ich habe die Angst immer weiter zurückgedrängt. Erst ließ ich den Häuserkomplex, in dem wir leben zurück. Dann wagte ich mich aus der Straße hinaus. Dann vor zum „Zentrum“, dann zum Spielplatz.

Und jedesmal kam zu der irrationalen Angst noch ein echter Auslöser dazu.

Erst kamen in unserer Straße lauter große Hunde auf mich zu – irgendwie erwischte ich die Zeit, in der alle ihre Hunde gassi führten. Es war anscheinend nach dem Hauptfilm im Fernsehen (also 22.00 Uhr) – die Hunde waren alle ohne Leine und liefen mit Herrchen ausser Sichtweite mitten in der Nacht auf mich zu.

Als ich die Straße verließ und vor zum „Zentrum“ ging, da waren dort auf einmal eine Menge Polizisten in Grün. Und irgendwie habe ich in den letzten 2 Jahren Angst vor der Polizei bekommen.

Jedes mal, wenn ich meine Zone der Angstfreiheit ausweitete kam auch gleich irgendetwas und jagte meinem Herz einen riesen Schreck ein. So dass ich mich oft atemlos nach Hause „ziehen“ musste und an den Zäunen entlanghangelte.

Letztens war ich dann endlich mit Nami auf dem Spielplatz – und kaum kamen wir dort an, saß da ein leicht versoffen aussehender Mann, der Zeitung las, Kaffee trank und seine Weste dauernd zurecht zupfte. Irgendwie lief es mir gleich kalt das Herz herunter und als ich dann noch seine Pistole sah… also da war wirklich mal wieder leichte Panik angesagt.

Ich überredete Nami schnell doch noch zu einem Freund zu fahren, auf dem Spielplatz waren eh keine anderen Kinder – nur dieser Mann – und das war ein gutes Argument. Wir fuhren schnell außer Sichtweite und kaum um die Ecke ließ ich mein Herz ein bisschen ausflippen.

Wahrscheinlich war es nur ein Zivilpolizist aber dennoch ist es schon seltsam, wie alles lief, als ich meine ersten Gehversuche in die Angstfreiheit machen wollte.

Nachtrag: Da fällt mir ein, als mein Körper am Tiefpunkt war und sich die Angst festfraß fuhr jeden Tag ein Polizeiauto durch unsere Straße, wurde vor unserem Haus langsamer, hielt dann kurz und furh wieder weiter. Am dritten Tag entdeckte ich, dass die eine Kollegin nach Hause fuhren. Diese wohnt uns genau gegenüber. Was für ein Zufall….

Noch ein Nachtrag: Mittlerweile habe ich fast keine Angst mehr vor der Polizei. Warum auch? Ich bin im ethischen Recht und mein Körper würde mittlerweile schon wieder ein paar Knüppel aushalten. Außerdem sind wir bald weg ;P

Weihnachten und Entwicklungshilfe

Jedes Jahr zu Weihnachten blühen sie wieder: die Spendenaufrufe. Sie kommen von überall und was man nicht alles für 5 € bewirken kann.

Hier reicht es nicht mal mehr für eine Tageskarte in die Innenstadt – dort reicht es für einen Brunnen oder ein Jahr Schule für ein Kind.

Sieht man sich diese Projekte näher an, so ergreift einen das Schauern.

Die Brunnen, die mitten in der Wüste gebaut werden und Wasser so leicht verfügbar machen, dass die Kinder jetzt sogar mit sauber gewaschenen Händen zur Feldarbeit gehen können, bohren unterirdische Wasserreservoirs an. Diese Reservoirs werden erst beim nächsten Regen wieder befüllt. Wenn das Reservoir erschöpft ist, muss tiefer gebohrt werden oder es gibt überhaupt kein Wasser mehr – auch der Dorfbrunnen funktioniert dann nicht mehr. Die unterirdischen Wasserreservoirs in allen Ländern (sogar den USA) entleeren sich rapide. Auch wenn die ganzen Wasserfonds schlauer Spekulanten (die das nämlich schon wissen) abgestürzt sind, so hilft jeder gespendete Cent für einen dieser Brunnen einer humanitären Superkatastrophe auf den Weg.

Die Schulen, die dort gebaut werden haben auch einen Nachteil. Kindern wird westliche Konsummentalität beigebracht und der große Traum vom Arbeitsplatz. Ein Haus aus Beton und Glas mit westlichen Sicherheitsnormen gebaut von der Industrie aus dem Westen.

Im gleichen Schritt aber werden die aktuellen Häuser dieser Menschen zu Scheunen entwertet und die Wohnungsnot nimmt Ausmaße an, wie man sie nur von europäischen Metropolen kennt.

