an Amokläufen

Immer wieder finden sich Äußerungen, die späteren Täter seien in der Schule gemobbt worden, seien Opfer gewesen. Das ist objektiv nicht wahr. In der subjektiven Wahrnehmung werden allerdings kleine Hänseleien, die nicht gewusste Antwort oder die nicht erwiderte Zuneigung eines Mädchens, das ihn nicht beachtet, zu schwersten Kränkungen, die nach Jahren mit Hassphantasien und dem Tod beantwortet werden müssen. (Professor Doktor Britta Bannenberg)

Samuel Cartwright

Mich regt so eine Aussage so dermaßen auf. Eigentlich würde ich darüber lachen, aber da sterben wirklich Leute! Und die Ursachen werden nie behoben, weil ein paar Politiker und ihre Wissenschaftler bestimmte Lösungen aus ihrem Denken ausblenden.

Univ.-Prof. Dr. Britta Bannenberg

Professor Doktor Britta Bannenberg: "Amoklauf entsteht durch Hänseleien"

1851 diagnostizierte der Arzt Samuel A. Cartwright schwarzen Sklaven, die ihren Herren davonliefen die Krankheit Drapetomanie:

„If any one or more of them, at any time, are inclined to raise their heads to a level with their master or overseer, humanity and their own good requires that they should be punished until they fall into that submissive state which was intended for them to occupy. They have only to be kept in that state, and treated like children to prevent and cure them from running away.“

Samuel meinte weiterhin:

with „proper medical advice, strictly followed, this troublesome practice that many Negroes have of running away can be almost entirely prevented.“In the case of slaves „sulky and dissatisfied without cause“ — a warning sign of imminent flight —

Cartwright prescribed „whipping the devil out of them“ as a „preventative measure.“

Das Peitschen haben wir ja seit der Skinner hinter uns. Heute therapiert und diagnostiziert man und zwar so lange, bis der letzte Widerstand gebrochen ist und das Rädchen in die Megamaschine passt. Und ganz wichtig: Immer loben und belohnen.

Dennoch ist es schön, dass es auch heute noch Professoren gibt, die sich darauf spezialisiert haben die Schuld beim schwächsten Glied zu suchen.

Wo kämen die Chefs dieser Welt auch hin, wenn man ihre Institutionen kritisieren würde. Was damals für Baumwollfelder galt, gilt heute für Schulen und wird bald auch zur Regel für ARGes.

PS: Auf Wikipedia wird gemunkelt, dass sie eine sehr publicity orientierte „Forscherin“ ist.

PPS: Falls ich das Bild nicht verwenden darf (Frau Bannenberg / Kriminologin und Rechtswissenschaftlerin, aber keine Psychologin oder Pädagogin) bitte einfach übers Kontakt-Formular melden, dann mache ich eine Zeichnung.

Vor ungefähr 40 Jahren hat Buckminster Fuller angekündigt, dass wir uns innerhalb der nächsten 20 Jahre von den Schulgebäuden trennen müssten.

Buckminster Fuller hat gerne weit in die Zukunft extrapoliert und war ein Visionär schon in seiner Zeit.

Wir wissen alle, dass die Schulgebäude immer noch gebaut werden – größer denn je.

Aber trotzdem hatte Fuller nicht Unrecht, 5% der Amerikanischen Familien sind von den Dinosaurier-Schulen abgesprungen und setzen auf dezentrales Lernen.

Diese Fakten würde ich allen nicht sehr viel Wert beimessen, würden nicht jeden Tag neue Wissenschaftler die Seite wechseln und die Schule radikal in Frage stellen.

