Ein paar interessante Zitate aus Communitas (Goodman)

So spricht Paul Goodman in Communitas:

S.103: Die Massen jedoch sollen – ganz dem Geist Veblens widersprechend – in das zwischen den Fraktionen der <<Structural Study Associates>> stattfindende Glücksspiel um die finanzielle Zukunft verwickelt werden (Buckminster Fuller’s Meinung)

(Modell effizienter Konsum: )

S.174: Es ist gar keine Frage, dass die klassischen Werke aus Kunst und Wissenschaft in Waren verwandelt werden (etwa als Taschenbuchausgaben) und dass diese Umwandlung noch stärker betrieben werden kann. Auf der anderen Seite können solche Bücher nicht einfach verkonsumiert und auch nicht laufend neu >>produziert<< werden. Sie ausbeuten zu wollen, wäre auch kurzsichtig, denn eine unbedachte Popularisierung der Klassiker müsste dem sicheren Absatz der Illustrierten schaden. Bildung ist notwendig, um überhaupt Kultur zu erhalten. Zu viel davon ließe allerdings zu viele Leute klar sehen.

Diesen und ähnlichen Problemen hilft der Park ab. Es gibt dort Cafés im Freien und Tanzflächen, die den Reisenden aus den Hotels zugänglich sind, wenn sie aus dem Zentrum kommen.

Über Nachbarschaften:

S.175: Die Idee von Nachbarschaft ist es, zum menschlichen Maß zurückzukehren. Auch in der Stadt des effizienten Konsumierens ist die Nachbarschaft eine grundlegende Sache, da dort der gegenseitige Neid und die gegenseitige gehässige Beaufsichtigung stimuliert wird.

Wir können das so erklären: Es ist im allgemeinen unbefriedigend und unangenehm, auf Familienmitglieder und Freunde neidisch zu sein oder ihnen ihre wirtschaftliche Unterlegenheit zu demonstrieren. Andererseits kann man das auch nicht bei völlig Fremden. Darum muss es wenigstens für den häuslichen Gebrauch der Waren, um den Neid zu erregen, eine Nachbarschaft geben. Die Nachbarn sind neugierig, beurteilen die Kleidung, achten darauf, dass der Vorgarten gepflegt ist. Sie sind keine so nahen Bekannten, dass man sich scheut, anzugeben. Sie kennen einen nicht gut genug , um einen zu durschauen.

Die Nachbarschaft sollte aus verschiedenen sozialen Schichten zusammengesetzt sein. Jede Schicht muss stark genug vertreten sein, um jeder Familie Sicherheit zu bieten und die subtilen Formen der Beaufsichtigung zu ermöglichen, die unter Leuten geschieht, die sich untereinander besuchen. [...]

Jeder Block hat seine Läden, Tennisplätze, Kindergärten, Grundschulen, wo die Nachbarn miteinander verkehren und wetteifern können. [...]

Die Bewohner bestehen zu 40% aus älteren Leuten. Das ist das unvermeidliche Ergebnis zweier Trends [...]

Andererseits bedeutet das eine perfekte Umwelt für Hypochonder: Geschützt vor den Elementen, klimatisiert, einfache Transportwege, schnelle Dienstleistungen, das alles ist so organisiert, dass das schwache Herz nicht angestrengt und dass von den wackligen Beinchen keine Vitalität verlangt wird.

[...]

Das ist eine Umwelt von Raum, Nahrung, Sonnenlicht, Spiel und beruhigender Unterhaltung, über deren großenteils biologisch und physiologisch determinierte normale Erfordernisse jedermann gleicher Meinung ist.

S.181: Direkte politische Initiative kann in der Stadt effizienten Konsums nicht ergriffen werden, weder in nationalen noch lokalen Angelegenheiten. Denn die expandierende Wirtschaft entwickelt heikle Strukturen, die nur durch eine Korporation von Technologen, Geschäftsleuten und Ökonomen gemeistert werden können. Periodische Wahlen wie Werbefeldzüge. Die Käufer können zwischen verschiedenen Marken wählen, die im Grunde identische Waren sind.

