Das ist nicht irgendeine Reform…

Es ist schon komisch. Kaum hatte der Mensch ein bisschen Ahnung und Intelligenz entwickelt, schon kamen die Hohepriester und reservierten und verstecken diese Erkenntnisse unter Ritualen und Mythen.

Später professionalisierten sich die Priester und Philister annektierten die Gestalt von Jesus und lehrten den wissbegierigen Menschen die Bibel – aber eben nicht mehr.

Dann sahen die weltlichen Herrscher, dass die Kirche irgendwie an Einfluss und Autorität verloren hatten und säkularistieren alles. Sie ersetzten die Interpretationshoheit der Priester oder der noch früheren Hohepriester durch die Interpretationshoheit des „Lehrplans“.

Es ist wirklich komisch und irgendwie traurig. Immer wenn die Leute mehr Intelligenz entwickelten und sich emanzipieren wollten, kam die nächste Machtinstanz daher und übertrug sich die Interpretationshoheit.

Oft habe ich die Hoffnung, dass es dieses Mal anders ist. Unschooling, die nächste Sprosse auf der Leiter der Emanzipation, demaskiert alle Lehrpläne und spottet über sie. Ein recht guter Ansatz endlich die Interpretationshoheit der Hoheiten abzuschaffen.

Die nächste Gegenreaktion wäre nun den Lehrplan direkt in die Umwelt zu kodieren. Also die „Kultur“ abzuspecken von allem, das die Augen öffnen könnte. Ob das gelingt ist fragwürdig. Allerdings ist es auch gelungen den Lehrplan über 2 Jhds aufrecht zu erhalten und er ist immer noch für viele ein Dogma – obwohl Gebildete Kreise heutzutage „Invarianz“ sagen :)

Dennoch Unschooling ist nicht irgendeine Bildungsreform. Es ist mehr eine Revolution. Und es ist nicht irgendeine Revolution, sondern es ist Die Revolution. Nach mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte, seit Entstehung der Intelligenz sogar, wird das erste Mal Aufklärung und Bildung ohne „Interpretationshoheit von Oben“ getrieben. Das kann Freiheit bedeuten. Sogar freie Gedanken, ein Gut, dass es nur in sehr kurzen Phasen der Geschichte gab und die immer sehr schnell von „Oben“ wieder beschränkt wurden.

Aber vielleicht kommt auch dieses Mal wieder ein Montgelas, ein Johann Gottlieb Fichte oder ein Horace Man daher und entwickelt eine Idee, wie man die Gedanken doch wieder unterwerfen kann. Und das würde bedeuten, dass die Menschen für einen weiteren geschichtlichen Zyklus an einen „Wohltäter“ gebunden ist.

Der Hohepriester, der uns vor den Naturgewalten beschützt und uns sagt, wann die Felder bestellt werden müssen. Die Priester, die uns vor der Hölle und der ewigen Verdammnis im Jenseits bewahren. Die Lehrpläne, die uns vor der Dummheit bewahren. All diese haben wir in einer langen Geschichte und durch das menschliche Grundbedürfnis nach Freiheit und Selbsteffektivität überwunden.

Die Abschaffung der Lehrpläne ist nicht irgendeine Reform. Es ist die Revolution, die alle anderen Revolutionen wieder aufnimmt und sie zu einem erfolgreichen Ende führt. Wenn wir das freie Lernen unserer Kinder mit dem Lernen im Staatsgefängnis vergleichen, dann können wir die Tragweite dieser Revolution spüren. Und wir können selbst erleben, was uns verwehrt wurde. Wir sehen, welche Art Mensch die Freiheit gebiert.

Invarianzen der Schulorganisation – Lehrpläne

 

Vor kurzem wurde auf der PiratenBildungsliste eine Reader über Invarianzen (als Unveränderbarkeiten der Schulorganisation) gepostet (ein Produkt aus einem Seminar an einer deutschen Universität).

Ich fand das ganz interessant und habe mich dort erst mal mit dem Thema Lehrpläne beschäftigt.

Zunächst gefällt mir die Form des Seminars – es wurden Arbeitsgruppen mit der Ausleuchtung der Realität betraut und geschaut, ob man damit die Ausgangsthese widerlegen könne. Diese Teams arbeiteten sehr autonom und die Schlussbesprechung fand dann auch eher informell statt (sowei ich das beurteilen kann).

Beim Thema Lehrpläne konkret wurde nicht nur die aktuelle Fichte-Schule in allen Ländern verglichen, sondern es wurden auch Sudbury-Schulen und Homeschooling (sogar Unschooling) in Augenschein genommen. Während die Fichte-Schul-Teams natürlich nur auf ein eindeutiges Ja-Lehrpläne-Sind-Wichtig kommen können, sieht es bei den beiden anderen Teams schon ganz anders aus.

Sudbury und auch Homeschooling reduzieren das unumschränkte Ja zu Lehrplänen in ein: „Am Ende müssen die Leute aber doch gesellschaftlich verwertbare Fähigkeiten haben und diese werden in Lehrplänen festgeschrieben“.

Am Ende gab es halt immer die staatlichen Tests.

Was mir ein bisschen fehlte war Vygotskij – Frau Montessori war zwar vertreten, aber eben nicht die moderne Sicht auf das Lernen, die Vygotskij repräsentiert. Nun gibt es allerdings ja auch keine Vygotskij-Schulen, dennoch muss die Behauptung einer Invarianz immer auch das theoretisch Mögliche in Betracht ziehen. Da aber Unschooling dabei war und dieses auf dem theoretischen Fundament von Vygotskij fusst kann man hier ein Auge zudrücken.

Was mir noch fehlte, waren die Homeschooling Praktiken anderer Länder. So ist z.B. Texas sehr frei. Dort gibt es eigentlich keine Regeln, man meldet sein Kind ab und fertig – wie berührt das die Invarianz-These? (e.g. sparkling martins)

Ein anderer Punkt sind immer mehr Universitäten in den USA, die keine Tests mehr von Homeschoolern verlangen. Man braucht auch kein Highschool-Diplom mehr um sich dort zu bewerben. Es genügt die Einreichung eines Portfolios, das den aktuellen Fähigkeitsstand wiederspiegelt. Dieses wird von einem Komitee bewertet und so wird man zugelassen (Unschooler werden meines Wissens immer zugelassen). Wie berührt diese Erkenntnis die Invarianz-These?