Und nun kam ein neuer Autor (nicht ganz so prominent wie Fuller), aber er stellte eine neue Behauptung auf. James Howard Kunstler behauptete vor Studenten: „In the future, there will no longer be centralized school districts, or as Kunstler calls them, „pupil sheds.“ Homeschooling will replace public schools, he noted.“ (In der Zukunft wird es keine zentralisierten Schulbezirke mehr geben, oder wie Kunstler sie nennt, „Schüler-Scheunen“, Homeschooling wird öffentliche Schulen ersetzen, merkte er an)

Ich verfolge die Entwicklung in den USA ziemlich genau und habe das Gefühl, dass die 20 Jahres-Frist neu gesetzt wurde. Als Buckminster-Fuller seine Vorhersage machte, kannte man keine andere Möglichkeit als die Ersetzung des Massen-Unterrichts durch ein hochqualitatives Kassettenfernsehen und Fernsehübertragung der besten Wissenschaftler, selbst in die ärmsten Slums dieser Welt.

Dann hat sich Homeschooling deprofessionalisiert. Privatlehrer wurden überflüssig. Eltern bemerkten, dass sie es selbst durchführen konnten und allein schon aus dem Vorteil der individuellen Betreuung einen Vorsprung gegenüber der industrialisierten Belehrung in Schulen erreichten.

Als nächste große Revolution war die Anwendung der neueren pädagogischen Erkenntnisse (Zone der nächsten Entwicklung, Intrinsische Motivation, Entlarvung der Probleme der extrinsischen Motivation). Diese Anwendung führte zu dem neuen Zauberwort Unschooling – das selbst den einfachsten Eltern mit praktisch keiner formalen Ausbildung oder Qualifikationsvorraussetzungen ermöglicht gute Ergebnisse zu erzielen, die auf Augenhöhe mit Homeschooling sind.

Mummy 1000Sunny

Chopper und Nami sitzen beide hinter mir im Zimmer und lesen Donald Duck Comics. Das heißt, sie schauen sich die Bilder an. Papa 1000Sunny und ich fragen uns immer wann es zumindest Chopper zu blöd wird und er anfängt den Text zu lesen. Denn er kann ja eigentlich schon lesen, aber er will nicht. Nicht einmal wenn er ein Papa ist, hat er uns schon mehrmals gesagt.

Jetzt hörte ich gerade ein freudiges „K—RR–A—CH  ——— KRACH!“ von hinten… hihi, der lernt das Lesen obwohl er aktiv auf keinen Fall lesen können will…Ich darf nur nicht laut kommentieren, sonst merkt er es. So muss ich also den Computer anschmunzeln und schnell diesen Minibeitrag schreiben, während der Rechner mir eine Riesen-Matrix berechnet… ;)

Ich hab ja nie bezweifelt, dass Kinder lesen lernen können, wenn sie es wollen, aber dass sie es alleine ohne Anleitung lernen obwohl sie es wirklich nicht lernen wollen…

Gestern war es endlich soweit. Chopper hat sein erstes Gericht ganz selbst gekocht: Nudeln mit Butter (Chopper: „Aber KEINE Spagethi“).

Datei:Glatte-rauhe Nudeln.JPG

Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Glatte-rauhe_Nudeln.JPG

Ich habe alles erklärt, aber nichts angefasst – es war seine Küche. Ich war danach ganz heißer – ich hätte nie gedacht, dass Nudeln kochen so kompliziert ist. Aber wenn man nicht gewöhnt ist mit heißen Sachen zu hantieren, dann muss viel und schnell erklärt werden.

Puuuuuh…. Danach durften wir alle von seinen Nudeln haben und sie waren so schnell weg. Und er war richtig stolz auf sich.

Heute hat er sie gleich wieder gemacht :) Schon ein bisschen selbständiger und mit weniger Anleitung.

Bin gespannt, ob es morgen schon wieder Nudeln gibt, aber seiner Begeisterung nach zu urteilen, dürfte das jetzt zwei Wochen so weitergehen… und dann 2 Wochen Reis :)

Heute hat ein anderer Blogger geschrieben, dass das Betreuungsgeld eine Herdprämie sei. Ich konnte nicht umhin ihm zu stecken, dass bei uns die Kinder das Ruder (oder besser den Herd) übernehmen und dass seine Ansicht „Frau am Herd kann nur durch totalen Kita-Ausbau verhindert werden“ veraltet ist.