S.260: Die folgenden Stadien liegen zwischen einfachem Job und wahrem Beruf: Die Arbeit (a) ist bloß Antwort auf die Pressionen einer geldorientierten Gesellschaft, (b) stellt die verfügbare Möglichkeit dar, den Lebensunterhalt zu verdienen, (c) interessiert die Person, d.h. steht in Relation zu freundschaftlichen und familiären Traditionen und Kindheitswünschen, (d) stützt sich als Ausfluß eines intensiv betriebenen Hobbies auf freie kreative Kräfte, (e) macht die Erfahrung aus, die ein Mensch sich wünscht.

Das erste Stadium, ein nur ökonomischer Job, ist das, in welchem die meisten Menschen heute arbeiten müssen. Jobs für Familien und Gruppen waren früher geläufig, Hobby-orientierte Tätigkeiten stellen in unserer Gesellschaft für viele ihrer Mitglieder ein erstrebenswertes Ziel dar. Diese Tätigkeiten verlangen jedoch mehr Freiheit der Möglichkeiten und reifere Persönlichkeiten, als die gegenwärtigen Zustände erlauben. Wahrer Beruf allerdings ist vielleicht gar nicht mit gesellschaftlichen Mitteln herzustellen (in vielen Fällen ebensowenig zu verhindern).

Der soziologische Zoo

(ein sehr interessantes Kapitel)

Bald sind Ferien

In den Ferien, so denkt und hofft man füllen die Kinder die Straßen. Es wird gesungen und Spiele finden statt….

Aber ich weiß mittlerweile, dass es nicht so sein wird. Alle Kinder werden in Flötenkursen, Musikschulen, Sommercamps oder extra Training sitzen. Wir kennen sogar einen der bekommt eine Reizdeprivation (das heißt er wird gezielt gelangweilt). Dieses wechselt sich ab mit Übersensibilisierungs-Wachstums-Kognitiv-Enhancement-Tropfen.

Er kommt dieses Jahr in die erste Klasse und die Mittelstandsmutter spricht schon zu dem Mittelstandskind, wie es denn dann bald im Gymnasium werden wird. Dann nimmt die Lehrerin der Familie (Mittelstandfamilien haben immer irgendwo einen Lehrer in der Familie, der das Junior noch tuned) noch alle Hafenstädte durch Rotterdam, Amsterdam, Heilgendamm, Blinddarm.

Insgesamt sind die Sommerferien anscheinend zu einer Art super-tuning-Institution für Mittelstands-Kinder geworden. Es geht darum sich die beste Startposition im neuen Jahr zu sichern. Das Jahr des Rattenrennens.

Wenn also das eigene Kind nach den Sommerferien auf einmal viel schlechter ist als letztes Jahr, so liegt das nicht notwendigerweise daran, dass das eigene Kind schlechter geworden ist. Es liegt wohl nur daran, dass man ihm echte Ferien zugestanden hat, anstatt es ins Werkstatt zu schicken.

Sanji – 5 Monate

Mummy 1000Sunny

Die Zeit vergeht echt schnell. (Und ich hab ganz verlernt zu Bloggen…)  Sanji hat seinen festen Platz in der Familie und nimmt am Familienleben aktiv teil. Chopper und Nami findet er besonders toll und lacht, sobald er sie sieht. Nami macht manchmal ziemlich wilde Sachen mit ihm, aber ihm scheint es zu gefallen. Chopper singt ihm gerne seine Lieder vor und beruhigt ihn so, wenn ich mich mal nicht sofort um ihn kümmern kann. Beide können mit ihm „Peepo“ spielen. Ich habe auch versucht, das genauso zu machen, wie sie, aber mich schaut Sanji einfach nur verwundert an, während er bei Nami und Chopper laut lacht und sich gar nicht mehr einkriegt. (Was mache ich falsch?!?)

Das mit dem windelfrei klappt immer besser, aber es ist schon sehr abhängig davon, wie fit ich bin, ob ich ihn trage, und wie aufmerksam ich ihm gegenüber bin. Im Moment macht er sehr oft wenn er auf dem Bauch liegt mini-Pipis, ich denke, in der Position drückt es ihm einfach auf die Blase. Wenn ich ihn trage passiert eigentlich nichts. In der Nacht läuft es sehr gut. Meist muss er auch wenn wir von drinnen nach draussen oder umgekehrt gehen. Er geht auch immer bevor wir ins Auto einsteigen, und nach der Autofahrt, wenn wir länger unterwegs waren. Windeln benutze ich nur sehr selten, z.B. zum monatlichen Großeinkauf im Metro.  Aber selbst dann bleibt sie eigentlich trocken, und er wartet bis sie wieder weg ist.