Zusätzlich gibt es ja mittlerweile Mailinglisten von „Unschooling-Offspring“, also Kindern, die Unschooler sind und mittlerweile auch erwachsen. Viele von diesen haben sich ohne irgendwelche Diplome selbständig gemacht und üben interessante Berufe aus. Einer von ihnen auf dieser Liste rät jedem eine Firma zu eröffnen – andere haben andere Lebenswege gefunden. Wie berührt das die Invarianz-These?

Es ist natürlich schwer, all diese neuen Wege in ein Seminar unterzubringen und für jede eine Arbeitsgruppe zu bilden – dennoch sind diese Arbeitsgruppen sehr weit gekommen, in Anbetracht der Tatsache, dass in Deutschland Bildung von Unten totgeschwiegen wird und mit absurden Tabus belegt wird.

Es ist einiges zu hoffen, wenn der Nachwuchs nun sogar schon an den Unis über diese neuen Möglichkeiten erfährt.

Eine letzte Frage stellte sich mir an diesen Abschnitt der Arbeit: „Wie sieht die neue Vorgabe für Lehrpläne konkret aus?“

Meine These: Lehrpläne sollen weiterentwickelt werden (an Universitäten), und Schulen soll freigestellt werden ob und inwieweit sie ihn adaptieren.

Eine „Vergleichbarkeit“ der Abschlüsse kann man auch ohne Lehrpläne hinkriegen, soviel ist sicher (wenn jemand aus der Gruppe wissen will wie, dann können wir gerne diskutieren).

Über Revolutionen

Wir schreiben das Datum kurz vor der französischen Revolution. In einer Gasse stürmen die Leute zusammen, wie Tiere, ein Faß Wein ist auf den Boden gefallen und zerschellt. Der rote Wein fließt über die Pflastersteine. Junge Kinder wie alte Greise kommen aus allen Häusern mit Bechern und Schalen um den Wein zu schöpfen. Nach ein paar Minuten ist alles vorbei und alle gehen zurück. Der Weinhändler, der nicht einmal mehr sein Faß retten konnte, zieht mit dem Rest der Ladung weiter.

Eine andere Gasse ein anderer Tag. Ein Kind spielt auf der Straße und wird von den Pferden einer heranstürmenden Kurve zertrammpelt. Der Vater stürmt herbei und beugt sich über sein totes Kind. Der Adlige ruft ihm zu und befiehlt dem Kutscher den Hund, nämlich den Vater, aus dem Weg zu peitschen.

Drei Tage später findet man den Adligen mit einem Messer in seiner Brust in seinem Schloss – am Griff hängt ein Zettel: „Jaques“ (was so viel bedeutet, wie „das französische Volk“)

Diese beiden Szenen stammen aus Charles Dickens Buch „A tale of two cities“ – in dem wir erfahren wie grausam die französische Revolution war und wie grausam das Volk vorher misshandelt wurde.

Dickens schildert uns, welche Wut in einem Volk sein muss, dass es anfängt seine Götter zu töten. Und die Säkularisierung der Schule, sowie die Umfunktionierung in ein Auswahlinstrument zeigt uns, welche Angst auf der ganzen Welt danach herrschte. Was musste ein Graf von Montgelas gezittert haben, wenn im Nachbarland sogar ein Sonnenkönig mit Gottstatus umgebracht wurde. Und wofür brauchte man dann noch Kirchen? War nicht sogar Voltaire, der im Jesuitenorden gelernt hatte, einer von denen, die den Volkszorn anstachelten? Prägte er nicht den Satz: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen“ und schob ihn der Königin in die Schuhe. Und das bei einem Volk von Vätern und Müttern, die ihre Kinder verhungern lassen müssen, damit der Adel Paläste aus Gold bauen kann!

Mittlerweile haben Menschen eine Menge Rechte und Freiheiten bekommen. Sie dürfen Geld verdienen und damit ihre Bedürfnisse befriedigen. Alle Menschen? Nein. Es gibt immer noch die, die per Gesetz zu jahrelanger Zwangsarbeit verurteilt werden. Ein altes Menschenbild, das den Menschen von Natur aus dumm, unmündig, faul und verbrecherisch ansieht sorgt dafür, dass Kinder mit so etwas wie einer Erbsünde geboren werden und ihnen der „gute“ freie Wille erst anerzogen werden muss.

Doch immer mehr Kinder spüren, dass das nicht stimmt. Dass sie belogen werden. Dass ihnen die Freiheit vorenthalten wird und sie reagieren wie alle unterdrückten, wenn die Wut zu groß ist. Wenn der Verstand den Widerspruch zwischen Unterdrückung und Freiheit nicht mehr toleriert. Sie reagieren mit Gewalt. Und sie nehmen die kleinsten Anlässe dafür. Wie ein Weinfass, das irgendwo herunterfällt.

Ich denke, es muss ein Menschenrecht werden der Schule fernbleiben zu dürfen – die produktive Schulverweigerung muss auf den Gängen und schwarzen Brettern der Schule beworben werden. Es muss ein Menschenrecht werden arbeiten zu dürfen – aber nicht ausgebeutet zu werden, besonders für junge Menschen und diese nicht länger aus der Wirtschaft auszusperren und über Almosen, wie Taschengeld, auf Konsumbefriedigung zu trainieren. Es muss ein Menschenrecht werden sein Leben selbst in die Hand zu nehmen – von Anfang an.