Gerade haben wir One Piece angeschaut. Es war schrecklich!

Ich hätte alle 2 Sekunden die Pause-Taste und dann für 5 Minuten erklären können.

Ich habe aber nicht die Pause-Taste gedrückt und so musste ich die ganze Zeit ganz schnell erklären :)

Warum haben die Zeichnungen auf ihrer Kleidung? (Das sind japanische Schriftzeichen, die die Zugehörigkeit zur Marine erklären)

Was ist das? (Eine Frau) Nein, das ist ein Mann. (Nein, wirklich eine Frau – nur mit einer Riesen-Streit-Axt)

Was hat der da? (Er ist ein Magnet, das bedeutet er kann metallische Gegenstände anziehen)

Und was macht er jetzt? (Er stößt die metallischen Gegenstände ab, Magneten können auch abstoßen)

Ist das Chinesisch? (Nein, Japanisch – deswegen sind da lauter Inseln)

Was ist die Weltregierung? (Eine Vereinigung aus 170 Staaten, die eine gemeinsame Regierung haben)

Ich dachte die Regierung wäre gut? (Die meisten Regierungen wollen gut sein, geschafft haben es bis jetzt fast keine)

Was ist ein Roboter?

Wieso raucht der? (Der hat sich irgendwann dazu entschieden, außerdem ist es eine Zeichentrickfigur, der macht das nichts aus)

Kann der fliegen? (Nein, der ist aus Gummi und kann sehr weit springen)

Wieso geht der so schnell da rüber? (Der ist aus Licht und kann sich deswegen so schnell bewegen)

Wieso ist der aus Licht? (Die essen da bestimmte Früchte (Pika-Pika no mi) und diese verleihen ihnen besondere Eigenschaften)

und noch tausend andere Fragen.

Danach sprang Nami dann die ganze Zeit durch die Gegend: „Look I’m Ruffy“

Kinder, Kinder!

Das gute an One Piece ist, dass es wirklich alle möglichen Möglichkeiten enthält und dauernd um die ganze Welt führt. Es ist die optimale Serie für Unschooler :)

Mummy1000Sunny: „Ich bring Dich rüber zur Oma – ich fahr sowieso“

Chopper: „Bitte bring mich nicht rüber, sonst werde ich traurig sein und mit Dir mitfahren wollen…“

Also holt die Oma ihn wohl ab.

Ich finde es immer interessant, wenn die Leute Angst haben, dass irgendwann ein Newspeak kommt.

Manche denken anscheinend wirklich, dass über Nacht ein Lexikon-Schreiber und ein paar Minister die Sprache umschreiben und am nächsten Morgen alle diese lernen werden.

Es ist als ob die Leute dauernd Sylvester 1983 feiern und Angst haben, dass am Neujahrstag die Macht von einem totalitären Regime übernommen wird, so wie es Orwell beschrieben hat. Und dieses Regime wird dann auch freundlicherweise alle Begriffe aus dem Orwells Buch verwenden – so dass es auch wirklich jeder kapiert, dass jetzt ein totalitäres Regime herrscht.

Wahrscheinlich erwartet man sogar eine Zeitungsannonce, die ein paar Tage vor der Machtübernahme sämtliche Schritte ankündigt :)

Die wenigsten denken, dass Newspeak sich subtil über einen jahrzehntelangen öffentlichen Diskurs einschleichen wird. Der leicht manipuliert von Propagandisten langsam das Volk entmachtet und eine subtile, aber trotzdem totale Herrschaftsform etabliert. Und eine Sprache, die uns unfähig macht unsere Unfähigkeit und Machtlosigkeit zu artikulieren. Diese Sprache, und das ist der Witz, muss aus denselben Wörtern bestehen, wie unsere aktuelle Sprache. Nur diese Wörter müssen eine andere Bedeutung bekommen haben.

