Das einsame Kind

In der Nachbarschaft haben wir ein Kind, das frühstmöglich in den Kindergarten kam und jetzt in die Schule (inklusive Hort).

Heute spielten wieder eine Menge Kinder in unserem Gemeinschaftsgarten. Alle freuten sich und fanden irgendetwas zu tun, schoben sich auf Bobby-Carts durch die Gegend, fuhren Rennen und was man sich noch alles vorstellen kann.

Irgendwann kam dann das Nachbarskind heraus – die Schule war wohl zu Ende. Er hing ein bisschen abseits herum (er hat eine extra Schaukel), dann kam er auf den Spielplatz, wo alle anderen Kinder spielten. Ich sagte „Hallo“, er sagte auch „Hallo“, schaute ein bisschen und nahm dann seinen Schaufelbagger und trug ihn schweigend zu sich nach Hause.

Er versuchte nicht einmal mit den anderen zu spielen, oder mit ihnen zu reden. Wenn die Schule und der Hort aus sind, dann ist er allein. Hin und wieder werden Schulfreunde angekarrt, aber da ein Sprengel in der Stadt recht groß ist, ist keiner von denen in der gleichen Straße. Da in der Stadt viel Verkehr ist, müssen alle Kinder extra mit dem Auto herbeichauffiert werden.

Dies ist eines der strukturellen Probleme der Schule. Je mehr Zeit die Kinder in der Schule verbringen, desto weniger Zeit bleibt um mit den Nachbarskindern Kontakt zu knüpfen. Je weniger Zeit sie in der Schule verbringen, desto oberflächlicher werden die Beziehungen in und zu der Schule. In Grundschulen in kleinen Dörfern funktioniert das. Da ist die Nachbarschaft und der Schulsprengel identisch.

Doch hier in der Stadt führt es zur sozialen Isolation und zur Auflösung der Nachbarschaften. Die einzige Antwort auf die zunehmende Isolierung der Kinder in ihren natürlich Gemeinschaften ist die Ausweitung der Schule zur Ganztagsschule. Dann sind sie aber noch immer am Abend und an den Wochenenden alleine (besonders in der Mittelschicht)… und in den Ferien. Die Eltern ziehen sich im selben Schritt noch weiter aus der Beziehung und der Erziehung ihrer Kinder zurück.

Chopper kennt alle Kinder in der Straße, zu manchen hat er ein freundschaftliches Verhältnis, zu anderen ist er ein großer Bruder. Doch bald kommt die nächste Welle an Einschulungen und Verkindergartenung doch dann sind wir hier schon weg und finden neue Freunde, denn die Welt ist groß.

Voucher – Lehrer – Eltern – Schüler – Aus Feind wird Freund

Vieles mussten sich die Lehrer in der Vergangenheit gefallen lassen.

Das Lehrerhasser-Buch kam raus, Benotungsbörsen eröffneten im Internet, Lehrern wurde unterstellt (teilweise wissenschaftlich untersucht) die untersten 20% eines jeden Abiturjahrgangs auszumachen, der Playboy stellte fest, dass Lehrer so attraktiv sind wie GEZ-Eintreiber aber zumindest attraktiver als Zuhälter (und die Bild veröffentlichte das als die Berufe mit dem geringsten Sexappeal) usw.

Die Politik wollte darauf antworten mit verschiedenen Programmen zur Aufwertung des Lehrerberufes antworten. Ein Vorschlag handelte sogar darüber, dass Lehrer auf speziellen Lehrerfesten ihre Hobbies und ihr Privatleben preisgeben, um zu zeigen, dass auch sie Menschen sind.

Ich will mich nun auch mit einem Vorschlag beteiligen, der Lehrer, Eltern und Schüler wieder zu einer Allianz verbünden soll (zum Leidwesen von manchen Politikern, die nach dem Motto „Teile und Herrsche“ leben).

Das Modell ist eigentlich alt, es sind Gutscheine, die den Schulgebühren decken. Diese Gutscheine werden an Familien vergeben und sie können die Gutscheine bei der Schule ihrer Wahl einlösen.