Mittlerweile hat er auch großes Interesse an den Dingen, die wir essen, und freut sich, wenn ich mit ihm teile. Gerade hat er mit mir einen Pfirsich geteilt, und es hat ihm sehr gut geschmeckt. Er kann schon sehr gut kommunizieren, ob er etwas mag oder nicht. Blaubeeren zum Beispiel haben ihm nicht so geschmeckt. Die ersten hat er noch gegessen. Die dritte hat er ausgespuckt, und die vierte abgelehnt. Was ihm sehr gut schmeckt ist rohe Zucchini (von Nami Softi-Cucumber genannt), Couscous mit marrokanischem Fischtopf, Gurke, Brot (und Gras, alte trockene Blätter, unsere Zimmerpflanzen, Papier, und andere typische Baby-Schmankerl). Dadurch, dass wir auf Brei verzichten, können ihm auch Nami und Chopper was geben, was ihnen natürlich sehr gefällt. (Brei füttern ist verglichen damit wirklich eine hohe Kunst, wenn nicht die Hälfte aussen am Baby kleben bleiben soll).

Sanjis körperliche Entwicklung ist ein wenig – verrückt. Er hat letzte Woche zum Beispiel angefangen, sich aus dem Liegen aufzusetzen, und dann sitzt er da, frei, und freut sich. Allerdings kann er sich dann nicht so einfach Dinge greifen, weil er sich auf das Balancieren konzentrieren muss (und die Arme verglichen mit dem Rumpf so kurz sind), und wenn er sich nicht konzentriert, dann kippt er auf die Nase. Mittlerweile hat er aber schon raus, wie er sich langsam, abgestützt nach vorne fallen lassen kann, um an irgendetwas zu kommen. Oft stemmt er sich aus dem Liegen zuerst in eine Liegestütz-Position, oder stellt sich auf Hände und Knie (wie schreibt man das Plural von Knie?). Dann übt er, auf nur einer Hand und 2 Knien (???) zu stehen. Anfangs lag er dann immer auf der Nase, mittlerweile nicht mehr. Er scheint richtig zu trainieren, um ganz mitmachen zu können…

Heute wurde er auf 1 bis 1 1/2 Jahre alt geschätzt… weil er so kräftig ist. (Der Mann, der das geschätzt hat, hatte aber auch als Vergleich seine Zwillings-Nichten, die zu früh zur welt gekommen sind. Sanji ist kein Riese oder so. Aber kräftig gebaut auf jeden Fall.)

Die lieben Kinder…

…haben ein großes Problem: Eltern. Kinder sind sehr süß und die Gemeinschaft kann gar nicht genug von ihnen bekommen. Schließlich sind sie die Rentenansprüche. Das steht schon im Generationenvertrag – den die Kinder nicht unterschrieben haben und noch nicht einmal im geschäftsfähigen Alter waren als sie ihn nicht unterschrieben haben.

Dennoch kommen all diese süßen und lieblichen Wesen mit Eltern zur Welt. Und die will wirklich keiner. Die sind nicht süß, die haben eine eigene Meinung. Viele haben auch eine Vergangenheit, die sich nicht mit den Alles-Ist-Wunderbar-Parolen der Regierung vereinbaren lässt. Insgesamt sind erwachsene ja eh Schrott. Die wehren sich sogar gegen lieb gemeinte Internetsperren!

Wie man Eltern gezielt ausschalten kann haben wir ja in den letzten Jahren erfahren. Dass es aber noch immer Steigerungen gibt und noch weitere Steigerungen dieser Steigerungen kann man schon fast gar nicht mehr glauben. Dennoch…

Unsere liebe „Familie-(Einäscherungs)-Partei“ würde das so ausdrücken: Schavan will Schulpflicht ab 4 Jahren

Der moderne Soziologe mit Tunnelblick setzt noch eins drauf: Wir müssen den Einfluss der Eltern ausschalten

Und moderne amtliche Jugendamts-Killertruppen haben ihre eigenen Methoden: Gutachter ignorieren anstatt Inkompetenz revidieren

Regierung vernebelt Forschungsergebnisse und missbraucht sie: Hier am Beispiel Familienmonitor.