Ich nenne ein paar, die mir aufgefallen sind – und die mich selbst erschüttern, denn sie zeigen, wie tief empfunden unsere Ohnmacht ist, und wie weit der Weg ist, den wir zurücklegen müssen, um unsere Sprache wiederzugewinnen:

-Bewegung.

Bewegung wird heutzutage gleichgesetzt mit mechanischem Transport (Autos, U-Bahn, Aufzüge) – die andere Form von Bewegung findet in Fitness-Studios statt und zielt darauf ab, dass wir uns unserer Problemzonen unter Anleitung von Trainern widmen und uns Wellness-Einheiten kaufen. Wer würde bei Bewegung an den täglichen Fußmarsch durch die Arbeit denken? – nicht bei unserem Straßenverkehr. Denn die Städte sind um die Autos herumgebaut. Und die Entfernungen zur Arbeit und unseren Bestimmungsorten sind nach diesen Kriterien bemessen.

Wir wurden entmachtet zu Fuß zu gehen und uns ohne die Konsumierung von Waren (Tickets, Autos, Benzin, Trainer, Wellness) zu bewegen.

-Arbeit.

Arbeit ist heutzutage ein Angestelltenverhältnis (vielleicht auch noch Selbständigkeit) bei der man seine eigene Lebenszeit für die Erstellung von Produkten opfert, die sich Leute ausgedacht haben, die man nur vom Gehaltscheck kennt. Diese Produkte sind für andere Leute – Zielgruppen. Über die Werkzeuge und Produktionswege hat man keinen Einfluss und kann selber nichts bewirken. Nur in der Umgebung einer großen Firma „arbeitet“ man. Und auch nur, wenn man Gehalt bekommt – und auch nur solange man Gehalt bekommt.

Wer könnte sich vorstellen, zu Hause zu lesen und am Ende des Tages auf die Frage: „Was hast Du heute gemacht?“ zu antworten: „Ich habe gearbeitet“. Welches Elternteil könnte sich vorstellen nach einem Tag Erziehung zu sagen: „Ich habe gearbeitet“ Selbst der Programmierer, der zu Hause ein Programm entwickelt, würde nie behaupten er habe gearbeitet. Er hat vielleicht gehackt oder gecodet – aber gearbeitet hat er nur, wenn er diese Zeit in einer Firma saß und die Stunden als Arbeit zählen.

Arbeit ist somit auch zu einer Ware geworden. Es ist die Vermietung von Lebenszeiteinheiten, die sich in den Dienst der Produkterstellung stellen. Und es ist der Konsum von Bürostühlen und Büroluft in einer nach Zeitkontingenten verwalteten Welt. Seine eigenen Ideen zusammen mit seinen Nachbarn und der näheren Gemeinschaft zu verfolgen ist utopisch geworden.

Um Arbeit als Ware zu erhalten wurde uns die Lüge von der unendlichen Spezialisierung von Kindesbeinen an beigebracht. Die den Einzelnen mittlerweile so spezialisiert hat, dass er unfähig ist etwas von Wert zu entwickeln. Der traurige und kurzsichtige Blick über den Tellerrand selbst ist zu einem fast unerreichbaren Ideal geworden.

-Glück.

Zur Zeit fällt mir immer öfter auf, wo überall Glück darauf steht. Das fängt beim Kaugummi an. Am interessantesten ist die Eisdiele bei uns in der Nähe. Dort kaufen sich alle ihre kleine Portion Glück für 80 cent. Der Geruch dort ist von Kaffee und Zucker geschwängert und immer warm. Die Farben sind so bunt und die Auswahl ist für einen Moment riesengroß. Wenn der beglückte Kunde aber mit seiner Waffeltüte diese Traumwelt verlässt, dann sieht man nur einen zerknitterten und erschöpften Menschen, der abgespeist wurde. Von Glück ist weit und breit nichts mehr zu sehen.

-Freiheit.