Der Mechanismus der aus Schüler und Lehrer eine Allianz macht ist folgender:

- Suchen sich die Schüler die Schule aus (und indirekt die Lehrer, von denen eine Kurzvorstellung im Internet stehen sollte), so fühlen sie sich dieser verbunden. Werden sie einfach zugewiesen und ihnen fehlt die Wahl, so reagieren manche mit Trotz. Bei manchen sorgt so eine Wahllosigkeit für ein fehlendes Glücksgefühl, was wiederum zu Respektlosigkeit führt.

Der Mechanismus der aus Eltern und Lehrern eine Allianz macht ist folgender:

- Die Lehrergewerkschaften fordern aktuell immer mehr Mittel für die Schulen (also mehr Gehälter für die Lehrer, oder kleinere Klassen als Arbeitsentlastung). Dieses schlägt auf der anderen Seite natürlich steuerlich durch. Gewinnen die Schulen, so verlieren indirekt die Familien. Viele argumentieren, dass ja die Reichen eigentlich den Armen die Schulen bezahlen müssten, aber die Reichen haben Anwälte und Steuerberater (und das Ausland). Zusätzlich besitzen die Reichen auch die Firmen und holen sich ihren Gewinn schon dort ab, wo am meisten zu holen ist (in der Masse – Mittelschicht, Unterschicht). Würde man auf Vouchers umstellen, so müssten die Lehrergewerkschaften für eine Erhöhung der Vouchers plädieren. Dieses würde den Eltern auch passen (ließe man den Voucher auch für andere sinnvolle Bildungsausgaben zu). So würden Eltern und Lehrer + Lehrergewerkschaften auch hier zu Partnern.

Diese Idee ist sehr einfach und schnell umzusetzen und wird in immer mehr Ländern erfolgreich praktiziert.

Und wenn man dazu den Schulen Autonomie zugestehen würde, dann säßen Familien und Lehrer bald an einem Tisch und berieten darüber, wie sie ihre Schule haben wollten.

Was haltet ihr davon?

Finanzkrise, wer war schuld?

Während der Finanzkrise gibt es ja einiges an Erklärungsversuchen. Ich will auch mal einen starten.

Man wirft den Banken vor nicht funktioniert zu haben – und somit dem freien Markt.

Dann kommt der freie Markt und wirft den Zentralbanken vor ihre Kreditzinsen planwirtschaftlich zu steuern.

Daraufhin kommen die Regierungsanhänger und werfen den Banken vor, immer das Maximum herauszuholen und Kredite an die zu vergeben, die sich keine leisten können.

Als nächstes kommt wieder die Antwort, dass sie von der Regierung gezwungen wurden an Ghettos Kredite zu vergeben.

Die Regierung sagt dann, dass dies eine Maßnahme war um die weitergehende Getthoisierung der Ghettos zu verhindern – die die Banken durch das sogenannte Red-Lining verursachten (zur Erklärung: Banken zogen um Bezirke rote Linien, Kreditanfragen aus diesen Red-Line-Gebieten wurden generell abgelehnt).

Die Banken sagen, sie mussten Red-Lining machen, da sie aus diesen Gebieten dauernd Zahlungsausfälle hatten und es eine Menge Gesetze gibt, die unwirtschaftliches Handeln bestrafen – zumal auch die Aktionäre (oft von der Regierung überzeugte Besitzer von Rentenfonds) auch einen Anspruch auf Gewinn anmelden (sogar einen gesetzlich gestützten).

Irgendwann werden wir, wenn wir den Faden immer weiter zurückverfolgen, auf Goethe treffen, der den sozialen Abschluss anprangerte (zur Erklärung: sozialer Abschluss bedeutet, dass die oberen Schichten nach unten zumauern. Keiner darf hoch, aber man kann leicht fallen.)

Und so können wir es weiter und weiter spinnen, bis wir im Mittelalter angelangt sind und noch weit davor. Denn jede Reaktion hat eine Ursache, jede Maßnahme ihre Gegenmaßnahme.

Buckminster Fuller wies darauf hin, dass wir in immer kürzeren Abständen immer größere Krisen bekommen werden.

Wenn ich jetzt also „wissenschaftlich“ an das Programm herangehen würde, würde ich mir folgenden Umstand ansehen:

Es ist bekannt, dass große System sehr stark sind, jedoch auch sehr spezialisiert und damit sehr träge sind. Wären sie nicht stark spezialisiert, würden sie im Chaos versinken. Eine starke Spezialisierung ermöglicht aber kein schnelles Umschwenken.