Ich frag mich wo das noch hinführt? Ach ich weiß es ja. Aldous Huxley hat es ja auf den ersten 10 Seiten seiner bezaubernden Zukunftsvision beschrieben. Zur Zeit haben alle Angst vor dem Orwellschen Überwachungsstaat. Und im Hintergrund wird der Lehrplan der Schulen immer mehr ausgeweitet und die Lehrer so weit zurückgedrängt, dass sie roboterartig den Stoff durchpauken müssen.

Wir sind nur noch so wenig von einer schönen neuen Welt der Chancengleichheit entfernt.

Es stehen nur noch die Eltern im Weg. (und die kindliche Bindung und all so ein Müll…. aber das soll uns nicht stören)

Die andauernde Reproduktion einer Gesellschaft des effizienten Konsums muss mit allen Mitteln aufrecht erhalten werden. Wachstum, Vollbeschäftigung und noch mehr Wachstum (auf einem endlichen Planeten).

Kinder brauchen keine Grenzen….

Kinder wollen verstehen.

Chopper ist heute mal wieder ausgeflippt. Das passiert zur Zeit öfter, da die Tage so erschöpfend sind und alle möglichen anderen Dinge zusammenkommen (hauptsächlich Nami). Mummy lernt ja auf ihre Diplomprüfungen und ich hatte auch einen schweren gesundheitlichen Rückschlag. (Liebes Jugendamt gerne könntest Du in solchen Situationen helfen… ach nein lieber nicht).

Wie dem auch sei, er ist ausgeflippt und ich habe ihn mit auf den Balkon genommen. Auf dem Weg dorthin hat er angedeutet mich beißen zu wollen.

Er meinte dann, dass ich ihm nicht seine Freiheit nehmen könnte – da müsse er sich wehren. (Da hat er auch vollkommen Recht)

Ich habe ihm dann aber erklärt, dass er seine Freiheit nur so weit ausdehnen darf, wie sie nicht die Freiheit von anderen beschränkt. Also ausflippen und Mummy und Nami das Leben schwer machen ist ein Schritt zu weit.

Darüber dachte er nach. Ich erzählte ihm dann ein Beispiel, was wäre, wenn Menschen vor unserer Wohnung stünden und laut schrien und rauchten. Er meinte er würde die Fenster zu machen. Wenn er aber draußen wäre?

Und alle Fenster zu …? Und die Türen auch…? – und immer so weiter überprüfte er seine Fluchtmöglichkeiten.

Als er merkte, dass er keine Fluchtmöglichkeiten hat, dachte er sehr lange nach…

Das ist unsere Grenze – die Freiheit des anderen.

Unter Piraten – Diplome Angebot und Nachfrage

Zur Zeit mische ich ja bei den Piraten mit – jetzt kam die Frage auf: Sollte man Diplome nicht limitieren (so wie es heute der Fall ist) oder soll man jedem erlauben das Studium/Bildungsniveau zu erreichen und sich diplomieren zu lassen, dass er will. Und kann man Bildung überhaupt absolut messen, oder ist es ein relativer Wert, den ich nur über Vergleich ermitteln kann?

Meine Antwort war Folgende:

Ich denke es ist wichtig Wertprämissen explizit auszusprechen. Der Thread Angebot und Nachfrage ist für mich die Diskussion der Wertprämisse schlechthin. Es kommt darauf an, ob wir ein Bildungssystem mit angezogener Handbremse (Diplome werden quotiert verteilt) oder eines das volle Geschwindigkeit (Diplome werden an jeden verteilt, der die Fähigkeiten nachgewiesen hat) bauen.
Vor allem ist es aber auch wichtig für die Schüler.
Denn so können sie wissen: „Wenn ich zur Diplomierung antrete, dann nehme ich niemand anderen die Diplomierung weg“ (kein Rattenrennen)
Oder: „Ich trete mit all meinen Kameraden in Konkurrenz – nur drei in dieser Klasse können ein Diplom kriegen. Der Rest ist Öl fürs Getriebe“ (Rattenrennen)

Zur Diskussion selber will ich auch noch was beitragen (nicht korrekturgelesen, also vorsicht):
Ich glaube dass Bildung einen Wert für sich hat. Das bedeutet ich erkenne einen gebildeten Menschen, ohne ihn in einen Vergleichsrahmen zu stellen. Dies konnte ich ganz intensiv an Platons Staat oder Vygotskijs Denken und Sprechen sehen. Hingegen sah ich in Piaget einen Menschen der ein hohes Bildungsniveau erreicht hatte, aber sich nicht von seinen eigenen Gedanken trennen konnte. Auch in Dickens kann man einen gebildeten Menschen erkennen, ohne vorher Harry Potter zum Vergleich gelesen zu haben. Verschiedene Philosophen und Gelehrte haben uns einen Bildungsbegriff gegeben (z.B. an educated mind can entertain a thought without accepting it), der keinen Vergleich brauch – der allein für sich steht.