Freiheit war einer der ersten Begriffe, die entführt wurden. Freiheit, das bedeutet Mobilität ohne Ende in einem Auto, das sich der Nachbar nicht leisten kann – und das einen Motor hat, der eigentlich für einen Armeepanzer dimensioniert ist. Freiheit das bedeutet eine Zigarette in den unendlichen weiten eines Canyons am Lagerfeuer. Die echte Freiheit, in der man die Verantwortung für seine Taten übernehmen muss und in der viele Gefahren liegen kann heute keinen mehr locken. In einer Welt in der Versicherungen jeden Schritt zu weit sanktionieren und in der alles außerhalb des Schutzes der eigenen Regierung als gefährliches Land wahrgenommen wird. Freiheit gibt es heute nur noch als lose Assoziation mit diversen Produkten, die nur die positiven Aspekte dieses schillernden Begriffes propagandieren und sich gar nicht gänzlich genug mit ihm verschmelzen können.

-Bildung.

Wenn jemand heute Bildung hat, dann kann er davon eine Photokopie machen und sie dem potentiellen Arbeitgeber zukommen lassen. Bildung, das bedeutet nicht mehr lesen, diskutieren, nachdenken. Bildung das bedeutet ein Diplom oder ein Zertifikat in einem großen industriellen Bildungsproduktionskomplex zu machen. So sagt der Student von Heute nicht, dass er ein Lernender sei und schon bald ein Gelehrter. Nein, er ist Hörer auf dem Weg zum Uni-Gebäude um an einer Vorlesungs-Veranstaltung teilzunehmen. Dieses Wissen bekommt er dann als Schein bescheinigt. Und die Lernleistungen von Schülern füllen in Zahlenform von 1-6 die schwarzen Bücher ihrer Lehrer. Nach dem erfolgreichen Konsum von genügend Bildungseinheiten werden dann für alle Konsumenten Bestätigungen ausgehändigt, die sie als Teil ihrer Lebensläufe per Brief herumschicken können.

Und so ist die Bildung das initialle Konsumententraining geworden. Hier werden wir alle vorbereitet auf ein Leben in totaler Hilflosigkeit und Abhängigkeit. Damit uns das nicht stört, ist jeder Trainingstag insbesondere der Zugehörigkeit zu einer Gruppe gewidmet.

-Leistung.

Das allerwichtigste bei den oben genannten Punkten ist aber immer noch die Leistung. Leistung das bedeutet nicht mehr das, was wir geschaffen haben. Die meisten Dinge sind ohnehin so komplex, dass die Leistung nur schwer zu messen ist. Leistung bedeutet auch nicht, wem wir damit etwas Gutes getan haben, oder ob es überhaupt gut war, was wir taten. Unsere Gesellschaft ist mittlerweile sowieso ein riesiges Nullsummenspiel. Was der eine gewinnt, das verliert der andere. Und wenn alle zuviel haben, wird die Schrottpresse angeworfen.

Leistung wird in Anwesenheit gemessen. Es ist egal, ob ein Lernender ein oder zehn Bücher liest. Es ist aber interessant, wieviele Vorlesungen ein Student besucht. Danach muss auch der Ausbau der Cafeteria bemessen werden. Es ist auch egal, ob ein Unternehmensberater ein gutes oder durchführbares Konzept erstellt hat – aber es ist interessant, wie hoch sein Tagessatz ist und wieviel Stunden er für das Geld „Vor Ort“ ist. Kurz gesagt Leistung ist der Konsum von Arbeits-Sitz-Plätzen oder Lern-Sitz-Plätzen.

So wird man heute auch nicht nach Leistung bezahlt, sondern nach erbrachter Zeit. Nur wenige Berufe konnten ihren Leistungsanspruch im Zeitalter der Zeitleistung retten.

-Gesundheit.