Wir können zwar Millionen und Milliarden in Anti-Gewalt-Trainings investieren und den Kindern erzählen, dass sie doch fürs Leben lernen und dankbar sein sollten. Aber wir unterscheiden uns damit nicht von den Adligen, die damals das Volk unterdrückten. Je mehr wir in die Unterdrückung von Gewalt investieren, desto größer wird die Explosion am Ende sein. Und wenn wir Kindern durch tausende Maßnahmen Sand in die Augen streuen und sie blenden, gegenüber der ursprünglichen Aggression, dann machen wir aus Wut blinde Wut.

Eine Revolution hat nur einen Ursprung: Eine verschlafene oder verweigerte Reform.

Kindern Kindern

Lesen lernen in der Schule?

Man hört es landauf landab. Lesen lernt man nicht nur in der Schule, sondern die Schulpflicht sorgt auch dafür dass mehr Arme lesen lernen und Bücher bekommen.

Ja die Anzahl der Analphabeten soll sich sogar durch die Schule verringern.

Als Deschooler hegte ich da natürlich meine Zweifel.

Und was fand ich: Eine Untersuchung des Historikers Harvey Graff

Er behauptet:

From another perspective, the historian Harvey Graff has argued that the introduction of mass schooling was in part an effort to control the type of literacy that the working class had access to. According to Graff, literacy learning was increasing outside of formal settings (such as schools) and this uncontrolled, potentially critical reading could lead to increased radicalization of the populace. In his view, mass schooling was meant to temper and control literacy, not spread it.

Literacy has also been used as a way to sort populations and control who has access to power. Because literacy permits learning and communication that oral and sign language alone cannot, illiteracy has been enforced in some places as a way of preventing unrest or revolution. During the Civil War era in the United States, white citizens in many areas banned teaching slaves to read or write presumably understanding the power of literacy. In the years following the Civil War, the ability to read and write was used to determine whether one had the right to vote. This effectively served to prevent former slaves from joining the electorate and maintained the status quo.

Das bedeutet also, dass man nicht nur manchen Leuten gezielt das Lesen vorenthält, sondern allen das „echte“ Lesen vorenthält, damit sie nicht zu „Parallelgesellschaften“ werden – was ein echtes Lesen mit sich bringen würde. Denn wir wissen, dass Bücher um einiges mehr enthalten, als das was Politiker behaupten – und oft sogar das blanke Gegenteil.

Zum anderen bedeutet es, dass Lesen als Mittel der sozialen Selektion benützt wird und an manchen Stellen sogar forciert wird. Eine sogenannte Analphabetisierung. Diese Analphabetisierung hat unseren ganzen Innenministern aber nichts gebracht. Die Migranten haben vor kurzem die Vereinigte Migrantenpartei gegründet.

Wir gratulieren und wünschen euch, über die 5 % Hürde zu kommen. Es wird Zeit, dass eure Kinder Muttersprachunterricht bekommen, wie von Pädagogen gefordert und von Politikern verhindert.

Lasst Euch nicht weiter absichtlich analphabetisieren.

Jetzt haben wir Historiker, Soziologen und Pädagogen, die behaupten, dass die Schule gezielt zur Verblödung eingesetzt wird – bin gespannt, wann es sich zum Volk rumspricht. Da heute die Bild-Zeitung tönte: „Wir haben diese neue Regierung“ – steht die Chance schlecht. Denn Schulen trainieren alle, genau auf das Niveau diese Zeitung zu lesen (nämlich das Niveau der 3.ten Klasse, danach stagniert das Textverständnis, und erhohlt sich dank Vorlesungen nicht mal an der Uni; bis dann endlich die Diplomarbeit kommt).

Die liebe Gewalt

Eltern von Geschwisterkindern kennen das Problem. Manchmal spielen sie ganz lieb miteinander, aber oft auch nicht.

Chopper ist sehr, sehr sensibel. Ein kleiner Ausschnitt aus einer melancholischen Melodie und er ist den Tränen nahe. Nami dagegen ist ein Nashorn auf zwei Beinen.

Und Chopper fühlte sich immer öfter von ihr gereizt. Und brach in langes Schlosshundgeheule aus oder wurde total aggressiv und tat ihr weh (mal so, mal richtig).

Am Anfang haben wir immer noch gesagt: „Nicht hauen“ – doch es wurde nicht besser, eher schlimmer

Chopper frühstückt, Nami setzt sich zum Frühstücken dazu. Chopper heult und schreit.

Nami und Chopper gehen Schlafen, Chopper zieht auf die Wohnzimmercouch um.

Er konnte Nami nicht mehr hören und nicht mehr riechen… (wir waren ratlos).

Dann hatten wir eine lange Sitzung und irgendwie kam uns auch der Zufall zur Hilfe – unsere Lösung war: Nami geht später ins Bett und Chopper, der am Abend sehr labil ist, geht einfach früher ins Bett. So steht er in der Früh auch früher auf und kann noch vor Nami frühstücken… wenn alles gut geht.

Dies praktizieren wir nun seit ungefähr 2 Wochen und die Anzahl von Choppers Heul-Wutanfällen wegen Nami sind deutlich reduziert (ich würde mal sagen auf ein Drittel).

Er legt sich am Abend ins Bettchen und „liest“ (schaut) sich Comics an. Irgendwann ruft er dann „Finished“ und wir schalten das Licht aus.

Nami bleibt noch länger auf und spielt mit dem Baby.

Und hin und wieder spielen sie auch ganz toll miteinander.

Ich hoffe aber dennoch, dass der ganze Druck bald aus unserer Familie verschwindet… (Umzug vorbereiten + Diplomarbeit + den Mist ausmisten, der sich ein ganzes Leben lang angesammelt hat)

Idolisator

Die meisten Leute kennen Ignatius von Loyola nicht, dabei prägt er ihren ganzen Alltag – und auch ihre Kindheit.

Er gründete den Jesuitenorden (15XX). Der Jesuitenorden zeichnete sich durch eine strenge Hierarchie und Gehorsam aus. So sagte Ignatius selber: „Ich werde glauben, dass Weiß Schwarz ist, wenn es die Kirche so definiert.“

Der immense Gehorsam bekam den klangvollen Spitznamen „Kadavergehorsam“ und ermöglichte in einer sehr straffen Hierarchie die größtmögliche persönliche Flexibilität – es gab nicht mal eine Ordenstracht (nur mit Juden hatte man so seine Probleme).