Es gibt Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Überspezialisierung zum schnellen Aussterben führt. Dieses kommt daher, dass die Umweltbedingungen (seien sie natürlich, oder vom Menschen geschaffen) sich ändern. Mal mehr, mal weniger. Mal schneller, mal langsamer.

Überspezialisierte Strukturen können bestimmte Änderungsamplituden oder kurze Intervallen nichts entgegensetzen. Sie sterben aus, weil sie sich nicht schnell genug verändern können. Auf diese Weise bekommen die Strukturen auf dem Planeten indirekt eine obere Wachstumsgrenze gesetzt.

Das bedeutet Finanzkrisen müssten eigentlich die spezialisierten, großen Banken zuerst abschlagen. Änderungen in den Essgewohnheiten müssten die großen Nahrungsmittelkonzerne, die nur ein enges Spektrum haben (z.B. nur 5 verschiedene Burgersorten) ausselektieren.

Sie sind sozusagen die Dinosaurier. Allerdings haben wir einen Mechanismus, der diese Selektion verhindert. Nach Lewis Mumford bilden die aktuellen Gesellschaften eine Megamaschine – oder mehrere Megamaschinen. Diese Megamaschinen werden durch allerlei Opfer von kleinen Leuten am Leben gehalten. Diese Megamaschinen sind auch Dinosaurier, deren Kraft über die Steuern in den Regierungen aggregiert ist.

Für den Dinosaurier Regierung sind jedoch die Rettung weniger einzelner anderer Dinosaurier (Banken, Konzerne) wichtiger, als die Rettung der vielen kleinen Ameisen. Diese gelten als „systemrelevant“. Der aktuelle Regierungsdinosaurier scheut sich nicht einmal, dies öffentlich zuzugeben.

Die Megamaschinen stehen im direkten Kampf miteinander. Früher war es der kalte Krieg, heute sind es die Glaubenskriege (christlicher Atheismus vs. Islamismus). Der Erde war nur eine beschränkte Tragfähigkeit zugetraut worden, nach Thomas Malthus hieß es also „Du oder Ich“. Verschiedene Ideologen behaupteten, dass ihre Gruppe die wäre, die die Erde verdient hätte: Marx glaubte es wären die Arbeiter (schließlich stellten sie als einzige Mehrwert her), andere die Kapitalisten (schließlich besaßen sie die Erde und die Arbeiter waren nur Werkzeug) die nächsten glaubten, es wären die Intellektuellen. Jeder beanspruchte die Erde für sich.

Gerard Piel, der Mitgründer von Scientific American, bekannte in den 70er Jahren, dass die Erde nun doch für alle genug hätte, und die Ideologen sich nicht mehr bekämpfen müssten. Jedermann verbindet einen ähnlichen Satz mit Gandhi: Die Welt hat genug für jedermanns. Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier. Hier ist der Satz „Wohlstand für Alle“ bekannt geworden.

Wir wissen also, dass der Kampf beendet ist. Wir brauchen die Megamaschinen nicht mehr, um uns gegenseitig in einen internationalen Wettbewerb zu stürzen. Dennoch trainieren wir uns immer noch verbissen, vom ersten Mozart-Stück im Mutterbauch, bis zum Ende unserer Universitätskarriere und dann schlagen wir uns im Beruf, als ob wir Todfeinde wären.

Ich denke, das ist nicht mehr nötig. Wir müssen einen Weg aus der Megamaschine finden. Die Regierung, so sie denn diesen Weg mitgehen will, muss umdenken und nicht mehr die Dinosaurier finanzieren, sondern die kleinen Ameisen. So dass jeder ohne Angst sein Leben gestalten kann und damit das Maximum zum Fortschritt und zur Konvivialität beiträgt.