Gesundheit wird heute beim Arzt bescheinigt. Auch so die Krankheit. Konnte man vor 90 Jahren noch sagen: „Mir ist schlecht, ich leg mich hin und mach mir einen Wadenwickel“. So heißt es heute: „Ich glaube ich bin krank. Ich muss zum Arzt und mir ein Attest holen, dass ich jedem zeigen kann. Von der Leihbibliothek bis zum Arbeitgeber. Nötigenfalls der Krankenkasse oder dem Mann auf dem Sitzplatz im Bus, damit er ihn mir überlässt“ Durch diesen Konsum von Arzt-Zeit sind unsere Krankenkassenkosten explodiert und die Fähigkeit zur Selbstheilung oder der Heilung in der natürlichen Gemeinschaft erloschen und ersetzt worden durch den Konsum von Krankenhausbetten-Zeit.

-Qualität

Ob etwas gut schmeckt oder ungesund ist, dass messen wir mittlerweile an Zertifikaten vom DLG und Kennzeichnungen wie „Bio“ oder „Öko“. Bald kommt sogar noch ein Ampelsystem dazu. Ob etwas eine hohe Qualität hat oder nicht, dass hängt von dem Laden ab, der es verkauft und ganz besonders (ja sogar unendlich besonders) von der „Marke“. Auch die Verpackung hat einen immensen Stellenwert für unser Qualitätsbefinden gewonnen. (Vielleicht hängt das zu einen davon ab, dass wir spezialisiert wurden und uns somit jede Urteilsfähigkeit über alles außerhalb unseres Spezialgebietes abtrainiert wurde – schließlich sind wir überall anders eben keine zertifizierten Experten. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass wir eben daran gewöhnt wurden Zertifikate und kleine Bildchen höher einzuschätzen als das Gefühl auf unserer Zunge oder unserem Menschenverstand).

Und so kaufen wir uns die tollsten L.and.liebe und Lila-Kuh Produkte und fühlen uns trotzdem kein Stück befriedigter. Das Erlebnis eine Kuh zu melken wird uns auf Dauer versagt oder in tolle Abenteuerurlaube verpackt. Schließlich sind wir sowieso spezialisiert und sollen lieber Bits und Bytes umformen.

Das Fließband

Eigentlich wurde die Arbeit am Fließband größtenteils abgeschafft, da sie für menschenunwürdig und demotivierend befunden wurde. Auf der anderen Seite wurde die ganze Welt in ein riesiges Fließband verwandelt, wo jeder von uns nur einen kleinen Teil beitragen darf. Auf diesen kleinen Abschnitt des Fließbandes wurden wir nicht nur 2 Monate trainiert (wie beim guten alten Fließband). Nein, wir wurden darauf die ersten 20-30 Jahre unseres Lebens unter steter Daueraufsicht und Gruppenkontrolle (Peer-Review) konditioniert.

An diesem Fließband haben wir jede menschliche Mobilität eingebüsst und sind an unserer Stelle festgenagelt mit allen soziologischen Hilfsmitteln. Dieses Fließband trägt den klingenden Namen „Spezialisierung“ oder „Arbeitsteilung“. Im Geschichtsunterricht ist dies die erste große „Revolution“ die der Mensch gemacht hat.

Unschooling

Ich stehe auf und wehre mich. Ich mache Dinge für die ich nicht diplomiert wurde und unterlasse die Dinge, für die ich ein Diplom habe. Ich lerne selbst. Ich gehe selbst. Ich heile selbst – und wenn ich es nicht selbst kann, dann hole ich mir einen Arzt zur Hilfe. Aber nie kommt der Arzt vor dem Buch.

Unschooling ist eine Revolution, die das Fließband zwar unangetastet lässt. Aber sie ermöglicht jedem sich frei zu bewegen und sein eigener Herr zu werden. Frei von Fremdzertifizierungen.

Das ist die postindustrielle Revolution, die uns wieder bemächtigt unsere Traditionen zu finden und unsere Welt zurückzuerobern. Und wenn wir unsere Welt schon zurückerobern, dann können wir unsere Sprache auch wieder zurückgewinnen.

Aus Newspeak kann wieder Oldspeak werden. Eine Sprache, die nicht mehr nur auf die Slogans von Propagandisten, Populisten und Werbemachern reduziert ist.