Insgesamt war der Orden darauf ausgerichtet maximale Bindung mit der Kirche herzustellen und alles andere konnte man getrost vergessen (Eltern, Staat, Schwarz und Weiß).

Das Credo „Kadavergehorsam bei maximaler persönlicher Flexibilität“ inspirierte den Orden daraus eine Bildungsinstitution zu machen – oder zumindest eine anzuschließen. Das lief auch hervorragend. Reiche waren an Sprößlingen interessiert, die das Erbe nicht einfach durchbrachten und sich gehorsam beugten. Intellektuelle waren daran interessiert vom Staat oder der Inquisition zensierte Bücher unter päpstlichem Schutz zu diskutieren.

Irgendwann entdeckte der Staat dann, dass es doch toll wäre, wenn die ganzen Gebildeten aus dieser Institution nicht die Kirche und den Papst als Idol hätten, sondern den Staat selber. So hätte man statt Papisten (so nannte man Leute, die dem Papst hörig sind) nun Staatisten…. (den konnte ich mir nicht verkneifen… in Wirklichkeit nennt man sie Etatisten).

Kurz und gut, überall wurden der Orden verboten und in Staatsschulen umgewandelt. Das waren an verschiedenen Orten verschiedene Figürchen.

In Bayern war es z.B. Maximilan von Montgelas (Auszug aus Montgelas der Schulreformer):

„Es ist heute erwiesen, daß es die grobe Unwissenheit der Völker ist und nicht die vernünftige und dem Stand eines jeden entsprechende Bildung, die man ihnen vermittelt, welche Revolutionen hervorruft und Reiche umstürzt. Je aufgeklärter die Menschen sind, umso mehr lieben sie ihre Pflichten und umso mehr halten sie an der Regierung fest, die sich wirklich um ihr Glück kümmert.“ (kurz gesagt, alle Revolutionäre waren dumm und jetzt kommt die liebe Regierung, die immer nur das Beste wollte und entledigt sich durch eine „frühe Aufklärung“ dieser Dummköpfe – es ist bezeichnend, dass so ein stupider Propaganda-Müll auf einer Seite eines bayerischen Gymnasiums steht)

In Preußen Johann Gottlieb Fichte (ein Mann im Team W. Humboldts – ich schätze deswegen hat Humboldt auch den Job geschmissen):

Er fordert [...] sowie allgemeine Wehrpflicht, sowie eine Erziehung, deren Ziel darin bestehe, „die Freiheit des Willens gänzlich zu vernichten“. (schließlich musste man auch die Franzosen von deutschem Boden vertreiben)

Und so haben wir heute eine Schule, die alle Kinder in Liebe und sturem aber unbeugsamen Festhalten an Regierung und Obrigkeit erzieht. Die die Kirche vertrieben hat als Idol und Messias für die Menschen zu fungieren, nur um an diese Stelle den Staat zu zementieren.

Also immer wenn ich so etwas lese oder dieses hier, immer werden die Wohltaten von den Eltern finanziert und im Namen Gottes… äh der Schule… äh der Staatsschule durchgeführt – sollten sie von den Eltern nicht finanziert werden wollen/können, so sind auf jeden Fall die Eltern die bösen und die Schule wollte nur helfen (aber bei den Eltern heutzutage *kopfschüttelnder Kultusminister*).

Der Lehrer selber gilt übrigens natürlich auch öfter mal als ungerecht – es ist ja die Instanz „ganz oben“ die zum Idol gemacht wird.

Unsere traditionsreiche Schule, ihre Anfänge hatte sie als

1.) Loyola-Schule – und ihre missioniarische Mission

und wurde dann später in die

2.) Fichte-Schule – und ihre nationalstaatliche Mission

umgewandelt. Und bald wird der Idolisator erneuert und schenkt jedem Kind neben der tollen Schultüte, in der alles drin ist, was Mami verbietet (aber kaufen muss) auch noch ein Notebook oder einen Kindle – und ganz wichtig: Schulspeisung.

Der Idolisator2.0 – renoviert statt revolutioniert. Denn eines haben wir gelernt: Revolution ist dumm und böse und ganz gemein.

Eines ist ganz wichtig, der Idolisator wirkt umso besser je früher er eingeführt wird. Und wenn der Idolisator dann gewirkt hat – so mit 14-16 Jahren – dann wird das der Pubertät in die Schuhe geschoben und die Rebellion gegen die Eltern als natürlich und gut und wichtig bezeichnet (vergleiche Puberté, Puberty, Pubertad, Pubertà, Пубертат – gibts also nur in Deutschland). Eigentlich geht aber Rebellion gegen Unterdrückung und nicht gegen eine Person, bloß weil die die Eltern sind. Aber für uns ist Schwarz wirklich Weiß geworden.

Ihre erste Epoche hatte der Idolisator als die Loyola-Schule, die zweite Epoche als die Fichte-Schule.

Sie existiert schon so lange in ihrer aktuellen Form, dass dieses Wissen über sie verzerrt wurde und (da sie die Bildungsinstitution ist) nicht als Bildung gilt. Nicht einmal mehr die Lehrer, Pädagogen und Politiker wissen es – und denken sie handeln zum Besten aller. Manche Politiker ahnen natürlich, dass es gewisse Vorteile bringt seine späteren Wähler selbst auszubilden, das nennt man übrigens Sozialisation. Sozialisation wird oft mit Sozialer Kompetenz „verwechselt“ – Gott(!) sei Dank ;)

Institutionen bekommen mit der Zeit eine Assoziation. So besteht das Wort „Schule“ mittlerweile zu 98% aus der Assoziation „Gut“. Egal wie sie wirklich ist. Diese Idee im allgemeinen Konsens einer Gesellschaft, die sich vor den eigentlichen Gegenstand schiebt, nennt man Ideologie. Hier wird nicht mehr die Realität der Institution betrachtet, sondern nur noch das, was die Meinungsbildner über die Zeit an Meinung gebildet haben. Die Schule hat hier leichtes Spiel, da sie ja selber Hauptmeinungsbildner ist – bevor (und das ist wichtig) die kritische Analyse des Verstandes begonnen hat (frei nach John Stuart Mill). Noch besser ist eine Schule, die ein radikales Monopol innehat – sie verbietet es über andere Lösungen nachzudenken. Sie wird somit unhinterfragbar und „Gut“. Somit unhinterfragbar gut. Durch Unhinterfragbarkeit wird sie zum Dogma. Sieht man sich die Realität an, so hat die Schule wirklich keine Kontrollgruppe. Und so schließt sich der Kreis wieder zum päpstlichen Unfehlbarkeitsdogma. Es gibt Schulversager aber kein Schulversagen.