Ich denke, wenn man in einem Raum mit lauter ungebildeten Menschen steht, dann fühlt man das auch sehr schnell. Es entsteht eine oberflächliche Kommunikation, die Menschen haben keine Interessen und brennen für nichts, für das nicht auch der Rest ihres Kulturkreises brennt.

Dieser Wert der Bildung trägt sich selbst. Er braucht keine Firma, keinen Chef, kein Fließband, kein Labor in dem er wirken kann und das ihm vorschreibt, wie er zu wirken hat. Ein gebildeter Mensch definiert so auch seinen eigenen Marktwert. Wird er zu einem Hungerlohn ein Arbeitsangebot bekommen, kann er sich eine eigene Arbeit schaffen (im Gegensatz zu einem ungebildeten Menschen, der diesen Hungerlohn annehmen muss, oder nichts machen kann).

Gebildete Menschen tragen zur Gesellschaft bei, je mehr eine Gesellschaft hat, desto reicher ist sie. Wir lernen alle, dass Forschung Milliarden-Budgets braucht. Wir lernen, dass Forschung nur in riesen Teams stattfinden kann, die Fabrikmäßig Erkenntnisse und Studien produzieren. Werfen wir aber einmal einen Blick auf die Menschen, die wirklich zur Zivilisation und Forschung beigetragen haben, und werfen wir einen Blick auf die Mittel, die sie hatten, so bestätigt sich das nicht. Das braucht mir keiner glauben, aber der Flow-Forscher Csikszentmihalyi hat sich die Mühe gemacht und sich damit umfassend auseinandergesetzt und man kann es in seinen Büchern nachlesen.

Beobachtet man aber die aktuellen Schulen, Universitäten und Nachrichten, so kommt man zu der Annahme, es gäbe wirklich eine Bestrebung diese Quotierungen durchzuführen und nur wenige Diplome zuzulassen – im Hinblick auf das Gehalt dieser wenigen. Forscht man ein bisschen tiefer, so entlarven sich diese Mechanismen aber als Systemfehler.
Hier ein paar Beispiele:

1.) Vergleich und Gauss-Kurve -> Der „Vergleich“ wird in Kurzeinführungen zur Pädagogik als Motivator beschrieben (er ist auch der, der am einfachsten funktioniert – sogar Sysiphos würde heute noch den Stein schieben, wenn er nur einen zweiten Sysiphos gehabt hätte, mit dem er sich jeden Tag hätte vergleichen können); Gauss-Kurve ist eigentlich gesetzlich untersagt, dennoch gibt es die Aufforderung Tests dem Klassenniveau anzupassen (so dass die Gauss-Kurve herauskommt) Zusätzlich „glauben“ viele Lehrer, dass es so sein muss (und auch ihre Vorgesetzten, mit denen sie sich nicht anlegen wollen)
2.) Der Fall Sabine Czerny, der Grundschullehrerin, deren Klassen einen Schnitt von 1,3 hatten. Sie wurde versetzt. -> Eltern anderer Kinder konnten es nicht verstehen, warum ihre Kinder nicht bei Frau Czerny waren. Dieses störte den Schulfrieden. Alle Eltern wollen nämlich eine Gymnasialempfehlung (Eltern wollen sich beweisen, dass sie gute Eltern sind)
3.) Fehlende Phantasie. „Alles was erfunden werden kann, ist erfunden worden“ so äußerte sich ein Direktor eines amerikanischen Patentamts um das Jahr 1890. So denken die meisten heute auch noch. Und so denken sie, dass mehr ausgebildete Leute, um die gleichen Jobs konkurrieren und somit nach Manchester-Kapitalismus Art die Löhne sinken. Dennoch ist es Bildung, die zu neuen Erkenntnissen, Erfindungen, Arbeitsplätzen führt. Eine „Bildung für sich“ (als Privatvergnügen) gibt es also nicht – es gibt nur zu wenig Bildung, oder keine echte Bildung, die dann unfruchtbar bleibt und keine neuen Erkenntnisse bringt.
4.) Zunftmentalität – durch Zünfte beschränkt man die Leute, die einen Beruf ausüben kann. So kann man eine Art Monopol schaffen und die Preise diktieren. Allerdings bringen Zünfte innere Erstarrung und waren meistens der Untergang und nicht die langfristige Sicherung einer Berufssparte. Nach der franz. Revolution wurden die Zünfte aufgehoben und die Handels- und Gewerbefreiheit eingeführt. Durch limitierte Diplome wäre diese Handels- und Gewerbefreiheit wieder abgeschafft.
5.) Esoterik – die ursprüngliche Esoterik bezeichnete eine Geheimwissenschaft. Das bedeutet, wenn man seine Kenntnisse vor anderen verbirgt und ihnen im selben Maße erzählt, sie brauchen diese Kenntnisse und bekommen sie nur von der diplomierten (eingeweihten) Gruppe, dann macht man sich unabkömmlich. In Wirklichkeit sondert man sich aus der Gesellschaft aus und schadet derjenigen Wissenschaft indem man sie dem Volk entfremdet. Zusätzlich läuft man Gefahr sich von äußeren Einflüssen abzuschotten (Außenstehende gibt es per Definition nicht) und somit einen intellektuellen Inzest zu betreiben, der nicht mehr fähig Fehler zu erkennen, da er betriebsblind ist. (Bei Diplomen gelten hier analog nur Diplomierte als qualifiziert über die Materie mitzureden)

Man kann verschiedene Beispiele in der Geschichte finden, wo solche Abschottungen (wie Limitierung der Diplome eine darstellt) zu einem Untergang führten.
Genauso kann man Beispiele finden wo eine Aufklärung, also eine unlimitierte Qualifizierung zu einem neuen Level der Bildung führte. Hier will ich die Einführung der Rechtschreibung anführen. Zuerst galt es als Eintrittskarte in die höheren Dienste, die Rechtschreibung zu beherrschen. Dieses wurde dann allen beigebracht. Dadurch konnten die Menschen schneller lesen lernen und auch das Schnelllesen kam. Durch die Rechtschreibung sind solche Dinge wie Enzyklopädien möglich – daraus entwickelten sich Wikis. Am Ende tritt die Rechtschreibung in den Hintergrund (sie ist aber mit knapp 60% das worauf die meisten Eltern in der Bildung ihrer Kinder Wert legen) und es können sogar Menschen ohne korrekte Rechtschreibung in die Universitäten und gehobene Laufbahnen erklimmen. Zusätzlich entstehen Programme, die die Rechtschreibung automatisch korrigieren. Texterkennungssoftware, Diktatesoftware usw.

Auch wenn eine Öffnung der Bildung an den Besitzständen der aktuellen Eliten rüttelt, so können sich diese doch weiterhin meist einen adäquaten Platz sichern, aber sie erlaubt der Zivilisation als Ganzes fortzuschreiten.
Sie erlaubt einen höheren Wohlstandsgrad für alle – und einen neuen Ankerpunkt, von dem man aus noch höhere Gefilde erklimmen kann.

Bringt man also durch eine Veränderung im System eine drastische Steigerung der Bildung hervor, so sollte man nicht zögern dies zu tun. Können nun auf einmal die zehnfache Menge an Diplomen vergeben werden, so ist das ein Gut.

Deswegen gewinnen solche Projekte auch Preise:
http://www.hertie-school.org/content.php?nav_id=2059
http://www.bildungsrepublik.de/

Und deswegen rufen Staatsoberhäupter auch regelmäßig die Bildungsrepublik aus.
(Es ist aber kein böser Wille, dass es nie gelingt, sondern einfach nur, weil sie auf das falsche Pferd setzen (nämlich auf institutionelle Bildung – wo Bildung doch individuell ist (*kopschüttelnder stichelnder Unschooler* :) ) )

Ich denke wir können durch konsequente Anwendung unserer Stärken (Web2.0, OpenAccess, Transparenz, wissenschaftlicher Diskurs) eine Bildungsrevolution ermöglichen.
Wir müssen nur die Handbremse lösen – die in meinen Augen heißt: Zu viel gut gebildete Menschen senken die Löhne für gut gebildete Menschen – da die Nachfrage begrenzt ist. Das gilt für heiße Würstchen oder Weberzeugnisse, aber nicht für Bildung.