Im gleichen Schritt werden die Kinder reif gemacht für eine Ausbildung, erlernen aber nicht die notwendigen Traditionen, wie sie sich in einem kargen Land selbst ernähren, wie sie sich mit Gesundheit selbst versorgen und wie sie Tiere pflegen und für ein Dach über den Kopf sorgen. Da sie all das nicht mehr können, sind sie auf den Zukauf von Nahrung, Medizin und Häusern angewiesen und somit ist die Konsumentenerziehung vollständig. Die Ausbildung muss vollendet werden und die Kinder dürfen nun – dank der Schule und Entwicklungshilfe – ein Leben lang anderen die Haare schneiden oder andere Billigjobs verrichten.

Andere Kinder schaffen den ganz großen Wurf. Sie werden von einem aus dem Westen importierten Schulsystem ausgewählt (selektiert) aufgrund ihrer Leistung zu studieren und an die medizinische Fakultät ihres Landes zu gehen. Diese Fakultäten sind von den Steuergeldern der ausgebildeten Friseure und anderen Billigjob-Löhnern bezahlt. Die Ausbildung kostet das 4000 (?) Fache der Ausbildung eines Billigjob-Löhner. Ist das Studium dann beendet so wird der Absolvent von hohen Lohnangeboten aus der „1.ten Welt“ gelockt und die gesamten Steuerleistungen der Billigjobber werden gratis an die Westnationen geliefert. Der Export von „Gehirnen“ (Brain-Drain) aus den 3.te Welt-Ländern allein übersteigt die gesamte 3.te Welt Hilfe – und sorgt für eine positive Bilanz von Spendengeldern (hier – nicht dort).

Kinderarbeit ist verboten und die Familien müssen oft auch noch zur Schulausbildung zusteuern. Dieses ist ein unterschätzter Armutsfaktor. Die Kinder, die nicht auf den Höfen mithelfen, sondern in der Schule büffeln lernen zum einen nicht die wirklich wichtigen Dinge und zum anderen fehlen sie bei der Arbeit (ja Schule an sich verursacht oft zusätzliche Arbeit in diesen Familien). Der Verlust des Hofes ist oft die Konsequenz, die Armut der Familie und die Prostitution die weiteren Folgen. Die beschulten Kinder kommt entfremdet zu einem Scherbenhaufen zurück – eine enteignete Familie und ein abhängiges Leben mit Minilohn erwarten es. Auch hier ist die Prostitution oft der einzige Ausweg.

Die Entfremdung ist ein weiterer schwerwiegender Punkt. Nach einer gewissen Zeit an West-Beschulung blickt das Kind auf seine eigenen Eltern herab, nimmt seine Traditionen (die nicht wissenschaftlich sind) als peinlich wahr und wendet sich dem westlichen Sozialisationsideal zu: Dem ultimativen Konsumismus. Für die Kinder, sowie für die Eltern ist dieses eine schwere Zerreißprobe die oft mit Drogenkonsum (beginnend mit Alkohol) ausgehalten wird.

Die westliche Sozialisation zum gehorsamen Untertan in Verbindung mit Entfremdung und Brain-Drain hat eine schwerwiegende Folge. In Afrika kann nur schwer eine intellektuelle Entwicklung entstehen, die sich in den eigenen Traditionen verwurzelt und das Land in die Freiheit führt. Als die Kolonialisierung auf Selbstkontrolle durch etablierte und erprobte Mechanismen upgedatet wurde – also auf Erziehung statt Auspeitschen im Erwachsenenalter – wurde eine fast auswegslose Situation für diese Länder geschaffen. Die Intellektuellen, die das Land als Absolventen verlassen haben kommen als Fremde zurück in eine Welt, die sie nicht mehr kennen und an deren  Zerstörung sie mitgewirkt haben. Die Alten betrachten sie argwöhnisch und die Jungen blicken misstrauisch zurück. Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn – ohne Happy End.

Wir haben unsere West-Probleme exportiert und eine Sklaverei etabliert, die so subtil ist und deren Grundmechanismen so entfremdend und verdummend sind, dass sie jede Initiative zur Befreiung lähmt.

In Afrika hieß es früher: Die westlichen Industrieländer? Was sollen wir von ihnen lernen? Wie man Weltkriege anfängt und den Planeten zerstört?

Wir haben auch auf diese Frage eine Antwort gefunden: Ihr müsst nichts von uns lernen. Wir kommen persönlich vorbei und spenden euch mit unseren Lektionen zu, bis ihr nicht mehr anders denken könnt. Am Ende haben wir das Gold und ihr die Glasperlen…