Das System hat sich verselbständigt – wie in Terminator 3 als Skynet ein Bewusstsein erlangt. Aus diesem Grund spüre ich auch immer ein bisschen Kribbeln, wenn man mir sagt, dass das System intelligent werden muss und lernen muss.

Der Idolisator hat schon zu viel Macht über unser Leben und treibt uns in blinden Autoritätsglauben, anstatt in die versprochene Mündigkeit.

Und entgegen dem Glauben, dass Mündigkeit Freiheit bringt, konnte ich mich davon überzeugen, dass Freiheit Mündigkeit bringt.

(auf Welt gibt es auch noch einen schönen Artikel (vom Staatsbürger zum Bürgerstaat), wir müssen nur all diese Kräfte bündeln)

Choppers Lied

(folgendes Lied widmete Chopper mir gerade)

You shouldn’t be krank,

you shouldn’t be krank,

for a while

and one day you’ll die – l

then we will miss you

You shouldn’t be krank (Refrain 3*)

(ach so – jetzt ist alles klar :) )

Die Zehn Gebote – für den modernen wissenschaftlichen Atheisten

Wer kennt sie nicht. Dennoch sind sie ein bisschen überholt. In unserem Industriellen Zeitalter unternehme ich also den Versuch sie neu zu schreiben – angepasst auf den neuesten Monotheismus. Gekommen bin ich auf die Idee, nicht weil ich die Religion beleidigen will, sondern vielmehr weil mir die neuen Wissenschafts-Propheten so was von gegen den Strich gehen. Sobald sie nur ein Zitat für irgendeinen Mist finden, sind sie schon überzeugt „wissenschaftlich gearbeitet“ zu haben.

Also nun: Die zehn Schulgebote – für den modernen Kreuzzügler und Missionar von heute (auch geeignet für Atheisten)

1.) Ich bin der Herr, dein Gott – Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.

-> Ich bin die Schule, Dein Lernort – Du sollst keine anderen Lernorte neben mir haben, Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe sind meine Beichtstühle, die Hoheit über die Lehre bleibt bei meinen Priestern.

2.) Du sollst Dir kein Bildnis machen

-> Du sollst Dir kein Bildnis machen. Ich verändere meine Form je nach Bedarf, so bin ich unangreifbar und jede Diskussion kann mit einem „Das kannst Du doch nicht verallgemeinern“ abgewürgt werden.

3.) Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.

-> Gründe keine Privatschule (oder sogar paganes Homeschooling!)

4.) Gedenke, dass du den Sabbat heiligst

-> Fülle Deine ganze Freizeit mit dem Denken über mich an.  Hausaufgaben und Tests lassen Dich immer nach meinem Stoff streben.

5.) Du sollst Vater und Mutter ehren

-> Du sollst Vater Staat und Mutter Schule ehren. Durch sie bist Du geistig geboren und wirst auf das Leben vorbereitet.

6.) Du sollst nicht morden

-> Zerreiße nie Dein Zeugnis

7.) Du sollst nicht ehebrechen

-> Dein Lehrer ist Dein Lehrer, ersetze ihn nicht durch ein Buch, ein Video, Wikipedia oder sonstige Fremd. Finde die Schule nicht langweilig oder den Lehrplan Quatsch.

8.) Du sollst nicht stehlen

-> Du sollst nicht abschreiben. Das Wissen Deines Nachbarn ist sein Wissen.

9.) Du sollst kein falsches Zeugnis abgeben

-> Du sollst nicht die Autoritäten anlügen – auch nicht um Deinen Nächsten zu schützen – und die Strafe akzeptieren. Wenn Du später erwachsen bist, darfst Du auch nur die Aussage verweigern, sobald es Autoritäten Deiner Berufsgruppe erlauben.

10.) Du sollst nicht begehren Deines nächsten Haus/ Weib

-> Du sollst an dem von der Schule zugewiesenen Platz in der Gesellschaft bleiben. Ziehe nicht den Beschluss der Schule in Frage – suche die Schuld stets bei Dir selbst (zur Not nimm einen Motivationspsychologen dafür).

Brave New School

Die Schule 2020 – Mitarbeiter Prof. Dr Klaus Hurrelmann:

Eine Schule für alle.

Ab dem ersten Lebensjahr. (später kommt es noch besser!)

kennt Deutschland nur noch die Ganztagsschule als Regelschule (ab dem ersten Lebensjahr!)