Zuallerletzt will ich noch einen mir wichtigen Punkt bringen, den ich schon an einem anderen Punkt im Wiki geschrieben habe:

2.) Geld regiert leider nicht die Welt. Jeder, der einmal an einem Krankenbett von einem unheilbar kranken Menschen gestanden ist, oder ein traumatisiertes Kind erlebt hat, oder einen Tsunami wird dieses „leider“ verstehen. Es wäre schön, wenn man einfach einen gewissen Betrag auf den Tisch legen könnte und der Patient oder das Kind wäre geheilt, oder man wäre vor dem Tsunami gewarnt gewesen. Geld hilft nur da, wo die Forschung schon war. Nur Wissen und Forschung kann dem Geld und der Wirtschaft überhaupt einen Sinn geben. Sie entschärft nicht nur die Missstände (z.B. neue Energien, Medizin) sondern sie bringt auch neues (z.B. Internet) wobei sich soziale Neuerungen ergeben, die sich kein König jemals für alles Geld der Welt kaufen hätte können.

Lesen, Legasthenie und Unschooling,

Bis jetzt habe ich noch keine Unschooled-Legastheniker gefunden. Zusätzlich habe ich noch irgendwo gelesen, dass es so etwas auch nicht gibt (noch nicht).

Ich habe ein bisschen herumgeforscht und auch den Chopper beobachtet.

Es gibt ein schönes Bild auf Wikipedia, das Legasthenie ein bisschen erklärt:

Erscheinungsbild der Legasthenie nach ICD-10

Es gibt mittlerweile viele Bücher über Unschooling – oft wird darin das Malen gelobt und das Schreiben/Lesen kommt dann schon.

Ich habe sogar einen Text gelesen, in dem beschrieben wird, wie ein Junge erst mit 16 zu lesen beginnt (dann aber richtig).

Wenn ich Chopper beim Malen zusehe, dann sehe ich, dass er viele Formen verzerrt oder spiegelverkehrt oder einfach anders wiedergibt.

Erst später dann wird das Malen so, dass es eine vereinfachte aber topologisch korrekte Wiedergabe des Gemalten ist.

Ich denke, diese Malentwicklung und die damit verbundene Wahrnehmung eines Zeichens und seine Wiedergabe ähneln sehr stark der Legasthenie, wenn man statt Bilder Buchstaben (die ja eigentlich nur stark vereinfachte Bilder sind) nimmt.

Zusätzlich habe ich auch einen Film über Legasthenie gefunden, der darstellt, wie sich die Buchstaben verzerren, wenn man Legasthenie hat – dieser Film hat mich sehr an meine Autobahnangst erinnert.

Ich glaube also hier kommen zwei Sachen zusammen:

1.) Man hat noch nicht die Fähigkeit Symbole korrekt wahrzunehmen und wiederzugeben – dieses für Buchstaben

2.) Durch Erwartungen, Druck und Zwang ufert diese Unfähigkeit in Angst aus – dieses dann zu einer verzerrten Wahrnehmung und Überforderung

Beides zusammen ergibt Legasthenie.

Würde man einfach warten, bis der Lerner selber anfängt die Buchstaben zu lesen – oder zumindest, bis die Malentwicklung einen ausgereiften Stand erreicht hat – so würde sich keine Legasthenie ergeben.

Also müssen wir einfach unseren Kindern vertrauen und sie die Geschwindigkeit ihres Lernens vorgeben lassen. Und auf keinen Fall Druck ausüben oder erwarten, dass sie mit einem bestimmten Alter lesen.

Dieses kann besonders bei Spätsprechern (Late-Talkers) wie Chopper ins Auge gehen (was ich leider erfahren musste). Seitdem ich also aufgehört habe zu erwarten und Druck zu machen, fängt er von selber an zu schreiben (lesen nicht).

Man, mein Weg vom autoritären Motivator zum coolen Unschooler ist so weit, und er scheint gar nicht schnell genug gehen zu können. Mit den ganzen Erwartungen, die die Gesellschaft in die Kinder hat lässt man sich hinreißen diese erfüllen zu wollen.