Dass wir keine Dinosaurier brauchen um Großes zu bewirken hat die Open-Source-Bewegung gezeigt und ihre gesellschaftlichen Ableger Wikipedia und Co . Und neuerdings stellt auch die Unschooling-Bewegung die Größe der aktuellen Schulgebäude in Frage. Ich kenne mittlerweile Homeschooler, die bauen ihr Auto selber und auch Häuser – beides auf dem neuesten Stand der Technik; ohne große Fabrikhallen. Auch wird sich, und davon bin ich überzeugt, die restliche Forschung ebenfalls bald dezentralisieren und ein Netzwerk bilden, dass keine Campus-Universität jemals bewerkstelligen könnte. In vielen Ländern der Welt gründet und etabliert sich zur Zeit eine politische Kraft, die ihre Meinungsfindung offen und transparent für Jedermann gestaltet und somit die Gremien und Konferenzen der alten Politik in Frage stellt.

Dieses ist der Beginn des postindustriellen Zeitalters. Wir werden die Dinosaurier sterben sehen, einen nach dem anderen. Dieses ist nicht nur der Beginn eines neuen Zeitalters, dieses ist die große Revolution, die seit Beginn der Machtzentralisierung voranschreitet und die nun eine neue Stufe erreicht hat.

Wahlaufruf – Piratenpartei

Morgen ist der große Tag. Für ein paar Stunden hat der Bürger die Macht auszuwählen, wer die Macht haben soll.

Ich will mich hier und heute für die Piratenpartei stark machen. Seit ein paar Monaten diskutiere ich dort über das Bildungsprogramm mit und wir sind schon sehr weit gekommen.

Das wichtigste an der Piratenpartei ist aber, dass sie eine Revolution bedeutet. Ich meine gar nicht Patentrecht und Internetzensur, auch nicht die digitalen Bürgerrechte.

Ich meine, dass sie eine demokratische Revolution sind. Früher haben sich die Menschen auf Bürgerversammlungen getroffen und die Bedingungen unter denen sie miteinander leben wollen ausgehandelt (aber auch nur in sehr wenig Ländern). Dann rissen Profi-Politiker unter allerlei Vorwänden das Szepter an sich und machten Gesetze, die die Menschen immer weiter entmündigten.

Wer aufmuckte bekam einen Stempel und galt als undemokratisch oder unpatriotisch. Mit den Piraten können die Bürger ihre Macht wieder zurückbekommen. Auch wenn eine echte Demokratie schwere Arbeit ist und man oft Meinungen hört, die einem nicht gefallen ist es doch die einzige Möglichkeit wieder zu einem respektvollen, mündigen Leben zurückzufinden.

Und vielleicht ist ein hohes Ergebnis der Piraten auch den anderen Parteien ein Signal. Menschen sind keine Wähler, kein Stimmvieh. Sie müssen eingebunden werden, anstatt mitgenommen. Ihre Bedürfnisse berücksichtigt, anstatt sie mit billigen Wahlgeschenken und Versprechungen zu ködern.

Die Zukunft ist zu komplex um sie ein paar Erwählten zu überlassen – sie gehört uns allen.

Ich bekenne mich klar zur Orangenen Revolution – ich bekenne mich zu den Piraten.

Gehen als Medizin und Soziologisches Experiment

Mummy1000Sunny war jetzt in England. 2,5 Wochen !

Das ist ganz schön schwer für die Zuhause gebliebenen.

Aber mir blieb viel Zeit um meine Gesundheit wiederzufinden.

Ich bemerkte, dass mein Herz Abends immer besser wurde – und Morgens ging es einigermaßen. Gegen 13/14 Uhr war es eine Katastrophe. Das Atmen fiel schwer, jedes Atmen brachte Extraschläge mit sich usw.

Nach dem letzten „großen“ Ausflug (ungefähr 1 Kilometer und zurück) verengte sich mein Wirkungskreis massiv. Am Ende wagte ich nicht einmal mehr die Wohnung zu verlassen. Eine Mischung aus Angst und Herzschlägen.

Ich bemerkte, dass ich immer schwächer wurde. Ich war wie ein Licht, das langsam ausging – und ich glaube noch 2 Wochen so weiter und das wäre es gewesen. Ich traute mich aber auch nicht zu bewegen, da ich mein Herz nicht stressen wollte.

Und so wurde der Lichtschein immer schwächer. Zuhause konnte ich gar nichts mehr mithelfen – und als Mummy1000Sunny fuhr, kam dann jeden Tag meine Mutter vorbei.