Den Schulen werden so viele Freiheiten wie möglich gewährt, ohne die Vergleichbarkeit zu vernachlässigen. (nie das zweite Gebot vernachlässigen)

oder Stadtteilmütter/-väter zu finanzieren, die die Verbindung zum sozialen Umfeld der Schülerinnen und Schüler herstellen, (Platons Philosophenstaat war human dagegen)

Motto: Individueller Weg, gleiches Ziel (egal wie ihr es anstellt, werdet alle gleich)

Diagnose und Auslese im Bildungssystem – aber richtig! [...] ausführliche Begabungsdiagnostik von psychologischem Fachpersonal und eigens dafür ausgebildeten Lehrkräften, um das tatsächliche Potenzial des Schülers oder der Schülerin erkennen zu können. (Wer in der Schule versagt, hat endgültig Pech gehabt – siehe den Film Gattaca oder Brave New World)

Ein Schüler wird nicht nur zu Beginn eines neuen Abschnitts in der schulischen Laufbahn begutachtet, sondern die Begutachtung begleitet den gesamten Lernprozess. (andauernde Dauerüberwachung)

Der altersadäquate Umgang mit der deutschen Sprache sowie interkulturelle und soziale Kompetenzen sind zentrale Voraussetzungen für den späteren Lernerfolg. (man spricht Deutsh :) )

Das kostet Geld, aber dieses Geld wird als wertvolle Investition verstanden. (der Wissenskapitalismus hat seinen neuesten Fonds gefunden – Kinder! – was man da reinsteckt bringt die meisten Zinsen)

Allen Kindern ab 0 Jahren steht ein kostenfreier Kindergartenplatz zur Verfügung, bei Bedarf ganztags. (er steht uns zur Verfügung, das ist ja ganz nett)

Das Prinzip der Freiwilligkeit des Kindergartenbesuchs ist immer dann eingeschränkt, wenn ein Entwicklungsdefizit des Kindes festgestellt wird. (Jetzt doch nicht? Was ist ein Entwicklungsdefizit bei einem 0-1 Jährigen?)

Die Selbstständigkeit im Lernen bildet eine zentrale Grundlage der Kindergartenphilosophie. (von 0-1 Selbständigkeit, Hurrelmann hat wohl noch nie ein Kind gesehen)

Die Kindertageseinrichtung wird von der Gesellschaft als erweiterte Familie verstanden und wertgeschätzt. (erweiterte Familie! Weiter kann man eine Familie gar nicht erweitern als das Kind „der Gesellschaft“ zu Investitionszwecken zu überweisen)

Die Eltern werden aktiv in die Arbeit des Kindergartens einbezogen. (ich dachte die müssen beide Vollzeit-Doppelschicht arbeiten um in die Gesellschaft zu investieren)

dass hilfsbedürftige Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder Unterstützung finden (Was für eine Erziehung ihrer Kinder? Speisung ist doch auch im KiGa. Am Abend 1 jährigen doch eh viel zu fertig um noch groß erzogen zu werden – schließlich beginnt die industrielle Beschulung doch schon in ein paar Stunden erneut)

Im Jahr 2020 haben alle Kindertageseinrichtungen mehr Personal, denn feste Bezugspersonen sind unabdingbar für den jungen Menschen; (Das ist jetzt aber schon witzig.)

[Kindergärten] bieten Eltern Aufklärung, denn nur sie kann den Bewusstseinswandel hervorrufen – Zwang kann dies nicht.  (Ja, die Eltern brauchen einen Bewusstseinswandel. Mushrooms? Zwang und Druck auf Eltern funktioniert doch heute schon)

Im Jahr 2020 kennt Deutschland nur noch die Ganztagsschule als Regelschule. … Konzept der Ganztagsschule hat sich 2020 auch in Deutschland flächendeckend durchgesetzt. Individuelle Förderung braucht mehr Freiraum für neue Tagesrhythmen – das Ende der strengen 45-Minuten-Stunde. Durch den verpflichtenden Unterricht am Vor- und Nachmittag ist mehr Zeit für …. (politische Ziele bitte hier einsetzen – aktuell MINT für die Produktion und natürlich immer gut: Konsum)

So werden mehr Lerngelegenheiten für die Entfaltung des Kindes sicher gestellt. Individuelle Förderung bedeutet Sonderunterricht für leistungsschwächere wie besonders begabte Kinder. Das wird durch die Integration in die reguläre Schulzeit ohne Diskriminierung möglich. (Mehr Lerngelegenheiten = mehr Investition = mehr Rendite)

Durch den Ganztagsbetrieb ist Schule zu einem zweiten Zuhause geworden. (Nein Herr Hurrelmann, wenn man seine ganze Wachzeit ab 0 Jahren woanders verbringt und dort die „festen Bezugspersonen“ sind, dann kann man ruhig das Zuhause als zweiten Zuhause bezeichnen. Schule ist Nr. 1)

Die Freizeit wird in die Schule integriert. (Und der Rest der Welt auch. Hurrelmann sollte wohl mal Momo lesen, aber Kinderliteratur hat wohl keinen Platz bei der industriellen Ausbeutung von Kindern)

bietet aber zum anderen auch Kindern aus sozial schwachen Familien, die einen Vereinsbeitrag oder die Musikschule nicht bezahlen könnten, die Möglichkeit einer umfassend anregenden Freizeitgestaltung. (man könnte zwar auch Vereine Bildungsgutscheine einlösen lassen, passt aber nicht zum Kontrollfreak Hurrelmann – Vereine gibt es in Hurrelmanns Modell eh nicht mehr, aber das sind Kollateralschäden)

Das wiederum fördert das Wir-Gefühl der Schülerinnen und Schüler und schafft eine höhere Identifikation und Verbundenheit mit der Schule (Johann Gottlieb Fichte hat das in seinen Reden an die deutsche Nation nicht schöner formuliert).

Dazu gehören Teamfähigkeit, Gemeinschaftsgefühl, Zusammenhalt und Integrationsfähigkeit. Durch die Ganztagsschule wird Lernen in vielfältigen Dimensionen erst möglich. Die Ganztagsschule als Regelschule führt zu einer unkomplizierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das bringt deutlich mehr Frauen als bisher ins Arbeitsleben. Dadurch werden die intellektuellen Ressourcen der weiblichen Hälfte der Gesellschaft für die Volkswirtschaft genutzt. (Arbeiter in die Fabriken, Kinder in die Wissensfabriken! Schließlich will man am Ende auch die Rendite seiner Investition)

Zusätzlich ist gewährleistet, eine Feedbackkultur als festen Bestandteil des Unterrichts etablieren zu können, bei der der Lehrer das Verhalten des Schülers reflektiert und rückmeldet,[...]sondern auch auf Kreativität, Methoden- und Sozialkompetenz zu analysieren. (Früher hatte man Freunde, heute hat man Verhaltensfeedbackreflektion)

Außerdem werden mehrmals interne und externe Evaluationen durchgeführt, die einerseits Beurteilungen der Schüler und andererseits Beobachtungen seitens der Schulleitung einbeziehen. (Menschen sind nur noch lebensfähig in der Gruppe. Das ganze Leben wird ein riesengroßer Kindergeburtstag mit Dauerfeedback von der immer präsenten Gruppe)

Schülerinnen und Schüler verfolgen im Jahr 2020 ihre Ziele selbstständig und übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Lernen – und ihr Leben. Denn aus Selbstständigkeit erwächst Selbstsicherheit. (Wow, Selbständigkeit und Schuldselbstzuweisung, nachdem man ihnen alle Verantwortung für ihr Leben genommen hat und sie ihrer Individualität enteignet hat – gibt es eigentlich Aktien von Psychopharma-Firmen – Ja!)