Eine Sprache, die nicht von Jahr zu Jahr ihr neuestes Unwort aus einem Schwall von Sprachkörper-Verletzungen küren muss.

Es ist schon komisch. Kaum hatte der Mensch ein bisschen Ahnung und Intelligenz entwickelt, schon kamen die Hohepriester und reservierten und verstecken diese Erkenntnisse unter Ritualen und Mythen.

Später professionalisierten sich die Priester und Philister annektierten die Gestalt von Jesus und lehrten den wissbegierigen Menschen die Bibel – aber eben nicht mehr.

Dann sahen die weltlichen Herrscher, dass die Kirche irgendwie an Einfluss und Autorität verloren hatten und säkularistieren alles. Sie ersetzten die Interpretationshoheit der Priester oder der noch früheren Hohepriester durch die Interpretationshoheit des „Lehrplans“.

Es ist wirklich komisch und irgendwie traurig. Immer wenn die Leute mehr Intelligenz entwickelten und sich emanzipieren wollten, kam die nächste Machtinstanz daher und übertrug sich die Interpretationshoheit.

Oft habe ich die Hoffnung, dass es dieses Mal anders ist. Unschooling, die nächste Sprosse auf der Leiter der Emanzipation, demaskiert alle Lehrpläne und spottet über sie. Ein recht guter Ansatz endlich die Interpretationshoheit der Hoheiten abzuschaffen.

Die nächste Gegenreaktion wäre nun den Lehrplan direkt in die Umwelt zu kodieren. Also die „Kultur“ abzuspecken von allem, das die Augen öffnen könnte. Ob das gelingt ist fragwürdig. Allerdings ist es auch gelungen den Lehrplan über 2 Jhds aufrecht zu erhalten und er ist immer noch für viele ein Dogma – obwohl Gebildete Kreise heutzutage „Invarianz“ sagen :)

Dennoch Unschooling ist nicht irgendeine Bildungsreform. Es ist mehr eine Revolution. Und es ist nicht irgendeine Revolution, sondern es ist Die Revolution. Nach mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte, seit Entstehung der Intelligenz sogar, wird das erste Mal Aufklärung und Bildung ohne „Interpretationshoheit von Oben“ getrieben. Das kann Freiheit bedeuten. Sogar freie Gedanken, ein Gut, dass es nur in sehr kurzen Phasen der Geschichte gab und die immer sehr schnell von „Oben“ wieder beschränkt wurden.

Aber vielleicht kommt auch dieses Mal wieder ein Montgelas, ein Johann Gottlieb Fichte oder ein Horace Man daher und entwickelt eine Idee, wie man die Gedanken doch wieder unterwerfen kann. Und das würde bedeuten, dass die Menschen für einen weiteren geschichtlichen Zyklus an einen „Wohltäter“ gebunden ist.

Der Hohepriester, der uns vor den Naturgewalten beschützt und uns sagt, wann die Felder bestellt werden müssen. Die Priester, die uns vor der Hölle und der ewigen Verdammnis im Jenseits bewahren. Die Lehrpläne, die uns vor der Dummheit bewahren. All diese haben wir in einer langen Geschichte und durch das menschliche Grundbedürfnis nach Freiheit und Selbsteffektivität überwunden.

Die Abschaffung der Lehrpläne ist nicht irgendeine Reform. Es ist die Revolution, die alle anderen Revolutionen wieder aufnimmt und sie zu einem erfolgreichen Ende führt. Wenn wir das freie Lernen unserer Kinder mit dem Lernen im Staatsgefängnis vergleichen, dann können wir die Tragweite dieser Revolution spüren. Und wir können selbst erleben, was uns verwehrt wurde. Wir sehen, welche Art Mensch die Freiheit gebiert.

 

Vor kurzem wurde auf der PiratenBildungsliste eine Reader über Invarianzen (als Unveränderbarkeiten der Schulorganisation) gepostet (ein Produkt aus einem Seminar an einer deutschen Universität).

Ich fand das ganz interessant und habe mich dort erst mal mit dem Thema Lehrpläne beschäftigt.