Als ich am dritten Tag alleine war, beschloss ich den Computer für eine Woche nicht mehr anzuschalten – und mich nur noch auf mich zu konzentrieren. Ich fing an auf dem Trainingsrad mein linkes Bein zu trainieren (das Herz sitzt auf der linken Seite und sobald ich mein linkes Bein belastete bekam ich Extraschläge).

Dann ging ich unten die Straße entlang. Erst kleine Wege, hin und her. 10 Meter hin, 10 Meter her. 10 Minuten, 20 Minuten, 40 Minuten. Die Wege wurden immer länger. Immer so lange, wie ich mich gut fühlte. Dann kehrte ich um und ging die Straße in die andere Richtung hinauf.

Irgendwann kam ich dann wirklich bis zum einen Ende der Straße. Ich ging nie soweit, dass ich Angst bekam. Nur soweit, wie ich mich gut fühlte. Ich forderte mich nicht. Ich ging nicht über meine Grenzen hinaus. Ich bewegte mich innerhalb meiner Grenzen. Dort wo ich mich sicher fühlte. Eine kleine Pendelbewegung um unsere Eingangstüre.

In dieser Zeit lernte ich praktisch alle unsere Nachbarn kennen – und alle kennen mich. Ich bin der, der teilweise 3 Stunden am Stück hin- und hergeht. Die Grenzen erweiterten sich von selbst immer weiter – ich musste sie nicht schieben. Ich musste mich nur innerhalb dieser Grenzen bewegen.

Am Anfang verursachte noch jeder Nachbar Herzklopfen, dann nur noch Hunde, nun kann ich auch schon an Hunden vorbeigehen. Übrigens habe ich eine interessante Entdeckung gemacht: Nachts vom 9.30 – 10 Uhr, sobald alle ihren Hauptfilm gesehen haben, kommen sie auf die Straße und führen ihre Hunde Gassi. Ohne Leine. Es ist ja Nachts.

Einmal ging ich über meine Grenze hinaus und bekam auch prompt eine Panikattacke, als ich umkehren wollte. Aber ich setzte mich hin und mein Herz beruhigte sich. (Darüber hatte ich ja schon geschrieben).

(Vorsicht, im folgenden werde ich esoterisches Vokabular wie „Aura“ benützen :) )

Um diese Zeit kam mir auch ein altes Bild wieder von mir (man hat ja immer verschiedene Selbstbilder von sich). In diesem Bild gehe ich durch die Straße und mich umgibt ein Feuerschein (eine Aura). Dieser Feuerschein war einfach die Stärke, die ich fühlte und sein Radius war der, wo ich mich sicher fühlte – und meine Umwelt nicht fürchtete.

Diese Aura schien in den letzten Jahren immer kleiner geworden zu sein, und in den letzten Monaten erloschen. Ich stand verletzbar auf weiter Flur und verloren, konnte keinen Angriff abwehren und mich nirgends sicher fühlen. Der Lärm und die Eindrücke der Stadt prasselten nun direkt auf mich ein. Ich war diesem allen schutzlos ausgeliefert. Eine Straße zu überqueren war äußerste Anstrengung.

Jetzt da diese Stärke wiederkommt fängt auch die Aura wieder an zu wirken. Ich kann neben befahrenen Straßen gehen und Hunde können an mir vorbeigehen – es ist eine dicke Haut (ich nenne sie aber lieber Aura, da es eben dieses Bild in meinem Kopf ist und ich eine dicke Haut nicht endlos ausdehnen kann, ohne lächerlich zu wirken, einen Feuerschein aber schon).

Zusätzlich mache ich noch eine Gestalttherapie und lese der Nemesis der Medizin. All diese Dinge helfen mir die Zuversicht, die ich während der letzten Jahre verloren habe und den Glauben in die gesellschaftliche Stützen durch echtes Vertrauen in mich Selbst und meine eigene Stärke und die Kontaktfähigkeit zu meinen Mitmenschen zu ersetzen.

Mein Ziel ist es, die Abhängigkeit von den Krankenhäusern durch eine Fähigkeit zur Selbstheilung zu ersetzen.