Am Ende steht das Gefühl des Schülers, sich ein Thema selbst erarbeitet, statt es eingetrichtert bekommen zu haben. (Das Gefühl ein vorgegebenes Thema selbst erarbeitet zu haben. Ich würde mich verarscht fühlen. Aber da das ganze System auf Entmündigung und Konformität ausgerichtet ist, könnte es klappen).

So kann der Schüler und die Schülerin Verantwortung fürs eigene Lernen übernehmen, und Lehrkräfte bekommen eine bessere Kontrolle über die Lernfortschritte. (Verantwortung übernehmen, damit andere bessere Kontrolle bekommen. Hurrelmann muss eine hervorragende Fähigkeit zur Toleranz von kognitiver Dissonanz besitzen)

Das wiederum erleichtert die Benotung. (Ach ja, die Vergleichbarkeit. Die ist weiterhin im Zentrum der Fabrikvorarbeiter-Denke)

Wenn es um Selbstständigkeit und Individualität der Lernenden geht, steht nicht mehr an erster Stelle das Ergebnis. (Den Absatz und die darauf folgenden Ausführungen kapier ich nicht. Die muss mir Hurrelmann noch mal erklären, ach nein, ich werde ja sowieso umerzogen werden, na dann ist es ja egal)

Lehrkräfte und Schüler stellen gemeinsam einen Zeitplan auf und achten auf seine Einhaltung. (Wow, klingt wie eine Gewerkschaftsforderung – bis auf den zweiten Teil, der dann wieder die Schuld bei einem selber sucht)

Schüler sind Chefs und Chefinnen. Um die Selbstsicherheit der Einzelnen sowie das soziale Gefüge der Gruppe zu stärken, wird ein Torten-Konzept eingeführt: Jede/r darf einmal die Rolle des Experten übernehmen, die übrige Gruppe arbeitet ihm/ihr zu. Der „Chef“ vergibt Aufgaben, überprüft und korrigiert. (Aaahhh!! – da fällt mir nichts mehr ein)

Die anderen lernen, ihn/sie in der Rolle zu akzeptieren; (Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt, oder? Ich dachte, deswegen sind wir gegen die Religionen aufgestanden, dass wir die uns von Gott zugedachte Rolle nicht mehr akzeptieren – und jetzt tritt die Schule an die Stelle Gottes. Na toll, dann ist unsere Rolle im Leben wenigstens naturwissenschaftlich belegt und wir tragen sie voller antrainierter Selbstverantwortung)

Wettbewerbe in Mathe, Sport, Sprachen setzen neue Leistungsanreize. (Jo, mehr Wettbewerb für alle, damit unsere kleinen Kapitalinvestitionen auch reif für den internationalen Finanz-Gehirn-Markt sind)

Lebenspraktische Aufgaben – Basteln, Werken – ermöglichen denjenigen Schülern Erfolgserlebnisse, die theoretisch weniger gewandt sind. (Besonders die müssen an das System glauben, denn später einmal werden sie die unzufriedensten sein in einer von Experten beherrschten Welt. Und da man auf keinen Fall eine Revolution will, müssen auch die an den neuen ultimativen Gott glauben)

Schüler mit Migrationshintergrund gelten im Jahr 2020 als begehrte Klientel am Arbeitsmarkt. Sie stehen für die internationale und interkulturelle Offenheit. (Was ist die Klientel am Arbeitsmarkt, das sind doch die Arbeitgeber. Die Arbeiter sind ja die Waren, oder andersrum? Auf jeden Fall haben wir unseren (entschuldigt das Wort) Vorzeigeimmigranten)

Schulen in Deutschland sehen sich in der Verantwortung, eine Vorbildrolle bei der Integration zu übernehmen. (Am deutschen Schul-Wesen soll die Welt genesen!)

Antiquiertes Denken in nationalstaatlichen Grenzen ist überwunden. (Ach nö, oder ja, jetzt doch nicht?)

In der gemeinsamen Arbeit wächst die Sprachkompetenz und es entsteht ein gegenseitiges freundschaftliches Verständnis für einander. (Aber immer schön in einem deutschen Schulgebäude, weit und lange weg von den Eltern – am Ende lernen sie ihre Mutter-Bäh-Sprache und nicht Deutsch)

Im Jahr 2020 ist der Lehrberuf attraktiv und die Qualifikation der Lehrkräfte ist hoch. (Echt, dann muss das die Bezahlung aber wiederspiegeln.)

Die fachliche Ausbildung [der Lehrer] soll sich am zentralen Lehrplan für Schulen orientieren (ein zentraler Lehrplan! Endlich. Der Schlag ins Gesicht eines jeden ernsthaften Pädagogen. Diese will Hurrelmann aber besser ausbilden, besonders in Pädagogik. Gut, dass diese auch früher eingeschult werden, sonst könnten sie die Ungereimtheiten feststellen. So ist es einfach Schul-Gottes Wille)

Psychologen, Sozialpädagogen und Berufsberater nehmen ihnen einen Teil ihrer Aufgaben ab. (Die ganze Welt muss natürlich auch noch in die Schule hinein. Das draußen wird wie in einem riesigen Einkaufszenter oder Fabrikgelände eliminiert. Die Schule wird zur Stadt und das ultimative Trainingslager für die neue Menschheit der Selbstüberwachung, Hurrelmann hat wohl die komplette Soziogenese in seinem Studium übersprungen und Michel Focault ist eh zu schwer.)