Das sollte man auf keinen Fall tun. Die Kinder werden geboren um ihr eigenes Leben zu leben und nicht um ein Rentenanspruch von irgendjemandem zu sein.

Wie finanziert ihr euer Unschooling/Homeschooling?

Jojo. Immer wieder kommt die Frage… HS/US ist ja eine super Sache – aber wie und mit welchem Geld? Es reicht doch jetzt kaum hinten und vorne!

Lohnen tut es sich auf jeden Fall, das sehe ich zur Zeit ganz deutlich. Chopper dekoriert gerade die ganze Wohnung um und bastelt wie ein Weltmeister. Er fertigt Bücher an. Malt Geschichten. Bindet sie (mit dem Tacker :) )Fertigt aus Verpackungsmaterial Masken, dass man Angst hat die Wohnung zu betreten… und alles. Wir können gar nicht so viel Müll produzieren und Bastelmaterial heranschaffen, wie er verarbeiten kann. In solchen Augenblicken merkt man erst, wie ungezähmt die Kreativität des Menschen ist. Man merkt, wie alles, was ein Kind sieht, hört, riecht und schmeckt (ich übertreibe ;) ) in neue Formen gegossen wird und in welcher Form es reproduziert wird. Horden von Pädagogen könnten sich hier glücklich forschen. Der Kontrast zu diesem Befehlsbasteln schlägt so stark ins Auge, wenn um 21 Uhr noch einmal alles Bastelzeug ausgepackt wird und dann noch eine Stunde still vor sich hingebastelt, gemalt, verziert, geklebt und laut buchstabiert wird. Später setzt er sich noch mal an den Computer und beschlagnahmt das Schreibprogramm (GIO Keyboard) – ein paar Minuten später hört man ihn sagen: „Hey ich habe lesen gelernt“ (er hat die Wörter aus dem Kontextmenü vorgelesen).

Und dann Nami erst – die entdeckt die Sprache und hat immer eine coolen Spruch (meistens komplett widersinnig) auf den Lippen… oder ein Selbstgespräch… oder ein Telefonat… Die Sprache ist dabei total ungebunden und frei von allen Peer-Einflüssen. Sie Dickensed sich so durch (das ist umso spannender zu beobachten, da ich gerade die Pickwick-Papers und vorher Great Expecations genieße).

Und dann der kleine Sanji… Smiley… Dauergrinsen… unerschütterliches Vertrauen… selten nur ein kleines Weinen (wenn die Milch nicht zur rechten Zeit da ist), Liegestütz wie beim Militär.

Und wie sie dann alle drei zusammen spielen. Und dauernd lernen miteinander umzugehen. Und wie dann noch die Oma immer stärker eingebunden wird. Und wir mittendrin statt nur dabei. Es ist als ob man förmlich zusehen kann, wie die alte Struktur der Großfamilie sich wieder zusammenfügt.

Wenn ich mir die 3 so anschaue, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass Familie oder Lernen irgendjemanden belasten könnte auf dieser Welt. Besonders Lernen und Gestalten, immer wieder neue Sache herauszufinden scheint ihnen so viel Freude zu machen und diese Freude ist ansteckend, so dass man auch wieder lernen möchte. Und es hält sie den ganzen Tag auf Trab, so dass sie am Ende nur noch erschöpft ins Bett fallen um am nächsten Tag wieder von neuem zu beginnen.

Aber wie kann man mehr Menschen solch ein wundervolles Leben ermöglichen? Und wie macht ihr das schon heute? (und wer braucht selbstgemalte Bücher, Faschingskostüme u.ä.? – billig abzugeben ;) ).

Piraten-Partei-Programm-Check

Bitte ma alle Unschooler kurz hier gucken: http://wiki.piratenpartei.de/AG_Bildung#Homeschooling_.2F_Unschooling

Und mir ihre Meinung sagen :)

Hab isch was vergessen…. die Mühen haben sich bis jetzt gelohnt; die Piratenpartei haben verstanden, dass hier Menschenrecht und Menschenwürde systematisch gebrochen wird.

Schauen wir mal, wie es weitergeht.

(Bis jetzt kann ich die Partei empfehlen… das ist sehr basisdemokratisch… mit allen Vor- und Nachteilen – kein Wunder, dass Politiker für diese harte Arbeit Geld wollen)