Es ist so absurd. Selbstheilung das hört sich auch so esoterisch an, dennoch können wir es beobachten, wenn sich unsere Wunden von Selbst schließen, verschorfen und abheilen. Diese natürlichen Funktionen sind von Medizinern und Wissenschaftler untersucht. Die Chirurgen im Herzzentrum haben mir es immer wieder gesagt: „Das Herz und der Körper ist so komplex, dass wir die Auswirkungen unseres Handelns nicht immer abschätzen können, aber ein echtes Herz ist immer besser als ein Künstliches und der Körper heilt zur Zeit noch besser als wir“.

Und so ist es. Ich gehe stundenlang – und mittlerweile gehe ich sogar auf allen Vieren (aber nur kurze Strecken – das ist nämlich wirklich anstrengend) – aber es stärkt auch die Rückenmuskulatur besser als jedes Fitnessgerät. Es sieht zwar blöd aus, aber das ist mir egal. Ich bin eben schlecht sozialisiert. Und den Rest meiner Sozialisation kriege ich auch noch los :)

Ich bin froh, dass ich rechtzeitig meinen Glauben an die Krankenhäuser verloren habe, und sie jetzt ihren Platz haben, aber nicht mehr das radikale Monopol auf meine Gesundheit. Danke Ivan Illich. Danke Paul Goodman. Viva Deschooling.

Die Lehrerkonferenz

Stell Dir vor, Du bist auf eine Lehrerkonferenz eingeladen. Nun stehst Du vor ihnen und musst ihnen in kurzen Worten erklären, was Unschooling, Deschooling und Homeschooling bedeutet. Wie kann man das wohl bewerkstelligen?

In der Hölle

Seitdem ich nachts den Computer nicht mehr anschalte, habe ich angefangen wieder viel zu träumen (oder mich an meine Träume zu erinnern, wer weiß).

Gerade hatte ich einen Traum, bei dem ich in der Hölle war und ich fand es sehr interessant, wie die Hölle aussah.

Zuerst einmal: Sie war ein Hochglanzpalast, ein Gebäude aus Stahl und Fenstern mit vielen Stockwerken.

Diese Stockwerke waren alle mit Aufzügen verbunden (auch nur mit Glaswänden), sobald man die nächste Ebene erreichte und die Tür aufging, konnte man sich nicht sicher sein, dass diese (die Tür) sich nicht sofort ruckartig wieder schloß und der Aufzug mit einem (halb drin, halb draußen) weiterfuhr… autsch.

Dort wurden wir (ich und noch eine unbekannte Person) von einer Art pelzigen Monster verfolgt (der Höllenhund Cerberus vielleicht). Irgendwie freundeten wir uns aber mit ihm an und Schwupps war er in Ungnade gefallen. Nun wurde er ebenso verfolgt, wie wir. Dieses Mal waren gleich zwei pelzige Monster hinter uns her, sie hatten die Form von manngroßen Zwiebeln auf zwei großen Clownfüßen.

Im Gegensatz zu Dantes Inferno war sie ein unbewohnter Turm. Dantes Inferno dagegen ist ein sehr belebter Ort, wo man alle Berühmtheiten der damaligen Welt und der Geschichte findet. Am Eingang des Infernos waren z.B. die alten griechischen Philosophen und unterhielten sich über Philosophie. Als ich das damals las, wusste ich, dass ich mal dorthin wollte nach dem Tod :) Mit Platon und Sokrates diskutieren – und wer weiß, wer da alles mittlerweile noch ist.

Der Himmel dagegen wurde bei Dante immer nur heller und höher und man reiste auf einer Art Lichtscheibe dem immer helleren Licht entgegen. Das fand ich ein bisschen einfallslos.

Während Dantes Hölle unglaublich schmutzig und dunkel war, war diese Hölle heute Nacht unglaublich steril und hell. Und unbewohnt. Man war praktisch alleine. Auf jedem Stockwerk befanden sich in der Mitte große Swimming-Pools. Diese waren nach Aussagen von Cerberus mit Salzsäure gefüllt – der Geruch war halt dieser Geruch von künstlichen Swimming-Pools in Stahlbeton-Bauten. Da es auch unangenehm warm war, empfand niemand die Neigung es zu überprüfen (und schon gar nicht mit den Killerzwiebeln im Nacken).