Im Jahr 2020 arbeiten Schule und Beruf eng zusammen und stehen in engem Austausch. (Wer häts gedacht, Hurrelmann als Arbeitsmagd des Arbeitsmarkt)

Im Jahr 2020 ist es die Regel, dass die Schüler und Schülerinnen drei Jahre vor dem Schulabschluss auf ihre Entscheidung zur Studien- und Berufswahl vorbereitet werden. (alle die sich dann irgendwann umentscheiden wollen, müssen nicht nur ein neues Studium beginnen, nein, sie müssen auch noch drei Jahre drüber nachdenken. Schuster bleib bei deinen Leisten – für immer)

Regelmäßig können Schüler durch Pflichtpraktika in Unternehmen Berufe und Tätigkeitsfelder kennen lernen. (können … durch Pflichtpraktika – unbezahlte Zwangsarbeit für Menschen ohne Rechte… Hurrelmann, Hurrelmann, bald bekommst Du das Bundesverdienstkreuz von Kraus-Maffei)

Das nutzt auch den Unternehmen auf der Suche nach ihren künftigen Mitarbeitern. (Ja, so sehe ich das auch)

Sie kümmern sich deshalb ernsthaft um die Praktikanten und stellen ihnen anspruchsvolle Aufgaben. (Klar, bei dem hohen Maß an antrainierter Schuld-Selbstzuweisung wird einfach nur sehr viel Druck ausgeübt. Die Krankenkassen-Kosten werden explodieren und der erste Herzinfarkt kommt mit 16 Jahren)

Im Unterricht können sich Schüler auch mit „soft skills“ beschäftigen: Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Verhandlungsgeschick, selbst Höflichkeit oder Umgangsformen können dazu gehören. (Alles unter der Vorraussetzung Vergleichbarkeit, Kontrolle und bessere Benotung!)

Wir sind überzeugt: Diese Vision lässt sich umsetzen. Wir appellieren an die Bundeskanzlerin, beim Bildungsgipfel am 22. Oktober auf unser Thesenpapier Bezug zu nehmen. (Ja, ich glaube diese Vision liegt sogar absolut im Zeitgeist. Bald kann die Merkel sich dann Pharao nennen und wir können wieder Pyramiden und große Mauern bauen. Eine Mauer werden wir dann sowieso brauchen.)

Tja und so sieht es aus. Hurrelmann gilt als einer der Soziologen, die jeder Student kennenlernt – besonders die Pädagogen (wenn sie ihr Studium ernst nehmen).

Hier ist seine EMail-Adresse, schreibt ihm fleißig, was ihr von seiner Vision der Zukunft haltet:

hurrelmann@hertie-school.org

(Bitte auch das hertie in seiner EMail-Adresse beachten)

Walk-King

Diesen Sommer war ich kurz davor den letzten Schritt in den Rollstuhl zu gehen. Ich fühlte mich schwach und unsicher. Ein gesundheitlicher Rückschlag hatte mich weit zurückgeworfen.

Dann begann ich mein Geh-Training. Ich ging jeden Tag mehrere Stunden – bis zu 3 Stunden am Stück. Auf und ab vor der Wohnung, weil ich mich nicht weiter traute.

Mein Radius wurde immer größer… bis vor zwei Tagen meine Füße anfingen erste Signale zu geben :) So viel bin ich schon gegangen – aber jetzt mache ich erst mal kleinere Gänge. 1/2 Stunde oder eine Stunde.

Vor ungefähr einer Woche haben wir angefangen nach guten Geh-Schuhen zu suchen. Die Auswahl fiel bei mir auf Asics Gel Cardio 2 – mit Klettverschluss und Fußreflexzonenmassage, die die Durchblutung aktiviert. Sogar für Diabetiker!

Standesgemäß haben wir sie über Internet bestellt. Und ich bin schon so gespannt. Ich habe noch nie Schuhe übers Internet bestellt. Hoffentlich stimmt das Versprechen: Gehen wie auf einer Mooswiese.

Es ist schon interessant, wie die ganze Stadt auf minimale Bewegungen ausgerichtet ist. Die Füße und Beine werden entwertet und der Körper der Menschen immer empfindlicher. Die Krankenkassenkosten steigen und steigen und keiner weiß warum. Kopfweh, Rückenschmerzen das ganze Abwehrsystem wird schwächer. Und die Lösung ist so einfach.

Wir müssen uns einfach vom Sport und den Gymnastikhallen abwenden und einfach unsere natürliche Sportart – das Gehen – entdecken. Überall heißt es: Der Aufrechte Gang. Aber in wirklichkeit schnallen wir uns in Autos fest, setzen uns in Busse, klemmen uns an optimierte Sportgeräte. Für’s Gehen gibt es keinen Ort mehr. Dichtbefahrene Straßen und harte Wege, renaturierte Natur und mit Tiefgaragen unterhöhlte Städte, all das entfernt uns von unseren natürlichen Bewegungsabläufen und macht unsere Körper zur Zielscheibe für alle Krankheiten, die nur die moderne Medizin beseitigen kann.

Und dann sitzen wir hilflos und alleine im Krankenhaus – dem Ärzteurteil ausgeliefert, wie wir damals dem Urteil unserer Lehrer ausgeliefert waren – und verlernen jeden Tag ein bisschen mehr selbst zu wachsen, zu heilen und zu leben.

Doch wenn man all das wiederfindet, dann ist das wie eine Neugeburt. Als ich vor ein paar Monaten anfing professionell zu deschoolen war mir nicht klar, dass es genau diese Literatur sein würde, die ein paar Monate später mein Leben retten würde.

Danke Paul Goodman, Danke Ivan Illich.

Walking is King! Nimm Dein Leben in die Hand, sonst lebt es jemand anders.