Zunächst gefällt mir die Form des Seminars – es wurden Arbeitsgruppen mit der Ausleuchtung der Realität betraut und geschaut, ob man damit die Ausgangsthese widerlegen könne. Diese Teams arbeiteten sehr autonom und die Schlussbesprechung fand dann auch eher informell statt (sowei ich das beurteilen kann).

Beim Thema Lehrpläne konkret wurde nicht nur die aktuelle Fichte-Schule in allen Ländern verglichen, sondern es wurden auch Sudbury-Schulen und Homeschooling (sogar Unschooling) in Augenschein genommen. Während die Fichte-Schul-Teams natürlich nur auf ein eindeutiges Ja-Lehrpläne-Sind-Wichtig kommen können, sieht es bei den beiden anderen Teams schon ganz anders aus.

Sudbury und auch Homeschooling reduzieren das unumschränkte Ja zu Lehrplänen in ein: „Am Ende müssen die Leute aber doch gesellschaftlich verwertbare Fähigkeiten haben und diese werden in Lehrplänen festgeschrieben“.

Am Ende gab es halt immer die staatlichen Tests.

Was mir ein bisschen fehlte war Vygotskij – Frau Montessori war zwar vertreten, aber eben nicht die moderne Sicht auf das Lernen, die Vygotskij repräsentiert. Nun gibt es allerdings ja auch keine Vygotskij-Schulen, dennoch muss die Behauptung einer Invarianz immer auch das theoretisch Mögliche in Betracht ziehen. Da aber Unschooling dabei war und dieses auf dem theoretischen Fundament von Vygotskij fusst kann man hier ein Auge zudrücken.

Was mir noch fehlte, waren die Homeschooling Praktiken anderer Länder. So ist z.B. Texas sehr frei. Dort gibt es eigentlich keine Regeln, man meldet sein Kind ab und fertig – wie berührt das die Invarianz-These? (e.g. sparkling martins)

Ein anderer Punkt sind immer mehr Universitäten in den USA, die keine Tests mehr von Homeschoolern verlangen. Man braucht auch kein Highschool-Diplom mehr um sich dort zu bewerben. Es genügt die Einreichung eines Portfolios, das den aktuellen Fähigkeitsstand wiederspiegelt. Dieses wird von einem Komitee bewertet und so wird man zugelassen (Unschooler werden meines Wissens immer zugelassen). Wie berührt diese Erkenntnis die Invarianz-These?

Zusätzlich gibt es ja mittlerweile Mailinglisten von „Unschooling-Offspring“, also Kindern, die Unschooler sind und mittlerweile auch erwachsen. Viele von diesen haben sich ohne irgendwelche Diplome selbständig gemacht und üben interessante Berufe aus. Einer von ihnen auf dieser Liste rät jedem eine Firma zu eröffnen – andere haben andere Lebenswege gefunden. Wie berührt das die Invarianz-These?

Es ist natürlich schwer, all diese neuen Wege in ein Seminar unterzubringen und für jede eine Arbeitsgruppe zu bilden – dennoch sind diese Arbeitsgruppen sehr weit gekommen, in Anbetracht der Tatsache, dass in Deutschland Bildung von Unten totgeschwiegen wird und mit absurden Tabus belegt wird.

Es ist einiges zu hoffen, wenn der Nachwuchs nun sogar schon an den Unis über diese neuen Möglichkeiten erfährt.

Eine letzte Frage stellte sich mir an diesen Abschnitt der Arbeit: „Wie sieht die neue Vorgabe für Lehrpläne konkret aus?“

Meine These: Lehrpläne sollen weiterentwickelt werden (an Universitäten), und Schulen soll freigestellt werden ob und inwieweit sie ihn adaptieren.

Eine „Vergleichbarkeit“ der Abschlüsse kann man auch ohne Lehrpläne hinkriegen, soviel ist sicher (wenn jemand aus der Gruppe wissen will wie, dann können wir gerne diskutieren).

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