Was das Schlimmste war, war die unglaubliche Einsamkeit. Wir waren 2 Menschen, Cerberus und die beiden Zwiebeln in diesem riesigen Hochhaus. Der Teufel war ganz unreal und kommunizierte über Mikrofone, Lautsprecher und telepathisch mit seinen Lakaien. Wir bekamen sie aber nie zu sehen – also gab es auch keine Möglichkeit der Hölle zu entrinnen. Bei Dante saß der Teufel im innersten Kreis des Infernos, dort konnte Dante auf seine Schultern steigen, der Teufel stand auf und hob Dante hinauf und hinaus aus der Hölle.

In diesem Glas-Turm wusste man nicht mal in welchem Stock man war – draußen war eine Art Nebel.

Ich finde es sehr interessant aus welchen Punkten sich diese Hölle zusammensetzte: Anonymität, Verwaltung (Ansprechpartner ohne Verfügungsgewalt), Sterilität, Einsamkeit, Verlorenheit, bei Abweichungen sofortiger Ausschluss aus der Gesellschaft, keine Gemeinschaft, Überwachung, Unbeweglichkeit bei gleichzeitiger Anwesenheit von hochentwickelten Bewegungsmitteln. Bewegungsmittel, die eine große Gefahr darstellten. Zerstörerischer Luxus.

Was mich bei näherem Überlegen wundert: Es waren keine Autos da – kein Lärm, keine Menschen, die teilnahmslos aneinander vorbeigingen oder ein geräuspertes Hallo aus dem Kehlkopf pressten…. vielleicht war es gar nicht die Hölle, sondern nur ein komischer Turm. Vielleicht war es gar kein  Traum, der die Psyche wieder reinigt sondern einfach nur eine Fantasie. (hmmmm….)

Ach… ach

Das mit den Blogs ist immer so eine Sache. Frau Sevenjobs will jetzt dicht machen. Schade wäre es.

Ich blogge zur Zeit aber auch nicht so viel. Ich gebe mir alle Mühe meine Gesundheit, die ich ungefähr im April verloren habe (wobei es schleichend schon im Dezember mit dieser hektischen Welt losging… und dem Harry Potter und Mummy1000Sunnys Dauerpraktika)… diese Gesundheit wiederzubekommen.

Zur Zeit gehe ich stundenlang auf und ab. Auf und Ab. Auf und Ab. Dann wenn ich mich mal etwas weiter traue (so wie letztens, bis zur Post) bekomme ich beim Umdrehen eine Panikattacke (Mein Gott, es ist dunkel und ich schaffe den Weg nicht zurück). Dann rast mein Herz los und ich brauche einen Tag um mich auszukurrieren. Bei der Gelegenheit habe ich entdeckt, dass Winken nichts bringt, wenn man von Passanten nachts konkrete Hilfe braucht… die Winken aber nett zurück und gehen schnell weiter (schon wieder so ein besoffener Penner!).

Zur Zeit lese ich „Die Nemesis der Medizin“ – da geht es mitunter darum, dass keiner mehr dem anderen Hilfestellung leistet, dafür gibt es ja immerhin Rettungsdienste und Sanitäter. Versuche haben gezeigt, dass schon ein einziges Martinshorn die medizinische Hilfebereitschaft der Bewohner eines ganzen Dorfes auf null senkt.

Es ist schon interessant, wir sind hier alle so isoliert voneinander und mit grundlegenden Bedürfnissen nur noch über hochspezialisierte Profis verbunden, dass man sich fragt: „Sind wir überhaupt noch eine Gesellschaft? Oder eine Gemeinschaft?“

Und da sind wir schon wieder beim Thema. Heute war in Bayern wieder Schulanfang und tausende Kinder wurden zwangsinhaftiert und wurden auf ihre kleine Insel-Der-Gemeinschaft gebracht, wo sie verlernen, wie sich natürlich Gemeinschaften konstituieren und sie durch Staatsdoktrin ersetzt werden. Und jetzt heißt es für alle wieder ein weiteres Jahr auf dieser „Herr-Der-Fliegen“-Insel zusammen mit ein paar Aufpassern, die das Schlimmste verhindern sollen.